Buggingen: Giftmüll, Kalisalz, Grundwasser & cyanidhaltige Härtesalze


Veröffentlicht am 12.03.2024

Buggingen: Giftmüll, Kalisalz, Grundwasser & cyanidhaltige Härtesalze / Die südbadische Stocamine?


Im Jahr 2024 hat endlich die Sanierung des Bugginger Salzberges begonnen. Von der Kali-Abraumhalde in Buggingen werden pro Tag bis zu 2,58 Tonnen Salz ins Grundwasser gespült, auf das Jahr gerechnet sind das bis zu 945 Tonnen Chlorid. In meiner Funktion als BUND Geschäftsführer hatte ich schon im Dezember 1997(!), also vor 27 Jahren, eine Anzeige gegen die Mine de Potasse de Alsace und die Kali und Salz AG gestellt und auf die schnelle Sanierung der Salzberge in Baden und im Elsass gedrängt ...

Eine Sorge aber bleibt auch nach der jetzt anlaufenden oberflächlichen Salzsanierung. Gibt es langfristige Gefahren durch die 570 Tonnen hochgiftiger, cyanidhaltiger Härtesalze, die 1973 unsachgemäß in 2.900 Fässern im stillgelegten Bergwerk Buggingen verscharrt wurden, oder ruht unter unseren Füßen die südbadische Stocamine?


1973 war auch in Südbaden noch die Zeit der „guten, alten, offenen“ und vor allem sichtbaren Umweltzerstörung und Umweltvergiftung. Flüsse waren stinkende Kloaken, Kinder in der Umgebung von Verbrennungsanlagen litten an Pseudokrupp, in der Umgebung deutscher Bleichemiewerke starben die Kühe an Bleivergiftung. Trotz des Konzernwissens um die Gefahren wurde noch hemmungslos Asbest verbaut. Die sechziger und siebziger Jahren waren die unkritisch-technikbesoffenen Nachkriegsjahre. Die Einlagerungen geschahen in einer Zeit, in der in Deutschland tausende von Altlasten und kontaminierten Standorten geschaffen wurden.

Den Umgang mit allen Arten von Müll, Giftmüll und Atommüll in diesen Zeiten zeigen einige Beispiele:
  • In meinem Heimatdorf Teningen wurde ein Baggersee (offenliegendes Grundwasser) mit Giftmüll verfüllt.
  • In den 60er Jahren hat die Basler Chemie ihren Giftmüll nicht nur billig in Südbaden "entsorgt". Marode Deponien, die zwischenzeitlich extrem teuer wieder saniert werden müssen.
  • 1967 begann die Einlagerung von Atommüll im Salzbergwerk Asse. Jetzt muss die Asse nach Wassereinbrüchen geräumt werden.
  • Der Schweizer Atommüll wurde von 1969 bis 1982 im Meer versenkt
  • Die Dünnsäureverklappung im Meer wurde erst am 31.12.1989 beendet


Ohne gründliche Untersuchung der Geologie und des Untergrundes und ohne Beteiligung der Öffentlichkeit wurden in Buggingen 570 Tonnen hochgiftiger, cyanidhaltiger Härtesalze in das ehemalige Kalibergwerk eingebracht. Ursprünglich geplant waren 1000 Tonnen. Der damalige Grubendirektor Bloomkamp erklärte das Wort "Giftmüll" in einem Interview für irreführend, doch Cyanide sind hochtoxisch.

Es gibt tatsächlich auch einigermaßen sichere Bergwerke für Giftmüll. Doch diese wurden und werden dann auch als Deponien gebaut und geplant. Die elsässische Stocamine und das Bergwerk in Buggingen wurden als Kalibergwerke geplant und gebaut. Der Untergrund erinnert teilweise an einen Schweizer Käse. Die vorhandenen "Löcher" als Billiglösung dann mit Giftmüll zu füllen, kommt die französischen Steuerzahlenden jetzt ziemlich teuer. Ähnlich wie uns alle das deutsche Atommülllager Asse teuer zu stehen kommt, das aktuell für 3,35 Milliarden(!) Euro wieder geräumt werden muss. (Eine Milliarde sind tausend Millionen.)

Ob die "Entsorgung" von Giftmüll in Buggingen langfristig eine Gefahr fürs Grundwasser bedeutet, oder ob die Gifte sicher deponiert sind, ist eine offene Frage. Unabhängig vom Giftmüll ist das Grundwasser schon wegen des Salzes in diesen Schichten nicht nutzbar. Die Behörden beruhigen jedenfalls (siehe unten auf dieser Seite). Das Grundwasser am Oberrhein ist mit einem Volumen von geschätzt 45 Milliarden Kubikmetern einer der bedeutendsten Grundwasserleiter Mitteleuropas. Die Fehler der Vergangenheit holen uns auch am Oberrhein gerade ein und kommen uns teuer zu stehen.

Und wir sind scheinbar unfähig, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ein Beispiel sind die extrem teuren Fehler, die bei der "neuesten, besten und sichersten" Giftmülldeponie Frankreichs, der Stocamine gemacht wurden.

Große Sorgen bereiten auch die aktuellen atomaren Endlagerpläne der Schweiz und der unkritische Umgang damit. Ein atomares Endlager in einer viel zu dünnen Schicht Opalinuston über einem Permokarbontrog … Wie soll das gut gehen? Atommüll, der eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss, braucht eine gute Geologie und nicht gute Worthülsen.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-)BUND Geschäftsführer (Der sich zumindest über die Salz-Sanierung in Buggingen und die Durchsetzung des Verursacherprinzips freut)

Mehr Infos: Mit 16 Jahren Verspätung beginnt die Sanierung des Salzbergs/Kaliabraumhalde in Buggingen


Buggingen: Kalisalz, Grundwasser, Giftmüll & cyanidhaltige Härtesalze



Buggingen: Kalisalz, Grundwasser, Giftmüll & cyanidhaltige Härtesalze



Landtag von Baden-Württemberg 16. WahlperiodeDrucksache 16 /579921. 02. 20191



Kleine Anfrage der Abg. Gabi Rolland SPD: Ich frage die Landesregierung:
Frage:
*6. Wie wird die nach heutigem Wissenstand vermutlich unsachgemäße Einlage-rung von hochgiftigen Härtesalzen im stillgelegten Bergwerk bewertet und sindzusätzlich zum Salz aus der Abraumhalde auch diese Gifte als langfristige Gefahr für das Grundwasser anzusehen?

Antwort:
Im Jahr 1989 wurde in der Kleinen Anfrage zu „Sondermüll in alten Bergwerken“(Drs. 10/1128 vom 8. Februar 1989) zur Kalihalde in Buggingen eine vergleichbare Frage gestellt. Als Begründung, weshalb eine Gefährdung des Grundwassers nicht gegeben sei,wurde mitgeteilt, dass zum einen seit dem Auffahren in der für die Beseitigung vorgesehenen Strecke im Jahr 1951 keine Wasser- oder Laugenzuflüsse zu verzeichnen gewesen seien und das Kalisalzlager selbst eine ausreichende Sicherheitsbarriere gegenüber dem Grundwasser darstelle. Zum anderen wurde angegeben, dass nach bergmännischer Erfahrung die Grubenstrecke in kurzer Zeit durch den Gebirgsdruck zusammengedrückt würde und aufgrund der Plastizität des Salzes die Abbauräume daher dicht gegen das Eindringen von Süßwasser und Lauge abgesperrt seien, sodass die Härtesalze nicht in Berührung mit dem Grundwasser oder mit den Quellen in Bad Krozingen kommen können. Dies wurde auch durch ein Gutachten des damaligen Geologischen Landesamtes aus dem Jahr 1972 bestätigt. Aktuell liegen keine gegenteiligen Erkenntnisse oder Anhaltspunkte, die zu einem gegenteiligen Ergebnis führen könnten, vor. Neue Untersuchungen wären mit hohem technischen Aufwand verbunden. Ergänzend wird angemerkt, dass gemäß hydrogeologischer Karte der quartäre Grundwasserleiter in Buggingen eine Mächtigkeit von etwa 25 Metern aufweist. Der Grundwasserflurabstand beträgt etwa 15 bis 20 Meter. Die dokumentierten Härtesalzeinlagerungen stehen daher höchstwahrscheinlich nicht in Verbindung mit dem genutzten quartären Grundwasserleiter. Untersuchungen des Grundwassers auf Cyanid wurden staatlicherseits nicht durchgeführt.

Untersteller Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft







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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



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