Der Kaiserstuhl: Eine "Vulkaninsel" am Oberrhein
Zwischen Schwarzwald und Vogesen, wenige Kilometer von der "heimlichen Ökohauptstadt" Freiburg entfernt, liegt inmitten der Rheinebene ein kleines lößbedecktes Vulkangebirge, der Kaiserstuhl. Eine reizvolle Kultur- und Naturlandschaft, ein Urlaubs- und Wanderziel, das auch berühmt für seine Weine ist.
Wer auf dem Weg nach Süden Richtung Basel fährt, sieht kurz vor Freiburg im Westen die sanfte Silhouette des kleinen Gebirges, das sich wie eine Insel aus der breiten Ebene zwischen Schwarzwald und Vogesen erhebt. Die südliche Lage und die besondere klimatische Situation führen dazu, dass dieses Gebiet die sonnenreichste und wärmste Landschaft in Deutschland ist, mit einer einzigartigen Flora und Fauna.
Bienenfresser, Gottesanbeterin, Smaragdeidechse, Diptam und Küchenschelle
gehören zu den seltenen Tieren und Pflanzen, die am Kaiserstuhl vorkommen. Im Frühling blühen die Kirschbäume der Ebene und auf den Trockenrasen des Badbergs und der Mondhalde die Küchenschellen und Orchideen. Gemeinsam sind die Naturschützer der verschiedenen Verbände dabei, die Lebensräume dieser Raritäten zu schützen und zu erhalten, eine auch am Kaiserstuhl nicht immer leichte Aufgabe. Im Winzerdorf Bahlingen und am Nördlichen Kaiserstuhl sind BUND-Gruppen im praktischen Naturschutz engagiert. Harte körperliche Arbeit ist hier manchmal gefragt, und wer die langjährige BUND-Aktive Ulrike Friedrich mit Sense oder Kettensäge am steilen Lößhang sieht, um wertvollste Biotope am Sasbacher Limberg zu erhalten, kann nur staunen über dieses Engagement.
Am südlichen Kaiserstuhl, im Rathaus Ihringen, liegt das "Naturzentrum Kaiserstuhl", das für Einheimische und Touristen ein schönes, anspruchsvolles Programm herausgibt und Führungen organisiert.
Der Weinbau prägt die Landschaft
und tatsächlich ist der sonnenverwöhnte Kaiserstuhl mit rund 4400 ha Reben das größte Anbaugebiet in Baden. Noch immer wird der größte Teil des Weins konventionell angebaut und Weingüter wie das von Reinhold und Cornelia Schneider in Endingen erzeugen Spitzenweine. Doch auch bei den Winzergenossenschaften beginnt langsam ein vorsichtiges Umdenken. So produziert und vermarktet der Badische Winzerkeller in Breisach mit seinen zahlreichen ECOVIN – Mitgliedern die wohl größte Menge an Bio-Wein in Deutschland.
Bio-Wein, das steht für eine Weinproduktion ohne synthetische Gifte und Kunstdünger, und für die Einbindung des Weinbaus in eine reichhaltige Fauna und Flora. Öko-Wein bedeutet aber auch einen wesentlich größeren Arbeitseinsatz der Winzerinnen und Winzer. So ist jede konsumierte Flasche Öko-Wein ein genussvoller Beitrag für die Natur und Kulturlandschaft. Im Rahmen des Internationalen Weinpreises der BioFach Messe 2003 gingen gleich mehrere Auszeichnungen an Bio-Winzer vom Kaiserstuhl. Der 2001er Auxerrois Kabinett vom Biologischen Weingut Schambachhof und der 2001er Gewürztraminer Spätlese vom Ihringer Weingut Pix erhielten mit Gold die höchsten Auszeichnungen. Auch das Ökoweingut Trautwein im Winzerdorf Bahlingen produziert Bio-Wein und -Sekt von höchster Qualität. Der Chardonnay der engagierten Winzerfamilie erhielt in drei aufeinander folgenden Jahren bei internationalen Verkostungen im Burgund eine Silbermedaille. In Eichstetten, einer Gemeinde mit einer Vielzahl von Bio Betrieben, bietet das Öko-Weingut Rinklin auch Ferienwohnungen an.
Der kleine Ort Wyhl,
der den Kaiserstuhl bei Umweltschützern berühmt machte, liegt genau genommen wenige Kilometer nördlich am Rhein. In Wyhl wurde 1975 mit einer Bauplatzbesetzung ein Atomkraftwerk verhindert. Hier, im Wyhler Auewald, liegen wichtige Wurzeln der Umweltbewegung und des BUND. Für Naturliebhaber sehens- und besuchenswert sind die kleinen verbliebenen Reste der ursprünglichen Auewälder entlang des Rheins. In Teilbereichen ist der liebevolle Begriff "Rheinwalddschungel" für dieses Gebiet mit seinen Lianenwäldern, mit Eisvogel, Pirol, Graureiher und Kormoran, mit Grasfrosch, Gelbbauchunke, Ringelnatter und Prachtlibelle tatsächlich nicht übertrieben. Die geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz am Rhein ökologisch zu optimieren gehört zu den großen aktuellen Aufgaben des BUND. Von Breisach, der Stadt mit dem alten Stephansmünster, über das historische Städtchen Burkheim, von Sasbach über Wyhl bis zum bekannten Naturschutzgebiet Taubergießen, lassen sich diese Erinnerungsstücke an die ansonsten dem "Fortschritt" geopferten Rheinwälder zu Fuß und mit dem Fahrrad erkunden.
Eines von vielen lohnenden Zielen
ist das kleine Städtchen Endingen am Nördlichen Kaiserstuhl. Wenn Zerstörungsprozesse langsamer ablaufen als anderswo, dann bleibt manchmal sogar eine schöne, vorderöstereichische Altstadt in Teilen erhalten. In Endingen bietet es sich an, in den "Gässli", den schmalen Gassen der Altstadt zu bummeln und zu schlendern. Wenn der schöne alte Marktplatz in Zukunft von den parkenden Autos befreit ist, kommen das historische Rathaus, die Patrizierhäuser und die Kornhalle noch besser als heute zur Geltung. Im "Städli" findet sich auch die badische Küche in ihren vielfältigen Variationen, von der noblen Ratsstube, dem gutbürgerlichen Schützen bis zum Kellergewölbe der Dielbuck-Schänke mit den leckeren örtlichen Spezialitäten, dem Zwiebel- und Flammenkuchen.
Mensch, Natur, Umwelt, Reisen, Wein und Weinbau: Endingen, Amoltern, Königsschaffhausen, Kiechlinsbergen, Burkheim, Vogtsburg, Achkarren, Bickensohl, Bischoffingen, Oberbergen, Oberrottweil, Niederrottweil, Schelingen, Breisach, Riegel, Bahlingen, Eichstetten, Bötzingen, Wasenweiler, Ihringen, Jechtingen, Sasbach, Leiselheim
Der Kaiserstuhl
ist mit der Bahn über Freiburg und Riegel hervorragend zu erreichen. Vor der Tür liegen Schwarzwald und Vogesen. Mit der Regiokarte, die manchmal auch von den örtlichen Fremdenverkehrsämtern oder den Hotels und Privatunterkünften abgegeben wird, kann die Region mit dem ÖPNV erkundet werden, denn um den ganzen Kaiserstuhl führt eine Bahnlinie. Das kleine Vulkangebirge ist auch ein ideales Wander- und Fahrradgebiet, ein mehrtägiger Aufenthalt lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Wie in allen schönen Gebieten Deutschlands mit verbliebener Restnatur braucht es sowohl von den Einheimischen als auch von den Gästen viel Sensibilität und Rücksichtnahme. Wenn dies gegeben ist, erschließt sich für den einen ein faszinierendes Stück Heimat und für den anderen ein Urlaubsort, der das Wiederkommen wert ist.
Mensch, Natur, Umwelt: Der gefährdete Kaiserstuhl
ist leider auch Realität. Die Zeit der landschaftszerstörenden Großflurbereinigungen ist zwar schon lange vorbei und die Naturschützer haben mit ihrer Kritik am damaligen Gigantismus Recht behalten. Immer noch bringen Pflanzengifte und Düngung große Probleme für das Grundwasser am Kaiserstuhl. Deutlich wird das an der Schadstofffahne im Abstrom des Kaiserstuhls und an der Tatsache, dass Gemeinden wie Endingen und Sasbach für teures Geld neue nitratärmere Trinkwasserbrunnen erschließen mussten. Doch die Auswirkungen der Landwirtschaft auf das Grundwasser war und ist am Kaiserstuhl leider kein Thema. Die Globalisierung mit zunehmendem internationalem Konkurrenzdruck macht auch den Winzern zu schaffen. Aus diesem Grund wurde und wird der Maikäfer am Kaiserstuhl auch massiv mit Gift und Hubschrauber bekämpft. Darunter leidet die Artenvielfalt mit der die Fremdenverkehrsämter so gerne für das Naturparadies Kaiserstuhl werben. Die verheerenden Auswirkungen der Gifteinsätze der 50er Jahre auf Mensch, Natur und Umwelt sind vergessen und verdrängt.
Selbst Artikel wie dieser über das "Naturparadies Kaiserstuhl"
gefährden die Region. Dreißig Jahre Wetterbericht aus Hamburger Sicht führen dazu, dass immer mehr Menschen im deutschen Sonnengürtel, im "Paradies am Oberrhein", leben wollen. Während an anderen Stellen der Republik die Bevölkerung bereits abnimmt, boomt und wuchert die Region zwischen Schwarzwald und Vogesen, die zusätzlich auch noch im europäischen Wachstumsgürtel, der sogenannten " blauen Banane" liegt. Kleine Kaiserstuhlgemeinden wie Endingen wachsen viel zu schnell und die Stadt Freiburg streckt ein Siedlungsband Richtung Breisach. Das Gebiet westlich des Kaisertuhls leidet unter dem zunehmenden europäischen Transitverkehr. Dazu kommt eine umweltbelastende französische Schwerindustriezone entlang des Rheins und das alternde EDF / EnBW - Atomkraftwerk Fessenheim.
Die Kaiserstühler Umweltbewegung
hat sich vielleicht ein wenig zu lange auf den Erfolgen von Marckolsheim und Wyhl ausgeruht. Noch gehört das Kerngebiet des Kaiserstuhls tatsächlich zu den schönsten und wertvollsten Kultur- und Naturlandschaften Deutschlands, mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Doch es scheint weltweit ein Nivellierungsprinzip zu geben, nach dem die wertvollen, einzigartigen Landschaften so lange vermarktet werden, bis aus Schönheit Mittelmaß wird. Es gilt die Landschaft am Kaiserstuhl zu bewahren und zu beschützen. Ein "Rühr mich nicht an" - Naturmuseum Kaiserstuhl in einer zersiedelten, unter die Räder des europäischen Transitverkehrs gekommenen Region Oberrhein aber kann nicht das Ziel der Entwicklung sein. Wenn die Gesellschaft insgesamt nicht nachhaltiger wird, dann haben auch die letzten schönen Nischen wenig Chancen.
Wandern und Radfahren am Kaiserstuhl
Der Kaiserstuhl ist ein ideales Ziel für Wanderer und Radfahrer. Vom kurzen Spaziergang bis zur Tageswanderung sind alle Touren in diesem kleinen Vulkangebirge möglich. Rebterrassen, die wenigen vom "Fortschritt" verschonten Hohlwege, die Trockenrasengebiete des Inneren Kaiserstuhls und lichte Laubwälder bieten sich als Wanderziele an. Das nahe Elsass, Freiburg und selbst das bekannte Naturschutzgebiet Taubergiessen sind mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Wer gegen den heutigen Trend nicht "gereist werden will" sondern selbstständig eine neue Landschaft erkundet, braucht eine gute Wanderkarte. Die Karte des Schwarzwaldvereins im Maßstab 1:50 000 ist ein idealer Wegbegleiter. Wanderwege und Radwege sind gut beschildert. Ärgern Sie sich nicht wenn Sie bei Ihren Touren keine Gottesanbeterin und keinen Bienenfresser sehen. Warum sollte es Ihnen anders gehen als der Mehrzahl der Einheimischen? "Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet" sagt Hans Magnus Enzensberger und beschreibt damit eines der zentralen Probleme des Tourismus überall auf der Welt. Versuchen Sie also nicht in Ihrem Urlaub alle seltenen Pflanzen und Tiere am Kaiserstuhl aufzuspüren.
Reisezeit Kaiserstuhl
Der Kaiserstuhl ist ein Reiseziel für jede Jahreszeit. Sonnen- und Wärmeliebhaber kommen in der Zeit der Sommerferien auf ihre Kosten. Dann bieten sich auch die vielen Baggerseen um den Kaiserstuhl und der hübsche, naturtrübe Erleweier in Endingen zum Baden an. Wenn im Winter der Schnee die Vogesen und den Schwarzwald bedeckt ist der Kaiserstuhl zumeist schneelos und lädt zu langen Winterspaziergängen und zum gemütlichen Einkehren ein. Am schönsten aber sind am Kaiserstuhl sicher der blütenreiche Frühling und der Herbst. André Weckmann, der große elsässische Dichter und Autor beschreibt die klaren Tage der Erntezeit des Herbstes nicht zu Unrecht als schönste Jahreszeit am Oberrhein.
Axel Mayer, Endingen
Erstveröffentlichung: BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein www.bund-freiburg.de
Naturkundliche Wanderwege am Kaiserstuhl
Seit Mitte März 2007 kann man am Kaiserstuhl-Tuniberg, auf 8 neuen, naturkundlichen Themenwegen die einzigartige Fauna und Flora erkunden. Die Themenpfaden sind ein Projekt von Plenum Kaiserstuhl.
Acht Themenachsen erschließen den Kaiserstuhl
von Süden nach Norden und von Westen nach Osten. Sie alle weisen den Weg zu Smaragdeidechsen, wilden Orchideen, Lösshohlgassen, seltenen Vogelarten und vielen weiteren Naturschätzen, die zum Teil einzigartig sind in Deutschland. Die Wege, die durch lokale Themenrundwege in einzelnen Orten ergänzt werden, sind jeweils unter ein Motto gestellt, und bereits an den Einstiegen werden die Wanderer mit großen Eingangsportalen über den Verlauf und die Besonderheiten des Weges informiert.
Die neuen Themenwege erfüllen bewusst die Funktion von attraktiven Routenverbindungen und wurden mit dem ebenfalls neu ausgeschilderten Wanderwegenetz des Schwarzwaldvereins abgestimmt und verknüpft.
So ist ein weitläufiges und im gesamten Kaiserstuhl einheitlich beschildertes Wander-System mit insgesamt 422 Kilometern entstanden, das viele Kombinationsmöglichkeiten eröffnet.
Die Einstiegsportale für Wanderungen,
ausgestattet mit einer Karte und Informationen zum jeweiligen Standort und zu den von dort erreichbaren Achsen, sind im gesamten Kaiserstuhl zumeist an zentralen Punkten der Gemeinden wie Bahnhöfe, Rathäuser und Parkplätze installiert und somit leicht auffindbar. Der Einstiegspunkt für den Wiedehopfpfad und den Knabenkrautpfad finden sich auf der Nordseite des Breisacher Bahnhofs.
- Neunlindenpfad "Nord-Süd Weg"
Ihringen - Neunlindenturm - Eichelspitzturm - Katharinenkapelle - Endingen
16,8 km.
- Steinkauzpfad
Wasenweiler - Bötzingen - Eichstetten - Bahlingen - Riegel
17,9 km.
- Wiedehopfpfad
Breisach - Achkarren - Oberrotweil - Burkheim - Jechtingen - Sasbach
31,5 km.
- Knabenkrautpfad
Breisach - Ihringen-Martinshöfe - Ihringen-Lilienhof - Bötzingen
21,5 km.
- Kirschbaumpfad
Sasbach - Leiselheim - Kiechlinsbergen - Amoltern - Endingen - Riegel
18,4 km.
- Katharinenpfad
Oberrotweil - Katharinenkapelle - Bahlingen
12,6 km.
- Badbergpfad
Oberrotweil - Oberbergen - Eichstetten - Nimburg
14,9 km.
- Bienenfresserpfad
Ihringen - Bickensohl - Oberrotweil - Bischoffingen - Königschaffhausen
16,1 km.