80 Jahre AKW Laufzeitverlängerung / Gefahrzeitverlängerung für die Schweizer Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt?
Veröffentlicht am 20.05.2026 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer
80 Jahre AKW Laufzeitverlängerung / Gefahrzeitverlängerung für Atomkraftwerke in der Schweiz, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Tschechien, Großbritannien und Finnland?
In der Schweiz, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Tschechien, Großbritannien und Finnland soll auf Druck rechter und marktradikaler Parteien die Laufzeit der Atomreaktoren auf 80 Jahre verlängert werden. Hintergrund dieser Hochrisikodebatte ist das zunehmende Scheitern der Pläne Mini-AKW zu bauen. Diese sind nicht nur gefährlich, sondern auch teuer und auf dem Markt nicht durchzusetzen. Angesichts der Gefahren laufzeitverlängerter Atomkraftwerke ist es wieder einmal nötig, die Gefahren der Atomkraft zu benennen. Die Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima haben die globalen Gefahren der sogenannten "friedlichen Nutzung der Kernenergie" deutlich aufgezeigt.
Wir zeigen die Gefahren der Laufzeitverlängerung am Beispiel der Schweizer AKW Gösgen und Leibstadt.
Die Schweizer Atomlobby war nach den vielen Opfern der „zivilen“ Nutzung der Atomkraft, nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen und hat in dieser Zeit die Energiewende in der Schweiz mit industriegelenkten „Blackout-Initiativen“ bekämpft. Aufgegeben hat sie nicht. Das „atomare Dorf der Schweiz“, die alten mächtigen Seilschaften aus Konzernen, Lobbyisten und Medien wie der NZZ, sowie alten und neuen Atomparteien, funktionieren noch. Sie wollen neue, teure AKW, die Gefahrzeitverlängerung der bestehenden Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt auf 80 Jahre, sowie ein atomares Endlager in einer ungeeigneten geologischen Formation. "Der mehrheitlich rechtskonservative Schweizer Bundesrat hat im Mai 2026 bestätigt, dass ein Weiterbetrieb der Schweizer Kernkraftwerke Gösgen (bis 2059) und Leibstadt (bis 2064) auf bis zu 80 Jahre technisch und wirtschaftlich möglich sei. Fukushima, Tschernobyl und Lucens sind vergessen. Die Schweiz betreibt schon jetzt nahe der deutschen Grenze die weltweit ältesten Reaktoren. Die vier Anlagen, darunter das älteste AKW der Welt in Beznau, sind von aktuellen Sicherheitsstandards weit entfernt. Keines würde heute noch eine Betriebsgenehmigung erhalten.
Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt: Laufzeitverlängerung und atomare Gefahren In jedem AKW wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in einem Atomkraftwerk wie beispielsweise Leibstadt mit 1233 MW elektrischer Nettoleistung pro Jahr in etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 1233 Hiroshima-Bomben entsteht. Die „Freisetzung“ auch nur eines kleinen Teils dieser Radioaktivität hätte verheerende Folgen für die Schweiz und die Nachbarländer. Große Landstriche müssten für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.
Durch den Dauerbeschuss mit Neutronen aus der Kernspaltung, extrem hohe Temperaturen und Temperaturunterschiede, mechanische Belastungen und Korrosion altern die einzelnen Bauteile der Atomkraftwerke; das Risiko eines Unfalls durch Materialermüdung steigt. Zwar werden die alten Reaktoren der Schweiz immer wieder mit neuer Technologie nachgerüstet, doch die Kombination aus alter Technik des letzten Jahrhunderts und neuer Technik birgt bisher unbekannte Probleme und Risiken. Während Wärmetauscher, Reaktordeckel, Rohrstücke und andere Teile unter teilweise immensen Kosten und Risiken für die AKW-Arbeitnehmer (und insbesondere für die Leiharbeiter) ausgetauscht werden können, kann das am stärksten von der Neutronenstrahlung belastete Reaktordruckgefäß nicht ersetzt werden. Haarrisse wachsen, und der Stahl wird spröde und korrodiert. Im März 2002 entdeckten Experten bei der Überprüfung des Atomreaktors „Davis Besse“ in den USA eher zufällig, dass der Stutzen des Reaktordeckels bereits zu drei Vierteln durchgerostet war – ohne dass es zuvor jemand bemerkt hatte. Große Risse im Reaktordruckgefäß oder ein Abriss der Hauptkühlmittelleitung führen zwangsläufig zum GAU, zum größten anzunehmenden Unfall.
„In jedem Jahr Volllastbetrieb werden die Rohre des zentralen Kühlkreislaufs, in dem hoch radioaktives Wasser fließt, sowie der zentrale Druckbehälter einer intensiven Strahlung ausgesetzt. Sie wirft Atome aus ihrer Lage, schafft punktförmige Störstellen. Dies beeinflusst die Festigkeit, im schlimmsten Fall durch Bildung eines Haarrisses, an dem sich weitere Fehlstellen bevorzugt ansammeln, was zur Ausbildung eines größeren Risses und zum Bersten führen kann.“ Zitat: Eicke R. Weber, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme
Atomkraftwerke, Laufzeitverlängerung und Geld Bei der Debatte um Laufzeitverlängerungen verwundert immer wieder, wie die rechtskonservative Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach: „It’s the money, stupid.“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbyisten jedoch viel Geld.
Es ist nicht erklärbar, warum insbesondere die sogenannten Bürgerlichen und Konservativen in der Schweiz die ältesten und unsichersten Atomkraftwerke der Welt betreiben und deren Laufzeit verlängern wollen und damit die Existenz des eigenen Landes und seiner Menschen unverantwortlich aufs Spiel setzen. Mit zunehmendem AKW-Alter wächst auch die Gefahr schwerer, katastrophaler atomarer Unfälle.
Bei einem schweren Atomunfall in einem großen Land wie Frankreich würden sich, ähnlich wie in Japan, zumindest noch Gebiete finden, in die Menschen evakuiert werden könnten. Bei einem Atomunfall in einem kleinen Land wie der Schweiz kämen als Fluchtorte – je nach Schwere des Unfalls und je nach Windrichtung am Tag der Katastrophe – nur die ebenfalls betroffenen Nachbarländer infrage. Haben sich diese Bürgerlichen und Konservativen schon einmal überlegt, in welchem der Nachbarländer sie Asyl beantragen würden? Auch in der Schweiz stellt sich die Frage warum gerade die Konservativen schon lange das bewahrende Element der Politik verloren haben.
Die „konservativen“ Atomparteien der Schweiz stehen nicht für den Schutz der Heimat. Sie sind, ähnlich wie weltweit viele Konservative, Teil des „atomaren Dorfes“, eines undemokratischen Netzwerks aus Abhängigkeiten und Verflechtungen zwischen Politik, Medien, staatlichen Kontrollorganen und der Atomindustrie. Die große Atompartei der Schweiz ist trotz Fukushima und Tschernobyl immer noch die rechtspopulistische SVP.
Alte und neue AKW sind gefährlich Die Nutzung der Atomenergie in neuen und alten AKW ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt und die angedachte Gefahrzeitverlängerung erhöht diese Risiken massiv. Der Ausstieg aus dieser gefährlichen Technologie muss schnell erfolgen. Der Versuch der Atomindustrie und der Atomlobby, den „Atomausstieg“ zu verlängern, ist mehr als ein Skandal. Neben den Gefahren für Leben und Gesundheit zeigt diese Debatte auch die undemokratische Macht großer Konzerne und der PR-Industrie. Es ist erschreckend, dass manche Lobbyisten (immer nur kurzzeitig) aus neuen Atomkatastrophen lernen. "Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Atomunfalls liegt nicht bei 1 zu 1 Milliarde pro Jahr, wie uns in früheren Broschüren der Atomkonzerne schon einmal versprochen wurde.
Warum bezeichnen wir in der öffentlichen Debatte die Laufzeitverlängerung für AKW nicht als Gefahrzeitverlängerung?
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-)BUND-Geschäftsführer
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