thetext
druckenSeite zurück     druckenDiesen Artikel drucken (Druckansicht)

Gelber Sack zu dünn: Vermüllung von Gemeinden und Natur bei Sturm & Wind


Gelber Sack in Sturm & Wind: Vermüllung durch zu dünne Gelbe Säcke


Gelber Sack in Sturm & Wind: Vermüllung durch zu dünne Gelbe Säcke



Die Winterstürme im Januar 2018 brachten erneut eine massive Vermüllung
von Stadt, Land, Fluss und Meer. Trotz Sturmwarnung wurden die gelben Säcke vor die Türen gestellt. Die viel zu dünnen Säcke waren am Morgen nach der Sturmnacht zerfetzt und der Inhalt in allen Straßen verstreut. Es ist einfach unvernünftig, trotz Sturmwarnung gelbe Säcke vor die Tür zu stellen.

"Der Kunststoffverbrauch in Deutschland liegt bei 10,1 Mio. t. Das sind 2,6 Prozent (%) beziehungsweise 4,6 % mehr als im Jahr 2013. Im gleichen Zeitraum nahm die Menge der Kunststoffabfälle um 4,23 % auf 5,92 Mio. t zu" schreibt das Umweltbundesamt im Jahr 2017.

Der größte Einsatzbereich für Kunststoffe bleiben die Verpackungen. 35,2 % der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe wurden 2015 hier eingesetzt. Ein Teil dieser Abfälle wandert in den Hausmüll, ein Teil geht in´s Duale System, also in den gelben Sack. Die echte Recyclingquote ist noch beschämend gering und der bisherige, jetzt vom Abnehmer endlich gestoppte Plastikmüllexport nach China war mehr als peinlich. Doch wenn unser Abfall und Plastikmüll tatsächlich größtenteils über die Graue Tonne und den gelben Sack "entsorgt" wird, dann stellt sich doch die Frage, warum auch in Deutschland Stadt, Land, Fluss und Meer mit Abfällen und Plastik zugemüllt werden.

Jährlich verenden etwa 1.000.000 Seevögel und 100.000 Meeressäuger durch den Kontakt mit Plastikmüll. In weiten Teilen des Meeres gibt es mittlerweile 6 mal mehr Plastik als Plankton.

Ein von uns ausgehender Grund für diese Vermüllung sind die generell zu dünnen gelben Säcke. Die Ausrede des Dualen Systems für das schnell zerreißende dünne Material ist die Angst, "dass eine bessere Qualität von gelben Säcken" zu einem "Missbrauch" für andere Verpackungszwecke führen könnte. Wenn wir mit einer besseren Qualität der gelben Säcke die Vermüllung von Stadt, Land, Fluss und Meer mit Abfällen und Plastik verhindern könnten, dann dürfen wir die Ausrede des Dualen Systems nicht gelten lassen. Das Duale System spart an den Kosten, die enormen zusätzlichen Kosten aufplatzender Säcke für die Stadtreinigung zahlen die SteuerzahlerInnen.

Eine wichtige Quelle des Mülleintrages in die Landschaft ist die Tatsache, dass Menschen trotz Sturmwarnung ihre dünnen gelben Säcke vor die Tür stellen. Hier zeigt sich auch eine massive Entfremdung vieler Menschen von den Naturgewalten. Der Zusammenhang zwischen Sturm und drohender Vermüllung wird einfach nicht gesehen. So brachten die Winterstürme im Januar 2018 erneut eine massive Vermüllung von Städten und Gemeinden und trotz umfangreicher Reinigungsarbeiten wandert immer noch ein Teil des Mülls in Landschaft und Gewässer.

Die Abfallwirtschaft müsste den Druck auf das Duale System erhöhen, damit die gelben Säcke reißfester werden. Gleichzeitig braucht es eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, damit die gelben Säcke an Sturmtagen im Keller bleiben. Mehr Vernunft wäre auch nicht schlecht.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Eine Anfrage an´s Landratsamt Emmendingen aus dem Jahr 2013
Sehr geehrter Herr Landrat Hurth,

wer mit offenen Augen durch unsere Gemeinden und die Natur geht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Vermüllung ständig zunimmt. Ursachen dafür gibt es viele und Dummheit und Egoismus zählen gerade bei Zigarettenschachteln, Chipstüten, Wodka-Flaschen, Capri Sonne, Café to go und Pommes to go sicher dazu.

Andererseits gibt es auch Ursachen gegen die wir als Landkreis angehen könnten. Ich habe den Eindruck, dass über die Jahre hinweg die gelben Säcke immer dünner wurden. Am Abend liegen die gelben Säcke noch prall gefüllt und gut verschnürt am Straßenrand und am Morgen bietet sich manchmal ein desolates Bild. Die viel zu dünnen Säcke sind aufgerissen, der Inhalt auf Bürgersteig und Straße verstreut.

Das liegt sicher nicht an der Kreisverwaltung und der Abfallwirtschaft, sondern vermutlich am Dualen System Deutschland (DSD). Dort wird argumentiert, dass die schlechte Qualität der Säcke den „Missbrauch“ für andere Zwecke verhindert.

Das klingt zwar gut, aber die Kosten für die dadurch ausgelöste Vermüllung von Städten, Gemeinden und Natur trägt natürlich nicht das DSD sondern die Allgemeinheit. Der Film „Plastic-Planet“ zeigt die globalen Folgen in den Weltmeeren.

Hier einige Fragen zu diesem Themenkomplex, die gerne auch erst nach Ende der Ferienzeit beantwortet werden können:

  • Trifft es tatsächlich zu, dass die Gelben Säcke immer dünner werden?
  • Wenn ja, wer ist dafür verantwortlich?
  • Teilt die Verwaltung die Ansicht, dass ein Teil der Vermüllung auf die aufreißenden Gelben Säcke zurück zu führen ist?
  • Könnten Sie das Anliegen, die Säcke zu verstärken, an die Verantwortlichen weiterleiten, denn hier bewirkt sicher nur Druck Veränderung.

    Ich weiß, dass über eine Ablösung der Säcke durch Tonnen diskutiert wird. Wenn wir schon vorher wenigstens einen Teil der Vermüllung stoppen könnten, wäre das zumindest ein kleiner Fortschritt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Axel Mayer (für die Fraktion)
    Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
    <a href="http://www.mitwelt.com/gelber-sack-duenn-muell.html">Gelber Sack zu dünn: Vermüllung von Gemeinden und Natur bei Sturm & Wind</a>

    Weitersagen
    Delicious Twitter Facebook StudiVZ

    Dieser Artikel wurde 887 mal gelesen und am 29.1.2018 zuletzt geändert.