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My Lai vor 51 Jahren: Das ungesühnte Massaker am 16. März 1968 im Vietnamkrieg


My Lai vor 51 Jahren: Das ungesühnte Massaker am 16. März 1968 im Vietnamkrieg



Vor 50 Jahren, am 16. März 1968, tötete eine amerikanische Einheit im Vietnamkrieg über 500 Bewohner eines vietnamesischen Dorfes - alles unbewaffnete Zivilisten. My Lai gilt als eines der schlimmsten Kriegs-Verbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Erschreckend ist nicht alleine die Tatsache,
dass es im Krieg in einer "Demokratie" möglich ist Morde, Massaker und Kriegsverbrechen zu planen und durchzuführen. Beunruhigend ist, dass es über 18 Monate lang möglich war das Massaker geheim zu halten.
Unglaublich, ja verstörend ist die Tatsache, dass dieser Mord an über 500 unschuldigen Zivilisten nie gesühnt wurde.

Fast 200 Frauen mit ihren Kindern treiben die Soldaten der Charlie-Kompanie zu den Wassergräben. Die 84-jährige Pham Thi Thuan hat es noch heute vor Augen, als wäre es gestern:
"Wir mussten aufstehen und uns wieder setzen, aufstehen, setzen. Drei Mal. Dann haben sie geschossen. Auf den Kopf, den Bauch, überallhin. Alle sind umgefallen, in den Wassergraben. Viele Frauen hatten Kinder. Meine Schwester ist auf mich gefallen – deshalb habe ich überlebt. Ich dachte, ich wäre tödlich verletzt, weil da überall Blut war, so viel Blut – aber es war nicht meins. (...)
15 Frauen haben sie auf die Felder vor dem Dorf gezerrt – und sie vergewaltigt, bestimmt ein Dutzend Männer ist über sie hergefallen, ich höre noch heute die Schreie. Dann haben sie die auch getötet. Einer schwangeren Frau haben sie mit dem Bajonett den Bauch aufgeschlitzt."
Quelle: Deutschlandfunk 10.3.2018


Es ist unglaublich:
Der am 8. Juni 1943 geborene Calley war der einzige Offizier aus der US-Armee, der wegen des Massakers vom 16. März 1968 zur Verantwortung gezogen wurde. Calley wurde der vorsätzlichen Tötung von 22 Zivilisten für schuldig befunden und am 31. März 1971 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Einen Tag später wandelte Präsident Nixon die Strafe in Hausarrest um, bevor er Calley 1974 vollends begnadigte.

Werden Kriegsverbrechen nur geahndet, wenn sie "im Auftrag" von Diktaturen ausgeführt werden? Wie ist es um den Zustand von Demokratien und deren Rechtssystem bestellt, wenn Massenmörder nicht bestraft werden?


Die Verbrechen der Massaker in Lidice und Oradour wurden zurecht bestraft. Warum gilt dies nicht für Morde die Auftrag einer Demokratie ausgeführt wurden?

Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher gehören bestraft. Überall auf der Welt! Der Unterschied zwischen Diktaturen und Demokratien darf nicht darin bestehen, dass in der Demokratie "eigene Kriegsverbrechen" nicht bestraft werden.

Was können wir von der Berichterstattung über "unseren Krieg" in Afghanistan oder den Krieg in Syrien glauben?
Die Kriege in Vietnam, Afghanistan, Syrien und dem Irak sind von der Dimension her noch nicht vergleichbar. Dennoch, die offene und umfassende Berichterstattung in den Medien, der allabendliche Fernsehkrieg und die unzensierteren Bilder über die Gräuel des Krieges in Vietnam hatten 1968 den Widerstand der Friedensbewegung weltweit angefacht und dieser Widerstand war mit ein Grund für den Rückzug und die Niederlage der Amerikaner.

Die Militärs haben ihre Lektion aus dieser PR-Niederlage gelernt.
Die nur scheinbar sauberen, aktuellen, "eigenen" Fernsehkriege sind nicht zuletzt das Ergebnis der verlorenen Medienschlacht in Vietnam. Was können wir glauben, nachdem Kriege, wie der im Irak mit Lügengeschichten begonnen wurden? Was können wir glauben, wenn heute Werbeagenturen Kriegsgründe erfinden, wie die unglaubliche Brutkastenlüge? Wie manipulativ, parteiisch und einseitig sind die aktuellen Kriegsbilder und Kriegsberichte aus Syrien und dem Irak? Die aktuelle Trennung in der Berichterstattung zwischen guten-nützlichen und schlechten Diktaturen ist unsäglich. Was in Vietnam für die Zivilbevölkerung das hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange war, ist in den heutigen Kriegen die umweltvergiftende Uran-Munition.

Im Vietnamkrieg
wurden die zivilen Opfer (in My Lai mit Verspätung) im Fernsehen noch gezeigt. Die Opfer des Drohnenkrieges in Afghanistan werden in den deutschen Nachrichten und Medien nicht gezeigt. Wenn seit dem Vietnamkrieg die Zensur und Selbstzensur "besser" wurde, spricht das nicht für eine Weiterentwicklung unserer Demokratie.

Die Aufklärung des My Lai Verbrechen verdanken wir den Recherchen des investigativen Journalisten Seymour Hersh. In der heutigen Zeit bräuchten wir wieder dringend Journalisten wie ihn und mutige Medien.

Axel Mayer / Ein (ziemlich verzweifelter) persönlicher Meinungsbeitrag









My Lai: Das undgesühnte Massaker im Vietnamkrieg / Das amerikanische Lidice und Oradour





Mitwelt Links zum Themenbereich Krieg, Frieden, INF-Vertrag, neuer Kalter Krieg & Aufrüstung 2019



(Das leider notwendige Banner zum Thema Frieden für Demo & Balkon gibt´s für nur 10 Euro hier)

Fakten statt Fake-News vor neuen Kriegen für Öl im Mittleren Osten und Südamerika


Bei all diesen entsetzlichen Krieg- und Frieden-Themen fällt es schwer "annähernd objektive" Fakten zu finden. Mein Dank geht an Jungs & Mädels von Wikipedia für ihre differenzierte Analyse:












Aktueller Einschub:
Urteil des OVG Münster: Deutschland soll US-Drohneneinsätze von der Militärbasis Ramstein prüfen



Deutschland müsse, so sagten die Richter, darauf hinwirken, dass die USA bei der Nutzung ihrer Militärbasis Ramstein bei Kaiserslautern das Völkerrecht einhalten. Dass das nicht der Fall ist, weiß jeder, der es wissen will. Ramstein ist die Flugleitzentrale für US-Drohneneinsätze in Afrika; in Ramstein werden die tödlichen Drohnenflüge gegen echte und angebliche Terroristen im Irak, in Afghanistan, Somalia, Jemen, Pakistan koordiniert; über Ramstein laufen die Datenverbindungen zwischen den US-Drohnen und den Befehlsgebern in den USA, Ramstein ist die Daten-Drehscheibe der militärischen Drohnenwelt. (...)
Die Bundesrepublik soll sich, so die Richter, "durch geeignete Maßnahmen vergewissern", ob die Einsätze im Einklang mit dem Völkerrecht stehen. Dies ergebe sich aus dem Recht der jemenitischen Kläger auf Leben - für das der deutsche Staat im Rahmen seiner Hoheitsgewalt einzustehen habe.
Das gehört zur Souveränität und zu den Pflichten, die das Grundgesetz dem Staat auferlegt. In dem Vertrag, der diese Souveränität besiegelt, steht gleich am Anfang, "dass von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird".


Den vollständigen (wie fast immer) klugen Kommentar von Heribert Prantl am 23.3.19 hier in der SZ



Nachtrag zum Schluss


»Fridays for Future«: Der Kampf um die Empörungshoheit
Mit »Fridays for Future« nimmt eine neue Umweltbewegung das Versagen der Politik nicht länger hin und geht auf die Straße. Allerdings unternimmt „das Establishment“ aus Autolobby und verbandelten Medien alles, um den Protest der jungen Generation mundtot zu machen.
Einen klugen Beitrag zum gut organisierten Kampf gegen »Fridays for Future« findet sich in den Blättern




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  • 3) Im Zweifel ist die-Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)






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Dieser Artikel wurde 10059 mal gelesen und am 19.2.2019 zuletzt geändert.