2022 / Geplante Obsoleszenz & Umweltzerstörung: Schneller kaufen - schneller wegwerfen


Veröffentlicht am 04.01.2022 in der Kategorie Energie von Axel Mayer

Geplante Obsoleszenz: Schneller kaufen, noch schneller wegwerfen

Kurztext:
Schneller kaufen, noch schneller wegwerfen: Geplante Obsoleszenz, Geplanter Produktverschleiß


Jeder hat´s schon erlebt.
Die Garantie ist gerade abgelaufen und "plötzlich und unerwartet" ist der fast neue Computer oder das Handy defekt und nicht mehr zu reparieren.Von “geplanter Obsoleszenz“ wird gesprochen wenn in Konsumgütern gezielt Schwachstellen eingebaut werden um die Produktlebensdauer zu verkürzen. Kurz nach Ablauf der viel zu kurzen Garantiezeit ist das Produkt defekt und eine Reparatur "lohnt nicht". So gibt es zum Beispiel Tintenstrahldrucker mit einem eingebauten Zähler-Chip, die nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Seiten nicht mehr funktionieren. Wird der Chip auf Null zurückgestellt, dann funktioniert der Drucker wieder.

Es begann 1924 in einem Hinterzimmer in Genf. Die Bosse der größten Glühbirnenfabriken der Welt treffen sich, um ein illegales Kartell zu gründen. Wichtigstes Ergebnis ihrer Besprechung: Die Lebensdauer von Glühbirnen, die zu der Zeit rund 2.500 Betriebsstunden lang halten, wird auf höchstens 1.000 Stunden begrenzt.
Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein Gebrauchsgegenstand von allen führenden Herstellern gezielt so manipuliert, dass er frühzeitig kaputtgeht. Mit nur einem Ziel: mehr davon zu verkaufen. Dabei könnten ganz normale Glühbirnen theoretisch beinahe ewig brennen. 1942 standen die großen Glühbirnenhersteller in den USA vor Gericht. Ihr Kartell war aufgeflogen. Einige Firmen werden zur Zahlung hoher Bußgelder verurteilt. Doch an der Brenndauer der Glühbirne ändert das nichts – sie leuchtet seit 1924 nur noch höchstens 1.000 Stunden. Die Hersteller verwendeten einfach dünnere Glühdrähte, die schneller durchbrennen, und ignorierten neue Technologien


Ein Ansatz gegen die geplante Obsoleszenz anzugehen
wäre die Verlängerung von Garantien und Gewährleistungszeiten. Wenn wir die gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer von Zahnbürsten, Jeans, Strumpfhosen und Computern, einfach so akzeptieren, wenn die Zyklen des Produzierens, Kaufens, Nutzens und Wegwerfens immer kürzer werden, dann brauchen wir uns über die absehbare Endlichkeit der Energie- und Rohstoffreserven und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht zu wundern. Gute, schöne, sinnvolle, reparaturfähige Produkte möglichst lange nutzen... Nur so können wir die Energie- und Rohstoffwende durchsetzen. Ein Wirtschaftssystem, in der Firmen auf die gezielte Verkürzung der Lebensdauer von Produkten setzen, ist nicht nachhaltig und zukunftsfähig. Für unsere Handy- und Computerwegwerfkultur starben seit 1998 über 3 Millionen Menschen im "unbeachteten" Coltan-Rohstoffkrieg in Uganda.
Laufzeitverkürzte Produkte sind eine beleidigende Unverschämtheit und damit allerdings auf der Höhe der Zeit.
Axel Mayer, (Alt-)BUND Geschäftsführer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Einschub:
"Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann."
Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus




Langtext:
Schneller kaufen, noch schneller wegwerfen: Geplante Obsoleszenz


Die Garantie ist gerade abgelaufen
und "plötzlich & unerwartet" ist der fast neue Computer, der Tintenstrahldrucker, der Flachbildschirm oder die teuren Wanderschuhe defekt und "leider" auch nicht mehr zu reparieren...

Das Thema "geplante Obsoleszenz",
ist (noch) ein blinder Fleck im Auge der Umweltbewegung und des Verbraucherschutzes. In vielen Produkten werden von der Herstellern gezielt Schwachstellen eingebaut. Diese habgierbedingt-gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer führt dazu, dass Produkte vorzeitig, kurz nach Ablauf der (viel zu kurzen) Garantiezeit, schad- oder fehlerhaft werden und so ein schnellerer Umsatz erreicht wird. So gibt es zum Beispiel Tintenstrahldrucker mit einem eingebauten Zähler-Chip, die nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Seiten nicht mehr funktionieren. Wird der Chip auf Null zurückgestellt, dann funktioniert der Drucker wieder...

Einige Beispiele für geplante Obsoleszenz:
Es gibt eine unendliche Vielzahl von Produkten, bei denen eigene Erfahrung auf eine gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer schließen lässt. Das Problem ist der objektive, nachprüfbare Nachweis. Hier gäbe es ein großes, wichtiges und bisher vernachlässigtes Betätigungsfeld für Umweltverbände, Verbraucherzentralen, kritische Medien und die Politik. Ohne den massiven Druck der VerbraucherInnen wird sich nur wenig tun.

Der Club of Rome beschreibt die Folgen des Überkonsums


Der vom Club of Rome im Mai 2012 veröffentlichte Report "2052" beschreibt die Folgen des Überkonsums und der Verschwendungswirtschaft:
„Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben. Der Klimawandel wird dem Bericht zufolge sogar noch drastisch zunehmen: Die Treibhausgasemissionen werden erst 2030 ihren Höhepunkt erreicht haben. Das sei zu spät, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, wie es sich viele Staaten vorgenommen haben, sagte Randers. "Wir stoßen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus wie die Wälder und Meere der Erde absorbieren können."
"Der Meeresspiegel wird um 0,5 Meter höher sein, das Arktiseis im Sommer verschwinden und das neue Wetter wird Landwirte und Urlauber treffen", so Randers. Bis 2080 werde sich die Temperatur um 2,8 Grad erhöhen, was einen sich selbst verstärkenden Klimawandel auslösen könne.“

Die gezielte Verschwendung von Rohstoffen, Energie und menschlicher Arbeitskraft durch die Produktion von kurzlebigen Produkten beschleunigt diese Zerstörungsprozesse und ist unverantwortlich.


"Geplante Obsoleszenz" oder "Sinnvolle Gebrauchsdauer".
In unserer Neusprech-Zeit in der
Müllverbrennung - Thermische Abfallbehandlung,
Folter - Umstrittene Verhörmethode
und Streubomben - Intelligente Wirksysteme
genannt werden, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass es auch für die Verkürzung der Produktlebensdauer einen schönen grüngewaschenen Begriff gibt. „Sinnvolle Gebrauchsdauer“ ist die neue Wortschöpfung, die selbstverständlich nicht die Frage klärt für wen es „sinnvoll“ sein soll, wenn Güter nach Ablaufen der Garantie kaputt gehen. Für den Verbraucher und die Umwelt wohl eher nicht.

Mehr arbeiten, schneller kaufen, noch schneller wegwerfen
passt als selbstzerstörerisches Konsum- und Lebensprinzip perfekt in die unsere rastlose, beschleunigte Endphase exponentiellen Wachstums. Der gehetzte unsichere "ich kaufe also bin ich" Mensch definiert sich über schnelleren Konsum immer idiotischerer kurzlebigerer Güter. Er arbeitet, lebt, konsumiert immer mehr und immer hektischer und wird gleichzeitig immer unzufriedener.

Staatlich organisierte Obsoleszenz: Die Abwrackprämie
Am 27.01.2009 hatte das Bundeskabinett die „Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen beschlossen“. Wer sein über 10 Jahre altes Auto verschrottet, bekam bei gleichzeitiger Anschaffung eines Neuwagens eine so genannte Umweltprämie von 2500 Euro.
Hans Magnus Enzensberger gab der „Umweltprämie“ den richtigen Namen. Er schrieb: „Die Abwrackprämie ist eine Belohnung für die Vernichtung von Gebrauchsgegenständen; ihr Besitzer empfängt diese Prämie, die er als Steuerzahler entrichtet.“ (Zitatende)

Die Abwrackprämie war tatsächlich auch eine Umwelt- und Wertzerstörungsprämie
und der Begriff “Umweltprämie” war orwellsches Neusprech. Viele der neuen Autos haben einen nur geringfügig niedrigeren Energieverbrauch und Schadstoffausstoß als die Altfahrzeuge. Die Energiemengen und Rohstoffe, die bei der Produktion eines Autos verbraucht werden, die damit verbundene Umweltzerstörung und die Schadstoffemissionen spielten in dieser Debatte keine Rolle. Ein Mittelklasse-Auto wiegt 1000 bis 2000 Kilogramm. Industrieprodukte haben einen "ökologischen Rucksack", der rund 30-mal so schwer ist - wenn man etwa den Abraum bei der Erzgewinnung für Stahl und Blech hinzurechnet.

Eine Sonderform der gezielten Verkürzung
der Produktlebensdauer ist die "Modeerscheinung" der vorabgenutzten Jeans (stonewashed). Der Traum der Industrie in einem System zerstörerischen Wachstums ist die Übertragung des Stonewashed-Prinzips und der gezielten Verkürzung der Lebensdauer auf immer mehr Produkte des täglichen Verbrauchs. Die Zyklen des Produzierens, Kaufens, Nutzens und Wegwerfens sollen immer kürzer werden.

[quote]Zitat:
"Wenn ein Unternehmen beschließt: Ein Produkt braucht nur drei Jahre zu funktionieren, es hält aber zehn Jahre, dann ist da natürlich ein Kostenfaktor drin , den ich reduzieren könnte. Und natürlich machen die Firmen das. Man orientiert sich bei Entwicklungen häufig nicht daran, das möglichst lange haltbar zu machen, sondern möglichst so, dass es die internen Standards der Unternehmen besteht."

- Olaf Wittler, Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, Berlin


Unbegrenztes Wachstum und geplanten Obsoleszenz
Wir leben in einem System in dem zerstörerisches, unbegrenztes Wachstum immer mehr zum Selbstzweck wird. Bei einem anhaltenden Wachstum von 3% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung.
Die gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer ist in einer Endphase unbegrenzten Wachstums unabdingbar, denn die Mehrzahl der Menschen hat überhaupt nicht den Platz all die gekauften, häufig nicht nur kurzlebigen sondern auch überflüssigen, Produkte aufzubewahren. "Schneller kaufen und noch schneller wegwerfen" ist das Motto der "ich kaufe also bin ich" Gesellschaft und "noch mehr Konsum" ist der dazu passende Slogan der Politik.
Schneller wegwerfen und die Endlichkeit der atomar-fossilen Energiereserven
"In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet hat." Quelle: Zukunftsfähiges Deutschland 2008. Gleichzeitig erzeugen wir Atommüll der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Immer noch gehören auch die Menschen in Deutschland zu den, zumeist unzufrieden gehaltenen, 20% der Menschheit, die 80% der Energie und Rohstoffe verschwendet und die damit für den Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung verantwortlich sind. Und die restlichen 80% der Welt (insbesondere China und Indien) sind gerade dabei unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen.

Überlegungen zu Forderungen an die Politik:
Maßnahmen gegen die Verkürzung der Produktlebensdauer müssten eigentlich für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Ohne den Druck der Umwelt- und Verbraucherverbände und der Medien wird dies nicht geschehen. Angesichts der globalen Verknappung von Energie und Rohstoffen kann auch die Energiewende nur mit guten langlebigen Produkten funktionieren. Die Parteien müssen erkennen: "Die Produktion langlebiger Produkte und Reparaturbetriebe schaffen Arbeit in Deutschland und Europa und nicht die längst nach China und Indien ausgelagerte Massenproduktion billiger Wegwerfartikel.

Erste Überlegungen:


Die Macht der VerbraucherInnen
gegen die Verkürzung der Produktlebensdauer war bisher zumindest ein mal erfolgreich. Der US-Konzern Apple wurde 2003 von tausenden Kund­Innen per Sammelklage vor ein Gericht gebracht. Im iPod waren Akkus mit sehr kurzer Lebensdauer installiert, die natürlich nicht austauschbar waren. Es kam zu keinem Urteil, weil Apple sich außergerichtlich mit den KlägerInnen einigte. Dennoch war die Klage ein erster Erfolg im Kampf für nachhaltige Produkte.

Wenn wir die gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer
von Zahnbürsten, Jeans, Strumpfhosen, Computern, Bahnhöfen (Stuttgart 21), Gebäuden und anderen Dingen (Brustimplataten!) einfach so akzeptieren, wenn die Zyklen des Produzierens, Kaufens, Nutzens und Wegwerfens immer kürzer werden, dann brauchen wir uns über die absehbare Endlichkeit der Energie- und Rohstoffreserven und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht zu wundern. Gute, schöne, sinnvolle, reparaturfähige Produkte möglichst lange nutzen... Nur so können wir die Energie- und Rohstoffwende durchsetzen...
Ein Wirtschaftssystem, in der Firmen auf die gezielte Verkürzung der Lebensdauer von Produkten setzen, ist nicht nachhaltig und zukunftsfähig. Die Firmen setzen gezielt auf die Dummheit und Manipulierbarkeit der VerbraucherInnen. Laufzeitverkürzte Produkte sind eine beleidigende Unverschämtheit und damit allerdings auf der Höhe der Zeit.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein




Mitwelt-Warnungen 2022 und Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten von Mitwelt am Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist, längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern, Ideologen, vom Krieg bestärkten Ewiggestrigen und Verschwörungstheoretikern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer,Mitwelt am Oberrhein

Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


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