Antonio Gramsci / Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster. (Hegemonie, Artensterben, Große Beschleunigung, Klimawandel, Neo-Militarismus, Kriege ...)
Veröffentlicht am 24.08.2026 von Axel Mayer
Antonio Gramsci / Zeit der Monster: Hegemonie, Artensterben, Klimawandel, Krieg, Große Beschleunigung, Neo-Militarismus, Megamaschine, Wachstumsanbetung ...
„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster."
Zitat des italienischen Philosophen Antonio Gramsci von 1937
Antonio Gramsci (1891–1937) war ein linker Philosoph, Journalist und Politiker. Gramsci erklärte, dass die herrschende Klasse nicht nur durch Zwang (Polizei/Staat), sondern vor allem durch kulturelle und ideologische Vorherrschaft („Hegemonie“) regiert, also indem sie ihre Werte in der Zivilgesellschaft durchsetzt. Die Hegemonie über die veröffentlichte Debatte und die kulturelle und ideologische Vorherrschaft heute haben mehr und mehr marktradikale Oligarchen, Rechtspopulisten und Konzerne. Wichtig für diese Hegemonie sind insbesondere die Algorithmen der großen Suchmaschinen und der (un-)Sozialen Netzwerke. In Deutschland sind es Medien wie WELT und BILD der Springerpresse, aber auch das Compact Magazin, Nius, Unzensuriert, Journalistenwatch, PI-News, Deutschland-Kurier und Tichys Einblick. Sie greifen die letzten Qualitätsmedien und die öffentliche-rechtlichen Medien massiv an. Die zunehmende marktlibertäre Hegemonie zeigt sich in Fake-News-Kampagnen gegen die Energiewende, vornehmlich gegen die Windenergie, das frühere Heizungsgesetz und in der Leugnung des Klimawandels. Sie zeigt sich in Kampagnen gegen den Sozialstaat und im Fehlen einer breiten Debatte über Übergewinne und Cum-Ex.
Die aktuelle "Zeit der Monster" zeigt sich auch in Umweltzerstörung, Klimawandel, Artenausrottung, autoritärerem Nationalismus, Kriegen und in der Zerstörung des sozialen Zusammenhalts.
Etwa 5- bis 10 Millionen Menschen lebten vor 10 000 Jahren auf der Erde. Heute sind es 8 Milliarden Menschen, die alle so verschwenderisch leben wollen wie wir. "Ein Milliardär ist so klimaschädlich wie eine Million Menschen", sagt eineOxfam-Studie aus dem Jahr 2022. Millionäre wären gerne Milliardäre und Gutverdienende wollen Millionäre sein. Arme wäre gerne Gutverdienende und "der arme Rest der Welt" würde gerne so verschwenderisch leben wie wir. Das kann und wird nicht gutgehen.
Es ist nur logisch, dass dieses explosionsartige Wachstum für uns und andere Lebewesen Folgen hat. Kaum jemand bestreitet noch, dass derzeit auf der Welt ein gigantisches Massensterben läuft, ähnlich dem vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier von der Erdoberfläche verschwanden. Wir leben in einem System der globalisierten Gier, das scheinbar nur funktioniert, wenn es unbegrenzt wächst und dabei erstaunlicherweise die Menschen immer unzufriedener und neurotischer macht.
Es ist unbestritten, dass 8 Milliarden Menschen nicht so verschwenderisch leben können wie wir. Und es ist ebenfalls unbestritten, dass der arme Teil der Weltbevölkerung einen massiven Nachholbedarf an umweltgerechtem Wachstum hat. Wir leben in einer Zeit der Gier, in dem umweltzerstörende Milliardäre für viele Menschen "Vorbilder" sind. "Marktradikale Vorbilder" mit Weltraumtourismus, Superyachten, geplanten Überschallflugzeugen, Rohstoffverschwendung, unbegrenztem Wachstum und selbstverständlich ohne Tempolimit. Uns wird erfolgreich eingeredet, wir wären "unterrüstet". Doch nach Angaben von SIPRI betrugen die Rüstungsausgaben der NATO im Jahr 2022 das 14-Fache der Rüstungsausgaben Russlands. Warum schauen wir weg, wenn Israel im Westjordanland (mit anderen Methoden) das Gleiche macht, was wir Putin in der Ukraine nicht erlauben? Doch Vorbild muss das gute Leben für alle sein und dafür braucht es immer auch soziale Gerechtigkeit. Wir hätten zwischenzeitlich sogar die gute, menschengerechte Technik für dieses gute Leben.
Die große Beschleunigung und die Zeit der Monster Wenn wir auf die aktuelle "Zeit der Monster" schauen, dann finden sich eine Vielzahl von Details. Da ist die globale Macht der Oligarchen, von Öl, Gas und Kohle-Konzernen und ihrer Lobbyisten in der Politik. Doch die Hauptursache der Krisen wird gerne übersehen. Die Mehrzahl der großen aktuellen Krisen (Vogelsterben, Artensterben, Klimawandel, Weltvermüllung ...) lässt sich auf das Phänomen der "Großen Beschleunigung" zurückführen.
Die "Zeit der Monster", die Verheerungen der "Großen Beschleunigung" und das tief zerstörerische Wachstum des Reichtums des einen Prozent der Weltbevölkerung muss gestoppt und umgekehrt werden. Wir müssen neu definieren, was Wohlstand bedeutet. Und ansonsten gilt immer noch der alte Satz von Mahatma Gandhi. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Die Zeit der Monster muss überwunden werden. Wir müssen sie überwinden! Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
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