Pluton - Atomraketen im Elsass & in Frankreich 1993-2018 / Eine überwundene Gefahr für Baden-Württemberg und die Schweiz


Veröffentlicht am 22.08.2018 in der Kategorie Krieg & Frieden von Axel Mayer

Pluton-Atomraketen im Elsass und in Frankreich 1993-2018/ Eine überwundene Gefahr für Baden-Württemberg und die Schweiz

Vor 25 Jahren im Jahr 1993, verschwand "still und heimlich" eine der größten Gefahren für den Oberrhein, den Schwarzwald, für Baden-Württemberg und vermutlich auch für die Schweiz. Die französischen Kurzstrecken-Atomraketen im Elsass wurden abgezogen.

Wenn im Jahr 2018 die AKW in Fessenheim, Beznau und Leibstadt abgeschaltet würden, dann ginge ein erleichtertes Aufatmen (nicht nur) durch Baden-Württemberg. In den End-Zeiten des Kalten Krieges war den wenigsten Menschen die vergleichbare Bedrohung durch das – für den Fall der Fälle geplante – atomare "friendly fire" aus den Vogesen bewusst.

Sinnigerweise nach Pluton,
dem griechischen und römischen Gott der Totenwelt, waren die französischen Kurzstrecken-Atomwaffen benannt, die in Zeiten des Kalten Krieges den vorrückenden Feind (aus dem Osten) im Schwarzwald und in Süddeutschland (und vermutlich auch in der Schweiz) stoppen sollten.

Die Entwicklung dieser mörderischen Waffe
begann in den frühen 1960er Jahren und 1974 wurde das Waffensystem bei der französischen Armee eingeführt. Die fünf "grenznahen" Pluton-Artillerieregimenter verfügten über 120 Kurzstrecken-Raketen. Der Begriff "grenznah" ist wichtig, denn die Reichweite der Atomwaffen lag bei 120 km. Jede Rakete hätte in Süddeutschland, insbesondere im Schwarzwald, ein Gebiet von rund zehn Quadratkilometern zerstören können. Die Pluton-Raketen konnten mit zwei unterschiedlichen Gefechtsköpfen (15 Kilotonnen TNT und 25 Kilotonnen TNT) bestückt werden. ("Little Boy", die amerikanische Atombombe die am 6. August 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von etwa 13 Kilotonnen TNT.)

Die massive Bedrohung durch die Kurzstrecken-Pluton-Raketen
(nicht nur) in den Vogesen (Mailly-le-Camp, Laon, Suippes, Oberhoffen und Belfort) wurde auf der badischen Rheinseite im Kalten Krieg von der Bevölkerung gut verdrängt und beinah nicht wahrgenommen. Es gab trotz Protesten der badisch-elsässischen Umwelt- und Friedensbewegung und der GRÜNEN nur eine sehr eingeschränkte kritische Berichterstattung. Die uns alle heute noch bedrohenden US-Atomwaffen und Atombomben in Büchel (D) sind heute in der Öffentlichkeit ein ähnlich gut verdrängtes Thema.

Erst im Jahr 1993 wurden die Pluton-Kurzstreckenraketen verschrottet,
und diese massive Gefahr vom Schwarzwald, Baden-Württemberg und der Schweiz abgewendet, ein Erfolg, den wir wohl nur Michail Gorbatschow zu verdanken haben. Die Bewahrung des Friedens ist eine der zentralen Aufgaben der Umweltbewegung. Die gilt insbesondere in Zeiten, in denen CDU und CSU dem Druck des amerikanischen Rüstungslobbyisten Trump folgen und massiv aufrüsten wollen. Auch AfD und FDP sind für mehr Geld für´s Militär. Der Rüstungsanteil am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland liegt zurzeit bei 1,2 Prozent – bis 2020 soll der Verteidigungsetat von 34,3 auf 39,2 Milliarden Euro steigen. Um das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen, müsste Deutschland aber mehr als 60 Milliarden Euro (60.000.000.000) für das Militär ausgeben. Es passt in die zeitgemäßen Durchsetzungsstrategien, dass Parteien und Rüstungslobby lieber von 2% reden, als von jährlich zusätzlichen über 25 Milliarden Euro (25.000.000.000).

Das früher einmal realistisch geplante – atomare "friendly fire" aus den Vogesen zeigt den Ungeist des Kalten Krieges. Heute ist es notwendiger den je, einen Rückfall in diese dunklen Zeiten zu verhindern. Auch UN-Generalsekretär António Guterres warnte in seiner Neujahrsbotschaft 2018 vor den neuen Gefahren eines Atomkrieges.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Der Autor hat sich gemeinsam mit Solange Fernex, Jürgen Grässlin, Luise Teubner (MdB) und vielen anderen Menschen schon vor drei Jahrzehnten für den Abzug der Pluton - Raketen im Elsass engagiert.

Quellen:






Pluton - Atomraketen im Elsass & in Frankreich









Mitwelt Links zum Themenbereich Krieg, Frieden, neuer Kalter Krieg, Kapitulation in Afghanistan, nukleare Teilhabe & massive deutsche Aufrüstung


Aktuell & Wichtig:


Massive Aufrüstung in Deutschland 2020 / Rüstungsausgaben NATO - Russland
Insgesamt lagen die Militärausgaben der 29 NATO-Mitgliedsstaaten 2019 bei etwa 1.035 Milliarden US-Dollar (circa 958 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Russlands Ausgaben lagen im selben Jahr bei 65,1 Milliarden US-Dollar.
2019 gab es laut dem internationalen Friedensforschungsinstitut in Stockholm den höchsten Anstieg der weltweiten Militärausgaben seit 2010 auf weltweit 1.917 Milliarden US-Dollar. Das sind sind 2,2 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts oder rund 2.400 Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung. Mit einer Steigerungsrate der Militärausgaben von über 10 Prozent gegenüber 2018 ist Deutschland der aktuelle Aufrüstungsweltmeister.
Die Rüstungsausgaben der Bundesrepublik stiegen unter den größten 15 Rüstungsnationen weltweit innerhalb der Jahresfrist am meisten: Von 2018 bis 2019 um rund zehn Prozent auf 49,3 Milliarden Dollar.
Mit den zusätzlichen Rüstungskosten in einem einzigen Jahr ließe sich die Grundrente fast drei Jahre finanzieren. Aber für die Grundrente ist "kein Geld" da, sagen Konservative & Liberale.
Mehr Infos: Aufrüstung

Aktueller Neusprech-Einschub


Nukleare Teilhabe oder atomare, deutsche Dienstbotenschaft?
Im Kriegsfall müssen die "Teilhabe"staaten Nuklearwaffen unter US-amerikanischer Kontrolle einsetzen. Das Konzept der nuklearen Teilhabe sieht vor, dass die in den nichtnuklearen Staaten gelagerten Nuklearwaffen im Frieden stets unter US-Hoheit bleiben sollen und dass dies auch im Kriegsfall bis zu ihrer Zündung der Fall sein soll. Über die nötigen Codes verfügt demnach nur die US-Führung; sie unterliegen strengster Geheimhaltung.
Das was uns in Orwellschen Neusprech als Nukleare Teilhabe verkauft wird ist einfach nur ein mörderischer Dienstbotenjob!











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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag 1: Aktueller Corona-Einschub


Leider irrte Hölderlin als er schrieb:
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" Neben dem "Rettenden" wächst leider auch das Neurotische, die Gier & die Dummheit, Sündenbocksuche, private & staatliche Verschwörungstheorien und Sündenbocksuche (Trump, Murdoch, Bild-Zeitung...), Blockwart-Mentalität & die kleinen & großen Nationalismen...
Umso wichtiger ist der Dank an die vielen engagierten, solidarischen, helfenden Menschen, die in Corona-Zeiten nicht in mittelalterliches Denken & Handeln zurückfallen.
Corona zeigt auch die massiven Probleme von Gesellschaftssystemen, in denen die Gesundheitssysteme privatem Profitstreben unterworfen sind. Experten rechnen bis Ende Juli mit fast 150.000 Corona-Tote in den USA. Das libertäre amerikanische System der organisierten Gier versagt in Corona-Zeiten.

Nachtrag : iHuman - Ziemlich wichtiger Arte-Film


Seit Jahren beschäftigt und beunruhigt mich das Thema Transhumanismus, der organisierte Traum den menschlichen Menschen zu überwinden. Es ist die Idee mit Hilfe von Technikoptimismus, libertärem und neoliberalem Denken, Gentechnik, Nanotechnologie, Eugenik und künstlicher Intelligenz den „alten Menschen“ abschaffen und einen „neuen Menschen“ schaffen.
Der Film „iHuman“ von Tonje Hessen Schei zeigt, was Anhänger der künstlichen Intelligenz erträumen. Es ist eine nahe Zukunft, in der die Macht Maschinen gehört. Ein Albtraum und ein Thema, das die Umweltbewegung bisher verdrängt...
Hier geht´s zum Arte- Film iHuman verfügbar vom 20/04/2020 bis 19/07/2020