Cleanup Day am 18. September 2021 & Kritik


Veröffentlicht am 23.07.2021 von Axel Mayer

Cleanup Day am 18. September 2021 & Kritik



"Am 18. September 2021 findet erneut der World Cleanup Day statt, die größte Bottom-Up-Bürgerbewegung der Welt zur Beseitigung von Umweltverschmutzung und Plastikmüll.
2020 beteiligten sich 11 Millionen Menschen weltweit in über 160 Ländern am World Cleanup Day und setzten durch ihre Cleanups (Müllsammelaktionen) ein starkes Zeichen für eine saubere, gesunde und plastikmüllfreie Umwelt."

Die bisherigen "World Cleanup Days" haben mitgeholfen große Mengen Abfall aus der Natur zu entfernen und sind so tatsächlich auch ein Erfolg für die Umwelt.
Dennoch sind sie immer auch ein Ablenkungsmanöver und eine unpolitische Beschäftigungstherapie für Umweltaktive.


Ich selber bin jetzt seit bald 50 Jahren in der Umweltbewegung aktiv und sehe die zunehmenden Hinterlassenschaften und Müllberge in Stadt-Land-Fluss. Ich bin aber auch zunehmend genervt, dass wir ständig hinter den Müllidioten herputzen sollen. Vielleicht brauchen wir den Mut und die Kraft an wenigen, ausgewählten Stellen den Müll einfach mal liegen zu lassen. Es könnte ein "Kunstwerk & Denk-mal" entstehen, das den Zustand der Welt verdeutlicht.

Das "einfach hinterherputzen" ist hübsch, bringt langfristig aber wenig, wenn nicht gleichzeitig gegen die Ursachen der Vermüllung vorgegangen wird. Was für einen politischen Ärger mit CDU, CSU, FDP und der BLÖD-Zeitung hatten die GRÜNEN, als sie das Dosenpfand einführten. Doch dieser politische Kampf in einer winzigen Müllnische hat sich für die Umwelt dauerhaft gelohnt.

*Cleanup Days sind sinnvoll, wenn sie dazu beitragen die Müllerzeugung zu reduzieren. (Häufig ist nicht die Verpackung, sondern das kurzlebige Produkt selber der Müll)
*Cleanup Days sind sinnvoll, wenn die Ursachen der Vermüllung (zu dünne gelbe Säcke, Folien in der Landwirtschaft...) öffentlich gemacht werden
*Cleanup Days sind sinnvoll, wenn durch die Aktion die Abfälle nicht verschwinden, sondern visualisiert und öffentlich werden
*Cleanup Days sind sinnvoll, wenn der Müll öffentlichkeitswirksam vor den Türen der Verursacher (z. Bsp. Fastfood-Läden) abgekippt werden


Müll & Vermüllung sichtbar machen


Lange vor der Erfindung des World Cleanup Day hat die örtliche BUND-Gruppe im südbadischen Emmendingen, gemeinsam mit einem Künstler, den Müll am kleinen Fluss Elz ein halbes Jahr in einer Garage gesammelt. Dann wurde am Elz-Ufer, mitten in der Stadt eine mehrere Kilometer lange Wäscheleine aufgebaut und der Müll aufgehängt. Das medienwirksame Projekt hat heftige Debatten ausgelöst und eine breite Berichterstattung ausgelöst. Müllaktionen können durchaus auch wirksam sein und das gilt sicher auch für Cleanup Days.


Die Umweltbewegung, die gerade den nächsten großen Klimastreik vorbereitet, muss endlich gegen die Ursachen von Vermüllung, Klimawandel und Umweltzerstörung angehen. Der individuelle Ansatz "Du musst dein Leben ändern & putze die Landschaft" nützt wenig, wenn zum persönlichen Ansatz nicht massive Veränderungen der Politik und der Strukturen kommen. Die Vermüllung darf nicht isoliert von den Problemen der globalen Raubbauwirtschaft diskutiert werden. Es muss darum gehen die Müll-erzeugenden Strukturen anzugehen, die Müllvermeidung verhindern. Vermüllung, Klimawandel und Artenausrottung sind "nur" Symptome einer Krankheit die "Globale Gier und unbegrenztes Wachstum im begrenzten System Erde" heißt.


Axel Mayer, Mitwelt am Oberrhein
Der Autor war 30 Jahre lang BUND-Geschäftsführer
(Dieser Text entsteht gerade und ist noch eine Baustelle)