thetext
druckenSeite zurück     druckenDiesen Artikel drucken (Druckansicht)

Elzwiesen 2018: Schöne bedrohte Natur- und Wiesenlandschaft am Südlichen Oberrhein


Elzwiesen 2018: Schöne bedrohte Natur- und Wiesenlandschaft am Südlichen Oberrhein


Inmitten der auf- und ausgeräumten Landschaft am Oberrhein, in der nach und nach ein durchgehendes Siedlungsband entlang der Vorbergzone entsteht, gibt es noch ein schönes, großes naturnahes Wiesengebiet. Die Elzwiesen zwischen Kenzingen, Rheinhausen und Rust sind ein Landschafts- und Naturschutzgebiet das aus einer alten Bewirtschaftungsform (Wässerwiesen) entstanden ist. Die stille Wiesenlandschaft entlang der Elz ist ein wichtiges Brutgebiet für gefährdete Vogelarten und ein Rast- und Nahrungsgebiet für durchziehende Vögel.

Wiesen sind besonders bedroht
Im Jahr 2017 waren knapp zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Biotope gefährdet - wenn auch in unterschiedlichem Maße. Besonders dramatisch ist die Situation beim Grünland. Hier hat sich die Situation seit der letzten Fassung der Roten Liste von 2006 noch einmal deutlich verschlechtert.
Die Hauptursache für das Sterben von Insekten, wie Schmetterlingen und Bienen, ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften, der Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft. Aus zweimal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Diese Entwicklung zeigt den besonderen Wert der Elzwiesen.

Für die Wässerung der Elz-Wiesen war und ist ein komplexes System aus Stellfallen und Wässerungsgräben nötig.
So funktioniert die Wiesenwässerung des Wasserverbands Elzwiesenwässerung:
    - Zuerst wird die Elz im Süden gestaut.
    - An den Einlass-Schleusen wird Wasser aus der Elz entnommen und in zwei Elz-parallelen Hauptwässerungsgräben geführt und angestaut.
    - Von den Hauptwässerungsgräben wird das Wasser über die kammartig abgehenden Seitengräben für etwa
    zwei Tage über die Wiesenflächen verteilt.
    - Die Gewanne werden nach und nach von Süd nach Nord gewässert. Jede Wässerungsphase erstreckt sich
    daher über mehrere Wochen.


Sofern die Elz ausreichend Wasser führt, wird in den Elzwiesen dreimal im Jahr gewässert: im Frühjahr (März)
im Sommer (August) und im Spätherbst (November). Wird im zeitigen Frühjahr gewässert, setzt das Pflanzenwachstum früher ein. Eine Wässerung im Sommer ermöglicht auch in Trockenphasen eine zweite Mahd der Wiesen.

Das Gebiet wurde per Verordnung am 6. November 1990 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es hat eine Fläche von 410,8 Hektar.
Der Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:
„Die Erhaltung eines großflächigen Wiesengebietes in der Elzniederung, mit einem naturnahen Flussabschnitt der Alten Elz im südlichen Bereich,
  • als kulturhistorisches Dokument einer alten Bewirtschaftungsform (Wiesenwässerung) mit noch ursprünglichen wasserbaulichen Anlagen;
  • als Lebensraum für mehrere seltene und gefährdete Tierarten, insbesondere von in den Wiesen brütenden Vogelarten.
  • Schutzzweck ist auch die Erhaltung der Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie wie Fließgewässer mit flutender Wasservegetation und magere Flachland-Mähwiesen, die Gemeine Flussmuschel, die Helm-Azurjungfer, der Große Feuerfalter, der Große Brachvogel sowie mehrere hier als Durchzügler oder Wintergäste vorkommende Zugvögel, insbesondere Wat- und Greifvogelarten.“


Der Druck auf die letzten Naturschutzgebiete am Oberrhein und die Elzwiesen wächst
Die Verrummelung des Feldberges und des nahe gelegenen Taubergießen überträgt sich auch auf die Elzwiesen. Die letzten naturnahen Gebiete ziehen auch Besucher an, und hier gibt es immer wieder Probleme. Das Einfahren ist nur für Bewirtschafter erlaubt. Tatsächlich aber fahren viele Besucher mit dem Auto übers Ringsheimer Sträßle ins Naturschutzgebiet. Sie lassen Hunde frei laufen und sie verlassen auch die Wege. Das ist nach der Schutzgebietsverordnung nicht erlaubt und bedroht die Wiesenbrüter. Im Norden grenzen die Elzwiesen an die laute, "schöne, neue Plastikwelt" des Europa-Parks in Rust.

Die wenigen, erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen, viel zu kleinen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.

Es gibt zwei Ansätze diesen Zielkonflikt zu lösen:
  • Mehr Besucherlenkung und Verbote um die tatsächlich bedrohten Arten und Biotoptypen zu schützen
  • Mehr Naturschutzgebiete zu schaffen um den Besucherdruck zu verteilen


Der gegen unglaubliche Widerstände durchgesetzte Nationalpark Nordschwarzwald und die erfolgreichen Renaturierungsmaßnahmen an Elz und Dreisam zeigen den Weg.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer und Kreisrat im Landkreis Emmendingen



Elzwiesen: Natur am Oberrhein


Und die schöne neue Plastikwelt des Europapark Rust im Norden...




Infosammlung 2018: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein




Das heftige Hochwasser im Schwarzwald und an der Elz und Dreisam in der ersten Woche im Januar 2018, zeigte wieder einmal deutlich den wichtigen zweiten Aspekt der Renaturierung unserer Flüße, den Hochwasserschutz. Zumindest ein kleiner Teil des Hochwassers wurde zurückgehalten und gebremst. Angesichts der sichtbaren Erfolge für Mensch und Natur ist der Widerstand gegen die Renaturierung anderer Flußabschnitte und gegen die ökologischen Aspekte des Integrierten Reinprogramms immer unverständlicher.











Interessieren Sie sich für Naturschutzthemen am Südlichen Oberrhein?
Dann können Sie sich hier in den regionalen BUND-Naturschutz-Newsletter eintragen! Einfach das Motiv rechts anklicken und sich dann in die Mailingliste Naturschutz eintragen.










Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.mitwelt.com/elzwiesen-elz-naturschutzgebiet.html">Elzwiesen 2018: Schöne bedrohte Natur- und Wiesenlandschaft am Südlichen Oberrhein</a>

Weitersagen
Delicious Twitter Facebook StudiVZ

Dieser Artikel wurde 205 mal gelesen und am 9.1.2018 zuletzt geändert.