USA, Iran, Nordkorea, Atomwaffen und Atomkraftwerke


Veröffentlicht am 21.09.2005 in der Kategorie Krieg & Frieden von Axel Mayer

USA, Iran, Nordkorea, Atomwaffen und Atomkraftwerke



An die Medien

Die mögliche Bedrohung durch iranische und nordkoreanische Atomwaffen beschäftigt in diesen Tagen Medien, Politik und Öffentlichkeit. Nach Ansicht des BUND RV wird in dieser Debatte der enge Zusammenhang zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomenergie zu wenig beleuchtet. Aus diesem Grund senden wir Ihnen eine Hintergrundinformation mit der Bitte um journalistische Verwertung.

Axel Mayer

Hintergrundinformation: Atomwaffen, Atomkraftwerke, Atomkraftwaffen


Ein schwerer Atomunfall im AKW Fessenheim, Biblis, Leibstadt oder anderswo kann einen Teil Zentraleuropas dauerhaft entvölkern und hunderttausende von Opfern fordern. Explodieren wie eine Atombombe können diese Atomkraftwerke aber nicht. Atomexplosionen sind "nur" bei einem Plutoniumreaktor vom Typ "schneller Brüter" möglich.

Dennoch zeigen die aktuellen Vorgänge im Iran und Nordkorea den, gerne verdrängten, engen Zusammenhang zwischen der sogenannten zivilen Nutzung der Atomenergie und der Atombombe.

Nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki begann die weltweite Kampagne "Atome für den Frieden", die von den unmenschlichen Folgen dieser Kriegsverbrechen ablenken sollte. Auch hinter dem gefährlichen Traum von der so genannten "friedlichen" Nutzung der Atomenergie in Frankreich, Deutschland und der Schweiz stand ursprünglich der Wunsch nach eigenen, nationalen Atomwaffen.

Heute wird die Welt von den Atomwaffen der folgenden Staaten bedroht:

• USA • US-Atomwaffen in Europa (NATO) • Großbritannien • Frankreich • Russland • China • Indien • Pakistan • Israel

Unter Verdacht, Atomwaffen zu besitzen oder zu bauen, stehen

• Nordkorea • Iran

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden weltweit erfreulich viele Atomwaffen abgerüstet. Doch mit dem "modernisierten" verbleibenden "Rest" könnte die ganze Menschheit immer noch mehrfach ausgerottet werden. Die Überlegungen der Militärs in den USA, mit so genannten kleinen Atombomben (Mininukes) beschränkte Kriege zu führen, verstärkt die Gefahr eines weltweiten Atomkrieges erneut. Gerade der aktuell diskutierte Entwurf für eine neue Verteidigungsdoktrin der USA enthält die Forderung für den Einsatz von Nuklearwaffen. Massenvernichtungswaffen sollen demnach präventiv zur Abschreckung vor der Nutzung von Massenvernichtungswaffen dienen.

Um so deutlicher muss die Forderung sein, Atomwaffen weltweit abzuschaffen. In Deutschland heißt das nach Ansicht von BUND Geschäftsführer Axel Mayer zuerst die verbliebenen amerikanischen Atomwaffen an den US-Stützpunkten Rammstein und Büchel nicht mehr länger zu dulden und zu verschrotten. Über 60 Jahre nach Kriegsende sollten die Unterwerfungsgesten gegenüber den USA endlich abgestellt werden.

Doch dann bleiben immer noch die Atomkraftwerke, die mit längerer Laufzeit immer unsicherer und gefährlicher werden. Bei einem Unfall, einem Flugzeugabsturz oder einem jederzeit möglichen terroristischen Anschlag auf ein großes AKW würde die Radioaktivität vieler hundert Hiroshima-Bomben freigesetzt.

Das noch größere Problem ist die Gefährdung allen Lebens mit der weltweiten Verbreitung von Atomkraftwaffen durch den Bau von Atomkraftwerken, Urananreicherungsanlagen und dem Schwarzmarkt für Plutonium. Wieso haben Länder wie Pakistan und Israel Atomwaffen? Weil sie mit Hilfe der "friedlichen Nutzung der Kernenergie" Mittel und Wege gefunden haben, Atomkraftwaffen zu bauen. Und jedes alte und neue AKW (auch der neue Siemens Euroreaktor EPR) vergrößert die Gefahr für den Weltfrieden. Deutlich wird diese Gefahr auch beim aktuellen Streit um das iranische / nordkoreanische Atomprogramm und die iranische /nordkoreanische Atombombe. Doch der erhobene Zeigefinger in Richtung Nordkorea und Iran gilt nicht, wenn hinter diesem Zeigefinger eigene Atomwaffen, AKW und Urananreicherungsanlagen stehen. Woher kommt die Anmaßung der Atomstaaten, anderen Ländern das verbieten zu wollen, was sie selber haben? Wie der Kolonialismus lässt sich eine weltweite atomare Zweiklassengesellschaft auf Dauer nicht aufrecht erhalten. Wer im eigenen Land AKW betreibt, Atomkraftwerke länger laufen lässt, wer heimlich auf den Bau neuer Siemens Druckwasserreaktoren spekuliert, liefert dem Rest der Welt gute Gründe, neue Atomkraftwerke und Atomwaffen zu bauen, fördert die Proliferation und gefährdet so diesen Planeten und alles Leben. Aus diesen Gründen fordert der BUND auch den schnellen, nationalen und internationalen, Ausstieg aus der Gefahrtechnologie Atomenergie.

Bei den Atomwaffen zeigt sich auch die Schizophrenie der UNO-Organisation IAEO. Die IAEO ist eine geschickt aufgebaute Tarnorganisation der Nuklearindustrie. Das Ziel der IAEO wurde bei der Gründung folgendermaßen definiert: "Ziel der Organisation ist es, den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand auf der ganzen Welt rascher und in größerem Ausmaß wirksam werden zu lassen. Sie stellt soweit als möglich sicher, dass die von ihr geleistete Hilfe nicht zur Förderung militärischer Zwecke verwendet wird."

Einerseits soll sie die militärische Nutzung der Atomkraft verhindern, andererseits fördert die IAEO als UNO-Organisation aber indirekt die Proliferation, die Weiterverbreitung von Atomwaffen durch den Bau von AKW in immer mehr Ländern. Atomkraftwerke und Atomwaffen sind die jeweils andere Seite der gleichen Medaille, auch wenn die PR-Industrie der Atomlobby alles versucht, diesen Zusammenhang zu leugnen.

Axel Mayer

(Sie haben sich in diesem Beitrag über den ungewöhnlichen Begriff der Atomkraftwaffen gewundert? Er führt zusammen was zusammen gehört und was eine geschickte Werbung zu trennen versucht)

Mehr Informationen zur Atomenergie




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Insgesamt lagen die Militärausgaben der 29 NATO-Mitgliedsstaaten 2019 bei etwa 1.035 Milliarden US-Dollar (circa 958 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Russlands Ausgaben lagen im selben Jahr bei 65,1 Milliarden US-Dollar.
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Mit den zusätzlichen Rüstungskosten in einem einzigen Jahr ließe sich die Grundrente fast drei Jahre finanzieren. Aber für die Grundrente ist "kein Geld" da, sagen Konservative & Liberale.
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