Umwelt und Soziale Frage: neue Armut, Ökologie und Nachhaltigkeit
Ohne soziale Gerechtigkeit ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen
Endlich wird in diesem Land wieder
(einige Tage) über die Frage der Armut und der sozialen Gerechtigkeit diskutiert. Dies ist durchaus auch ein wichtiges Thema für die Umweltbewegung, denn ohne soziale Gerechtigkeit ist die angestrebte Nachhaltigkeit nicht zu erreichen. Ohne auf die "Qualität" der aktuellen Armutsdebatte eingehen zu wollen, gibt es aus meiner Ansicht doch einige wichtige Umweltaspekte , die in der öffentlichen Diskussion fehlen. Rechte und teilweise auch linke Wachstumsmythen verstellen den Blick auf wichtige Teilaspekte des Problems. Eine falsche Analyse aber führt zu falschen Problemlösungsansätzen.
Mehr Wachstum soll das Armutsproblem langfristig lösen.
Mehr Wachstum ist aber dauerhaft nur dort möglich, wo arme Gesellschaften einen berechtigten Nachholbedarf haben. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme. Als Problemlösungsansatz kann es dauerhaft und weltweit nicht dienen.
Mehr Arbeit soll das Armutsproblem lösen.
Doch der Arbeitsgesellschaft geht langfristig die bezahlte Arbeit aus. In Zeiten, in denen durch Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Globalisierung die Arbeit immer weniger wird, sollen die "Noch"-Beschäftigten immer länger arbeiten, anstatt die weniger werdende Arbeit besser zu verteilen. Einer gestressten, überarbeiteten, gleichzeitig aber abnehmenden Zahl von Beschäftigten stehen immer mehr Arbeitslose, Dauerpraktikanten, Ein-Euro-Jobber und andere "Working Poor" gegenüber. Die sozialen Folgen einer solchen Politik, in der die Schere zwischen Arm und Reich und zwischen Arbeitslosen und Arbeit habenden immer größer wird, führen zu politischer, ökologischer und sozialer Destabilität. Eine langfristig drohende, weltweite Energiekrise
unübersehbaren Außmasses wird das weltweite Armutsproblem noch massiv verstärken. Und das von den Werbeabteilungen der Atomkonzerne als "Heilsbringer" angepriesene Uran wird noch schneller ausgebeutet sein als Öl und Gas. Nur ein schneller Umstieg auf regenerative Energien kann dieses Problem lösen.
Der Hunger tötet weit mehr Menschen
als jeder gegenwärtig geführte Krieg oder Terroranschlag. Jean Ziegler, UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, schreibt 2005 in einem Bericht für die UNO, dass täglich 100 000 Menschen wegen fehlender Nahrung sterben. Im Jahr 2004 starb jede Sekunde ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen des Hungers. Im Jahr 2004 litten gemäß Ziegler 842 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung. Die Tendenz ist steigend: Zwei Jahre zuvor waren es noch 826 Millionen Menschen gewesen. Diese gerne verdrängte Katastrophe muss auch die Arbeit der Umweltbewegung am Oberrhein in Zukunft stärker beeinflussen. Ökologie und Gerechtigkeit sind die Schlüssel für Nachhaltigkeit.
Wenn die Umweltbewegung echte Nachhaltigkeit will,
dann muss sie sich in Zukunft auch verstärkt der sozialen Frage stellen. Die Güter der Welt könnten bei nachhaltiger Nutzung und gerechterer Verteilung allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen.
Axel Mayer / BUND Regionalgeschäftsführer / Kreisrat / Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband TRAS hier: Mitwelt Wachstumskritik
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Dieser Artikel wurde 425 mal gelesen und am 8.11.2007 zuletzt geändert.