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Kaiserstuhlpfad: Wandern & Natur am Kaiserstuhl


Kaiserstuhlpfad

Der Kaiserstuhlpfad


zählt seit Januar 2010 "offiziell und zertifiziert" zu den besten Wanderwegen Deutschlands. Auf der Stuttgarter Tourismusmesse CMT erhielt der Pfad am 16.1.2010 den Titel «Qualitätsweg Wanderbares Deutschland». Zur "Zertifizierungswelle" die gerade über Deutschland schwappt und jetzt auch die Wanderwege erreicht hat möchte ich hier nichts schreiben. Aber der Weg ist mit und ohne Zertifikat schön und lohnend. Der 22 Kilometer lange Kaiserstuhlpfad verläuft von Endingen am Kaiserstuhl (Kreis Emmendingen) nach Ihringen durch Weinberge, Laubwälder und Naturschutzgebiete.

Der Kaiserstuhlpfad


Strecke (21,7 km Weglänge): Endingen – Erletal – Katharinenkapelle – Eichelspitzturm – Vogelsang-Pass –
Neunlindenturm – Eichgasse – Vogtsburg-Bickensohl – Jägerbuck – Dulltalhütte – Lenzengasse – Ihringen.
Der Weg mit der gelben Raute lässt sich auch problemlos und genau so schön von Ihringen nach Endingen gehen. Abstiege zu den Bahnhöfen nach Bahlingen oder Vogtsburg sind auch problemlos zu finden. Die reine Wanderzeit liegt bei ca. 5 bis 6 Stunden. Im Sommer können Sie neben den Wanderschuhen auch die Badesachen einpacken! In Endingen lockt direkt am Weg der naturtrübe Erleweiher, ein hübscher, kleiner Badesee. Ein nostalgisches Stück Endinger Lebensqualität.


Eine der schönsten großen Wanderungen (Kaiserstuhlpfad) führt vom Bahnhof in Endingen in den inneren Kaiserstuhl und dann weiter nach Ihringen


In Endingen, beim Gasthaus Schützen,
(oder schon beim Bahnhof der Kaiserstuhlbahn) beginnt eine der interessantesten Wanderungen im Kaiserstuhl. Der Nord-Süd-Weg (Kaiserstuhlpfad) ist mit der gelben Raute gut ausgeschildert. Die reine Gehzeit liegt bei ungefähr 5 Stunden. Der Weg ist eine nette Tagestour die ganzjährig begangen werden kann. Vorbei geht´s am Endinger Erleweiher durch ein schöne, miniermottengeplagte Kastanienallee.

Exkurs:
Erleweiher und Erleloch
Der Erleweiher ist ein Endinger Stück sommerlicher Lebensqualität, ein idyllisch gelegener, naturtrüber Badesee, mit Liegewiese, Nichtschwimmerbecken, Umkleidekabinen, Dusche und dem durchaus reizvollen Charme eines Strandbades aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nicht weit entfernt vom Erleweiher, am Ende der Allee und nur ein kleines Stück abseits des Kaiserstuhlpfades, findet sich das Erleloch, ein dunkler, geheimnisvoller, ca. 100 Meter langer gemauerter Lössgang durch den Brüstleberg. Ein Gang durch das Erleloch ohne Taschenlampe ist (nicht nur) für Kinder ein spannendes Erlebnis und eine Mutprobe, denn das helle Ende des Tunnels wird erst ab der Mitte des Ganges sichtbar.


In der Ferne, knapp 300 Meter über der Stadt Endingen,
liegt die Katharinenkapelle, eines der beliebtesten stadtnahen und autofreien Ausflugsziele. Von dort geht der Höhenweg auf sanften Kuppen weiter Richtung Süden zur Schelinger Höhe. Nach der Querung der kleinen Straße von Bahlingen nach Schelingen läuft der Weg ein kleines Stück durch den Wald. Der Wald öffnet sich und vor uns liegt die Schelinger Höhe und der innere Kaiserstuhl. (mehr Infos zum inneren Kaiserstuhl finden Sie unten im Text)

Weiter geht´s auf dem Höhenrücken,
mit weitem Blick in die Rheinebene und auf die Vogesen, zum Vogelsangpass der im Volksmund auch Texas-Pass genannt wird. Jetzt kommt der Aufstieg Richtung Neun Linden (556 m.ü.M.) Nach dem schönen, hohen Aussichtspunkt lässt sich mit Hildegard Knef sagen: "Von nun an geht's bergab".

Wundern Sie sich nicht über die vielen Schilder und Hinweistafeln entlang des Weges. Am Kaiserstuhl, dieser schönen Insel in der aus- und aufgeräumten und zersiedelten Rheinebene mit der wuchernden Maissteppe, dort wo Restnatur Museumscharakter bekommt ist eben alles auch wie in einem Museum ausgeschildert und beschrieben...


Der Lenzenberg
(ca. 400 m.ü.M.) ist bekannt für die weite Sicht weit über den Tuniberg und die Rheinebene. Der Abstieg nach Ihringen wird jetzt steiler. Es geht entweder direkt und etwas steil (Treppen!) durch die "Alte Lenzenberggasse" (roter Punkt) oder etwas länger und flacher durch die Weinberge über den offiziellen Nord-Süd-Weg hinunter nach Ihringen.

Mit der Breisgau-S-Bahn
geht´s zurück nach Freiburg (oder mit Umsteigen auch zurück zum Ausgangspunkt). Der Weg lässt sich auch problemlos und genau so schön von Ihringen nach Endingen gehen. Abstiege zu den Bahnhöfen nach Bahlingen oder Vogtsburg sind auch problemlos zu finden. Möglichkeiten gut zu essen und zu trinken gibt´s natürlich in Endingen, Ihringen und unterwegs am Lenzenberg. An schönen Wanderwochenenden hat ein kleiner Ausschank oben am Katharinenberg geöffnet...

Wer gegen den heutigen Trend nicht "gereist werden will"
sondern selbstständig eine neue Landschaft erkundet, braucht eine gute Wanderkarte. Die Karte des Schwarzwaldvereins im Maßstab 1:50 000 ist ein idealer Wegbegleiter. Wanderwege und Radwege sind gut beschildert. Ärgern Sie sich nicht wenn Sie bei Ihren Touren keine Gottesanbeterin und keinen Bienenfresser sehen. Warum sollte es Ihnen anders gehen als der Mehrzahl der Einheimischen? "Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet" sagt Hans Magnus Enzensberger und beschreibt damit eines der zentralen Probleme des Tourismus überall auf der Welt. Versuchen Sie also nicht in Ihrem Urlaub alle seltenen Pflanzen und Tiere am Kaiserstuhl aufzuspüren.

Text & Bilder: Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Endingen


Ein kurzer, leider notwendiger Nachtrag:
„Die wenigen erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.“
Axel Mayer





Badberg und am Haselschacher Buck: Die "kleine Steppe" im inneren Kaiserstuhl


Zu den schönsten und eindrucksvollsten Naturlandschaften
am Oberrhein und am Rande des Kaiserstuhlpfads gehören die sanften Hügel des inneren Kaiserstuhls. So liegt zwischen Schelingen, Oberbergen und Altvogtsburg der Badberg mit seinen runden Kuppen, Wiesen, Trockenrasen, Gebüschsäumen und Waldrändern.

Der innere Kaiserstuhl

Natur am Kaiserstuhl


Kaiserstuhl

Kaiserstuhl

Kaiserstuhl

Hier finden Sie eine faszinierende Flora und Fauna:
„Orchideen wie die Hummelragwurz und die Pyramidenorchis, Küchenschellen, Kaiserstuhlanemonen, Schlüsselblumen, Schwalbenschwanz-Falter, Smaragdeidechse, Gottesanbeterin und Schmetterlingshaft.“ Solch beeindruckende Restlandschaften erinnern auch daran, was wir an Natur schon verloren haben, was wir jetzt im Moment gerade verlieren und in Zukunft noch verlieren werden.

Das "Badloch",
eine kleine Thermalquelle am Südfuß des Badberges erinnert an die 15 Millionen Jahre zurückliegende, vulkanische Entstehungsgeschichte des kleinen Gebirges im Grabenbruch des Oberrheins.

„Die großen Wiesenflächen am Badberg und am Haselschacher Buck gehören zum Schönsten und Wertvollsten, was der Kaiserstuhl zu bieten hat“ schreibt der Kaiserstuhl-Kenner und -Bewahrer Dr. Frank Baum. „Vom Vorfrühling bis in den Herbst hinein – mit Höhepunkt im Mai und Juni - findet sich hier Blumenleben in erstaunlicher Vielfalt. Pflanzen, die anderswo verschwunden, verdrängt und ausgerottet sind, kommen hier noch zahlreich vor. Neben auffälligen und bekannten Arten gibt es versteckte und seltene Schönheiten, Kostbarkeiten für den Spezialisten. Kurzum: für jeden, der Blumen liebt, ein Paradies, wie man es in Mitteleuropa nur noch selten findet.“

Doch nicht nur die Frühlings- und Frühsommermonate
mit ihrer Farbenpracht sind beeindruckend. Wenn heiße Sommer die Wiesen des Kaiserstuhls verbrennen und die Hitze direkt am Boden unerträglich wird, „klettern“ die hübschen Turmschnecken an den Pflanzenstängeln hoch, um sich vor der Hitze zu schützen. Das herbstliche Graubraun der Matten und die seltenen, „schwarzweißen“ und kontrastreichen winterlichen Tage mit Schnee geben der „kleinen Steppe“ im innern Zentraleuropas ein besonderes Gepräge. Licht, Schatten und die karge Strenge der Landschaft in dieser Jahreszeit sind dann besonders beeindruckend.

An einem (der wenigen) stillen Tage
kann man sich hier an die Steppen Innerasiens erinnert fühlen, an Tibet oder an Kirgisien, dort wo der Tien Shan in die unglaublichen Ebenen Kasachstans übergeht... Nur alles eben ein Stück kleiner, ein winziges Fragment von Restnatur in der aufgeräumt-ausgeräumten Landschaft am Oberrhein.

Am schönsten sind hier die Abende,
an denen Wind aus dem Westen, vom nahen Elsass über den Rhein, die Wolken in Richtung Schwarzwald weht und das Grundgeräusch der Rheinebene, das Dauergrollen der Autobahn (das die Einheimischen schon lange nicht mehr hören) verstummt.

Wenn sich dann, an ganz besonderen Tagen,
die Wolken am Schwarzwald stauen und die sinkende Sonne zwischen Vogesen und Wolkendecke hervorschaut, dann wird durch dieses erstaunliche Licht die Natur noch kontrastreicher, manche Wiesenkuppen erinnern an Sanddünen und diese ganz eigene Landschaft bekommt einen faszinierenden Glanz.

Text und Bilder: Axel Mayer, BUND Geschäftsführer und Kreisrat aus Endingen




Dank
Mein Dank geht an die Vielen die sich für den Kaiserstuhl engagieren. An Naturschützer und Naturschützerinnen in Verbänden und Vereinen aber auch in den Naturschutzbehörden. An die, die mit Sense, Rechen, Ziege und Computer dazu beitragen, dass diese Gebiete auch für die Zukunft erhalten bleiben.




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Dieser Artikel wurde 554 mal gelesen und am 7.3.2010 zuletzt geändert.