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Europapark - Seilbahn über den Taubergießen?

08.11.2018

Europapark - Seilbahn über den Taubergießen? Erste Stellungnahmen von BUND, NABU, LNV, LPO...



Der ständig expandierende Europapark Rust plant eine Seilbahn über das Naturschutzgebiet Taubergießen. Wie immer, wenn in der "Ökoregion" Südbaden Natur gefährdet ist, wird solchen Projekten gerne ein "grünes Mäntelchen" umgehängt und Greenwash betrieben.
Die Naturschutzverbände und Planungsbehörden waren vom Vorstoß Herrn Macks, einer der mächtigsten und einflussreichsten Personen in Südbaden, überrascht. Einer der genialsten Schachzüge der Werbeabteilung von Herrn Mack ist es, aus dem naturgefährdenden Projekt eine "Vision für Europa" zu machen. Dennoch lehnen die badisch-elsässischen Umweltverbände dieses Projekt einhellig ab - Verbände, die das Europa der Menschen seit Jahrzehnten praktizieren.


Wir tragen hier nach und nach einige Stellungnahmen und Äußerungen von Naturschutzverbänden zu diesem Thema zusammen:

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Auch der BUND findet Seilbahnen besser als den bisherigen PKW Verkehr. Sinnvoll und vertretbar wäre eine solche Seilbahn allerdings nur über Nicht-Naturschutzflächen zum nächstgelegenen deutschen Bahnhof. Aber bei den aktuellen Vorüberlegungen handelt es sich leider um eine Seilbahn über eines der wichtigsten Naturschutzgebiete am Oberrhein. Es geht nicht um ein Entweder-oder, um ein „Seilbahn statt Auto-Verkehr“, sondern um Autoverkehr plus Seilbahn, denn an einen Wegfall der Kappler-Fähre wird nicht gedacht.

Es wird mehr, es muss mehr werden, es muss wuchern... Das sind die Grundregeln des Europaparks und einer zutiefst selbstzerstörerischen Fun-Gesellschaft in Zeiten des Klimawandels und der absehbaren Endlichkeit der Ressourcen.

Die Verkehrsbelastung in den Parkgemeinden wird kurzfristig abnehmen und dann wieder zunehmen und zusätzlich kommt dann noch die Seilbahn. Und wenn Hunderttausende über den Taubergießen schweben, dann wollen noch mehr Menschen im Naturschutzgebiet spazieren gehen. Bei Herrn Mack vom Europapark gibt es scheinbar keine Grenzen des Wachstums, im Naturschutzgebiet Taubergießen sind sie teilweise schon überschritten.

Es gab bisher eine „einigermaßen friedliche Koexistenz“ zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Park, ein trotz Lärmzunahme immer noch „wenig störendes“ Nebeneinander von Natur und Freizeitgesellschaft. Eines der vielen Probleme des Parks ist der explodierende Flächenverbrauch und die massive Ausbreitung Richtung Autobahn, eine Expansion, die jetzt auch mit der Seilbahn in´s Elsass getragen werden soll.

Eine Seilbahn über eines der letzten großen Naturschutzgebiete am Oberrhein könnte die winzige Restnatur wieder ein kleines Stück gefährden. Die ganz großen Zerstörungen sind am Oberrhein politisch nicht mehr durchsetzbar. Heute wird mit Greenwash und dem Prinzip der Salamitaktik vorgegangen. Im Regierungsbezirk Freiburg sind nur knapp 3,4 % der Gesamtfläche Naturschutzgebiete, es gibt nur noch winzige Fragmente von Natur. Wir erleben, wie die Medien aktuell über das globale und regionale Artensterben und Naturverluste berichten und beobachten gleichzeitig in der "Ökoregion" Oberrhein immer heftigere Angriffe auf die verbliebene Restnatur. Dazu gehört auch der Flächenverbrauch, das krebsartige Wuchern des Europaparks und eine Europaparkisierung Südbadens.

Jetzt wird auch gerne von Ausgleich für die geplante Naturzerstörung gesprochen. Doch die Praxis des Ausgleichs in Deutschland ist leider gesetzeskonform lächerlich, wie der Ausgleich für den Freiburger Stadionsbau durch Böschungspflege am Kaiserstuhl gerade wieder gezeigt hat.

Der BUND sieht eine neue Seilbahn über die Restnatur im Taubergießen äußerst kritisch und ablehnend. Wir wissen allerdings, wie ungeheuer groß die politische Macht von Herrn Mack ist, und wir kennen die Kniefälle von Regionalpolitik und Behörden vor dieser Macht. Politisch sind Konflikte um den Europapark eigentlich immer schon von Anfang an verloren. Die einzige Hoffnung sind unabhängige Gerichte.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer






Die Elsässischen Vogelschutzliga (LPO) zu den Seilbahnplänen:


Christan Braun, Vorsitzender der elsässischen Vogelschutzliga (LPO):
"Die negativen Auswirkungen von Seilen und Leitungen auf Zugvögel sind wohlbekannt. Dabei ist das Gebiet um Rhinau und Dieblosheim das zweitgrößte französische Überwinterungsgebiet für Wasservögel. Die dort vorhandenen Ökosysteme sind extrem bedeutsam und schutzbedürftig. Deswegen gehört es zum Natura-2000-Netzwerk. Wir glauben nicht, dass ein Seilbahn-Projekt mit den strengen Naturschutzauflagen des Gebietes vereinbar ist."
Quelle: (Badische Zeitung, 7.11.2018)




Der NABU:


NABU: Mit Seilbahn-Idee geht Europapark auf Konfrontationskurs zum Naturschutz

Europapark Rust plant schwerwiegenden Eingriff in Naturschutzgebiet Taubergießen


Zu den Plänen des Europaparks, möglicherweise eine Seilbahn über den Rhein und mitten durch das Naturschutzgebiet Taubergießen von Rust nach Dieboldsheim im Elsass zu bauen, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle:

„Einen Eingriff in das sensible Naturschutzgebiet Taubergießen lehnt der NABU ab. Der Taubergießen ist einer der letzten großen Auwälder am Rhein. Er gehört zu unserem europäischen Naturerbe. Die deutsch-französischen Bemühungen zum Schutz dieses einzigartigen Schutzgebietes sind ein Zeichen der Europäischen Einigung und der deutsch-französischen Freundschaft. Auch der NABU betreibt dort gemeinsam mit seinem französischen Partner LPO ein Informationszentrum für Besucherinnen und Besucher. Mit dieser Schnapsidee, eine Seilbahn quer durch dieses Naturjuwel zu bauen, bringt sich der Europapark auf Konfrontationskurs mit dem Naturschutz. Sollten diese Planungen ernsthaft weiterverfolgt werden, werden sich die Naturschützer in der Region mit vereinten Kräften dagegen wehren.“

Der NABU macht aber auch deutlich, dass er sich nicht grundsätzlich gegen eine bessere Erreichbarkeit des Europaparks für Besucher und Mitarbeiterinnen aus Frankreich verschließe. „Eine umweltschonende Alternative zu einer Seilbahn wäre beispielsweise die Einrichtung eines Shuttleservice mit Elektrobussen von Rhinau nach Rust. Dieser könnte wesentlich flexibler auf die Besucherspitzen am Morgen und am Abend reagieren“, so Enssle.


Weiterlesen auf der NABU-Seite




Seilbahn durch Naturschutzgebiet Taubergießen ist „Schnapsidee“
LNV lehnt Planung des Europapark Rust ab



Überregional bedeutsames Naturjuwel in Gefahr

Die Planung des Europaparks, eine Seilbahn aus dem Elsass quer über den Rhein und durch zwei Naturschutzgebiete als Zulieferer zum Europapark zu bauen, stößt auf heftige Ablehnung beim Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV).

”Bei allem Verständnis für den Wunsch des Europaparks, den französischen Markt besser zu erschließen: die Seilbahn wäre ein krasser Verstoß gegen europäisches Naturschutzrecht und ist eine Schnapsidee.”, so LNV-Vorsitzender Dr. Gerhard Bronner. Um die Verbindung ins Elsaß zu schaffen, müsste die Seilbahn quer durch das Naturschutzgebiet Taubergießen gebaut werden, ein ”4-Sterne-Schutzgebiet”, wie LNV-Chef Bronner betont. Auwälder, Rheinaltarme, als Gießen bezeichnet Quellaufbrüche kennzeichnen den Taubergießen und machen ihn zu einem überregional bedeutenden Naturjuwel. Der ganze Taubergießen ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes ”Natura 2000”. Verschlechterungen des Naturwertes sind dort schlicht unzulässig.

Nach Ansicht des LNV würde eine Seilbahn, die täglich tausende Personen transportieren soll, durch Rodungen, Stützkonstruktionen, Lärm und Beleuchtung einen ganzen Korridor quer durch das Naturschutzgebiet entwerten. Störungsempfindliche Vogelarten, die einen wesentlichen Wert des Schutzgebietes ausmachen, könnten dort nicht mehr brüten.

Wenn die Planung tatsächlich weiterverfolgt werde und nicht an technischen oder finanziellen Problemen scheitere, müsse sich der Europapark auf die Ausschöpfung aller Einspruchs- und Rechtsmittel durch die Naturschutzverbände gefasst machen, bis hin zur EU-Beschwerde, kündigt Bronner an. Und er fragt sich angesichts der Planung im Naturschutzgebiet: ”Ist den Verantwortlichen im Europapark denn gar nichts mehr heilig?”

Quelle: Landesnaturschutzverband


Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg

www.bund-freiburg.de

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Dieser Artikel wurde 145 mal gelesen und am 13.11.2018 zuletzt geändert.