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Feldberg Schwarzwald 2018: Natur, Naturzerstörung,Schnee, Rummel, Schulden, neues Parkhaus & Klimawandel


Feldberg Schwarzwald 2018: Natur, Naturzerstörung,Schnee, Rummel, Schulden, neues Parkhaus & Klimawandel


Der Feldberg ist der mit 1.493 m höchste Berg in Baden-Württemberg
und immer noch einer der schönsten und eindrucksvollsten Berge im Schwarzwald. Noch gehören manche kleinen Teilgebiete des Feldbergs (insbesondere an Regen- und Nebeltagen!) tatsächlich zu den schönsten und wertvollsten Naturlandschaften Deutschlands, mit einer faszinierenden Hochgebirgslandschaft und mit einer einzigartigen Flora und Fauna.

Das Naturschutzgebiet am Feldberg
wurde schon am 11. Februar 1937 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es hat eine Fläche von 4.226,7 Hektar, davon fallen 2343,2 ha auf den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, den Landkreis Waldshut-Tiengen mit 1144,6 ha und den Landkreis Lörrach mit 738,9 ha.

Der Schutzzweck lautet:
„Durch die Ausweisung des Naturschutzgebietes soll der Feldberg mit den angrenzenden Bereichen erhalten werden


  • als bedeutsames Beispiel einer glazial überformten Mittelgebirgslandschaft,
  • als wichtiges Dokument der nacheiszeitlichen Naturgeschichte,
  • als aufschlussreiches Anschauungsmaterial der Landschafts- und Kulturgeschichte,
  • als vielfältiger Lebensraum für zahlreiche Tierarten und viele, zum Teil einzigartige Pflanzengesellschaften mit arktisch - alpinen, montanen und atlantischen Florenelementen sowie seltenen, z.T. vom Aussterben bedrohten Arten,
  • als hervorragendes Demonstrations-, und Forschungsobjekt für die Wissenschaft und
  • als Naturraum von besonderer Vielfalt, Eigenart und Schönheit.“


Es ist damit noch vor dem Naturschutzgebiet Wutachschlucht das älteste und zugleich vor dem Gletscherkessel Präg das größte Naturschutzgebiet in Baden-Württemberg. Seit 1989 wird es durch einen hauptamtlichen Naturschutzwart (Feldberg-Ranger) betreut. Seit 2001 obliegt die Schutzgebietsbetreuung dem Naturschutzzentrum Südschwarzwald im Haus der Natur auf dem Feldberg.
Quelle: Wikipedia


Doch gerade am Feldberg bestätigt sich, dass es weltweit ein Nivellierungsprinzip gibt, nach dem die wertvollen, einzigartigen Landschaften so lange vermarktet werden, bis aus Schönheit Mittelmaß (oder weniger) wird. Es gilt die Natur am Feldberg zu bewahren und zu beschützen und den Tourismus naturverträglicher zu gestalten. Ein "Rühr mich nicht an" - Naturmuseum Feldberg kann nicht das Ziel der Entwicklung sein. Wenn die Gesellschaft insgesamt nicht nachhaltiger wird, dann haben auch die letzten verbliebenen Naturnischen am "Höchsten" wenig Chancen.

Die Fortsetzung der jetzigen massiven Verrummelung, der Landschafts- und Umweltzerstörung am Feldberg, mit Schneekanonen, immer neuen Liften, Großparkhaus und Eingriffen in Naturschutzgebiete, kann so nicht weitergehen. Schneearme Winter, die angesichts des Klimawandels auch am Feldberg den Skibetrieb jahrelang verhindern können, sind jederzeit möglich. Es wird zukünftig einfach immer weniger Schnee in den tieferen Lagen geben. Wintersportorte in Lagen unterhalb von 1500 Meter werden in den kommenden Jahren mit großen Problemen konfrontiert sein, und wenn es zu warm ist, hilft auch die künstliche Beschneiung nicht. Ob die Gemeinde Feldberg das dauerhaft ökonomisch verkraften könnte, darf bezweifelt werden.

Wenn sich die Verrummelung auf den Feldberg beschränken würde, wäre das notfalls zu akzeptieren. Doch zwischenzeitlich gibt es eine zunehmende "Feldbergisierung" des ganzen Schwarzwaldes.

Axel Mayer / BUND-Geschäftsführer




Feldberg Parkhaus & neuer Sessellift, Klimawandel, Schulden & BUND-Kritik


Das neue, 15 Millionen Euro teure Parkhaus am Feldberg / Seebuck mit 1200 Plätzen wurde am 9. Dezember offiziell eröffnet. Die Wetterprognosen sagten mitten im tiefen Winter nicht etwa Kälte und Schnee voraus, sondern Plus-Temperaturen.
Mitte Dezember und 3°Plus-Temperatur auf dem "Höchsten"? Vor dem Jahreswechsel 2015 -2016 kletterte das Thermometer auf dem Feldberg auf 12,5 Gradund bundesweit war es der wärmste Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Die winterliche Wärme und der Wassermangel für die Skikanonen im ganzen Schwarzwald, zeigen einen Teil der Probleme, auf die der BUND und die Umweltbewegung immer wieder aufmerksam gemacht hatten.

Nachtrag
Fest steht jedoch, dass die Gemeinde dem Parkhaus-Investor diesen Winter (2015-2016) nicht die garantierte Summe von 800.000 Euro bezahlen kann. Schuld daran ist der verspätete Winter, denn der Parkhaus-Fonds wird durch die – gerade verteuerten – Lift-Tickets finanziert.
Quelle: /www.badische-zeitung.de


Wird sich das teure Parkhaus in Zeiten des Klimawandels tatsächlich lohnen?
Ein besseres Parkplatzmanagment und vor allem ein Ausbau des ÖPNV wäre nach BUND-Ansicht unabdingbar gewesen um die Probleme anzugehen. Trotz mancher vergangener Schneewinter zeigt der warme Winter 2015 (bisher zumindest) im Schwarzwald die Probleme des menschengemachten Klimawandels.
Es wird auch zukünftig manchmal noch Schneewinter, generell aber einfach immer weniger Schnee in den Mittelgebirgen und im Schwarzwald geben. Wintersportorte in Lagen unterhalb von 1500 Meter werden in den kommenden Jahren mit großen Problemen konfrontiert sein, und wenn es zu warm ist, hilft auch die künstliche Beschneiung nicht.

Nach Eigenbeschreibung hat das Parkhaus ein "Satteldach im alpenländischen Stil" erhalten. In der Realität ist es, wie befürchtet, ein großer Klotz geworden, der die Scheußlichkeit mancher Innenstädte in die Natur verlegt hat.


Der Protest der Umweltbewegung und des BUND konnte den Bau des Parkhauses nicht verhindern. Er hat allerdings dazu geführt, dass sich das Land nicht mehr mit 3 Millionen Euro am Bau beteiligt hat, wie dies die frühere, schwarz-gelbe Landesregierung noch wollte.

Das finanzielle Risiko tragen also erfreulicherweise nicht mehr die SteuerzahlerInnen, sondern ein privater Betreiber und natürlich die Menschen der Gemeinde Feldberg. Die Gemeinde mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung im Land ist allerdings auch Feldberg (4580 Euro, Stichtag 31.12.2012. Laut Medienberichten schloss die Gemeinde Feldberg mit dem Betreiber einen Großkundenvertrag und garantiert Einnahmen von mindestens 800 000 Euro und höchstens 1,2 Millionen Euro pro Skiwinter.
Dazu kommt der neue Sessellift in Zeiten des Klimawandels am Feldberg. 10,5 Millionen Euro brutto kostet das Großprojekt, das bei warmem Wetter im Dezember 2015 eingeweiht wurde.
Wir sind gespannt auf die nächsten Winter... Die Anzahl der Stellplätze mit Lademöglichkeit für Elektroauto im neuen Parkhaus = 0 (Null!).

Der Feldberg zeigt spiegelbildlich die Probleme der Welt im Kleinen. Da ist eine kleine Gemeinde in einer der schönsten Landschaften dieses Landes. Eine extrem verschuldete Gemeinde, die einer zutiefst zerstörerischen Wachstumsspirale folgend gerade dabei ist, dieses kleine Paradies mit einem gigantischen Parkhaus und immer neuen Liften zu zerstören. Wer mit offenen Augen die vielen kleinen und großen Bausünden auf dem Feldberg sieht, der erkennt, dass die Grenzen des Wachstums schon lange überschritten sind, doch damit ist der "Höchste" auf der Höhe der Zeit.


Axel Mayer / BUND-Geschäftsführer


Satirisch / Ernstgemeinter Nachtrag:
Haben wir die dynamische Gemeinde Feldberg und ihren agilen Bürgermeister Wirbser unterschätzt? In Zeiten des Klimawandels wird doch nicht "einfach so" ein 15 Millionen Parkhaus gebaut. Vermutlich liegen die Pläne für die weltweit größte Indoor-Skihalle schon in der Schublade. Das würde auch den Nicht-Beitritt des Feldbergs zum Biosphärengebiet Südschwarzwald und den geplanten sechsspurigen Autobahnausbau am Oberrhein erklären. Eventuell ist die große, grüne "Fun-Achse" Feldberg - Europapark Rust auch schon in Planung.

Hier gehts zu einem lesenswerten Beitrag über die Natur am Feldberg von Lena Ganschow
zum Artikel




Feldberg 2020: Ein „nachhaltiges“ Verkehrskonzept für den Feldberg?


Der große Streit um´s Geld für das Feldberg-Parkhaus hat dazu geführt,
dass der Rahmenplan Feldberg 2020 als Verkehrskonzept für den Feldberg entwickelt wurde. Die „Studie zur nachhaltigen Entwicklung der Sporttourismus-Destination“ wurde herausgegeben von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Am „Runden Tisch“ der dieses Konzept entwickeln und begleiten sollte,
waren die großen Naturschutzverbände wie der BUND nicht beteiligt und das merkt man dem unkritischen „Werk“ auch an. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ in der Überschrift des Konzeptes meint nur „nachhaltiges, dauerhaftes Wachstum“ und hat leider mit echter Nachhaltigkeit nichts zu tun.

Die zentrale Zukunftsfrage der Schneesicherheit am Feldberg in Zeiten des Klimawandels, wurde nur am Rande behandelt. Vermutlich lag die Nichtbehandlung dieses zentralen Zukunftsthemas an der Interessenlage der Auftraggeber.

Der übliche Weg, die Verkehrsprobleme am Feldberg anzugehen, wäre es gewesen, die Parkraumprobleme auf Gemeindeebene erst einmal selber zu regeln, gegen das ungeregelte, wilde Parken anzugehen, eine Verkehrslenkung zu versuchen und den ÖPNV auszubauen.
Wenn das nicht funktioniert, wäre ein tatsächlich kritisches, unabhängiges und wirklich nachhaltiges Verkehrskonzept der notwendige zweite Schritt gewesen. Und nach dem Ausbau des ÖPNV und der Verkehrslenkung hätte als Notlösung durchaus auch ein Parkhaus diskutiert werden können. Doch am Feldberg wird erst das teure Parkhaus gebaut und der dritte Schritt vor dem ersten getan.

Einen freundlich-kritischen Blick auf die Entwicklung am Feldberg warf am 8.2.2018 die
Süddeutsche Zeitung




Wolfgang Abel beschreibt in seinem lesenswerten Buch: "Südschwarzwald, 31 Leichte Entdeckungen" die Probleme von Naturschutz und Rummelplatz am Feldberg sehr treffend


[…] Wer allerdings in der schneefreien Zeit auf den Feldberg kommt, erlebt einen Berg, dem die Schutzdecke fehlt, dem die Spuren der Intensivnutzung anzusehen sind. Schneekanonen in Sichtweite vom Haus der Natur sind hier kein Problem, Rock am Berg und gebührenfinanziertes SWR-Gipfelradio haben Tradition.
Im Winter ist und bleibt der Feldberg eine Schneeinsel, oft die einzige im Südwesten. Und Schnee auf dem Feldberg kann gleichsam „just in time“ genutzt werden. Keine lange Alpenanfahrt, dennoch klasse Pisten, unter der Woche kein Anstehen, einfach hinfahren, losfahren. […] Schon fast sehenswert auch die Häufung von Imbiß- und Devotionalienbuden längs der Straße zum Seeb[r]uck-Großparkplatz. Nahebei die Kapelle für den ökologischen Ablaßhandel, das schicke Haus der Natur, ein Repräsentationsbau, gefördert mit Mitteln des „Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft“.
Zitiert nach: „Abel, Wolfgang: Südschwarzwald, 31 Leichte Entdeckungen, Badenweiler 2009, S. 170 ff.“






Links:




Infosammlung 2018: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein




Das heftige Hochwasser im Schwarzwald und an der Elz und Dreisam in der ersten Woche im Januar 2018, zeigte wieder einmal deutlich den wichtigen zweiten Aspekt der Renaturierung unserer Flüße, den Hochwasserschutz. Zumindest ein kleiner Teil des Hochwassers wurde zurückgehalten und gebremst. Angesichts der sichtbaren Erfolge für Mensch und Natur ist der Widerstand gegen die Renaturierung anderer Flußabschnitte und gegen die ökologischen Aspekte des Integrierten Reinprogramms immer unverständlicher.











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Feldberg / Schwarzwald: Unbegrenztes Wachstum

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Dieser Artikel wurde 5403 mal gelesen und am 9.2.2018 zuletzt geändert.