Amphibiensterben, Froschsterben, Artensterben: Die Ursachen der Artenausrottung


Veröffentlicht am 31.05.2021

Amphibiensterben, Froschsterben, Artensterben: Die Ursachen der Artenausrottung


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Amphibien sind die am stärksten bedrohte Tierklasse der Welt. Gemäss dem Global Amphibian Assessment (GAA) sind in den vergangenen Jahrzehnten von den knapp 5920 bekannten Arten 34 sicher und mindestens 130 weitere Spezies vermutlich ausgestorben. Von den restlichen ist gut ein Drittel vom Aussterben bedroht. Rein zahlenmässig gibt es gemäss dem GAA in Kolumbien (mit 209 Arten), Mexiko (198) und Ecuador (163) die meisten gefährdeten Arten. Die Bestände gehen aber weltweit zurück, und der Anteil der bedrohten Spezies dürfte sich künftig noch erhöhen, da die Populationen von 43 Prozent der Arten schrumpfen.

Neben der Zerstörung von Lebensräumen und dem Klimawandel ist der Chytridpilz eine der wichtigsten Ursachen für das globale Amphibiensterben. Spätestens seit den 1980er Jahren rafft dieser Erreger massenweise Frösche, Kröten und Molche dahin – zunächst nur in Lateinamerika und Australien, mittlerweile aber auf der ganzen Welt.
Die Verbreitung des Amphibienkillers scheint kaum aufzuhalten zu sein und jüngst hat der Erreger auch noch Schützenhilfe bekommen: Ein zweiter Pilz ist aufgetaucht, der nun vor allem in Europa heimische Arten bedroht.

Amphibiensterben in Baden-Württemberg
An den rund 900 Stellen in Baden-Württemberg, an denen im Frühjahr 2021 an Fangzäunen und Straßenröhren die Wanderung von Fröschen, Kröten und Molchen beobachtet werden, sind jetzt so wenige Tiere gezählt worden wie noch nie. Der Rückgang liegt im Landesschnitt bei 50 Prozent, an einigen Stellen beträgt er bis zu 90 Prozent. Die aktuelle Debatte um das globale und regionale Amphibiensterben und seine Ursachen führt an einer Stelle in die Irre. Wir diskutieren das große Sterben als ein Phänomen der letzten Jahrzehnte. Doch das Sterben hat mit DDT, E 605 und anderen brutalen Agrargiften und dem daraus folgenden Insekten- und Artenschwund schon viel früher begonnen. Das aktuelle Amphibiensterben ist "nur" die Ausrottung des verbliebenen Rests. Das gilt nicht nur für die Amphibien sondern auch für das eng damit verbundenen Sterben der Insekten und für das große globale Artensterben.

Die Ursachen für das große globale und regionale Artensterben und Amphibiensterben
und für den Klimawandel sind vielfältig und doch lassen sie sich zu einem Bild zusammenfügen. Wir leben in einer Zeit der global organisierten Gier und einer Endzeit exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums im begrenzten System Erde und verwandeln die vielfältige Welt in eine große einheitliche Fabrik. In eine Agrar-Fabrik, eine Fabrik-Fabrik, eine Konsum-Fabrik und eine Wohn-Fabrik, in der zunehmend übersättigte Menschen immer unzufriedener werden. Wir zerstören die Erde für dummen Überkonsum und der Rest der Welt will genauso verschwenderisch leben wie wir. Die meisten der angebotenen Problemlösungsansätze von Politik und Medien sind "putzig" angesichts der Dimension der Probleme. In Friedenszeiten werden in Deutschland die Rüstungsausgaben auf 85 Milliarden Euro (85.000.000.000) verdoppelt und die Überlebensausgaben (Artensterben, Klimakatastrophe) werden vernachlässigt.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle in vollem Gange. Allein seit dem Jahr 1500 seien mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere ausgestorben, die Bestände der verbliebenen seien im Schnitt um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University in "Science". Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.
Der Mensch im Anthropozän hat auf die Artenvielfalt also langfristig eine "ähnlich verheerende" Wirkung wie der große Meteor-Einschlag vor 65 Millionen Jahren.

Das menschengemachte Artensterben ist kein "aktuelles Phänomen".
Mindestens 200 große Säugetiere verschwanden in den vergangenen 135.000 Jahren. Eine Analyse zeigt: Schuld am Aussterben war meist der Mensch - nicht das Klima. Das Aussterben der meisten großen Säugetierarten der vergangenen 135.000 Jahre geht auf das Konto des Menschen. Diese erschreckende Bilanz zogen dänische Forscher um Christopher Sandom von der Universität Aarhus in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Und Artensterben war und ist immer auch Artenausrottung.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein



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