Neusprech & Propaganda: Sprache - Manipulation - Greenwash - Werbung - Unwörter - Framing (Nukleare Teilhabe...)


Veröffentlicht am 03.05.2020 in der Kategorie Greenwash von Axel Mayer

Neusprech & Propaganda: Sprache - Manipulation - Greenwash - Werbung - Unwörter - Framing


(Ein Text der leider immer wieder fortgeschrieben und aktualisiert werden muss)

Aktueller Neusprech-Einschub


Nukleare Teilhabe oder atomare, deutsche Dienstbotenschaft?
Im Kriegsfall müssen die "Teilhabe"staaten Nuklearwaffen unter US-amerikanischer Kontrolle einsetzen. Das Konzept der nuklearen Teilhabe sieht vor, dass die in den nichtnuklearen Staaten gelagerten Nuklearwaffen im Frieden stets unter US-Hoheit bleiben sollen und dass dies auch im Kriegsfall bis zu ihrer Zündung der Fall sein soll. Über die nötigen Codes verfügt demnach nur die US-Führung; sie unterliegen strengster Geheimhaltung.
Das was uns in Orwellschen Neusprech als Nukleare Teilhabe verkauft wird ist einfach nur ein mörderischer Dienstbotenjob!


Im Jahr 1949 erschien der berühmte Roman “1984” des englischen Autors George Orwell. Er beschreibt darin eine düster-realistische Zukunftsvision, eine moderne Diktatur, einen Überwachungsstaat als Gedankenregime, in dem der allwissende, allsehende „Große Bruder“ die Macht hat. Eine wichtige Form der Herrschaft in dieser Gedankendiktatur ist die Beherrschung und Manipulation der Sprache.

"Krieg ist Frieden
Freiheit ist Sklaverei
Unwissenheit ist Stärke“
George Orwell


Die Manipulation von Sprache als Mittel der Machtausübung und Unterdrückung ist vermutlich so alt wie die Sprache selbst. Gerade auch in der Zeit des Faschismus wurde Neusprech politische und propagandistische Realität. Hitler hat nicht immer von Krieg gesprochen, wie uns das eine vereinfachende Geschichtsdeutung weismachen will. Er hat in den ersten Jahren der Machtausübung immer wieder von Frieden gesprochen, aber Krieg gemeint. Das Gift des Bösen war durchaus auch in Zucker getaucht. Wenn es der Geschichtsunterricht an den Schulen nicht wagt, diesen geschickt gestreuten “Zucker” zu beschreiben, dann können die Mechanismen der Propaganda nicht verstanden werden.

Vernichtungslager – Konzentrationslager
Massenmord – Endlösung


Auch heute wird Sprache zur Desinformation missbraucht. Dies gilt insbesondere für die Sprache des Militärs, gerade auch in Kriegszeiten. Das vom Nürnberger Waffenproduzenten Werner Diehl, in Kooperation mit dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall, gegründete Gemeinschaftsunternehmen “Gesellschaft für intelligente Wirksysteme” stellt laut TAZ vom 2.3.09 u. a. "intelligente" Streubomben her, die nicht Streubomben genannt werden dürfen. Das orwellsche „Krieg ist Frieden“ galt auch für die deutsche Bundesregierung im lange Zeit unerklärten Krieg in Afghanistan. Ein asymmetrischer Krieg, der in der öffentlichen Darstellung aber nicht so genannt werden sollte. Erschreckend erfolgreich waren die Vorkriegs- und die Kriegslügen der Bush-Regierung. Dass Diktatoren lügen wissen wir. Unsere Aufgabe als Demokraten ist es, den Lügen in der Demokratie entgegenzutreten.

80 000 000 000 Euro für Rüstung - 2% für Rüstung
Tötung von Zivilisten – Kollateralschäden
Rebellen: (Al-Nusra-Front beim Morden in Syrien) - Terroristen: (Al-Nusra-Front beim Morden in westlichen Staaten)
Nicht tödliche Waffen - Nicht tödliche Wirkmittel
Waffen & Streubomben - Intelligente Wirksysteme
Militärischer Auftrag mit der Option zu töten - Robustes Mandat
Angriff – Vorwärtsverteidigung
Folter - Umstrittene Verhörmethode
Vertreibungspolitik - Siedlungspolitik
Fluchthelfer (aus der DDR) - Schleuserbanden (aus Afrika)
"er wurde gefoltert" - "er wurde behandelt"


*Hier geht´s zum aktuellen Beitrag: Kriegslügen, Kriegspropaganda: Was können wir im neuen Kalten Krieg glauben?




Neusprech muss nicht immer nur die Ersetzung oder Neuschaffung von Begriffen sein. Manche alten, wohlklingenden Begriffe werden einfach umgedeutet. 1969 wollte Willy Brandt gegen den politischen Muff und Filz der Nachkriegszeit „mehr Demokratie wagen“. Gemeint waren damit der Wunsch und der Wille „mehr Reformen zu wagen“. Über Jahrzehnte hat eine gezielte Umdeutung dieses positiv besetzten Begriffs stattgefunden. Heute steht das Wort „Reform“ für Sozialabbau und den neoliberalen Umbau der Gesellschaft. Niemand hat sich gegen diesen Missbrauch des Begriffs gewehrt. Auch über die Begriffe "Arbeitnehmer und Arbeitgeber" lohnt es sich nachzudenken. Wer gibt und wer nimmt?

Entlassung, Kündigung – Freisetzung
Sozialabbau – Reformen
Debatte um Gerechtigkeit - Neiddebatte
Preiserhöhung - Preisanpassung


Wenn es um die Durchsetzung von Industrieinteressen gegen Mensch, Natur und Umwelt geht, dann setzen Atom-, Kohle,-, Gen- und Chemielobbyisten schon lange auf Greenwash. Neusprech ist bei den großen PR-Firmen zwischenzeitlich Tagesgeschäft, gerade auch wenn nach großen Industrieunfällen (Bhopal, Seveso...) Krisenkommunikation als gezielte Desinformation betrieben wird. Mit dem gezielt eingeführten Kampfbegriff „Ökologismus“ versuchen Industrielobbyisten und neoliberale Netzwerke positiv besetzte Begriffe wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Ökologie zu ersetzen, Zukunftsfähigkeit zu diskreditieren und die Umweltbewegung in die politische Nähe von Sekten zu stellen.

Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Ökologie - Ökologismus
Gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer / Geplante Obsoleszenz - Sinnvolle Gebrauchsdauer
Pestizid – Pflanzenschutzmittel
Überschwerer Lang-LKW - Öko-Laster / Ökoliner
Gift – Wirkstoff
Abwrackprämie - Umweltprämie
Beseitigung von Giftmüll – Entsorgung
Kohlendioxid (CO2) Abgas-Pipeline - Klimaschutzpipeline
Müllverbrennung – Thermische Abfallbehandlung


Selbst bei "unpolitischen" Naturschutzthemen gibt es Neusprech: "Durch eine umfassende Untersuchung konnte nachgewiesen werden, dass die seit 1912 in Baden-Württemberg "ausgestorbenen" Wildkatzen wieder in den Wäldern des Landes umherstreifen". (Zitatende) "Ausgestorben" ist ein seltsam beschönigendes Wort. Es klingt nach "still von uns gegangen". Bekämpft, verfolgt, ausgerottet, ausgemerzt..., diese Begriffe beschreiben den Umstand des "Aussterbens" ein wenig treffender.

Verfolgt, Ausgerottet, Ausgemerzt - Ausgestorben
Abschuss von Kormoranen - Letale Vergrämung von Kormoranen
Abschuss von Wölfen - letale Entnahme von Wölfen (im aktuellen schwarz-roten Koalitionsvertrag)


Eine Blüte der Desinformation und des Greenwash erleben wir im Zusammenhang mit Klimawandel und Atomenergie. „Es gibt keine menschengemachte Klimaveränderung“ war eine der vielen Werbeaussagen der PR-Firma Burson-Marsteller im Auftrag der Öl- und Kohlekonzerne in den USA. „Wegen der drohenden Klimaveränderung brauchen wir unbedingt mehr Atomkraftwerke“ ist nun die gegensätzliche, neue Werbebotschaft von Burson-Marsteller, denn die industriellen Meinungsmacher arbeiten jetzt auch für die Atomkonzerne. Der Begriff "Atomkraftwerk" wird von vielen Menschen immer noch mit der Atombombe assoziiert. Darum wurde schon vor Jahrzehnten der harmloser klingende Begriff der Kernenergie eingeführt. Eine Offenbarung in Sachen Neusprech ist die Notfallschutzbroschüre des Regierungspräsidiums Freiburg für das AKW Fessenheim. Aus dem Katastrophenschutz wurde der Notfallschutz, aus dem Atomunfall das Ereignis und Radioaktivität tritt bei diesem Ereignis nicht etwa unkontrolliert aus, sondern Radioaktivität wird freigesetzt. Auch auf vielen Wikipedia-Seiten heißt der AKW-Schornstein zur Abgabe von krebserzeugender Radioaktivität immer noch Abluftkamin. Ein Teil der lebensbedrohenden Radioaktivität die aus dem AKW Fukushima entweicht, stammt aus einem "Abklingbecken"...

AKW – KKW
Atomkraftwerk – Kernkraftwerk
Plutonium-AKW – Schneller Brüter
Zwischenlager für "abgebrannte Brennelemente" - Abklingbecken
Atommülllager – Entsorgungspark
Atomunfall – Ereignis
Atomkatastrophe – Bedeutsames Ereignis
Katastrophenschutz – Notfallschutz
Katastrophenschutzbroschüre - Notfallschutzbroschüre
Austritt von Radioaktivität – Freisetzung von Radioaktivität
Entgiftung – Dekontamination
AKW-Schornstein – Abluftkamin


George Orwell war ein realistischer Visionär. Er hat Neusprech, die Gedankendiktatur und den Überwachungsstaat beschrieben. Viele Diktaturen des letzten Jahrhunderts in Ost und West waren schrecklich, aber glücklicherweise technisch noch unvollkommen. Heute, in der Demokratie, sind wir da technisch „weiter“. Das zentrale Problem der Menschen sind nicht die unter entsetzlichen Opfern überwundenen Katastrophen und Diktaturen. Das Problem ist unsere offensichtliche Unfähigkeit daraus zu lernen. Gegen Neusprech, Propaganda und Greenwash lässt sich in der real existierenden Demokratie leichter angehen als in einer Diktatur. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir beginnen, uns gegen die Manipulation der Sprache und des Denkens zu wehren?

Ein persönlicher Beitrag von Axel Mayer
(Der Autor ist BUND-Geschäftsführer in Freiburg, Kreisrat und Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband)


Informationsblätter zum Thema Neusprech gibt´s
zum Selbstkostenpreis (100 Stück = 4€)hier.

Den Flyer "Sprache - Neusprech - Propaganda" können Sie als PDF-Datei auf der entsprechenden BUND-Seite (Link unter dem ersten Text) herunterladen.



"Greenscamming" ist eine PR-Technik, bei der umweltfreundlich klingende Namen und Bezeichnungen für Organisationen oder Produkte ausgewählt werden, die nicht umweltfreundlich sind. Eine häufig angewandte Greenscamming-Methode besteht z.B. darin, dass sich Anti-Umwelt-Organisationen umweltfreundlich bzw. „grün“ klingende Namen geben, die ein Interesse am Umweltschutz suggerieren, um die Öffentlichkeit über ihre wahren Absichten und Motive zu täuschen. (…) In diesem Zusammenhang verweist er auf eine von der Union of Concerned Scientists angefertigte Liste von Klimaleugnerorganisationen, die auch 43 vom Ölkonzern Exxon finanzierte Organisationen enthalte. Keine einzige dieser Organisationen trage dort einen Namen, aus dem man ihr Eintreten gegen Klimaschutz ableiten könne. (...)
Beispiele für Greenscamming-Organisationen sind die National Wetland Coalition, Friends of Eagle Mountain, The Sahara Club, The Alliance for Environment and Resources, The Abundant Wildlife Society of North America, die Global Climate Coalition, das National Wilderness Institute, die Environmental Policy Alliance des Center for Organizational Research and Education und das American Council on Science and Health. Hinter diesen vorgeblichen Umweltschutzorganisationen verbergen sich vor allem die Interessen von Wirtschaftsbranchen. Beispielsweise stehen hinter der National Wetland Coalition Erdöl-Bohrunternehmen und Immobilienentwickler, während sich hinter den Friends of Eagle Mountain ein Bergbauunternehmen verbarg, das Tagebaugruben in Mülldeponien umwandeln möchte. Hinter der Global Climate Coalition standen wiederum Wirtschaftsunternehmen, die gegen staatlich verordnete Klimaschutzmaßnahmen kämpften. Weitere Greenscam-Organisationen sind das US Council for Energy Awareness, hinter dem die Kernenergieindustrie steht, die Wilderness Impact Research Foundation, die Holzfäller- und Viehzüchter-Interessen vertritt, und die American Environmental Foundation, die eine Interessenvertretung von Grundstücksbesitzern ist.
Quelle und mehr Infos: Wikipedia


Aktueller Nachtrag: Neusprech


Im Jahr 2018 läuft in den Nato-Staaten und Deutschland die bestorganisierte PR-Kampagne der letzten Jahrzehnte. Den Menschen soll eine massive Aufrüstung schmackhaft gemacht werden. Militär, Rüstungskonzerne und Rüstungslobbyisten setzen ihre Interessen mit großem Aufwand und Perfektion durch.
Ein wichtiger Rand-Aspekt dieser Kampagne (neben der Erzeugung von Angst) ist Neusprech, die ständige Verwendung von Prozentzahlen, um die tatsächlichen Summen um die es geht, zu verschleiern. Qualitätsmedien wie der Deutschlandfunk sprechen in längeren Sendungen häufig nur vom Rüstungsziel 2%. Selbst die letzten qualitativ hochwertigen deutschen Printmedien füllen manchmal ganze Seiten zum Thema Rüstung nur mit Prozentzahlen. Doch es geht nicht um Prozente sondern um Euro. Wenn wir zukünftig zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Aufrüstung ausgeben, dann klingt zwei Prozent einfach besser als die reale Summe in Zahlen. Doch 2% sind 80 Milliarden Euro und damit fast eine Verdoppelung der jetzigen Rüstunsausgaben! Jährlich sollen 80 000 000 000 Euro für Rüstung ausgegeben werden. Und einen Vergleich der Rüstungsausgaben der NATO mit den Rüstungsausgaben der potentiellen "Feinde" scheuen Lobbyisten und Medien wie der Teufel das Weihwasser. Wenn es einen Neusprech-Award gäbe, dann müssten ihn im Jahr 2018 die "2%" erhalten.





Mein Dank geht an Walter Mossmann und Gerhard Peringer für die kritische Durchsicht dieses Textes.



Umstrittene Verhörmethode? Waterboarding ist Folter - Gegen das Neusprech in deutschen Medien

An die Jury
Unwort des Jahres
Prof. Dr. Martin Wengeler
FB II Germanistik/ Germanistische Linguistik
Universität Trier
Universitätsring 15
54286 Trier
vorschlaege@unwortdesjahres.net

Sehr geehrte Damen und Herren in der Jury,

ich möchte hiermit den Begriff "Umstrittene Verhörmethode" als Unwort des Jahres 2013 vorschlagen.

Umstrittene Verhörmethode -ein Begriff aus dem Vokabular der Unmenschlichkeit- macht sich in den deutschen Medien breit. Anfang Februar 2013 gab es in beinah allen Medien Berichte über die Einführung des neuen CIA-Chef John Brennan. In den meisten Printmedien, aber auch bei ARD, ZDF und selbst im Deutschlandfunk gab es Sätze wie diesen: "Der designierte CIA-Chef John Brennan hat in der Vergangenheit keine Versuche unternommen, umstrittene Verhörmethoden des Geheimdienstes zu unterbinden". Manche Medien, wie z.B. die Süddeutsche schrieben den Neusprech-Begriff zumindest noch in Anführungszeichen.

Aber Folter ist Folter
und wer Waterboarding als "Umstrittene Verhörmethode bezeichnet, der verharmlost Folter und öffnet der Barbarei Tür und Tor.


Beim Opfer dieser, u.a. vom CIA unter George W. Bush praktizierten Folterpraxis wird durch Ausnutzen von Würgreflexen physiologisch zwingend der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen, indem die Atmung durch ein Tuch, welches ständig mit Wasser übergossen wird, stark erschwert wird. Durch das Fixieren des Folteropfers in einer Position, in der sich der Kopf tiefer befindet als der restliche Körper, soll das Eindringen von Wasser in die Lungen und ein darauf folgendes tatsächliches Ertrinken verhindert werden. Manche Straftäter wurden vom CIA innerhalb eines Monats 183 Mal dem berüchtigten Waterboarding unterzogen.

Für eine "saubere Kriegsführung und eine saubere Folter" ist Waterboarding "ideal". Waterboarding gehört zu den Verhörmethoden, die keine körperlichen Spuren hinterlassen (Weiße Folter). Nachträgliche Beweise für Folter im Fall von Waterboarding sind daher schwer zu erbringen.




Die wirklichen Werte, auf die wir stolz sein können,
die Aufklärung oder die Menschenrechte werden mit Waterboarding und Folter nicht verteidigt, sondern mit Füßen getreten.

Eine Berichterstattung, die aus Folter eine "Umstrittene Verhörmethode" macht, ist nicht akzeptabel. Der Begriff ist orwellsches Neusprech und eine solche Berichterstattung ist Feigheit vor dem Freund.

Wehret den Anfängen der Barbarei, sollte eine der großen Lehren aus den Verbrechen der Vergangenheit sein. "Umstrittene Verhörmethode" sollte zum Unwort des Jahres 2013 werden.

Axel Mayer / Kreisrat




Nachträge:
*Und Du, der Du diesen Text gelesen hast, solltest Dich nicht scheuen, Dich bei Deiner Zeitung und bei deinem Radio- und TV-Sender zu beschweren, wenn Folter verharmlost wird. Und wende Dich bitte mit Deinem Absender und dem oben abgedruckten Text (oder Deiner Textvariation) an die Jury -Unwort des Jahres- vorschlaege@unwortdesjahres.net

* Es ist leider typisch mit welcher Inbrunst und welchem Rigorismus in Deutschland über längst überwundene Unwörter in alten Kinderbüchern, wie in der "Kleinen Hexe" von Otfried Preußler, diskutiert wird. Wir leben in einer Zeit rückwärtsgewandter Debatten, die immer weniger Bezug zu aktuellen Gefährdungen der Demokratie und zu aktuellem Neusprech haben, die allerdings wunderbar von Begriffen wie "Umstrittene Verhörmethode" ablenken.






Hanns Dieter Hüsch: Bedenkt
(...)
"Und dass gefoltert wird, das sollt ihr auch bedenken.
Gewiss ein heißes Eisen, ich wollte niemand kränken,
doch werden Bajonette jetzt gezählt und wenn eins fehlt,
es könnte einen Menschen retten,
der jetzt um diese Zeit in eurer Mitte sitzt,
von Gleichgesinnten noch geschützt.
Wenn ihr dies alles wollt bedenken,
dann will ich gern den Hut, den ich nicht habe, schwenken.
Die Frage ist, die Frage ist,
sollen wir sie lieben, diese Welt?
Sollen wir sie lieben?
Ich möchte sagen, wir wollen es üben."


Auszug aus dem "wichtigsten" Gedicht von Hanns Dieter Hüsch (aus: Das Schwere leicht gesagt.
Spektrum Bd. 4274, Verlag Herder, Freiburg 1994, S. 129)
Quelle





Noch mehr Neusprech


Abwrackprämie / Umweltprämie / Umweltzerstörungsprämie & Neusprech
Am 27.01.2009 hat das Bundeskabinett
die „Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen beschlossen“. Wer sein über 10 Jahre altes Auto verschrottet, bekommt bei gleichzeitiger Anschaffung eines Neuwagens eine so genannte Umweltprämie von 2500 Euro.

Hans Magnus Enzensberger gibt der „Umweltprämie“ den richtigen Namen. Er schreibt: „Die Abwrackprämie ist eine Belohnung für die Vernichtung von Gebrauchsgegenständen; ihr Besitzer empfängt diese Prämie, die er als Steuerzahler entrichtet.“ (Zitatende)


Die Abwrackprämie ist tatsächlich auch eine Umwelt- und Wertzerstörungsprämie
und der Begriff “Umweltprämie” ist orwellsches Neusprech. Viele der neuen Autos haben einen nur geringfügig niedriegeren Energieverbrauch und Schadstoffausstoß als die Altfahrzeuge. Die Energiemengen und Rohstoffe, die bei der Produktion eines Autos verbraucht werden, die damit verbundene Umweltzerstörung und die Schadstoffemissionen spielen in dieser Debatte keine Rolle. Ein Mittelklasse-Auto wiegt 1000 bis 2000 Kilogramm. Industrieprodukte haben einen "ökologischen Rucksack", der rund 30-mal so schwer ist - wenn man etwa den Abraum bei der Erzgewinnung für Stahl und Blech hinzurechnet. (Recycling ist immer auch wertminderndes Downcycling) Güter möglichst sparsam zu verwenden und die Gebrauchszyklen zu verlängern... das wäre Umweltschutz.

„Immer mehr und immer dümmere Produkte kaufen mit Geld, das mensch nicht hat“
Diese zentrale Grundidee des „American way of life" stand am Beginn der US-Immobilienkrise. Es ist der Mythenmix aus Konsumismus und der Illusion von Freiheit, aus schnellem Geld und schnellem Genuss. Manche Ansätze zur Bewältigung der Krise wiederholen teilweise die Fehler, welche die Krise ausgelöst haben. Das ist kein Wunder. Schließlich gehören viele der heutigen “Problemlöser” zu den Problemverursachern.

Es spricht wenig gegen eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Krisenintervention.
Doch wenn in einer Zeit des Klimachaos und der schwindenden Energievorräte in Wegwerfprämien für langlebige Produkte investiert wird um die Konjunktur anzukurbeln, dann legt die so genannte Krisenintervention die Wurzeln für zukünftige größere und nicht reparable Zusammenbrüche. Am problematischsten und umweltfeindlichsten ist in diesem Zusammenhang tatsächlich die “Umwelt”prämie genannte Verschrottungsprämie für PKW.

Für das Klima macht es da keinen Unterschied,
dass die Mehrzahl der neuen Fahrzeuge nicht in Deutschland , sondern in Polen, Brasilien, Mexiko und Spanien hergestellt wird. Der nicht Auto fahrende Steuerzahler, aus dessen Tasche die “Umwelt”prämie auch finanziert wird, sieht diese Subventionierung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländern und die damit verbundene Geldverschwendung vermutlich nicht so positiv wie Politiker und die Lobbyisten der Autoindustrie.

Ökologisch und zukunftsfähig sind nur Programme
zur Bewältigung der Krise mit der Zielsetzung echter Nachhaltigkeit. Die Produktlebensdauer, die Phasen des Produzierens, Konsumierens und Wegwerfens dürfen nicht künstlich verkürzt werden. Nur gute, umweltfreundliche, langlebige, reparaturfähige und dadurch arbeitsplatzschaffende Produkte sind zukunftsfähig. Der jetzt überall gepredigte schnelle Konsumismus ist ein zerstörerischer Irrweg und Wegbereiter kommender Krisen.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer / Freiburg
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Infos aktuell: Greenwash, Kriegspropaganda, Propaganda, Krisenkommunikation, Klimawandelleugner, Umweltlügen


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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


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