AKW / KKW Lucens: Atomunfall/Gau/Kernschmelze in der Schweiz 1969 / Der Wunsch nach der Schweizer Atombombe


Veröffentlicht am 07.06.2026 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

AKW / KKW Lucens: Atomunfall/Gau/Kernschmelze in der Schweiz 1969 / Der Wunsch nach der Schweizer Atombombe


Wer an schwere Atomunfälle, an Kernschmelzen und an den größten anzunehmenden Unfall (GAU) denkt, der denkt an Fukushima, Tschernobyl und Harrisburg. Aus dem kollektiven Gedächtnis (fast) erfolgreich gelöscht wurde der schwere Atomunfall im Versuchsreaktor Lucens in der Schweiz am 21. Januar 1969.

Nichts auf der Homepage der kleinen Gemeinde Lucens (CH) lässt erahnen, dass dieser Ort in der Liste der schweren Unfälle in kerntechnischen Anlagen aufgeführt ist. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs träumten auch in der Schweiz einige konservative Schweizer Atom-Lobbyisten einen doppelten Traum. Den Traum vom "ewigen Strom durch Atom" und von der "eigenen, Schweizer Atombombe". Aus diesen beiden Gründen wurde in der kleinen Schweizer Gemeinde Lucens ein neuer Reaktortyp realisiert, eine schweizerische Eigenentwicklung. In einer Felskaverne, 100m in den Berg getrieben, entstand ein kleiner Natururan-Reaktor, in dem auch Plutonium erzeugt werden sollte, um die Schweizer Atombombe zu bauen.

Lucens und die Schweizer Atombombe
Nach dem Zweiten Weltkrieg liebäugelte die Schweizer Armee und Politik mit dem Bau eigener Schweizer Atomwaffen. Der unterirdisch in einer Felskaverne errichtete Schwerwasserreaktor in Lucens sollte neben der Stromerzeugung auch als Plutoniumquelle für diese Ambitionen dienen. Waffenfähiges Plutonium für ein mögliches Schweizer Atomwaffenprogramm sollte erzeugt werden.


Die Inbetriebnahme des Reaktors verzögerte sich wegen technischer Probleme immer wieder, aber am 10. Mai 1968 wurde der Betrieb des "Kleinst-AKW" im Berg aufgenommen. Am 21. Januar 1969 kam es durch eine Störung im Kühlsystem zum teilweisem Schmelzen eines Brennelementes, was das Bersten des Druckrohres und schwere Schäden im Reaktorkern zur Folge hatte.

Bei diesem schweren Schweizer Atomunfall (GAU)
wurde ein Brennelement überhitzt und zerstört. In der Folge kam es zu einem Brand und einer Explosion, bei der der Druckbehälter weggesprengt wurde. Dabei entwichen radioaktive Gase u.a. in die Kaverne, die daraufhin so stark verseucht war, dass sie für Jahre zugemauert werden musste. Neben Tschernobyl, Sellafield und Harrisburg war dieser Atomunfall in einem Schweizer AKW einer der großen Atomunfälle in der Geschichte der Atomindustrie. Er führte nur deshalb nicht zu einer großen Katastrophe, weil der Versuchsreaktor sehr klein und in eine Felskaverne eingebaut war. Das radioaktive Potenzial war noch nicht so groß, weil der kleine Versuchsreaktor bereits kurz nach der Inbetriebnahme und nach wenigen Probeläufen durchbrannte.

Seit 1969 versucht die Schweizer Atomlobby sehr erfolgreich die Erinnerung an diesen Unfall in der "sicheren und sauberen" Schweiz zu löschen. Atomunfälle und Kernschmelzen, das gibt es im Bewusstsein der Menschen doch nur im "unsicheren Russland oder im fernen Japan". Die schweren Unfälle in Sellafield, Harrisburg und Lucens wurden und werden perfekt verdrängt.

Mit der Zwischenlagerung der "atomaren Reste des Versuchs" in der grenznahen Würenlinger ZWILAG ist das Kapitel Lucens nun aber keinesfalls endgültig abgeschlossen. Der radioaktive Schrott des durchgebrannten Brennelements wird noch eine Million Jahre weiter strahlen. Ein vergleichbarer Unfall in einem anderen, großen AKW der Schweiz könnte diese auf Dauer unbewohnbar machen. Dass aus der Beinahe-Katastrophe nichts gelernt wurde, zeigt die Tatsache, dass im schweizerischen Beznau das älteste und eines der gefährlichsten AKW der Welt betrieben wird. Und jedes weitere Land, das mithilfe der "friedlichen" Nutzung der Atomkraft zu Atomwaffen kommt, ist eine Katastrophe für den Frieden und die Welt.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein





Schweizer "Heimat-Parteien", die AKW Beznau, Leibstadt und Gösgen und die AKW-Laufzeitverlängerung auf 80 Jahre


Auch der Schweiz gibt es dieses erstaunliche Phänomen. Die rechten und konservativen Parteien, die in ihren Wahlkämpfen gerne von Heimat reden, gefährden ebendiese Heimat durch die teure Hochrisikotechnologie Atomkraft. Der politische, giergetriebene Wunsch für eine Gefahrzeitverlängerung der AKW Leibstadt und Gösgen ist ein gefährliches Experiment für die Schweiz und ihre Nachbarländer.
Ein schwerer Atomunfall könnte große Teile der Schweiz unbewohnbar machen. Es ist erstaunlich, dass gerade die Atomlobbyisten in der SVP vor diesen Gefahren die Augen verschließen. Die wirtschaftlichen Interessen der Atomindustrie gehen vor Heimatschutz. Konservativ ist dies nicht.




Blackout-Initiative Schweiz: Milliardäre sind das Volk
Auch in der Schweiz nutzt die Atomlobby gezielt geschürte Ängste, um neue AKW politisch durchzusetzen. Die "Blackout stoppen"-Initiative wurde von einer der reichsten Schweizer Familien, von den Milliardären Irene und Simon Aegerter initiiert. Es ist eine "Volksinitiative", die mit Angstkampagnen den Bau neuer Kernkraftwerke (AKW) ermöglichen soll.
Hinter dem Wort Volk, im Begriff "Volksinitiative" stehen Milliardäre, die mit AKW viel Geld verdienen wollen. Es ist immer spannend, wenn sich Superreiche als "das Volk" ausgeben.
Ein neues AKW könnte die Schweiz laut einer Studie der Akademien der Wissenschaften im schlechtesten Szenario bis zu 43 Milliarden Franken kosten.





Das AKW / KKW Lucens und der Schweizer Traum von der Atombombe


Aktueller Einschub 13.8.26



AKW Beznau: Atomkraftwerke, Hitze & Quallen: abgeschaltete AKW im Hitzesommer (nicht nur) 2026 / AKW Beznau, Bugey, Gravelines, Paks, Cernavodă, Golfech, Nogent-sur-Seine, Saint-Alban, Blayais ...

Flusswassergekühlte Atomkraftwerke sind extrem große Tauchsieder. Nach dem derzeitigen Stand (13. August 2026) sind in Europa mehrere Atomkraftwerke wegen der anhaltenden Hitzewelle, hoher Flusstemperaturen oder extrem niedriger Wasserstände gedrosselt oder zeitweise abgeschaltet.
Ein massiver, hitzebedingter Quallenschwarm hat im französischen Atomkraftwerk Gravelines bei Dünkirchen die Kühlwasserpumpen verstopft. Daher mussten mehrere Reaktoren des größten westeuropäischen AKW heruntergefahren werden.








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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



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