Die Blaue Banane - Traum, Albtraum & Nachteile? Der zentraleuropäische Verdichtungsraum


Veröffentlicht am 13.05.2021 in der Kategorie Flächenverbrauch von Axel Mayer

Die Blaue Banane - Traum oder Albtraum? Der europäische Verdichtungsraum



Im Jahr 1989 hatte einer Gruppe um den Franzosen Roger Brunet eine Idee. Sie beschrieben ein Wachstumsmodell für Europa, das den Kontinent dabei in sogenannte Aktiv- und Passivräume, in Gewinner- und Verliererregionen untergliedert. Aus französischer Sicht war dieses Modell eine Warnung, denn der Großraum Paris könnte zu den Verlierern gehören.
Die Blaue Banane bezeichnet eine dicht bevölkerte Zone,
einen bandförmig - breiartigen verdichteten europäischen Großraum zwischen irischer See und Mittelmeer, dessen Urbanisierung eine Kette von zusammenwuchernden Agglomerationen mit bisher rund 111 Millionen Einwohnern bildet. Vorbild dieses wirtschaftsgeografischen Modells sind die anderen Verdichtungsräumen der Welt, etwa die großen Ballungsräume an den Küsten und großen Flüssen Asiens, wie dem japanischen Taiheiyō Belt.
Der mit dem Begriff Blaue Banane gekennzeichnete zentraleuropäische Verdichtungsraum
ist bisher kein Ergebnis einer konkreten, abgesprochenen Planung. Ein Großteil der institutionellen Zentren der EU sowie fünf Hauptstädte befinden sich im Bereich der Euro-Banane. Neben der wirtschaftlichen Stärke gilt auch die hohe Bevölkerungskonzentration als weiteres Abgrenzungskriterium. So lebten zeitweise ca. 40 % der EU-Bevölkerung innerhalb des Gürtels und die Zahl soll auf Kosten der Peripherie weiter wachsen. Häufig werben schon jetzt Städte und Regionen mit ihrer Lage innerhalb der Blauen Banane als Standortvorteil für Unternehmensansiedlungen. Der sich selbst erfüllende (Alb-)Traum diese Megapole wurde und wird getrieben vom zutiefst zerstörerischen Glauben an die Kräfte des freien Marktes, der globalen Megamaschine und des "unbegrenzten Wachstums im begrenzten System Erde. Dieser Traum ist auch verantwortlich für Klimakatastrophe, Atommüllproduktion und Artenausrottung.

Wer die anderen Verdichtungsräumen in der Welt kennt der weiß, dass das Leben in diesen zumeist autogerechten Megapolen häufig mit Umweltverschmutzung und geringer Lebensqualität, mit Reichen-Ghettos, Armenvierteln und Verslumungstendenzen verbunden ist.


Der Oberrhein in der Blauen Banane
Raumordnerische Fehlentwicklungen lassen sich europaweit überall im angedachten Verdichtungsraum erkennen. Am Oberrhein wuchert entlang der Vorbergzone des Schwarzwaldes ein durchgängiger, gesichtsloser Siedlungsbrei. Klein gedachte Baugebiete wachsen zu hässlich wuchernden, breiartige Siedlungsstrukturen zusammen. Zwischen Freiburg und Offenburg bleiben auf der Strecke von 68 Kilometern heute nur noch 17 Kilometer Freiraum. Auf beiden Rheinseiten entstehen ohne jegliche erkennbare Raumordnung die hässlichen, neonschrillen Ortseinfahrten, Gewerbesteppen, Nichtarchitektur und die Billigbauten der Hypermarche-Kultur. Die herausgeputzten historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete in der Rheinebene verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.


Die Idee der Blauen Banane wird im Netz oder bei Wikipedia nur selten kritisch hinterfragt. Kritik entzündet sich nur an der Nichteinbeziehung der Megapolen Paris und Berlin ins bestehende Gedankenmodell.
Der unrealistische, menschenfeindliche Traum vom großen, glänzenden, unbegrenzten Dauerwachstum bestimmt immer noch das Denken der Planenden. Der Traum von der zentralen europäischen Arbeits- und Wohn-Fabrik passt gut ins zerstörerische Zeitalter des Anthropozän.


In Deutschland ist es Aufgabe des Staates überall gleiche Lebensbedingungen zu schaffen. Das geht nur mit einer klugen, nachhaltigen, weitsichtigen und menschenfreundlichen Raumordnung und Planung und nicht nach den Gesetzen des Marktes.

Politik und Medien diskutieren die Themen Flächenverbrauch, Zersiedelung und raumordnerische Entwicklung gerne "Kleinklein" am Beispiel des örtlichen Baugebietes. Wir sollten diese Themen im größeren Rahmen diskutieren um massive Fehlentwicklungen für Mensch, Natur und Nachhaltigkeit, wie im japanischen Taiheiyō Belt oder im Großraum Tokio, zu verhindern.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Kreisrat in der Boom-Region am Oberrhein
(Dieser Text entsteht gerade und ist noch eine Baustelle)







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  • Axel Mayer, Mitwelt Oberrhein

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