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Nordkorea: Atomtest - Atomwaffen - Atombomben -Wasserstoffbomben & Atomkraftwerk


Nordkorea: Atomtest - Atomwaffen - Atombomben - Wasserstoffbomben & Atomkraftwerk Yŏngbyŏn

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer Freiburg, Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband TRAS Basel


20.9.2017

Die nordkoreanische Atombombe und der blinde Fleck der Wahrnehmung


Die letzten Atomwaffenversuche Nordkoreas und die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Trump vor der UN und seine Ansage: „Dann haben wir keine andere Wahl als die totale Zerstörung Nordkoreas“ zeigen die gefährliche Zuspitzung der Lage. Der Konflikt nimmt eine Dimension an, die nicht nur Millionen Opfer fordern kann, sondern den Weltfrieden gefährdet. Die Zuspitzung der Krise zeigt aber auch, was es bedeutet, wenn Neurotiker an der Spitze von Atomwaffenstaaten bei ihren kindisch-gefährlichen Sandkastenspielen über die schrecklichsten Vernichtungswaffen der Welt verfügen.

Die zunehmende Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen durch den Export von neuen AKW in Spannungsgebiete und durch die Entwicklung und Verbreitung neuer, kleiner Reaktoren ist der große blinde Fleck der aktuellen Berichterstattung.

Wie kam Nordkorea zu seinen Atombomben?
1962 beschloss die Regierung Nordkoreas, bei Yŏngbyŏn ein Atomforschungszentrum einzurichten. 1965 errichtete Nordkorea in Yŏngbyŏn mit sowjetischer Hilfe einen Forschungsreaktor mit 2 Megawatt Leistung. Er ging 1967 in Betrieb. Zugleich begann Pjöngjang mit dem Bau eines eigenen, kleinen, zweiten Reaktors mit einer Leistung von fünf Megawatt. Der Reaktor kann nach Schätzungen pro Jahr bis zu acht Kilogramm Plutonium erzeugen. "Yŏngbyŏn ist Nordkoreas einzige Anlage zur Produktion von Plutonium für sein Atomwaffenprogramm.", schrieb die Süddeutsche Zeitung.

Während die Welt und die Medien gebannt nach Nordkorea schauen, vergrößert sich die weltweit die Gefahr, dass immer mehr Länder, Diktaturen und Despoten über den Umweg der so genannten "friedlichen Nutzung der Atomenergie" in den Besitz von Atomwaffen kommen.

Schon am 11.12.2007 hatten die französische Umweltorganisation CSFR und der Bund für Umwelt und Naturschutz am Südlichen Oberrhein die gefährlichen Pläne des damaligen französischen Staatspräsidenten Sarkozy, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen und in andere Spannungsgebiete des Nahen Ostens zu exportieren, als Gefährdung des Weltfriedens scharf kritisiert. Die Presseerklärung stieß in den deutsch-französischen Medien auf „keine Resonanz“, denn im Jahr 2007 war Herr Gaddafi noch ein „guter, nützlicher Diktator“, mit dem sich gute Geschäfte machen ließen. Es brauchte keine 10 Jahre um zu zeigen, wie entsetzlich ein französischer AKW-Export gewesen wäre. Hätte Herr Sarkozy ein wenig früher seine AKW-Export-Pläne nach Libyen realisiert, dann hätte das Land, ähnlich wie Nordkorea, recht schnell über Plutonium und Atomkraftwaffen verfügen können.

Heute stellen wir öffentlich die Frage, warum sonnenreiche Länder (in politischen Spannungsgebieten) wie die Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate Atomkraftwerke bauen wollen, obwohl mit Photovoltaik und Windkraft doch zwischenzeitlich viel kostengünstiger Strom erzeugt werden kann. Geht es tatsächlich um den teuren Atomstrom oder um einen Machtzuwachs nach nordkoreanischem Vorbild?
Atomenergie wird aus PR- und Durchsetzungsgründen gerne als emissionsarme, klimafreundliche Form der Energiegewinnung dargestellt, mit der die Ziele der Klimakonferenz aus Paris erreicht werden können. Doch es war gerade Saudi-Arabien, das sich vehement und am Ende vergeblich gegen das Pariser Klimaabkommen gestellt hatte.

Die nordkoreanische Atombombe entsteht (über Umwege) mit Hilfe kleiner Atomkraftwerke. Gleichzeitig läuft weltweit die Kampagne für neue, kleine AKW, für den Thorium-Reaktor. Kleine und kleinste "umweltfreundliche & grüne" Thorium-Atomkraftwerke sollen zukünftig überall auf der Welt gebaut werden und die Forschung wird mit EU-Geldern gefördert. Aus den alten, großen Druck- und Siedewasser-Reaktor würden unzählige Klein- und Kleinstreaktoren in allen Ländern der Welt. In jedem dieser Mini-Reaktoren entsteht die Radioakivität vieler Hiroshima-Bomben. Für die heutigen und zukünftigen Diktatoren der Welt brächte schon die Möglichkeit, "schmutzige Bomben" zu bauen einen "nordkoreanischen Machtzuwachs". Die Abscheidung von Protactinium in Thorium-Reaktoren ist technisch möglich. 8 Kilogramm (waffenfähiges) Uran 233 können aus 1,6 Tonnen Thorium innerhalb eines Jahres hergestellt werden. Die IAEO rechnet, dass diese Menge Uran für den Bau einer Nuklearwaffe genügt.

Die wiederbelebte Idee der Verbreitung von vielen kleinen & großen AKW auf der Welt ist ein globales Selbstmordprogramm und ein atomarer Alptraum.

Atomkraftwerke sind Diktators und Terrorists Liebling. Der aktuelle Alptraum der nordkoreanischen Atombewaffnung würde durch den weltweiten Export von neuen AKW in Spannungsgebiete und von "schönen, kleinen Thoriumreaktoren" in´s Unendliche vergrößert.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer Freiburg, Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband TRAS Basel

Mehr Informationen zu Thorium-Reaktoren hier.






Eine schrecklich aktuelle, alte Presseerklärung vom 26.5.2009


Der Atomwaffenstaat Nordkorea: Mit Atomkraft zur Bombe
Die Welt ist wieder ein Stück unsicherer geworden



Nordkorea: AKW & Atombombe

Eine mit dem Unfall von Tschernobyl durchaus vergleichbare Katastrophe für die Menschheit ist jedes neue Land, das mit Hilfe der so genannten friedlichen Nutzung der Atomenergie zum Atomwaffenstaat wird.


Am 9. Oktober 2006 hatte Nordkorea erstmals einen unterirdischen Atomtest "erfolgreich" durchgeführt und sich so in den "exklusiven Kreis" der Atomwaffenstaaten gebombt. Gleichzeitig entwickelt Nordkorea auch Interkontinentalraketen. Am 25. Mai 2009 wurde jetzt zum zweiten Mal unterirdisch eine Atombombe getestet. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, der Test sei erfolgreich verlaufen.

Der neue Test sei "Teil der Maßnahmen, um die nukleare Abschreckung zur Selbstverteidigung zu stärken", hieß es bei KCNA. Wenige Stunden später hat Nordkorea einem südkoreanischen Bericht zufolge dann noch eine Kurzstreckenrakete gestartet. Es handele sich um eine Boden-Luft-Rakete mit einer Reichweite von 130 Kilometern. Sie sei von der Basis Musudan Ri aus gestartet worden.

AKW & Atombombe

Immer wenn ein Land die so genannte "friedliche" Kernenergie nutzt um damit in den Besitz von Atomwaffen zu kommen wird die Welt ein wenig unsicherer.


In Nordkorea gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der zivilen Nutzung der Atomenergie und der Atombombe. Der Reaktor von Yongbyon hat das Plutonium zur Herstellung der koreanischen Nuklearwaffen geliefert. Der "kleine" 5 MW Reaktor hat nach Schätzungen von Experten seit seiner Inbetriebnahme vor 20 Jahren 50 bis 60 Kilogramm Plutonium produziert. Das reicht für sechs bis zwölf Atombomben.

Auch hinter dem gefährlichen Traum von der so genannten „friedlichen“ Nutzung der Atomenergie in Frankreich, Deutschland und der Schweiz stand ursprünglich der Wunsch nach eigenen, nationalen Atomwaffen.

Heute wird die Welt von den Atomwaffen der folgenden Staaten bedroht:
  • USA
  • US-Atomwaffen in Europa (NATO)
  • Großbritannien
  • Frankreich
  • Russland
  • China
  • Indien
  • Pakistan
  • Israel
  • Nordkorea


Unter Verdacht, Atomwaffen zu besitzen oder zu bauen, steht der
  • Iran


Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden weltweit erfreulich viele Atomwaffen abgerüstet. Doch mit dem „modernisierten“ verbleibenden „Rest“ könnte die ganze Menschheit immer noch mehrfach ausgerottet werden.

Doch dann bleiben immer noch die Atomkraftwerke, die mit längerer Laufzeit immer unsicherer und gefährlicher werden. Bei einem Unfall, einem Flugzeugabsturz oder einem jederzeit möglichen terroristischen Anschlag auf ein großes AKW würde die Radioaktivität vieler hundert Hiroshima-Bomben freigesetzt.

Das noch größere Problem ist die Gefährdung allen Lebens mit der weltweiten Verbreitung von Atomkraftwaffen durch den Bau von Atomkraftwerken, Urananreicherungsanlagen und dem Schwarzmarkt für Plutonium. Wieso haben Länder wie Pakistan und Nordkorea Atomwaffen? Weil sie mit Hilfe der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ Mittel und Wege gefunden haben, Atomkraftwaffen zu bauen. Und jedes alte und neue AKW (auch der neue Siemens Euroreaktor EPR) vergrößert die Gefahr für den Weltfrieden.

Deutlich wird diese Gefahr jetzt aktuell beim nordkoreanische Atomprogramm und bei der Debatte um die iranische Atombombe. Doch der erhobene "westliche" Zeigefinger gilt nicht, wenn hinter diesem Zeigefinger eigene Atomwaffen, AKW und Urananreicherungsanlagen stehen. Woher kommt die Anmaßung der Atomstaaten, anderen Ländern das verbieten zu wollen, was sie selber haben? Wie der Kolonialismus lässt sich eine weltweite atomare Zweiklassengesellschaft auf Dauer nicht aufrecht erhalten. Wer im eigenen Land AKW betreibt, Atomkraftwerke länger laufen lässt, wer heimlich auf den Bau neuer Siemens Druckwasserreaktoren spekuliert, liefert dem Rest der Welt leider gute Gründe, neue Atomkraftwerke und Atomwaffen zu bauen, fördert die Proliferation und gefährdet so diesen Planeten und alles Leben.


Experten warnen
In den nächsten 20 Jahren werden alleine schon Konfliktgebiet im Nahen Osten "große Mengen an zivilem Plutoniummüll" anfallen, warnt eine Studie des Institute for Science and Security (Isis), ein unabhängiger Think-Tank für Militärforschung in Washington. Bis 2020 könnten es rund 13 Tonnen sein, bis 2030 45 Tonnen. Acht Kilogramm Plutonium reichen für den Bau einer Atombombe, schreiben die beiden Autoren, Isis-Chef David Albright und Andrea Scheel. Bis 2020 hätte die Region daher "genug Plutonium für 1700 Atombomben". Albright ist ehemaliger IAEA-Waffeninspekteur, der Mitte der 90er Jahre auch im Irak tätig war.

Bei den Atomwaffen zeigt sich auch die Schizophrenie der UNO-Organisation IAEO / IAEA. Die IAEO ist eben auch eine geschickt aufgebaute Tarnorganisation der Nuklearindustrie. Das Ziel der IAEO wurde bei der Gründung folgendermaßen definiert: "Ziel der Organisation ist es, den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand auf der ganzen Welt rascher und in größerem Ausmaß wirksam werden zu lassen. Sie stellt soweit als möglich sicher, dass die von ihr geleistete Hilfe nicht zur Förderung militärischer Zwecke verwendet wird."

Einerseits soll die IAEO die militärische Nutzung der Atomkraft verhindern, andererseits fördert sie als UNO-Organisation aber indirekt die Proliferation, die Weiterverbreitung von Atomwaffen durch den Bau von AKW in immer mehr Ländern.

Während die berechtigte Kritik an Nordkorea zunimmt verkauft der französische Präsident Sarkozy Atomkraftwerke an Länder wie Libyen, Marokko und Algerien und verschafft diesen Ländern dadurch die Möglichkeit, Atomwaffen zu bauen.

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben
der Umwelt- und Friedensbewegung immer wieder den Zusammenhang zwischen der "friedlichen" und militärischen Nutzung der Atomenergie aufzuzeigen. Ein Zusammenhang, der in der Berichterstattung gerne unter den Tisch der Redaktionen fällt.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer / Freiburg




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Hintergrundinformation: Die Pakistanische Atombombe
  • 1965: Inbetriebnahme des ersten „Forschungsreaktors“. Gleichzeitige Erklärung von Außenminister Bhutto, „einer indischen Atombombe eine eigene entgegen zu setzen“
  • 1972: Energiegewinnung durch pakistanisches AKW. Parallel dazu ständig Versuche die pakistanische Atombombe zu entwickeln
  • Über Urananreicherung und Plutoniumgewinnung (mit chinesisch-deutscher Hilfe) erreicht Pakistan dieses Ziel
  • Seit Beginn der 90er Jahre produziert Pakistan jährlich hochangereichertes Uran für ca. 3 bis 4 Atombomben
  • 1992: Erklärung der Regierung, über eine Atombombe zu verfügen
  • 1998: erster pakistanischer Atomwaffentest


Hier umfassende Infos:
hier: Fessenheim Infos
hier: Infos AKW und Atomgefahren
hier: KKW und Klimaschutz
hier: Uran, Öl, Gas und weltweite Energievorräte








Mitwelt-Warnungen...


  • 1) Diese Internetseiten sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen sondern wenden uns an die kleine Minderheit die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die-Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.


Axel Mayer




























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