Erleweiher in Endingen: Badesee & Lebensqualität am Kaiserstuhl


Veröffentlicht am 13.08.2026 in der Kategorie Kaiserstuhl von Axel Mayer

Erleweiher in Endingen: (Blaualgen ...) Naturtrüber Badeweiher & ein Stück (nicht nur) sommerlicher Lebensqualität am Kaiserstuhl


Aktuell 15.8.26:
Die etwas kühleren Nächte und die aktuelle Frischwasserzufuhr aus dem Hydranten haben den See gerettet und die Wasser- und Badequalität merklich verbessert, allerdings ist das Wasser immer noch veralgt und grün. Es kann gut gebadet werden. Die extreme Hitze wird zum Wochenende hin abnehmen und dann ist der Weiher hoffentlich fürs Jahr 2026 "gerettet".
Immer noch wirkt der Krottenweiher als Vorlauferhitzer für den Weiher. Wie lange wir uns die erfreuliche Zuleitung von Frischwasser leisten können wird sich zeigen.



Mein dritter Brief an bisher zwei Bürgermeister wurde erstmals beantwortet. Leider lehnt die Stadt meinen Vorschlag zur einfachen und kostengünstigen bisher noch "Bypasslösung" ab. Meine Reaktion finden Sie unten auf dieser Seite.


Einen BZ-Beitrag zum Thema finden Sie hier und einen klugen Leserbrief mit weiteren Vorschlägen ebenfalls.


Erleweiher in Endingen: Naturtrüber Badeweiher & ein Stück (nicht nur) sommerlicher Lebensqualität am Kaiserstuhl


An die kleine, schöne Altstadt von Endingen grenzt im Süden ein hübsches Tal am Nordhang des Kaiserstuhls. Neben dem Erletal-Stadion gibt es dort einen wunderschönen, aus der Zeit gefallenen Badeteich, ein wichtiges Stück Restnatur und mit dem geheimnisvollenErleloch auch ein großes Kinderabenteuer.

Der Endinger Erleweiher


Der Erleweiher ist ein Endinger Stück sommerlicher Lebensqualität, ein idyllisch gelegener, aus der Zeit gefallener, naturtrüber Badesee mit Liegewiese, Nichtschwimmerbecken, frisch renovierten Umkleidekabinen, Dusche, Kiosk, Minigolfanlage, Toiletten, Wassertretanlage und, dem durchaus reizvollen Charme eines alten Strandbades aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. "De Weiher", wie er in Endingen liebevoll genannt wird, könnte durchaus auch in "Bullerbü" der alten Kinderbuchreihe der schwedischen Autorin Astrid Lindgren vorkommen.

Das naturtrübe Wasser
und die "abschreckend-entsetzlich-großen" Fische, im Schwarm schwimmende kleine Barsche, Quallen und Schildkröten im Weiher bringen den ortskundigen Badenden große Vorteile. Alle Menschen, die lieber in genormten, quadratischen Becken mit gechlortem Wasser (oder im Baggersee) baden, scheuen den Endinger Weiher wie der Teufel das Weihwasser (und das ist gut so!). Manche Menschen schwimmen für teures Geld mit Delphinen in Hawaii und den Bahamas. Das Schwimmen mit Meeresschildkröten ist ein unvergessliches Erlebnis, das an vielen Orten wie Curaçao, den Gili-Inseln in Indonesien, Barbados oder Hawaii möglich ist. In Endingen schwimmen wir mit ausgesetzten Schmuckschildkröten.

An einem heißen Sommertag
ist es manchmal so laut, wie sich das für eine kinderfreundliche Gemeinde gehört. Manchmal kommt eine Gruppe aus dem Kindergarten vorbei und die Kinder planschen in der Wassertretstelle. Frühmorgens und abends ist es angenehm still und idyllisch im Erletal, im Herbst spielen die Nebel über´m See.

Ein Problem für den Weiher
ist der massive, menschengemachte Klimawandel und die sommerliche Hitze und Trockenheit am Kaiserstuhl. Aus dem Kaiserstuhl, der wärmsten Region Deutschlands, wird die heißeste Region. Das ist nicht nur sprachlich ein massiver Unterschied. In den immer häufigeren Extremsommern werden Blaualgen zunehmend zum Problem für den Erleweiher. Im vorgelagerten "Krottenweiher" verdunstet viel zu viel Wasser und dort wird es auch unnötigerweise um bis zu 7 Grad "vorgewärmt". (Lösungsansätze siehe unten) Immer noch gibt es unbelehrbare Menschen, die Fische füttern. Sie überdüngen den See und füttern die Algen. Zukünftig brauchen wir am Kaiserstuhl eine verstärkte Wasserrückhaltung für den Weiher, das Grundwasser und die Landwirtschaft.

In den wenigen, richtig kalten Wintern
die es in Zeiten des Klimawandels am Kaiserstuhl noch gibt, bietet sich der Weiher zum Schlittschuhlaufen an.

Der Erleweiher ist ein gefährdetes, wunderschönes Stück Endinger Lebensqualität.

Axel Mayer, Endingen




Aktueller Antwortbrief auf den Brief der Stadt


Axel Mayer, Venusberg 4, 79346 Endingen
An die Stadt Endingen
Herrn Bürgermeister Metz

2.8.2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Metz,

ganz herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Anfrage vom 4.7.2026. Es ist erfreulich, dass auf meinen dritten Brief (an zwei Bürgermeister reagiert) wurde.
Schön, dass zumindest das von mir angeregte Hinweisschild realisiert wird. Auch die von mir und Ihnen angesprochene „Regulierung“ des Wels-Problems ist ein wichtiges Thema.
Die Reduktion von erkennbaren Wasserverlusten ist ein wichtiges Thema. Würde das Wasser nicht durch die Mauer auslaufen, sondern überlaufen, würden Blaualgen ausgeschwemmt.

Bedauerlich finde ich, dass Sie die von mir angesprochene „Bypasslösung“ (noch) nicht ernsthaft prüfen wollen.
Das kühle Quellwasser läuft durch den oberen See (Krottenweiher), wo viel Wasser verdunstet und es sich stark erwärmt, und fließt dann in den Erleweiher. Der obere See sollte weniger Frischwasser und der Badesee mehr Frischwasser bekommen. Ein solcher „Bypass“ wäre ohne Kosten zu realisieren. Mögliche Auswirkungen auf den Krottenweiher müssen im Auge behalten werden.
Am 24.6.2025 lag bei geringem Durchfluss die Wassertemperatur im Graben am Zulauf zum Krottenweiher bei 20 Grad. Am Ablauf aus dem See in den Erleweiher lag sie bei 27 Grad. Der „Vorlauferhitzer“ hat das Wasser um 7 Grad erwärmt. Ähnlich ist es auch aktuell.


Ihre Sorgen, dass der Krottenweiher bei einer 100% Umleitung unter einem Bypass leiden könnte, sind nachvollziehbar und werden von mir geteilt.
Es geht mir auch nicht darum, den Krottenweiher vollständig von der Frischwasserversorgung abzuschneiden. Mit einfachsten technischen Mitteln ließe sich der Zulauf beider Seen regulieren (1/3 oder 1/2 Zuleitung?). Eventuell müsste der Krottenweiher nach vielen Jahrzehnten auch entschlammt werden. Würde der Fischbesatz im oberen Weiher reduziert, dann wäre er ein wichtiges Amphibienbiotop.

Diese Fragen sollten bei der von Ihnen angekündigten Abstimmung mit der Naturschutzbehörde und dem Gewässerbiologen unbedingt angesprochen werden.
Der Hitze- und Trockensommer 2026 gibt eine Vorahnung kommender Probleme für Mensch, Natur, Landwirtschaft und auch für den Weiher.

Darum auch mein schriftlich und mündlich vorgetragener Wunsch, Hochwasserschutz in Endingen mit dauerhafter Starkregenrückhaltung zu verbinden.

Wir brauchen für Mensch, Natur, Landwirtschaft und auch für den Weiher langfristige Lösungen.
Varianten einer Bypasslösung sollten ernsthaft geprüft werden.

Mit freundlichen Grüßen im Hitzesommer

Axel Mayer

Nachtrag und Dank:
Eine wirklich große Hilfe für den Weiher und für die badenden Menschen ist die aktuelle Frischwasserzufuhr aus dem Hydranten. Das Wasser ist kühler, algenärmer und die Wasser- und Badequalität hat sich stark verbessert. Ob diese Frischwasserzufuhr in kommenden Hitzesommern weiterhin möglich ist, wird sich zeigen.




Dritter Brief an die Stadt


Axel Mayer, Venusberg 4, 79346 Endingen

An die Stadt Endingen
Herrn Bürgermeister Metz
An die Fraktionen von CDU, SPD, EBG, Unabhängige, Grünen


4.7.2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Metz,
Sehr geehrte Damen und Herren in den Fraktionen,

Erleweiher im Hitzesommer 2026


Nach einem unbeantworteten Schreiben ähnlichen Inhalts im vergangenen Jahr wende ich mich diesmal auch an die Damen und Herren Stadträte.

Unser Erleweiher ist nicht nur für mich ein großes Stück sommerlicher Lebensqualität, mit dem durchaus reizvollen Charme eines Strandbades aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Stadt pflegt die Außenanlagen vorbildlich. Wir sollten versuchen, diese kostengünstige Bade- und Lebensqualität in Zeiten des Klimawandels auch für die Zukunft zu erhalten.
Immer wieder in den letzten Jahren wurde der Erleweiher von der Realität des Klimawandels eingeholt und es wurden Blaualgen gefunden. Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien. Bei hohen Wassertemperaturen vermehren sich die Bakterien. Die Giftstoffe der Cyanobakterien können Hautreizungen, Übelkeit und Durchfall verursachen, in schlimmen Fällen auch zu Lebervergiftungen führen und neurotoxische Wirkungen entfalten. Während Tiere wie zum Beispiel Hunde nach dem Trinken von belastetem Wasser sterben können, sind solche Fälle bei Menschen bislang nicht bekannt. (aber gsund isch´s nid)

DerHitzesommer 2026 und der fehlende Regen macht dem Weiher und den Badenden zunehmend zu schaffen. Heute, am 4.7.26 war die zunehmende Blaualgenplage deutlich bemerkbar. Kommt (wie heute) der Wind talabwärts vom Kaiserstuhl, dann findet sich ein blasenwerfender grüner Blaualgenteppich an der Einstiegsstelle. Kommt der Wind aus der Stadt, dann werden die Algen Richtung Kaiserstuhl abgetrieben und der See wirkt (scheinbar) sauber. Es läuft schon lange kein Wasser mehr ab, auch weil zu viel Wasser im oberen "Krottenweiher" verdunstet. In diesem "Vorlauferhitzer" erwärmt sich das zufließende Wasser unnötigerweise um bis zu um 7 Grad. Die weitere Entwicklung ist stark wetter- und temperaturabhängig.

Die Stadt sollte unabhängig vom aktuellen, beginnenden Blaualgenbefall versuchen, die Wasser- und Badequalität zu verbessern.
Ein Problem (nicht nur) für den Weiher ist der zu erwartende Klimawandel am Kaiserstuhl. In Baden-Württemberg sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um beinahe 2 Grad gestiegen, am Oberrhein sogar schon stärker! Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass aus zukünftigen globalen 2 Grad mehr 4 Grad zusätzlich am Kaiserstuhl und in Endingen werden.

Lösungsansätze:
In der Regel entstehen Cyanobakterienblüten, wenn die Temperaturen im See und der Lichteinfall hoch sind und viele Nährstoffe (Phosphor und Stickstoff) das Wasser belasten.

Zu den „Nährstoffen“ aus der Landwirtschaft kommt das an die Fische verfütterte Brot von Besuchenden. Ein erklärendes Schild an der Holzbrücke könnte an die Vernunft appellieren.
Bitte keine Fische füttern.

„Wer Fische füttert, überdüngt den See und füttert die Algen.“
Stadt Endingen


Die ersten drei Punkte wären schnell umsetzbar. Wie gesagt: Wir sollten versuchen, die Bade- und Lebensqualität der Menschen in Zeiten des Klimawandels auch für die Zukunft zu erhalten und den Weiher schützen. Wenn es Gründe gibt, warum der „Bypass“ nicht realisierbar ist, dann bitte ich um eine kurze Information.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer (alt-) Kreisrat


Aktueller Nachtrag: Manchmal Quallen / Süßwassermedusen im Erleweiher


Seit einigen Sommern gibt's (immer nur für kurze Zeit sichtbar) im Erleweiher eine neue Tierart: Die Süßwassermeduse, eine kleine, wunderschöne, ungiftige Qualle.
Sie ist die einzige Meduse, die in Mitteleuropa im Süßwasser vorkommt, ungefähr so groß wie eine Ein-Euro-Münze und besteht selbst zu 99,3 Prozent aus Wasser. Damit ist die Süßwassermeduse die Tierart mit dem höchsten Wassergehalt. Die Medusen wurden aus Asien eingeschleppt und kommen, außer in der Antarktis, weltweit vor. Diese Süßwasserqualle ist für den Menschen absolut harmlos und sie ist zugegeben wunderschön & exotisch. Ein Wesen, "nicht von dieser Welt".
Zur Nahrung der Süßwasserqualle zählen Kleinkrebse, Rädertierchen und Einzeller. Die längste Zeit ihres Lebens überdauert die Meduse jedoch nicht als schirmartig geformtes Tier, sondern als Polyp, der das ganze Jahr über am Boden von stehenden oder langsam fließenden Gewässern vorkommt. Sie ist also nur kurzzeitig sichtbar, lebt aber dauerhaft im Weiher. Wahrscheinlich schleppten Wasservögel die Polypen in den Endinger Erle-Weiher ein.

Diese besonderen Tiere haben keinen großen ökologischen Einfluss auf heimische Tier- und Pflanzenarten und sind für den Menschen harmlos. Das Vorkommen spricht für eine gute Wasserqualität, allerdings auch für zu warmes Wasser. Erkennbar sind sie nur in einem sehr engen Temperaturspektrum, also nicht immer.

Der Klimawandel am Kaiserstuhl, Blaualgen, Blaualgen mit Brot fütternde Menschen und die Spezies des überall vorkommenden "Müllidioten" sind für den Weiher ein wesentlich größeres Problem als die Quallen.

Hier geht´s zu einem Medusen-Video...


Hier
geht's zur neuen umfangreichen Seite Erleweiher - Erletal & Erleloch in Endingen


Erleweiher und Erletal in Endingen: Historische Aufnahmen



Alt Endingen am Kaiserstuhl, historische Bilder und Aufnahmen: Erleweiher und Katharinenberg


Endingen, Erletal, Kastanienallee
Mehr historische Aufnahmen und Bilder von Endingen finden Sie Hier[/quote]



Der Kaiserstuhl im Sommer
ist eine manchmal schöne, manchmal viel zu heiße Landschaft. Im Zeitalter des Klimawandels verändern sich die bisherigen klimatischen Begünstigungen und Standortvorteile des Kaiserstuhls zu Nachteilen und Risiken. Es war früher einmal schön, am Kaiserstuhl, in der wärmsten Region Deutschlands zu leben und Urlaub zu machen. Von der heißesten Region Deutschlands lässt sich dies nicht unbedingt sagen. Der Kaiserstuhl und Südbaden haben in heißen Sommern ein immer größeres Wasserproblem.
Abends und am frühen Morgen lassen sich dennoch schöne Wanderungen und Spaziergänge machen.






Erleweiher-Endingen: Ein durch den Klimawandel gefährdetes Stück sommerlicher Lebensqualität am Kaiserstuhl
Mehr Infos zum Klimawandel in Endingen und am Oberrhein













































































Aktueller Einschub vom 16.8.22:


Kurz vor Ende der Hitzeperiode und vor dem angekündigten Regen, hat es den Erleweiher doch noch erwischt. Der Befall mit Blaualgen ist unübersehbar, die Stadt ist informiert.
Blaualgen sind keine Algen sondern Cyano-Bakterien. Bei hohen Wassertemperaturen vermehren sich die Bakterien. Die Giftstoffe der Cyano-Bakterien können Hautreizungen, Übelkeit und Durchfall verursachen, in schlimmen Fällen auch zu Lebervergiftungen führen und neurotoxische Wirkungen entfalten. Während Tiere, wie zum Beispiel Hunde, nach dem Trinken von belastetem Wasser sterben können, sind solche Fälle bei Menschen bislang nicht bekannt. (aber gsund isch´s nid) Es ist ein Glück, dass der Befall so spät im Jahr auftrat, die Tage und Nächte werden kühler und regen ist angekündigt.

Ein Problem für den Weiher ist der Klimawandel am heißen Kaiserstuhl.
In Baden-Württemberg sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um 1 Grad gestiegen, am Oberrhein sogar schon um 2 Grad! Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass aus zukünftigen globalen 2 Grad mehr, 4 Grad zusätzlich am Kaiserstuhl und in Endingen werden. Info

Eventuell wäre ein "Bypass" eine Lösung
Es sollte weniger Wasser durch den oberen See fließen (wo es sich erwärmt und durch Bade- oder Zerkarien belastet werden könnte). Der obere See sollte weniger Frischwasser und der Badesee mehr Frischwasser bekommen. Der Abfluss des oberen Sees sollte nicht mehr in den Erleweiher gelangen. Es ist erfreulich und ein Erfolg, dass die Stadt jetzt teilweise auch in heißen Sommern Frischwasser zuleitet.

Mehr Infos:
*alter BZ-Bericht vom letzten Befall
Axel Mayer


Hier noch die Antwort der Stadt vom 16.8.22
Sehr geehrter Herr Mayer,
nach Rücksprache mit unserem Bauhof findet eine ständige Kontrolle und Überprüfung der Wasserqualität statt. Wir werden die Lage weiter beobachten und danken für Ihren Hinweis.
Mit freundlichen Grüßen
Stadtverwaltung Endingen


Text für die wenigen kalten Winter in Endigen und am Erleweiher / ein zum Schluss ein wenig "unkorrektes" Gedicht:


Das Büblein auf dem Eise / auf dem Erleweiher
Gefroren hat es heuer
noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
und spricht zu sich ganz leis:
"Ich will es einmal wagen,
das Eis, es muß doch tragen.
Wer weiß!"

Das Büblein stapft und hacket
mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket,
und krach! schon bricht′s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt,
als wie ein Krebs und zappelt
mit Arm und Bein.

"O helft, ich muß versinken
in lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muß ertrinken
im tiefen, tiefen See!"
Wär′ nicht ein Mann gekommen -
der sich ein Herz genommen,
o weh!

Der packt es bei dem Schopfe
und zieht es dann heraus,
vom Fuße bis zum Kopfe
wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
der Vater hat′s geklopfet
es aus
zu Haus.


Friedrich Wilhelm Güll
(* 1812-04-01, † 1879-12-24)