Insektenhotel / Wildbienhotel bauen – Nisthilfe für Wildbienen, Ohrwürmer und Co.


Veröffentlicht am 02.12.2019 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Insektenhotel Wildbienenhotel – Nisthilfe für Wildbienen, Ohrwürmer und Co.



Was ist ein "Insektenhotel"?
Ein Insektenhotel dient Insekten als Überwinterungs-, Nist- und Überlebenshilfe. Es kann in unterschiedlichen Größen und Formen gestaltet werden. So reicht eine mit Löchern versehene Baumscheibe bereits aus, um z. B. Wildbienen Unterschlupf zu bieten. Oft umfasst der Maßstab eines Insektenhotels jedoch mehrere Stockwerke und ,,Zimmer’’ auf ca. 2 x 1 Meter. Dabei sollte das Innenleben des Bauwerkes möglichst abwechslungsreich sein, um den unterschiedlichen Ansprüchen der einzelnen Arten gerecht zu werden.

Warum benötigen Insekten "Hotels"?
In den letzten Jahrhunderten hat der menschliche Eingriff in die Natur stark zugenommen. So werden z.B. Felder vermehrt mit Pestiziden behandelt, Grünflächen besiedelt, Gewässer begradigt oder trockengelegt und es herrscht ein schrecklicher Ordnungsdrang (nicht nur) in Garten, Wald und Natur. Diese Eingriffe durch den Menschen führen unter anderem zu Habitatsverlust für Insekten. Viele natürliche Lebensräume wie z.B. Lehmhänge oder Totholz sind daher nur noch selten vorhanden.

(Umfangreiche Infos zum Schmetterlingssterben und Insektensterben finden Siehier!)

Insektenhotel Wildbienenhotel: Seien Sie kreativ und vielfältig wie die Natur, wenn Sie Nisthilfen für Wildbienen, Ohrwürmer und Co. bauen!

Mit ihrem Lebensraum
verschwinden auch die dort lebenden Insekten. Der Habitatsmangel ist eine maßgebende Ursache für das Verschwinden vieler Arten. Dagegen soll das Insektenhotel zumindest einen kleinen Teil des verlorenen Lebensraums ersetzten. Es ist nicht verwunderlich, dass Insekten, die in den künstlichen Nisthilfen ihr Zuhause finden, oft bedrohte Arten sind. Dazu sind die Arten, die durch ein Insektenhotel gefördert werden sehr wertvoll, da sie das Ökosystem vielerorts gut ergänzen in dem sie darin als Fraßfeinde von Pflanzenschädlingen und als Bestäuber auftreten.
Insektenhotels sind ein kleiner, bescheidener, lokaler Versuch gegen das Artensterben an zu gehen. Sie können an einigen Stellen helfen die Insektenpopulation und die Vielzahl an Insektenarten lokal zu steigern, wodurch ein Ökosystem aufgewertet werden kann, z. B. dient eine dichtere Insektenpopulation Vögeln als Nahrungsquelle. Noch wichtiger als der Bau von "Notunterkünften für Insekten" ist das Engagement für die bedrohte Restnatur!


Insektenhotels erfüllen insbesondere aber auch einen großen Zweck in der Umweltbildung in dem sie als Anschauungsmaterial zur Biologie und dem Naturschutz dienen. Insektenhotels und Nistkästen sind ein wichtiger Beitrag um Menschen an Natur und Naturschutz heran zu führen.

Warum brauchen wir Menschen Wildbienen?


"Bei der Bestäubung von Pflanzen haben wildlebende Bienen und andere Insekten eine große Bedeutung. 50 Wissenschaftler haben weltweit etwa 600 Anbauflächen inspiziert oder Studien darüber ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im Magazin Science veröffentlicht. -“Unsere Daten zeigen, dass viele verschiedene Bestäuberarten noch einmal einen Mehrwert bringen: Sie sichern eine höhere Ernte und auch eine größere Gleichmäßigkeit der Erträge", sagt Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg. Deutschlandweit sind 550 Wildbienenarten bekannt, weltweit sind es Steffan-Dewenter zufolge etwa 30.000. Die Forscher stellten fest, dass die Wildbienen sehr erfolgreich arbeiteten. So würden 100 Honigbienen und 50 Wildbienen ein Feld erheblich besser bestäuben als 150 Honigbienen. Das liege daran, dass die wildlebenden Insekten effizienter seien. Die Wissenschaftler glauben nun, dass die Wildbienen keine größeren Mengen an Pollen transportieren, dafür aber qualitativ hochwertigere. Die Forscher zogen ein klares Fazit: Der Lebensraum der Wildbienen muss besser geschützt werden."Quelle: www.sciencemag.org
Und wir brauchen Wildbienen nicht nur weil sie "nützlich" sind, sondern weil sie da sind und weil sie schön sind! (Axel Mayer)


Die Zimmer im Insektenhotel
Kleine "Hotels" können aus nur einem ,,Zimmer’’ bestehen so dient bspw. ein mit Löchern versehenes Holzstück oder ein Bündel Schilfhalme schon als Nisthilfe und Winterruhe für Insekten. Es gibt aber auch große Kästen, die aus vielen solcher ,,Zimmer’’ bestehen. Dazu wird ein Holzrahmen mit Unterteilungen angefertigt, die dann mit verschiedenen Naturmaterialien und porösen Backsteinen gefüllt werden.
Beim Bau eines Hotels muss darauf geachtet werden, dass Vögel das Füllmaterial nicht herausziehen können, um die Insekten zu fressen. Auch sollte das Füllmaterial ungiftig und das Holz für den Rahmen nicht mit chemischen Holzschutzmittel behandelt sein. Die Zimmer müssen trocken und witterungsgeschützt sein, also sollte das Hotel überdacht stehen oder selbst ein regenschützendes Dach haben. Es ist wichtig, dass das Hotel der Sonnenseite zugewandt steht, so dass die Insekten genügend Wärme bekommen.

Wer zieht ein im Insektenhotel?

(Diese Angaben über die in Nisthilfen zu erwartenden Arten sind entnommen aus: Helmut und Margrit Hintermeier, Bienen, Hummeln Wespen im Garten und in der Landschaft, Obst und Gartenbauverlag, München 2002)

Wer einmal ein Insektenhotel oder einen Nistkasten gebaut und aufgehängt hat
und wer Insekten,Vögel und andere Tiere und Natur beobachtet, wird langfristig auch erkennen, dass der Bau von Nisthilfen nur ein erster, kleiner Schritt ist, denn die Bedrohung der Arten erfordert weitergehende Schritte. Auf diesem Wege lernt man, dass Natur in Gärten, Wälder, Städte und Dörfer zurückgebracht werden muss und dass Insekten- Vogel-, Natur- und Umweltschutz langfristig auch dem Menschen dient und nutzt. Gerade Gartenfreunde können einiges zum Artenschutz beitragen. Naturnahe Brutstätten finden Insekten überall dort, wo es im Garten ein wenig „unordentlich“ ist. Alte, morsche Bäume, abgestorbene Äste, Hecken, „Wildnisecken“ und der Verzicht auf Gift gehören bei einem lebendigen, naturnahen Garten dazu.




Mehr Infos:

Eine ausführliche Anleitung zum Bauen von Insektenhotels bietet der Bund Naturschutz in Bayern e.V.:
Insektenhotel bauen

Einen Bausatz für ein Insektenhotel kaufen:
Insektenhotel kaufen

Einen interessanten Artikel über die Bedeutsamkeit der Wildbiene veröffentlichte der Spiegel:
Artenvielfalt: Wilde Insekten sichern die Ernte

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Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



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Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer