Manipulation von Online-Umfragen / Opinary-Umfragen? / Atomkraft, Windenergie, Energiewende


Veröffentlicht am 03.04.2020 in der Kategorie Greenwash von Axel Mayer

Manipulation von Online-Umfragen / Opinary-Umfragen? / Atomkraft, Windenergie, Energiewende



Das übliche "Phänomen":
Eine Opinary-Umfrage zum Thema "Atomkraft, Windenergie oder Energiewende" in einer seriösen Regionalzeitung. Es beginnt das klassische Hin und Her im Abstimmungsverhalten und plötzlich und schnell steigt der Anteil "einer Seite" (hier die Pro-Atom-Stimmen) und es stellt sich die Frage, wie das "Abstimmungsergebnis" zustande kommt.

Das Ergebnis kann selbstverständlich auch ganz real zustande gekommen sein. Doch bei Online-Abstimmungen gibt es immer mehr Betrugsversuche. Gerade die Atomlobby, Industrielobbyisten, Klimawandelleugner, Windenergiegegner, Werbeagenturen, AfD und rechtspopulistische, neoliberale Netzwerke verstehen ihr "Handwerk" im Internet.

Es geht bei diesem Mitwelt-Beitrag einfach um die Frage, ob solche Online-Umfragen / Opinary-Umfragen manipulierbar sind. Wenn ja, dann sollten sie bei gesellschaftlich wichtigen Fragen und bei Fragen, bei denen es um ökonomische Interessen geht, besser gesichert oder nicht genutzt werden, denn ansonsten sind sie ein Manipulationsinstrument. Was nach objektiver, messbarer, repräsentativer Beteiligung aussieht, aber manipulierbar ist, schadet unserer Demokratie und gehört nicht in seriöse Medien.

Die internationale Atomlobby war nach den vielen Opfern der "zivilen" Nutzung der Atomkraft, nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie nicht. Das globale atomare Dorf, die alten mächtigen Seilschaften aus Konzernen, Lobbyisten und Atomparteien funktionieren noch.

Die Durchsetzungsstrategien für die Laufzeitverlängerung von Kohle- und Atomkraftwerken,
für die „grünen“, neuen AKW, die "Klimaschutz-Reaktoren" sind perfekt und auf der Höhe der Zeit. Nicht mehr die Kohle-, Öl- und Atomkonzerne oder erkennbare Lobbygruppen machen die Werbung. Diese Aufgabe haben industriegelenkte, gut organisierte Tarnkappen-Organisationen wie die Nuclear Pride Coalition oder "Ökomoderene" übernommen. Die Kohle- und Atomindustrie hat aus den PR-Fehlern der Vergangenheit gelernt und setzt auch auf die Manipulation von Online-Umfragen und Internetforen und auf Wikipedia-Manipulation.

Mit solchen Strategien und "industrienahen Bürgerinitiativen" bekämpft weltweit und auch bei uns die neoliberale Lobby der Atom-, Kohle- und Ölkonzerne die Energiewende und die zukunftsfähigen, umweltfreundlichen Energien aus Wind und Sonne, denn Strom aus den ungefährlichen Alternativen ist längst billiger als Atomstrom.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
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Abstimmung zum Thema Windenergie wurde wegen Manipulation vom Netz genommen.
Quelle: Energiewende Starnberg https://www.energiewende-sta.de/category/windenergie/

Die Bayerische Staatszeitung (BSZ) führt wöchentlich in ihrer Online-Ausgabe eine Umfrage durch, über die online mit „Ja“ oder „Nein“ abgestimmt werden kann. Nähere Informationen zum Thema kann man der Druckausgabe entnehmen, es werden die Gründe pro und contra jeweils von zwei Kontrahenten genannt. Auch in der 2. Kalenderwoche 2018 lief bis zum 21.01. eine solche Umfrage, Thema „Negativrekord bei Anträgen für neue Windräder: Soll die 10H-Regel für Windräderfallen?“

Viele Mitstreiter innerhalb und außerhalb unseres Aktionsbündnisses nahmen an dieser Umfrage teil, nachdem diese kurz vor Umfrageschluss am 19.01.2018 im Netz verbreitet worden war. Als Befürworter einer dezentralen Energiewende steht unser Aktionsbündnis für eine Energiewende vor Ort, die auf Windkraft nicht verzichten kann.

Am Nachmittag des 19.01.2018 stand die Abstimmung bei gut 80% pro Wegfall der 10H Regelung, dieser Wert erhöhte sich noch im Lauf des Samstag, 20.01.2018. Eine Überraschung brachte dann der Sonntag, über Nacht war das Ergebnis gekippt und ins Gegenteil verkehrt, 90% gegen den Wegfall von 10H.

Wie konnte so etwas innerhalb von gut zwölf Stunden passieren? Waren Bots am Werk gewesen? Einzelne Mitglieder versuchten zu Testzwecken – unter Anwendung relativ einfacher Schritte – mehrfach abzustimmen. Sie waren erfolgreich und meldeten dies an die Community. Und die Pressesprecherin des Aktionsbündnisses sowie weitere Mitstreiter reagierten sofort mit Anfragen bei der BSZ.

Der vollständige Beitrag auf Facebook: https://www.facebook.com/staatszeitung/posts/1915454668517357

Auch die BSZ reagierte schnell. In der Antwort (im Anhang), die an alle Beschwerdeführer ging, wurde eingestanden, dass es Manipulationen gegeben habe und die Umfrage deshalb aus dem Netz genommen worden sei. Künftig werde man sich bemühen, das Tool sicherer zu machen. Es seien mehr als 30.000 Votings abgegeben worden, das sei dubios.

Eine gute Reaktion, wie wir finden, nicht alle Zeitungen sind so souverän.

Bemerkenswert war auch die Reaktion von Windkraftgegnern aus ganz Deutschland. Sie lösten einen veritablen Shitstorm auf den Seiten des Aktionsbündnisses aus. Fühlten sie sich ertappt? Der Eindruck entstand ganz massiv.

Es bleibt die Frage, wem nützen solche Umfragen?
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Atomkraft: Manipulation von Online-Umfragen / Opinary-Umfragen




Hier einige Infos zur Manipulation von Online-Umfragen

"Verdächtig viele Ja-Stimmen
Die AKW-Branche möchte von den Risiken lieber nichts wissen. Dies zeigen Vorgänge um eine Beobachter-Umfrage. Auf unserer Website hatten wir gefragt: «Sind die Schweizer Atomkraftwerke sicher?». Die Internetredaktion des Beobachters stellte fest, dass Hunderte von Ja-Stimmen von demselben Netzwerk aus abgegeben worden waren - jenem der Nordostschweizerischen Atomkraftwerke (NOK) in Baden. Die NOK ist die zweitgrösste Aktionärs des Reaktors in Leibstadt."
Quelle:Schweizer Beobachter

"Online-Umfragen sind beliebt, aber auch leicht zu manipulieren"
Deutschlandfunk

"Bis zu 30-mal konnte er abstimmen, als er im Browser das Speichern von Cookies deaktiviert hatte, jener kleinen Programme, mit denen Webseiten Nutzer bei ihrem nächsten Besuch wiedererkennen. Wenn er seinen Router neu startete, konnte er mit neuer IP-Adresse erneut 30-mal abstimmen."
Quelle:Süddeutsche Zeitung

"Die Umfragen können relativ einfach manipuliert werden. In Lucas' Text führt das ein Datenspezialist vor: Bei einer Opinary-Umfrage fälscht er in 20 Minuten 2000 Stimmen und beeinflusst damit das Ergebnis der Umfrage maßgeblich"
Quelle:buzzard.org

"Kreißel untersucht Manipulationen in den sozialen Medien. Gemeinsam mit dem Verein ichbinhier e.V. und dem Institute for Strategic Dialogue hat er Anfang 2018 die Studie »Hass auf Knopfdruck« herausgegeben. Für diesen Artikel hat er mehrere Opinary-Umfragen beeinflusst, unter anderem diese bei »Spiegel Online« zu den Midterm-Wahlen in den USA.
Kreißel hat ein Skript geschrieben, mit dem er automatisiert in großer Zahl Stimmen für eine mittlere, unentschlossene Position abgegeben hat. Dafür hat er Teile des Opinary-Codes übernommen und so umgeschrieben, dass das System für jede einzelne von Kreißels Stimmen einen neuen User mit UUID (Universally Unique Identifier) anlegt. Den Angriff selbst hat er über den verschlüsselten Tor-Browser laufen lassen, der es ihm erlaubt, statt der eigenen eine beliebige IP aus dem Tor-Netzwerk zu nutzen. »Für alle der mehr als 2.000 Stimmen habe ich aber dieselbe IP-Adresse benutzt«, erklärt er. »Selbst wenn Opinary diese IP-Adresse gesperrt hätte, hätte ich mir einfach eine neue zuweisen lassen können. Das haben sie aber nicht getan. Es sieht so aus, als gäbe es kein IP-Limit.« Dass er die Umfrage erfolgreich manipuliert hat, konnte Kreißel über einen anderen Browser mit abweichender IP-Adresse verifizieren."
Quelle: uebermedien.de

"Der britische Geheimdienst GCHQ soll Internetinhalte verfälschen können. Dies berichtete der Journalist Glenn Greenwald am Montag unter Berufung auf neue Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden. Wie es hiess, könne der Dienst beispielsweise Besucherzahlen von Websites und Online-Umfragen manipulieren."
Quelle: Neue Zürcher Zeitung

"Wie man Online-Wahlen und Online-Umfragen fälscht, manipuliert und austrickst. Wir erläutern daher hier ausführlich, wie Sie Online-Wahlen und -Umfragen austricksen und manipulieren können. Wir machen dies nicht, um zu kriminellen Handlungen aufzurufen oder dies in irgendeiner Form gut zu heißen. Wir wollen stattdessen zeigen, dass Online-Abstimmungen nur bedingt glaubwürdig sind, da sich alle mehr oder weniger gut manipulieren lassen."
Quelle: Literaturcafe.de




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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)