Nisthilfen für Freibrüter / Vogelschutz mit Gartenschere / Buchfink, Hänfling, Dompfaff, Gelbspötter, Neuntöter,Grasmücken, Zilpzalp, Heckenbraunelle, Stieglitz, Rotkehlchen, Singdrossel und Amsel


Veröffentlicht am 05.02.2021 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Nisthilfen für Freibrüter / Vogelschutz mit Gartenschere / Buchfink, Hänfling, Dompfaff, Gelbspötter, Neuntöter,Grasmücken, Zilpzalp, Heckenbraunelle, Stieglitz, Rotkehlchen, Singdrossel und Amsel


Freibrüter
Freibrüter sind Vogelarten,
die ihre Nester und Horste frei, das heißt nicht in Höhlen oder in Nischen anlegen. Darum können die Nistplätze von Freibrütern, je nach Art, an sehr unterschiedlichen Stellen sein. Für viele Vogelarten kommen dafür allerdings Bäume, Sträucher, Hecken, Reisighaufen, Röhricht usw. in Betracht. Doch können für andere freibrütende Arten wiederum Gebäude oder deren Dächer, Felswände und Gewässerinseln geeignete Niststätten bieten. Auch die sogenannten Bodenbrüter sind grundsätzlich zu den Freibrütern zu zählen.

Freibrüter
wie Buchfink, Hänfling, Dompfaff, Gelbspötter und Neuntöter bauen ihre Nester gerne im oberen Teil von Hecken und Sträuchern; dagegen bevorzugen Grasmücken, Zilpzalp und Zaunkönig dichtes Gestrüpp in Bodennähe. Weitere Freibrüter sind u.a.: Heckenbraunelle, Stieglitz, Rotkehlchen, Singdrossel und Amsel

Nistkästen,
wie auf den anderen Seiten beschrieben, werden häufig aufgehängt, die Freibrüter hingegen werden meistens vergessen. Ja, man lichtet die Gebüsche so stark auf, dass dort weder Rotkehlchen noch Zaunkönig einen Unterschlupf finden. Durch die industrialisierte Landwirtschaft gehen viele Hecken verloren und oftmals wird nicht einmal am Waldrand ein Heckenstreifen geduldet.

Bedrohte Hecken - bedrohte Vögel
In Deutschlands Landschaft und Gärten sind Hecken und Heckenlandschaften selten geworden. Es gibt nur noch wenig Restbestände, zum Beispiel die "Knicks" in Schleswig-Holstein, das Heckengäu in Baden-Württemberg oder im Tegernseer Land in Bayern. Diese Naturhecken sind lebendige Zeugen einer alten bäuerlichen Kulturlandschaft und haben wenig gemeinsam mit den Nadelgehölzhecken, die in vielen Gärten als Sicht- und Lärmschutz fungieren. Der Albtraum von der globalen, großen, Gift-dominierten Agrarfabrik zerstört Hecken, Natur und Landschaft, aber auch die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe.

Schuld am Rückgang mancher Gartenvögel
sind nicht nur Agrargifte, sondern auch die „zu sterilen“ Grünanlagen und Schotter-Gärten.
Einen guten Schutz für mehr Singvögel im Garten bieten Sträucher/Gehölze mit Dornen oder Stacheln. Hier hat der Gartenbesitzer eine reiche Auswahl und kann je nach Größe des Grundstücks wählen zwischen Bäumen und Sträuchern, die schnell wachsen und höher werden wie Robinie, Gleditschie, Aralie, Stechpalme, Sanddorn, Schlehe, Rot- und Scharlachdorn, oder solchen, die nur einen Platzbedarf von 1-2m haben. Dazu gehören Feuerdorn, Brombeeren (Gelbspötter lieben diese Sträucher), Wild- und Kletterrosen (Rotrückenwürger lieben sie) oder Berberitzen. Bei Berberitzen haben sich besonders diejenigen bewährt, die ganzjährig beblättert sind (B. stenophylla, B. candidula, B. julianae, B. gagnepainii); sie bieten den Vogel-Arten, die im zeitigen Frühjahr mit dem Brutgeschäft beginnen (Amsel, Sing-Drossel, Schwanzmeise), ausreichend Sichtschutz. Auch die noch nicht ganz flugfähigen Jungtiere der Höhlen- und Halbhöhlenbrüter (Meisen, Rotschwanz, Kleiber, Fliegenschnäpper, Baumläufer) oder die der Bodenbrüter (Rotkelchen, Laubsänger, Haubenlerche) sind in diesen Sträuchern vor Katzen sicher.

In unseren Gärten können wir Freibrütern
mit einigen Tricks Nistplätze schaffen. Im Hausgarten fällt alljährlich Reisig an, von Hecken, von geschnittenen Obstbäumen oder Abdeckreisig vom Winter. Meistens wird dieses Reisig verbrannt, weil man Ordnung haben möchte. Viel sinnvoller hingegen ist es, das Reisig irgendwo in einer Ecke locker aufzuschichten. Sogar in ausgeräumten Wäldern können solche Reisighaufen zum Teil die Strauchschicht ersetzen. In diesen Reisighaufen brüten Zaunkönige, Rotkehlchen, Heckenbraunelle und andere Vögel.

Nisthilfen für Freibrüter



Nisttaschen
binden wir aus Kiefern- und Ginsterzweigen. Weniger gut geeignet sind Douglasien oder Tannenzweige. Ungeeignet sind Fichtenzweige, weil sie bald ihre Nadeln verlieren. Man nimmt 6 bis 8 stark benadelte Zweige von 0,80 bis l m Länge und bindet sie an zwei Stellen am Stamm fest (siehe Abb. 1). Wichtig ist, dass dabei ein geräumiger Hohlraum mit ausreichend Deckung entsteht. Auch sollte die Nisttasche nicht gerade auf der Wetterseite sein.



Nistquirle
entstehen, wenn man Zweige eines Strauches von Hainbuche, Weißdom, Liguster oder anderen Heckenpflanzen zusammenbindet. Die Zweige müssen sich dabei kreuzen und einen Trichter bilden, der so groß sein soll, daß eine große Faust darin Platz hat. Die Zweige sollen sich gegenseitig verstreben, damit sich die Lage auch bei Wind nicht verändert.

Zum Binden benutzen wir Schnur. Draht könnte die Zweige verletzen oder den Saftstrom stoppen. Grasmücken, Drosseln, Hänflinge, Girlitz, Distelfink, Heckenbraunelle, Zaunkönig haben schon in solchen Nisthilfen gebrütet.

Nistquirle
kann man aber auch durch Schnitt erzeugen. Für den Quirlschnitt eignen sich besonders gut Weißdom, Hainbuche, Weide, aber auch Feldulme, Wildapfel und Wildkirsche. Vom Herbst bis zum zeitigen Frühjahr - vor dem Austrieb - können wir die Quirle schneiden. Und zwar werden die Gehölze in 1,20 oder 1,80 m Höhe abgeschnitten oder abgesägt. Allerdings sollten die Büsche nicht zu schattig stehen. Im Schatten entwickeln sich keine dichten Verzweigungen.

Um die Schnittstelle herum entwickeln sich ringförmig Schößlinge. Im kommenden Herbst schneiden wir diese Schößlinge auf etwa 10 cm zurück, durch den erneuten ringförmigen Austrieb bildet sich dann eine richtige Nistkrone. Das "Ergebnis" soll an einen nach oben gestreckten Arm und eine Hand mit weit gespreizten Fingern erinnern. Wir sollten die Nistquirle alljährlich überwachen und immer wieder einmal zurückschneiden, damit sie nicht kahl werden. An Dornensträuchern bilden die austreibenden Zweige gleichzeitig einen guten Schutz gegen Feinde.


Seien Sie beim Nistkastenbau nicht überperfekt!
Wir Deutschen neigen manchmal zur Perfektion. Wenn hier in den Bauanleitungen die Länge und Breite der Kästen und der Durchmesser der Eingangslöcher in Millimetern angeben werden, dann ist das kein Grund, sich perfekt an diese Maße zu halten.

Viele Vögel und Vogelarten brüten in der Natur an den ungewöhnlichsten Orten
Wenn Vögel nur in Kästen brüten würden, die genau die hier angegebenen Maße haben, dann wären sie alle schon lange ausgestorben. Nehmen Sie die Maße der Kästen und die Durchmesser der Einfluglöcher als ungefähre Anhaltspunkte. Schreinern Sie, töpfern Sie, schneiden Sie Astquirle, nehmen Sie auch andere Naturmaterialien und seien Sie kreativ wie die Natur in ihrer unglaublichen Vielfalt.

Wer einmal einen Nistkasten gebaut und aufgehängt hat
und wer Vögel und Natur beobachtet, wird langfristig auch erkennen, dass der Bau von Nisthilfen nur ein erster, kleiner Schritt ist, denn das massive Vogelsterben in Deutschland und die Bedrohung von Vögeln, Natur und Umwelt erfordern weitergehende Schritte. Auf diesem Wege lernt man, dass Natur in Gärten, Wälder, Städte und Dörfer zurückgebracht werden muss und dass Vogel-, Natur- und Umweltschutz langfristig auch dem Menschen dient und nutzt. Gerade Gartenfreunde können einiges zum Vogelschutz beitragen. Naturnahe Brutstätten finden Vögel überall dort, wo es im Garten ein wenig „unordentlich“ ist. Alte, morsche Bäume, abgestorbene Äste, Hecken, „Wildnisecken“ und der Verzicht auf Gift gehören bei einem lebendigen, naturnahen Garten dazu. Es ist wichtig und sinnvoll sich für Natur und Umwelt zu engagieren. Mit dem Bau von Nistkästen und Nisthilfen können Sie gerade auch Kinder und Jugendliche an die Natur heranführen.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein