9.5.2025: Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für Axel Mayer


Veröffentlicht am 11.05.2025

Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für Axel Mayer am 9. Mai 2025 / "Unvorhersehbare Spätfolgen" von langjährigem Engagement ...


Am 9. Mai 2025 erhielt Axel Mayer den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg - die höchste baden-württembergische Auszeichnung - „in Anerkennung seiner Verdienste um das Land Baden-Württemberg, als langjähriger BUND-Geschäftsführer Südlicher Oberrhein und für sein jahrzehntelanges Engagement im regionalen und grenzüberschreitenden Natur- und Umweltschutz, in der Kommunalpolitik sowie in der Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung". (Brief des Ministerpräsidenten vom 18.3.2025)




Warum? Ich denke an den ersten Hilfstransport nach Tschernobyl und an die riskante Schmuggel-Fahrt mit Babs in die Sowjetunion, mit illegaler Umwelt-Literatur und verbotenen Umweltanalysekoffern für die damals noch verbotene Umweltbewegung in Estland, Lettland und Litauen. Ich denke an Wyhl, Marckolsheim und an den Kampf für einen sauberen Rhein und den letzten Streit für eine Kläranlage der Usine-Kaysersberg. Ich denke an die langen, erfolgreichen Jahre beim BUND, an die Mitwelt Stiftung Oberrhein und an die heutigen Kämpfe für Demokratie und Umwelt.

„Alle Gruppen der Bevölkerung des Landes sollen bei der Ordensvergabe möglichst gleichmäßig berücksichtigt werden“, steht in der Verordnung des Landes.

Ich stehe also stellvertretend für eine Gruppe von Menschen, von denen viele diesen Orden verdient hätten und die bisher in der langen Liste der bisherigen Ordensträger nicht „allzu häufig“ auftauchen.

Für welche Gruppen und Menschen stehe ich?


Als ich 1974 zur Bauplatzbesetzung gegen ein extrem umweltverschmutzendes Bleiwerk nach Marckolsheim ins Elsass fuhr, war in Deutschland, Frankreich und Europa noch die Zeit der „guten, alten, offenen“ und vor allem sichtbaren Umweltzerstörung und Umweltvergiftung. Flüsse waren stinkende Kloaken, Kinder in der Umgebung von Verbrennungsanlagen litten an Pseudokrupp, in der Umgebung deutscher Bleichemiewerke starben die Kühe an Bleivergiftung. In meinem Heimatdorf Teningen wurde ein Baggersee mit Giftmüll verfüllt und der Schweizer Atommüll noch im Meer versenkt. Es war die unkritisch-technikbesoffene Nachkriegszeit, in der, trotz des Konzernwissens um die Gefahren, noch hemmungslos Asbest verbaut wurde.

Seit 1974 ist manches, nicht alles, besser geworden. Die „gute, alte, offene“ Umweltzerstörung haben wir überwunden. Diese Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden von vielen Menschen erkämpft.

Der Preis geht an die konstruktiv-nachdenklich Kritischen, er geht an das frühe „Nai hämmer gsait“ zu Atomkraft, zu Umweltzerstörung, Krieg, Wachstumsreligion und an das Nein zur explodierenden sozialen Ungleichheit.

Er geht aber auch an das frühe „Ja hämmer gsait“ zu den zukunftsfähigen Energien.
Ans „Ja hämmer gsait“ zur guten sinnvollen Technik, die Mensch und Umwelt nützt. In wenigen Jahrzehnten hat es im Bereich Windenergie, Tiefengeothermie und Fotovoltaik ungeheure Fortschritte gegeben. Die zukunftsfähigen Energien sind nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch kostengünstiger als die atomar-fossilen Energiequellen.

Diese Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden erdacht, erkämpft und die Kämpfe sind noch nicht beendet.

Gut, dass wir mit unseren positiven Visionen nicht zum Arzt gegangen sind, wie uns das einst Kanzler Helmut Schmidt empfohlen hat.

Wir haben das Wissen und die Technik, um mit einem wesentlich verringerten Input von Energie, Rohstoffen und Arbeitszeit, allen Menschen der Welt ein gutes Leben zu ermöglichen. Es ist unsere Aufgabe, Fortschritt und Zukunft menschengerecht zu gestalten.

Diese Erfolge haben nicht Einzelne erreicht. Soziale, ökologische und demokratische Erfolge sind immer Teamwork.

Soziale Bewegungen funktionieren im besten Falle wie ein selbstspielendes Klavier. Da braucht es viele, viele Tasten und jede einzelne dieser Tasten ist wichtig für die Melodie, für das Lied, für den Erfolg. Eine dieser Tasten bin ich, nicht mehr, nicht weniger.

Ich erhalte den Preis stellvertretend für ein Netzwerk, für ein regionales, aber auch für ein globales Team von Frauen und Männern. Wir/Ich werden für das gelobt und geehrt, was wir in der Vergangenheit getan und erreicht haben und wir werden dafür kritisiert und bekämpft, was wir aktuell fordern und durchsetzen wollen.

Ich stehe für die Menschen, die, manchmal auch verzweifelt, Wege in eine menschliche, nachhaltige, gerechte Zukunft suchen und die dabei manchmal auch Irrwege gehen.

Der Preis geht an mich, ich stehe für den Teil der Zivilgesellschaft, der sich für Demokratie, Freiheit, Frieden, Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz, milliardärsunabhängige Pressefreiheit, soziale Gerechtigkeit und die Werte der unvollendeten Aufklärung einsetzt.

Axel Mayer, Endingen



Dankscheen!


Ich habe nach der Verleihung eine Vielzahl von freundlichen, schönen, angenehmen Mails erhalten.
Hier ein Beispiel:
Lieber Axel,
ich führe mir stets gern und sehr interessiert deine Verlautbarungen zu Gemüte! In deinem Kämpfen für Vielfalt in allen Bereichen bist du mir ein Vorbild , mit deiner klaren unverwechselbaren und bildreichen Sprache (selbstspielendes Klavier....) erreichst du die Menschen. Ich liebe auch deine Hartnäckigkeit und natürlich deine Verwurzelung in der alemannischen Heimat!
Aber mehr als über all das freue ich mich über deine Auszeichnung! Du hast sie verdient, sie ist eine große Wertschätzung deiner Passion für die Umwelt und damit wird sichtbar, wie wertvoll es ist, dass es Menschen wie dich gibt, die "immer und immer wieder eifach do" sind!
Ich beglückwünsche dich, lieber Axel, und wünsche dir weiterhin von Herzen alles Gute!
Herzlichst
Christel


In Zeiten von Hassmails und Hasskommentaren gab es aber auch die folgende Reaktion:
"Dieser elende Demagoge will Umweltschützer sein? Der diffamiert und verleumdet auf seiner dummen Webseite „mitwelt.org“ andere Umweltschützer, die eine andere Vorgehensweise haben als die altgrünen Möchtegerns.
Verheerend, dass sowas auch noch mit einem Verdienstorden ausgezeichnet wird."
Johannes Güntert (Ein Atom-Lobbyist von WePlanet und industriegelenkter Ökomoderne.)





Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für Axel Mayer am 9.5.2025



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