Earth Hour am 28.3.2026: Kritik und Lob / Pro und Contra


Veröffentlicht am 19.03.2026 von Axel Mayer

Nächste Earth Hour am 28. März 2026: Kritik und Lob / Pro und Contra


Am 28.3.2026 findet die nächste Earth Hour statt. Wieder werden an diesem Tag von 20.30 Uhr bis 21.30 Uhr rund um den Globus die Lichter ausgeschaltet, um bei der weltweit größten Aktion für mehr Klima- und Umweltschutz ein Zeichen zu setzen.
Die Earth Hour macht erfolgreich auf die Themen Klimawandel und Lichtverschmutzung aufmerksam und viele Menschen beteiligen sich. Die bisherigen Aktionen haben mitgeholfen, das Umweltbewusstsein zu stärken und sind so tatsächlich auch ein Erfolg für die Umwelt.

Die Earth Hour ist eine nette weltweite Klimaschutzaktion, bei der Menschen, Städte und Unternehmen für eine Stunde (meist von 20:30 bis 21:30 Uhr) symbolisch das Licht ausschalten. Sie soll auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Vom WWF organisiert, findet sie jedes Jahr Ende März statt; berühmte Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor werden abgedunkelt, aber auch Haushalte sind zur Teilnahme aufgerufen.

Während die Bundesregierung parallel zur Weltklimakonferenz die Steuer fürs Fliegen senkt, während Öl- und Gaskonzerne täglich 3 Milliarden US-Dollar Profite machen und die Politik für sich arbeiten lassen, sollst Du symbolisch das Licht ausschalten. Während die Fossilisten systematisch die Energiewende hintertreiben und die zukunftsfähigen Energien bekämpfen, bekommst Du die Illusion von Beteiligung und ein gutes Gewissen.


Mit hübschen Dingen wie Earth Hour, Stadtradeln und Clean-Up-Days wird die Umweltbewegung am Nasenring in putzige unpolitische Nischen geführt.



Die Earth Hour ist, ähnlich wie die "World Cleanup Days", immer auch ein Ablenkungsmanöver und eine unpolitische Beschäftigungs- und Ablenkungstherapie für Umweltaktive. Genau aus diesem Grund wird die Earth Hour auch von FDP, CDU, CSU und der Bildzeitung unterstützt, von Parteien und Medien, die eher zu den atomar-fossilen Seilschaften zählen und eine Politik gegen Umwelt und Nachhaltigkeit betreiben.

Wir leben in der Zeit der verheerenden "Großen Beschleunigung". Einer Zeit von Kriegen, Klimakatastrophe, Weltvermüllung, Artenausrottung, Rohstoffverschwendung und wachsender sozialen Ungleichheit.
Gleichzeitig denken viele Menschen, sie könnten durch Mülltrennung und die Teilnahme an Cleanup Days und der Earth Hour die Welt retten.
Die Earth Hour ist dann ein Erfolg, wenn sie dazu führt, dass die Menschen nicht nur in putzigen Nischen nachhaltiger leben. Wenn sie sich gegen umweltzerstörenden Strukturen wehren und sich gegen Kriege, Klimakatastrophe, Weltvermüllung, Artenausrottung, Rohstoffverschwendung und wachsende soziale Ungleichheit engagieren.


Klimakatastrophe, Weltvermüllung, Atommüllproduktion und Artenausrottung lassen sich auf zwei Ursachen zurückführen
Unbegrenzte Gier und unbegrenztes Wachstum im begrenzten System Erde.


Du sollst Dich an der Earth Hour, am Stadtradeln und am Clean-Up-Day beteiligen. Du sollst zu Fuß gehen, Rad fahren, Wasser sparen, Verpackungsmüll vermeiden, aber eines darfst Du auf keinen Fall.

Hinterfrage nicht die neue, globale Weltreligion, den Glauben an das unbegrenzte Wachstum.

Bei einem anhaltenden Wachstum von 5% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Durch die periodischen Kriege im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das bisherige Wachstum immer wieder unterbrochen. Es wäre anzustreben, die aktuellen Probleme ohne großen und letzten Krieg in den Griff zu bekommen.

Du sollst Dich an der Earth Hour, am Stadtradeln und am Clean-Up-Day beteiligen. Du sollst zu Fuß gehen, Rad fahren, Wasser sparen, Verpackungsmüll vermeiden, aber eines darfst Du auf keinen Fall.

Stelle niemals die Macht-Strukturen hinter der Zerstörung infrage.

Es ist gut, richtig und wichtig zu versuchen, ein gutes Leben zu führen. Es ist aber genauso wichtig, die zutiefst zerstörerischen Strukturen zu ändern.
Unter diesen Bedingungen kann eine Beteiligung an der Earth Hour, am Stadtradeln und am Clean-Up-Day auch sinnvoll sein.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein. Der Autor ist seit 50 Jahren in der Umweltbewegung aktiv und war 30 Jahre lang BUND-Geschäftsführer.


Nachtrag:
Passend zu diesem kritischen Beitrag finden Sie hier die 10 (industrienahen) Gebote für Natur, Umwelt & Fridays for Future




Earth Hour, Wachstum und das große Problem


Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und die Zahl der uns zur Verfügung stehenden Güter sind explodiert. Aber schneller als das Bruttoinlandsprodukt sind Gier, Neid, Dummheit und Neurosen gewachsen.
Etwa 5- bis 10 Millionen Menschen lebten vor 10 000 Jahren auf der Erde. Heute sind es 8 Milliarden Menschen, die alle so verschwenderisch leben wollen wie wir.
"Ein Milliardär ist so klimaschädlich wie eine Million Menschen", sagt eine Oxfam-Studie aus dem Jahr 2022. Millionäre wären gerne Milliardäre und Gutverdienende wollen Millionäre sein. Arme wäre gerne Gutverdienende und "der arme Rest der Welt" würde gerne so verschwenderisch leben wie wir. Das kann und wird nicht gutgehen.

Es ist nur logisch, dass dieses explosionsartige Wachstum für uns und andere Lebewesen Folgen hat. Kaum jemand bestreitet noch, dass derzeit auf der Welt ein gigantisches Massensterben läuft, ähnlich dem vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier von der Erdoberfläche verschwanden. Wir leben in einem System der globalisierten Gier, das scheinbar nur funktioniert, wenn es unbegrenzt wächst und dabei erstaunlicherweise die Menschen immer unzufriedener und neurotischer macht.

Das tief zerstörerische Wachstum des reichen einen Prozent der Weltbevölkerung muss gestoppt und umgekehrt werden. Wir müssen neu definieren, was Wohlstand bedeutet. Und ansonsten gilt immer noch der alte Satz von Mahatma Gandhi. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

Das sind die Themen und Probleme, an die wir auch in der Earth Hour erinnern müssen.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Mehr Informationen: "10 Gebote" für eine brave, angepasste Umweltbewegung


Nächste Earth Hour am 28. März 2026: Kritik und Lob / Pro und Contra



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  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



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