Die Gefährdung von Atomanlagen, Atomtransporten, Zwischenlagern und Kernkraftwerken durch potentielle Anschläge
und Terror wird in der politischen Debatte gerne verdrängt und ausgeblendet. Wo neue Akzeptanz für AKW geschaffen werden soll, stört der nötige Hinweis auf potentielle Gefahren.
Doch die so genannte friedliche Nutzung der Atomenergie hat die Büchse der Pandora weit geöffnet.
So gibt es für Atom - Terrorismus vier denkbare Wege:
- 1. Aus spaltbarem Material (Plutonium-239, hochangereichertes Uran-235...) könnte ein nuklearer Sprengkörper einfachster Technologie gebaut werden.
- 2. Verwendung einer (gestohlenen) Atombombe aus Beständen regulärer Armeen.
- 3. Radioaktives Material kann mit Hilfe einer geeigneten technischen Vorrichtung in der Umwelt verbreitet werden, um eine radioaktive Verseuchung zu schaffen. (Schmutzige Bombe)
- 4. Direkter Angriff auf ein Atomkraftwerk, einen Castortransport, eine Wiederaufarbeitungs-anlage oder sonstige Atomanlage
Während die Punkte 1 und 2 technisch extrem aufwändig und sehr unwahrscheinlich (aber nicht ausgeschlossen) sind, müssen die letzten beiden Punkte als konkrete Bedrohungen angesehen werden.

Gerade die politische Instabilität
mancher Länder kann auch einen verstärkten Schwarzmarkt für radioaktives Material öffnen, das zwar nicht für den Bau einer Atombombe geeignet ist, mit dem aber sehr wohl eine Schmutzige Bombe gebaut werden kann.
Die „Freisetzung“ nur eines kleinen Teils,
der in einem AKW vorhandenen Radioaktivität durch einen Anschlag, hätte verheerende Folgen für alles Leben im weiten Umkreis. Große Landstriche müssten für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.
Ein Anschlag mit "modernen" panzerbrechenden Waffen
auf ein AKW hätte diese Auswirkungen. Panzer-und bunkerbrechende Waffen aller Art gehören leider schon lange zum gängigen Waffenarsenal im Bereich des Terrorismus.
Terrorverdächtige Atomspezialisten
Im Juni 2007 wurden in Pakistan einige Terrorverdächtige festgenommen. Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, erklärte am 22. Juni 2007 in Wiesbaden, einer der Festgenommenen sei der Polizei als "Gefährder" bekannt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann aus Germersheim am Rhein, der auch Zugang zur Kernforschungsanlage in Karlsruhe hatte. Die pakistanische Polizei wirft ihm vor, bei einem Training der Terrororganisation al-Qaida den Umgang mit Sprengstoff erlernt zu haben.

"Amerikanische" Bomben auf Atomanlagen und AKW im Iran
rücken alle westlichen AKW in das Fadenkreuz des Terrorismus. Diese zusätzlichen Gefahren eines Krieges gegen den Iran werden von den Atomkonzernen und den Atomparteien aus ideologischen Gründen gerne verdrängt.
Eine Studie der deutschen "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" zeigt realistisch die Terroranfälligkeit der Atomkraftwerke.
Im Gegensatz zu den früheren Verharmlosungen der Betreiber sind die Schlussfolgerungen für die deutschen AKW s dramatisch
"Keines der 19 deutschen Atommeiler ist so gegen einen Flugzeugabsturz gesichert, dass eine Atomkatastrophe als Folge ausgeschlossen werden kann. Fünf Kernkraft-Typen wurden als Referenzanlagen genauer analysiert und die Ergebnisse dann auf die übrigen 14 Meiler übertragen. Im Prinzip gingen die Experten von zwei Unfallszenarien aus: Im ersten zerstört ein Passagierflugzeug die Reaktorhülle. Im zweiten Szenario werden durch den Aufprall die Rohrleitungen im Inneren des Reaktors abgerissen. Die Studie kommt zu einem dramatischen Ergebnis: Zwar würden die Betonhüllen bei den sieben modernen Druckwasserreaktoren, die gegen den Absturz eines Phantom-Kampfjets ausgelegt sind, dem Aufprall einer Passagiermaschine standhalten, ein Gau wie der in Tschernobyl ist aber möglich: Die Erschütterungen durch den Aufprall könnten zu schweren Zerstörungen im Inneren führen. Bei den drei neueren Siedewasserreaktoren (Krümmel sowie Gundremmingen B und C) würde ein größeres Verkehrsflugzeug sogar die Betonhülle durchschlagen. Noch verwundbarer sind die neun älteren Kernkraftwerke, bei denen schon durch den Absturz eines kleinen Verkehrs-flugzeugs eine Katastrophe ausgelöst werden kann."
Quelle: GRS Gutachten und Süddeutsche Zeitung 30.12.2003

Atomkonzerne, Atomparteien und die Gefahren des Atomterrorismus
Viele deutsche AKW und auch die AKW Fessenheim (F) und Leibstadt (CH) am Oberrhein stehen in der Nähe der Einflugschneisen von Flughäfen. Es kann nicht darum gehen Panik zu verbreiten. Es geht aber auch nicht, angesichts von realen Gefahren den Kopf in den Sand zu stecken. Wie hatten viele Politiker doch nach den Anschlägen des 11. September in New York getönt. Flugabwehrgeschütze sollten schnell Atomanlagen sichern. Nebelwerfer sollten die Atomkraftwerke „unsichtbar machen“. Doch konkrete Sicherheitsanstrengungen oder eine flächenhafte Umsetzung von wirklich sinnvollen Sicherungsmaßnahmen sind nicht zu erkennen.
Solange die AKW`s nicht abgeschaltet sind,
sollten sie zumindest besser gesichert werden. Nach einem Anschlag mit modernen bunkerbrechenden Waffen oder einem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk würde ein Teil Deutschlands schlicht aufhören in der bisherigen Form zu existieren. Erschreckend ist die Apokalypsenblindheit der Betreiber und Atomkonzerne und die politisch gewollte Einseitigkeit der aktuellen Debatte.
Die Debatte um Terrorismus darf nicht zu Hysterie und einer Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten führen. Sinnvolle Maßnahmen gegen Atomterrorismus müssen aber schnell umgesetzt werden, solange die AKW noch betrieben werden.
Axel Mayer
Erstveröffentlichung: BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein www.bund-freiburg.de
Fessenheim und die Gefahr des Terrors
Die differenzierte BUND-Kritik zum Thema Atomterrorsismus ist auf das AKW / KKW Grafenrheinfeld, Gundremmingen, Neckarwestheim, Isar, Biblis, Brokdorf, Brunsbüttel, Emsland, Grohnde, Krümmel, Unterweser, Philippsburg und Leopoldshafen übertragbar. Sie gilt für die Schweizer AKW Gösgen, Leibstadt, Beznau, Mühleberg und für jedes Atomkraftwerk der Welt
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SPIEGEL ONLINE berichtet am 26. November 2007 (Auszug)
NEUE STUDIE
Terroranschlag auf Atomkraftwerk Biblis würde Berlin bedrohen
Es ist ein Alptraumszenario: Im Fall eines gezielten Flugzeugabsturzes auf das südhessische Atomkraftwerk Biblis A wären nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder gar Prag bedroht. Das hat eine Studie des Darmstädter Öko-Instituts ergeben.
Es wäre kein Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall, sondern die Super-GAK - die größte anzunehmende Katastrophe: ein Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk. Wie schlimm dieser Fall wäre und welche Atomkraftwerke die größten Risiken darstellen, hat nun das Öko-Institut untersucht. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der die Studie am Montag in Wiesbaden vorstellte, benannte das Atomkraftwerk Biblis A als "die größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa". Schon im Frühjahr hatte die Bundesregierung bestätigt, dass Biblis A gegen einen Flugzeugabsturz nicht ausreichend geschützt sei.
Der radioaktive Fallout würde laut Scheer noch in 600 Kilometer Entfernung die Evakuierung ganzer Städte und Landstriche notwendig machen. Die Bevölkerung auf bis zu 10.000 Quadratkilometern Fläche müsste umgesiedelt werden. Nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder Prag wären in diesem Fall bedroht. "Wir alle müssen wünschen, dass es zu so etwas nicht kommt", sagte Scheer.
Biblis A ist das älteste deutsche Atomkraftwerk und nur unzureichend gegen Flugzeugabstürze geschützt. Die Betonkuppel über dem Sicherheitsbehälter ist so dünn, dass sie auch dem Absturz kleinerer Maschinen nicht standhalten könnte. Ebenso wie Brunsbüttel, Isar 1 und Philippsburg 1, heißt es in der Studie. Neuere Atomkraftwerke, darunter Biblis B, sollten zumindest dem Einschlag eines Militärjets standhalten.
Scheer sagte, alle Überlegungen, einen Terrorangriff mittels eines entführten Passagierflugzeugs durch Abschuss abzuwehren, gingen bei Biblis A ins Leere. Das Atomkraftwerk sei weniger als eine Flugminute vom Frankfurter Flughafen entfernt, so dass für jede denkbare Gegenmaßnahme die Zeit nicht ausreiche. Die einzig denkbare Konsequenz aus dieser Situation sei es, den 1200-Megawatt-Reaktor nicht wieder ans Netz gehen zu lassen, sagte der SPD-Politiker: "Abschalten statt abschießen."
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte die Reaktorsicherheitskommission in einer Stellungnahme erklärt, die "deutschen Kernkraftwerke sind in einem unterschiedlichen Maß gegen Flugzeugabsturz geschützt". Neuere Kernkraftwerke mit der ersten Teilerrichtungsgenehmigung nach 1973, "gewährleisten einen ausreichenden Schutz gegen die Auswirkungen eines postulierten zufallsbedingten Absturzes einer schnellfliegenden Militärmaschine" - und damit auch gegen ein breites Spektrum ziviler Maschinen.
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Terror- und Terroranschläge weltweit (Auszug)
Quelle: Frankfurter Rundschau
11.09.01
New York/ Washington: Terroristen steuern vollbesetzte Flugzeuge ins Worldtrade-Center bzw. ins Pentagon:
Tote/ Verletzte: 3016
11.04.02
Djebra: Sprengstoff-Attentat
Tote/ Verletzte: 22
12.10.02
Bali: Bombenanschläge auf 2 Diskos
Tote/ Verletzte: > 200
28.11.02
Mobasa: Selbstmordattentat vor einem von Israelis besuchten Hotel
Tote/ Verletzte: 17
seit 2003
Irak: zahlreiche Anschläge
Tote/ Verletzte: Tausende
09.03.03
Istanbul: Bombenanschläge auf eine Freimaurerloge
Tote/ Verletzte: 2/ 6
11.03.04
Madrid: Bombenanschläge auf mehrere Züge
Tote/ Verletzte:191/ 1500
12.05.03
Riad: Selbstmordanschläge in einer Wohnanlage für Ausländer
Tote/ Verletzte: 35
16.05.03
Casablanca: 5 Anschläge auf westliche u. jüdische Einrichtungen.
Tote/ Verletzte:45
29.05.03
Saudi-Arabien: Überfälle
Tote/ Verletzte:22
05.08.03
Jakarta: Autobombe vor einem Hotel
Tote/ Verletzte: 12
15./20.11.03
Istanbul: Bombenanschläge u.a. auf 2 Synagogen
Tote/ Verletzte:ca. 57/ Hunderte
07.07.05
London: Sprengstoffattentate auf 3 U-Bahnen u. 1 Bus.
Tote/ Verletzte:> 50/ 700