Schmetterlingssterben in Deutschland: Die Ursachen - Warum in Deutschland und der Welt die Schmetterlinge sterben
Veröffentlicht am 04.06.2026
Schmetterlingssterben in Deutschland: Die Ursachen - Warum in Deutschland und der Welt die Schmetterlinge sterben
Die Masse der Insekten ist binnen 30 Jahren um 75 Prozent geschrumpft – diese Botschaft der Krefelder Studie kennen wir seit dem Jahr 2017. Inzwischen sind erste Gegenmaßnahmen angelaufen – aber dasInsektensterben geht weiter. Die Debatte um das globale und bundesweite Schmetterlingssterben und seine Ursachen führt an einer Stelle in die Irre. Wir diskutieren das große Sterben als ein Phänomen der letzten Jahrzehnte. Doch das Sterben hat mit DDT, E 605 und anderen brutalen Agrargiften und dem daraus folgenden Insektenschwund schon viel früher begonnen. Das aktuelle Insektensterben ist "nur" die beschleunigte Ausrottung des verbliebenen Rests im Zeitalter der "Großen Beschleunigung". Das gilt nicht nur für Schmetterlinge und andere Insekten sondern auch für das eng damit verbundenen Sterben der Vögel und für das große globale Artensterben.
Wissenschaftliche Langzeitstudien belegen einen deutlichen Rückgang von Schmetterlingen in Europa und Deutschland. Besonders betroffen sind Arten des extensiv genutzten Grünlands und spezialisierte Arten mit engen Lebensraumansprüchen. Der europäische Grünland-Schmetterlingsindex zeigt seit 1990 einen Rückgang der Bestände um rund 40 %; in einzelnen Regionen und bei bestimmten Artengruppen sind die Verluste erheblich größer. Hauptursachen sind Intensivierung der Landwirtschaft, Verlust und Zerschneidung geeigneter Lebensräume, Pestizide und Überdüngung. Hinzu kommen Klimawandel, Dürren und extreme Wetterereignisse, die Lebenszyklen und Nahrungsgrundlagen verändern. Die Forschung spricht daher von einem großräumigen und langfristigen Rückgang, nicht von einem kurzfristigen Bestandseinbruch.
"Fast die Hälfte der 207 in Deutschland etablierten Arten und Unterarten der Tagfalter und Widderchen sind mittlerweile bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Rund einem Viertel der Arten geht es inzwischen schlechter als vor 14 Jahren. Einige wenige – zumeist wärmeliebende Arten – konnten sich erholen. Das zeigt die neue Rote Liste der Tagfalter und Widderchen, die vom Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum veröffentlicht wurde und jetzt als Printversion erhältlich ist. Die intensive Landwirtschaft gilt weiterhin als Hauptursache des Rückgangs von Schmetterlingen." Quelle: Bundesamt für Naturschutz
Alle reden vom Bienensterben. Doch auch den Schmetterlingen geht es schlecht. In einer Studie weisen niederländische Insektenforscher nach, dass bei unseren Nachbarn seit 1890 mindestens 84 Prozent aller Schmetterlinge verschwunden sind. Vermutlich, so die Autoren, seien es sogar noch mehr. Von 71 dort heimischen Arten seien 15 bereits ausgestorben, darunter auch Schönheiten wie der Ameisenbläuling und der Große Eisvogel. Und diese Zahlen lassen sich auch auf Deutschland übertragen.
In Deutschland umfasst die Rote Liste der Tagfalter 189 Arten.184 von ihnen wurden bewertet - mit dem Ergebnis: 42 Prozent der Schmetterlinge gelten als ausgestorben oder bestandsgefährdet, elf Prozent stehen auf der Vorwarnliste, 12 Prozent gelten als extrem selten. Lediglich 31 Prozent sind derzeit noch ungefährdet(Stand: 2022). Je anspruchsvoller der Schmetterling, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass seine Art ausstirbt, so lässt sich der Artenschwund unter den Schmetterlingen erklären. Warum so viele Schmetterlinge nicht mehr mit ihrer Umgebung zurecht kommen und auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten stehen, hat im Wesentlichen zwei Gründe: den Klimawandel und die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft. Denn dies sind die Hauptursachen für die schwindende Biodiversität der Pflanzen. Quelle: ARD-Alpha
Schmetterlingssterben und Insektensterben: Die Ursachen (Kurzversion) Die Ursachen des massiven Schmetterlingssterbens und Insektensterbens sind vielfältig. Es gibt Hauptgründe und Nebengründe für den massiven Rückgang der Arten und es gibt ein massives ökonomisches Interesse der Agrochemielobby und ihrer PR-Agenturen, dieses Thema gezielt nur in den kleinen Nischen und Randbereichen zu diskutieren.
"Der Mensch ist der Natur (und den Schmetterlingen) ein Mensch".
Etwa 5 bis 10 Millionen Menschen lebten vor 10 000 Jahren auf der Erde. Heute sind es 8 Milliarden Menschen, die alle so verschwenderisch leben wollen wie wir. "Ein Milliardär ist so klimaschädlich wie eine Million Menschen", sagt eine Oxfam-Studie aus dem Jahr 2022. Millionäre wären gerne Milliardäre und Gutverdienende wollen Millionäre sein. Arme wäre gerne Gutverdienende und "der arme Rest der Welt" würde gerne so verschwenderisch leben wie wir. Das kann und wird nicht gutgehen. Nicht für die Schmetterlinge, nicht für die Natur und auch nicht für die Menschen.
Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften (Neonicotinoide …), Herbiziden (Glyphosat ...), Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft. Ein besonders bedrückendes Phänomen ist die Fernwirkung der Gifte und Düngemittel selbst in weit entfernte Naturschutzgebiete.
Zu den weiteren Ursachen des Rückgangs zählen Biotopverluste bei Pflanzen aufgrund erhöhten Stickstoffgehalts im Boden. Aus zweimal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Die Giftorgien in Privatgärten, aktuell bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, dürfen bei der Ursachenanalyse nicht außer Acht gelassen werden. Als weitere mögliche Ursachen gelten Klimawandel, Flächenverbrauch und Bebauung, der zunehmend beschleunigte Verkehr, Lichtverschmutzung und die massenhafte Tötung von Insekten an Lichtquellen.
Ein weiterer Hauptgrund des Insektensterbens wird von Naturschützern gerne übersehen. Es ist das Bauernsterben. Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Eine immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft, z.B. in Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und die Ideologie des „freien Marktes“ zählt, dann haben Schmetterlinge, Insekten, Vögel und Hecken, aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potenzielle Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Das Insektensterben kann nicht losgelöst vom generellen, globalen Artensterben gesehen werden. Doch Monotonie breitet sich nicht nur in der Natur aus. So gibt es (um nur ein Beispiel zu nennen) weltweit noch 6.500 Sprachen, doch die Hälfte ist vom Aussterben bedroht. Was wir erleben, ist die logische Folge der "Großen Beschleunigung" und unbegrenzten Wirtschaftswachstums im begrenzten System Erde. Und in den schnell wuchernden Metastasen unseres Industriesystems, in Asien und Afrika, laufen die Zerstörungsprozesse noch schneller ab.
Notwendige Ursachenforschung zum Schmetterlingssterben und ihre Probleme. Während das Insektensterben als solches nur noch von industrienahen Insektensterbenleugnern bestritten wird, gibt es bei der Ursachenforschung, insbesondere bei der Fernwirkung der Gifte noch einen großen Forschungsbedarf. Wir sehen dies, sind aber gebrannte Kinder. Bei Themen wie Klimawandel, Holzschutzmittelgifte, Contergan und Asbest waren die Ursachen teilweise jahrzehntelang bekannt, und eine industriegelenkte Ursachenforschung, verbunden mit Verharmlosungskampagnen, hat Maßnahmen zur Schadensbegrenzung jahrelang verzögert und verhindert. Dies hat bei Holzschutzmittelgiften, Contergan und Asbest zu Krankheit und Tod vieler Menschen geführt. Der organisierte Kampf der Klimawandelleugner wird weltweit noch größere Opfer fordern.
Die Forderung nach einer industrieunabhängigen Erforschung der Ursachen des Insektensterbens und der Fernwirkung der Gifte, erscheint angesichts der Macht von Bayer, Monsanto und Syngenta und Co. beinahe unrealistisch, muss aber angegangen werden und darf nicht zu einer Verzögerung bei der Bekämpfung des Insektensterbens führen.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Schmetterlingssterben in Deutschland: Brauchen Deine Enkel Schmetterlinge?
Etwa 5 bis 10 Million Menschen lebten vor 10 000 Jahren auf der Erde. Heute sind es 7,8 Milliarden. Eigentlich ist es nur logisch, dass dieses explosionsartige Wachstum für andere Lebewesen Folgen hat. Kaum jemand bestreitet noch, dass derzeit auf der Welt ein gigantisches Massensterben läuft, ähnlich dem vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier von der Erdoberfläche verschwanden. Ob Insekten davon stärker betroffen sind als andere Tiere ist unklar, obwohl sich mittlerweile viele Forschergruppen mit dem Phänomen des Insektensterbens beschäftigen. In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals PNAS fassen jetzt 56 Wissenschaftler in elf Studien zusammen, was man bislang über den Schwund der Insekten weiß - und was nicht.
Die Häufigen werden selten. Anders als bei vielen anderen Tieren schwinden bei den Insekten nicht vor allem seltene Arten, sondern auch solche, die früher stark verbreitet waren. Ein Beispiel dafür sind die Schmetterlinge in Europa, wie ein Team um Martin Warren von der Butterfly Conservation Europe im britischen Dorset in einer der PNAS-Studien schreibt. Demnach ist die Zahl aller Schmetterlinge in Großbritannien seit 1976 um die Hälfte zurückgegangen. In den Niederlanden sind mittlerweile 20 Prozent der ehemals dort lebenden Arten ausgestorben. Und im belgischen Flandern ist die Zahl der Schmetterlinge allein zwischen 1992 und 2007 um 30 Prozent zurückgegangen. Auch die Krefelder Studie aus dem Jahr 2017, durch die das Insektensterben überhaupt erst ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gekommen ist, deutet darauf hin: Demnach ist die Biomasse aller fliegenden Insekten in weiten Teilen Deutschlands innerhalb von 27 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen.
Das große Ganze ist gefährdet. Der Schwund der Insekten quer über alle Arten hinweg kann nach Meinung mehrerer an dem Schwerpunkt beteiligten Autoren ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen, aus verschiedenen Gründen: Zum einen sind Insekten Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere, deren Überleben ebenfalls gefährdet ist, wenn sie nicht mehr genug zu fressen finden. Zum anderen spielen Insekten eine essenzielle Rolle dabei, dass die Böden fruchtbar und das Wasser sauber bleiben. Ohne sie würden die Stoffkreisläufe in der Natur zusammenbrechen. Ein Beispiel dafür sind im Boden lebende Insekten, die dazu beitragen, dass Blätter und Holz kompostiert und der Dung anderer Tiere entfernt wird. Die Ernährung des Menschen könnte durch den massenhaften Schwund von Insekten gefährdet werden, die Obst- und Nussbäume sowie Gemüse bestäuben.
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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.
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