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Grand Ried Alsace 2018 - Das große Ried im Elsass: Beeindruckende, bedrohte Naturlandschaft



Grand Ried Alsace 2018 - Das große Ried im Elsass: Beeindruckende, bedrohte Naturlandschaft


Ried: Das Wort stammt vom alemannischen Wort "Rieht" und bedeutet Rohr oder Schilf.

Das große elsässische Ried ist das Überschwemmungsgebiet der nicht eingedeichten Ill. Ein Gebiet von fast 200 Quadratkilometern naturnaher Landschaft zwischen Ill und Rhein, zwischen Colmar und Straßburg. Eine faszinierende Landschaft aus feuchten, im Frühjahr überschwemmten Wiesen, kleinen Wäldern und Gebüschen. In den Auen des Ried und im Illwald kann man noch Vögel wie den Großen Brachvogel, die Rohrweihe, die Sumpfohreule und Tiere wie den Biber sehen. Am beeindruckendsten ist die Überflutungslandschaft der Ill in der Umgebung des malerischen Städtchens Schlettstadt und bei Muttersholtz.
Sélestat (Schlettstadt) war um das Jahr 1452 das oberrheinische Zentrum der Humanisten. Damals wurde auch die heute noch existierende Humanistenbibliothek gegründet. Ein Besuch der historischen Bibliothek lässt sich gut mit großen Spaziergängen und Wanderungen im Grand Ried verbinden.


Grand Ried Alsace - Weihnachtshochwasser 2012


„Gutes“ Hochwasser im elsässischen Grand Ried
„Hochwasser“: Bei diesem Wort denkt man zumeist an weggerissene Brücken und Straßen, an Kühlschränke, die im überfluteten Keller unter der Kellerdecke treiben, an Menschen, die in Köln sorgenvoll auf den ansteigenden Rhein schauen und an massive Sachschäden.

Nach dem Weihnachtshochwasser 2012 gibt es jetzt Anfang Februar 2013 im elsässischen Ried ein erneutes, außergewöhnlich starkes Hochwasser. Das Große Ried "Le Grand Ried" und der Illwald sind ein wertvolles, naturnahes Gebiet zwischen Straßburg und Colmar. Insbesondere um Séléstat und Muttersholtz sind Menschen und Natur an regelmäßige Überflutungen gewöhnt. Im Gegensatz zu den südbadischen Bächen Elz, Dreisam, Glotter und Kinzig wurde die französische Ill nicht zu einem geradegestreckten, kanalisierten, trostlosen, und naturfernen Kanal umgebaut, der Wasser schnell ableitet und flussabwärts das Hochwasser verstärkt...

Auch im Elsass gab es Eindeichungspläne für die Ill,
doch die französische Umweltbewegung hat sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt. Große Schäden bringen diese periodischen Normal-Überflutungen nicht, denn die kellerlosen Häuser wurden auf kleine Hügel gebaut und fast alle Bauten sind „hochwasseroptimiert“. Im Grand Ried kann man sehen, wie naturnaher Hochwasserschutz in seiner Idealform aussieht. Und das viele Wasser, das in der Ebene steht, entzerrt die Hochwasserspitzen am Rhein und läuft bei großen Hochwässern rheinabwärts den Menschen nicht in die Keller. Auch im Elsass kann ein Extremhochwasser Schäden anrichten, doch dies geschieht sehr selten.

In Deutschland und Südbaden
wurde in der Vergangenheit der umgekehrte Weg gegangen und versucht, das Wasser und die Natur zu bezwingen. Es wurde kanalisiert und es wurden (und werden) Wohngebiete in die alten Überflutungsflächen vom Rhein und seinen Zuflüssen gebaut. Das Bauen im Tiefgestade ist auch ein wichtiger Grund für den Widerstand gegen die Versuche im Rahmen des Integrierten Rheinprogramms IRP, Naturschutz mit Hochwasserschutz zu verbinden. Dazu kommt häufig die deutsche Angst vor Unordnung (auch) im Wald.

„Elsässische Verhältnisse“ sind in Südbaden nicht mehr zu realisieren.
Doch könnten die landschaftsprägenden Gewässer unserer Heimat durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch Dammrückverlegungen ökologisch aufgewertet und ein Stück weit renaturiert werden. An Elz und Dreisam gibt es ermutigende Schritte in die richtige Richtung. Die "kleine Schwester" des Grand Ried sind die badischen Elzwiesen auf der deutschen Rheinseite.

Wiesen sind in Europa besonders bedroht
Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften, Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft. Aus zwei mal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Diese Entwicklung zeigt den besonderen Wert des Grand Ried im Elsass.


Es lohnt sich sehr, die stille, weite, schöne, (manchmal) überflutete Landschaft des Grand Ried (am besten per Rad) zu besuchen, Natur, Landschaft und die Vogelwelt zu bewundern und zu sehen, wie Naturschutz und Hochwasserschutz zusammen gehören.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer



Grand Ried Alsace



Das große Ried im Elsass: Eine beeindruckende Naturlandschaft

Fotos & Text: Axel Mayer



Leider notwendiger Nachtrag
"Das elsässische Grand Ried ist ein naturnahes Kleinod in der aufgeräumt-ausgeräumten, zersiedelt-zerschnitten Landschaft der elsässischen Rheinebene mit ihren Straßen, Autobahnen, der Hypermarche(un)kultur, ausfransenden Städten und zunehmender Vermaisung. Die wenigen erhalten gebliebenen, historischen Altstädte, das Grand Ried und die restlichen Naturschutzgebiete im Elsass und auf beiden Seiten des Rheins verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.“

Und selbst das Grand Ried ist immer stärker bedroht
Die, einem massiven Globalisierungsdruck ausgesetzte Landwirtschaft will die endgültige Vermaisung der elsässischen Rheinebene durchsetzen und drängt auf eine Eindeichung der Ill. Die jetzt schon erfolgten Begradigungen und Eindeichungen am südlichen Oberlauf der Ill und der darauf folgende Umbruch von Wiesen und die Umwandlung in eine Maissteppe verstärken die Hochwasser im Grand Ried. Aus einer Naturlandschaft wird ein Naturmuseum...
Axel Mayer





Infosammlung 2018: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein




Das heftige Hochwasser im Schwarzwald und an der Elz und Dreisam in der ersten Woche im Januar 2018, zeigte wieder einmal deutlich den wichtigen zweiten Aspekt der Renaturierung unserer Flüße, den Hochwasserschutz. Zumindest ein kleiner Teil des Hochwassers wurde zurückgehalten und gebremst. Angesichts der sichtbaren Erfolge für Mensch und Natur ist der Widerstand gegen die Renaturierung anderer Flußabschnitte und gegen die ökologischen Aspekte des Integrierten Reinprogramms immer unverständlicher.











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Dieser Artikel wurde 4281 mal gelesen und am 13.1.2018 zuletzt geändert.