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Atommüll Schweiz: Gefahr für eine Million Jahre (Benken / Bözberg / Lägern)

Atommüll Schweiz: Eine Million Jahre Risiko



Atommüll Schweiz

Atommüll Schweiz: Wohin mit den atomaren Abfällen die eine Million Jahre strahlen?


(aktualisiert am 7.11.2008)

Gorleben am Hochrhein?
Der weltbekannte Rheinfall bei Schaffhausen entstand vor ca. 14 000 - 17 000 Jahren während der letzten Eiszeit. Im kleinen Schweizer Dorf Benken, direkt am Rheinfall und der Grenze gelegen, könnte das Schweizer Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen, denn Benken ist bisher der "beste" aller geologisch schlechten Standorte in der Schweiz. Ebenfalls im Gespräch und Auswahlverfahren sind neben Benken im Zürcher Weinland auch die Gebiete Nördlich Lägern und Bözberg in denen das zwischenzeitlich von der Nagra bevorzugte Wirtgestein – der Opalinuston – vorkommt.

Benken: Gorleben am Rheinfall?

Für die so genannten schwach- und mittelaktiven Atomabfälle
kommen die Gebiete Südranden, Jura-Südfuss sowie Wellenberg in Frage. Für diese Abfälle eignen sich nach Ansicht der Nagra neben dem Opalinuston als Wirtgesteine die Effinger Schichten, der Braune Dogger und die Mergelformationen des Helvetikums. Sehr wahrscheinlich ist es allerdings, dass der leicht- und mittelaktive Atommüll auch nach Benken, in ein ungeeignetes Endlager, kommt. Auf die Frage: „Wäre es ökonomisch und politisch nicht sinnvoller, für alle Abfälle nur ein Lager zu bauen?“ antwortete das Mitglied der Nagra Geschäftsführung, Markus Fritschi: „Technisch wäre es in geeigneten Gebieten möglich, am selben Ort in unterschiedlichen Tiefen stark wie auch schwach radioaktive Abfälle unterzubringen. Auch organisatorisch und wirtschaftlich hätte eine solche Lösung Vorteile.“ Zitatende Verschiedene Standorte werden häufig auch genannt um die Standorte geschickt gegeneinander ausspielen zu können. Das Endlager für hochradioaktiven Müll muss die gefährlichsten Gifte der Menschheit für eine Million Jahre sicher aufbewahren können.


Atommüll Benken

Wie gefährlich ist Atommüll?
In einem AKW entsteht in einem Jahr pro Megawatt Leistung ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heisst, allein im AKW Leibstadt entsteht jährlich die Radioaktivität von ca. 1100 Hiroshimabomben. Ein Teil dieser Radioaktivität zerfällt nach relativ kurzer Zeit. Manche radioaktiven Abfälle haben eine kurze Halbwertszeit von wenigen Jahren, z.B. Krypton-85: 10,76 Jahre. Andere radioaktive Gifte haben extrem lange Halbwertszeiten, z.B. Jod-129: 17 000 000 Jahre. Ins Endlager kommt ein "Cocktail" aus vielen gefährlichen Abfallstoffen. Ein atomares Endlager muss also Sicherheit über mindestens eine Million Jahre geben, über Zeiträume, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Es fällt schwer, sich die Gefahren und Gefährdungszeiträume von Atommüll vorzustellen.

Das Beispiel Plutonium
Beim Betrieb eines AKW mit 1000 MW Leistung entstehen pro Jahr ca. 200 - 250 kg Plutonium.

Der giftigste Stoff der Welt
"Plutonium - sinnigerweise benannt nach Pluto, dem griechischen Gott des Totenreiches - ist der giftigste Stoff, den es gibt. Seine kurzreichende Alpha-Strahlung reißt gewissermassen tiefe Schneisen in jedes lebende Gewebe und zerstört es. Dabei kann es nur schwer oder gar nicht ausgeschieden werden, es setzt sich fest, reichert sich sogar an, die Strahlung ist bei einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur etliche Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken....."
Zitat: Frankfurter Rundschau


Plutonium und der Pharao

Atommüll & Halbwertszeit

Wenn der bekannte ägyptische Pharao Cheops vor 4550 Jahren nicht die berühmte Pyramide gebaut, sondern ein AKW 4 Jahre lang betrieben hätte, dann wären neben vielen anderen Abfällen ca. 1000 kg Plutonium zusammengekommen. Bei einer Halbwertszeit von 24 110 Jahren (Plutonium 239) wären heute noch 877 kg vorhanden. Nach 10 Halbwertszeiten, also nach 241 100 Jahren, müssten immer noch ca. 0,1 % der Ausgangsmenge, also 1 kg Plutonium, dauerhaft sicher gelagert werden. Mit der schon im Normalbetrieb gefährlichen Nutzung der Atomenergie (Harrisburg, Tschernobyl) hat die Atomindustrie weltweit ein unglaubliches Gefahrenpotential für die nachfolgenden Generationen geschaffen.

Radioaktiver Abfall: Einige Halbwertszeiten
ElementFormelzeichenHalbwertszeit
Tellur128Teca. 7·1024 Jahre (7 Quadrillionen Jahre)
Bismut209Bica. 1,9·1019 Jahre (19 Trillionen Jahre)
Thorium232Th14,05 Mrd. Jahre
Uran238U4,468 Mrd. Jahre
Uran235U704 Mio. Jahre
Plutonium239Pu24.110 Jahre
Kohlenstoff14C5.730 Jahre
Radium226Ra1.602 Jahre
Plutonium238Pu87,74 Jahre
Caesium137Cs30,2 Jahre
Tritium3H12,36 Jahre
Cobalt60Co5,3 Jahre
Schwefel35S87,5 Tage
Radon222Rn3,8 Tage
Francium223Fr22 Minuten
Thorium223Th0,6 Sekunden
Polonium212Po0,3 µs
Beryllium8Be9 · 10-17 s (90 Trillionstelsekunden)


Woher kommt der hochradioaktive Atommüll?

Rheinfall & Atommüll?

Hochradioaktiver Müll entsteht insbesondere in Atomkraftwerken. Wenn man den bisherigen Angaben der Nationalen Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA) glauben kann, soll hauptsächlich der Müll aus den fünf Schweizer AKW ins Endlager.

Aus diesen AKW in der Schweiz stammt der hochradioaktive Atommüll
AKW Beznau AKW Gösgen
AKW Leibstadt AKW Mühleberg AKW Lucens


Die Brennelemente der schweizer Atomanlagen
wurden bisher in Cap la Hague und Sellafield "wiederaufbereitet". Zusätzlich zu den gefährlichen Atomtransporten kam es in den dortigen Wiederaufarbeitungsanlagen zu einer radioaktiven Vergiftung des Meeres und der Luft für die auch die schweizer Atomlobby Mitverantwortung trägt. (tragen sollte!) Der dort anfallende, stark radioaktive Müll kommt jetzt in ein großes Zwischenlager in Würenlingen (Aargau). Dort muss er zumindest 40 Jahre strahlen und abkühlen, bevor er "endlagerfähig" ist. Da die "legale" Meeresvergiftung durch die Wiederaufarbeitungsanlagen immer mehr auf Widerstand stößt und da die Aufarbeitung immer teurer wird, könnten in Zukunft auch die extrem giftigen Brennstäbe nach einer Zwischenlagerung direkt endgelagert werden.

Wieviel Atommüll soll ins Endlager?
Der BUND hat einige Fragen an die NAGRA gestellt. Es ging um die zentralen Fragen, die in den Hochglanzprospekten der NAGRA nicht behandelt werden, z.B. nach der chemischen Zusammensetzung der Abfälle, der geplanten Dauer der Endlagerung und der Menge der Abfälle. Die einzige konkrete Antwort war, dass 130 m³ hochradioaktive Abfälle und 4800 m³ Brennelemente ins Endlager kommen sollen. Über die Zusammensetzung, die Gefährlichkeit und die Halbwertszeiten der Abfälle wollte die NAGRA noch nichts sagen. Eine ehrliche, umfassende Antwort passt nicht ins psychologisch geschickte Propagandakonzept der schweizer Atomindustrie die neue AKW bauen will. Da in der französischen Schweiz (Wellenberg) der Widerstand gegen Atommüll zunimmt, besteht die große Gefahr, dass jetzt auch der leicht- und mittelaktive Müll ins Grenzgebiet nach Benken kommt, weil hier mit einem geringeren Widerstand gerechnet wird und die deutsche Bevölkerung am Verfahren nicht ernsthaft beteiligt wird.

Atommüll in die Alpen?
Beim Gedanken an ein sicheres Endlager in der Schweiz denken die meisten Menschen zuerst an die Alpen. Aber die Alpen sind ein geologisch sehr junges Gebirge, das jährlich immer noch um einige Millimeter wächst. Ein solch junges Gebirge hat Risse, Klüfte und Spalten und kommt als atomares Endlager für langlebige hochradioaktive Spaltprodukte nicht in Frage.

Oder nach Benken Bözberg / Lägern ins Grenzgebiet zu Deutschland?
Ein Endlager in tiefen Granitschichten, überdeckt von Sedimenten als zweite Sicherheitsbarriere war das ursprüngliche Konzept der NAGRA. Doch fand sich in der Schweiz trotz intensiver, teurer Suche keine geeignete Granitformation im Untergrund. Und dann erlebten die Umweltschützer auf beiden Seiten des Hochrheins, wie die NAGRA nach dem Scheitern der Endlagerpläne im Granit einen "neuen" Untergrund als "ideale" Endlagerstätte ins Gespräch brachte. Aus dem ursprünglich geplanten Endlager im Granit wurde über Nacht die Endlagervariante Sediment. Ein Endlager für die gefährlichsten Gifte der Menschheit soll jetzt auch im Sedimentgestein (Opalinuston) möglich sein. Bei der NAGRA bestimmt das Gestein das Bewusstsein. Im Untergrund von Benken gibt es zwischen 400 und 600 Meter Tiefe eine nur ca. 105 - 125 Meter dicke (dünne!?) Schicht Opalinuston, die den Atommüll aufnehmen soll. In Bözberg und Lägern ist dies nicht besser.


Sediment und Atommüll - Viele offene Fragen
Wer kann beurteilen, wie sicher die viel zu dünnen Schichten Opalinuston für viele hunderttausend Jahre ist? Was passiert, wenn durch die Wärmeabgabe des Atommülls der Opalinuston trocknet und sich Risse bilden? Das von Ingenieuren, Technikern und Politikern für hunderttausende von Jahren absolut sicher gehaltene atomare Endlager in Morsleben droht bereits wenige Jahrzehnte nach der Inbetriebnahme zusammenzustürzen. Wem kann die Bevölkerung am Hochrhein glauben? Den teuren, psychologisch geschickten Werbekampagnen und den Ingenieuren der NAGRA? Oder den kritischen Fachleuten und den Umweltschützern auf beiden Rheinseiten? Und wo geht bei Prognosen über derart lange Zeiträume Ingenieurwissen in Glauben und Hoffnung über? Viele Politiker hoffen im ruhigen Züricher Weinland auf einen geringeren Widerstand und eine geduldigere Bevölkerung als beispielsweise in Ollon. Dort in der französischsprachigen Schweiz lassen sich die Menschen in Sachen leicht- und mittelaktiver Atommüll nicht alles gefallen. Und die deutschen Nachbarn bekommen sowieso nur die Illusion von Beteiligung.

Benken und neue Atomkraftwerke

Neue AKW & Alte Gefahren

Die Atomindustrie (nicht nur) in der Schweiz will endlich Tschernobyl vergessen machen und neue Atomkraftwerke bauen. Um diese psychologisch geschickt durchzusetzen, braucht es unbedingt ein "vorzeigbares" Endlager in Zentraleuropa. Es geht dabei um Akzeptanz und um ein hundert Milliarden Euro Geschäft. Kein Wunder also, dass Geld bei der Durchsetzung des Endlagers keine Rolle spielt.

So lange die alten gefährlichen AKW weiter laufen und sogar neue Atomkraftwerke in der Schweiz geplant sind, kann sich die Umweltbewegung nicht auf die Endlagerdebatte einlassen. Wenn die AKW abgestellt sind, muss ein möglichst optimaler Standort gefunden werden. Ob dieser in der geologisch so ungeeigneten Schweiz liegen kann, ist offen...


Gefahren für Anwohner und Rheinanlieger
Gefahren bringt ein Atomlager auf jeden Fall. Die Atommülltransporte und die konkrete Einlagerung wären unfallgefährdet, und jeder Castortransport ist ein ideales Angriffsziel für Terroristen. Unfallmöglichkeiten gibt es bei der Einlagerung der Abfälle. Ein schwerer Unfall heißt bei Plutonium und anderen radioaktiven Stoffen immer auch Katastrophe und langfristige Räumung von großen Gebieten.

Ein undichtes Endlager am Rheinfall und im Einzugsbereich der Rheinzuflüsse könnte das Grundwasser vor Ort, aber auch den Rhein als Trinkwasserquelle von Millionen Europäern gefährden.


Bözberg, Lägern oder Benken?
Die ebenfalls im "Auswahlverfahren" befindlichen Standorte Bözberg und Lägern werden von Schweizer Medien häufig als „Ausweichstandort“ angesehen. Für den Bözberg sprechen eher politische als geologische Gründe. Das Zauberwort „Akzeptanz“ im Atomaargau spricht für den Bözberg und gegen Benken im Zürcher Weinland.
Drei der fünf Schweizer Atomkraftwerke stehen auf Aargauer Boden im Grenzgebiet am Hochrhein und am Paul-Scherrer-Institut befindet sich das größte Atomforschungszentrum der Schweiz. Ein „atomarer Geldsegen“ hat bereits viele Politiker und Gemeinden abhängig gemacht. Zudem wird radioaktiver Abfall jetzt schon im oberirdischen Zwischenlager in Würenlingen im Aargau eingelagert.
Im konservativen Kanton "Atom-Aargau"

CVP AKW Atommüll

gibt es massive politische und ökonomische Abhängigkeiten von der Atomindustrie und starke Atomparteien.

Im Aargau sind die als Volksvertreter getarnten Atomindustrievertreter stark im Kantonsparlament vertreten.
Konservativ ist diese Atompolitik nicht. Sie gefährdet Mensch, Natur und Heimat.


In den 80er-Jahre hatte die Nagra schon einmal das kristalline Gestein am Bözberg
im Visier, dabei jedoch festgestellt, dass die unteren Schichten nicht so homogen sind wie erwünscht und sich daher nicht so gut eignen wie Opalinuston. Das Kristallin-Gebiet liegt außerdem noch näher an der deutschen Landesgrenze als Benken und ist räumlich nicht sehr ausgedehnt. Ein Gebiet, das in den 80er Jahren eher ausgeschlossen wurde, wurde 2008 wieder ins Gespräch gebracht, dieses mal aber eher mit dem Focus auf den Opalinuston. (der ursprünglich nur als abdeckendes Gestein für die Endlagerung im Kristallin angedacht war)

Ob die Nagra diesen politisch günstigeren Standort
tatsächlich in Betracht zieht, oder ob es nur darum geht die geschickte Illusion von Ausweichstandorten vorzutäuschen, ist für den Bund für Umwelt und Naturschutz allerdings offen. Ähnlich wie Benken sind auch die Standorte Bözberg und Lägern geologisch eher zweite Wahl. In Deutschland und vielen anderen Ländern kämen solche Standorte mit viel zu dünnen Schichten Opalinuston nicht in die engere Auswahl. Aus geologischen Gründen ist es in der Schweiz generell schwierig, dauerhaft sichere Standorte für ein Atommülllager zu finden.

Wohin mit dem Atommüll?
Da haben die Atomindustrie und ihre Paten in der Politik (nicht nur in der Schweiz!) uns und den nachfolgenden Generationen ein schier unlösbares Problem beschert. Gute und einfache Lösungen gibt es nicht. Da gibt es gefährliche Utopien "ab in die Sonne" und kluge Überlegungen (Hütekonzept). Da setzen die einen auf Salzstöcke und andere auf Granit. Marcel Burri beschreibt ein altes Diskussionspapier der atomenergiefreundlichen US Atomic Energy? Commission. Diese hatte die geologischen Bedingungen an ein Endlager für hochradioaktive Stoffe folgendermaßen beschrieben:



Vergleichen Sie bitte selbst die geologische und geographische Situation am Hochrhein (Benken / Bözberg / Lägern) mit diesen Anforderungen. Für ein solches Endlager müssten alle Bedingungen erfüllt sein. In Benken, Lägern oder Bözberg trifft keine einzige dieser Bedingungen zu.


Doch wer ein Endlager braucht, um neue AKW politisch durchsetzen zu können, dem sind solche Fragen egal.

Überlegungen und Diskussionsvorschläge
Wenn die (atomare) Badewanne überläuft, dann stellt man zuerst den Wasserhahn (AKW) ab, bevor man ans Aufwischen (Deponieren) geht. Angesichts der beschrieben Lagerprobleme und der Gefahren im sogenannten Normalbetrieb müssen die AKW weltweit schnellstmöglich abgestellt werden. Dann müssen kritische und vor allem unabhängige Geologen in der Schweiz und weltweit nach Endlagerstandorten suchen. In diesen möglichen Endlagerstandorten sollte der Atommüll rückholbar eingelagert werden (kontrolliertes Langzeitlager). Diese Atommülllager dürfen nicht der nationalen Souveränität eines einzelnen Staates unterliegen (UN - Hoheit).

Und die Schweiz?
Die Schweiz erscheint aufgrund der Größe und der ungünstigen geologischen Gegebenheiten (junge Gebirge, keine massive Granitscholle, viel zu dünne Schichten Opalinuston ...) zu klein und ungeeignet für ein derartiges Endlager. Ein Atommüllexport und gleichzeitiger Weiterbetrieb der AKW ist aber nicht akzeptabel. Die Atomindustrie will in der Schweiz sogar neue AKW bauen.

Gutachten und Tricks der NAGRA

Die NAGRA informiert

Gefährlich und gleichzeitig faszinierend sind die geschickten Durchsetzungsstrategien der Atomindustrie und der NAGRA. Sie lässt sich ihre Aussagen und Studien gerne von scheinbar "unabhängigen und neutralen" Institutionen wie der Schweizer HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen) oder dem deutschen "AK End" bestätigen. Doch wie neutral und unabhängig sind diese Institutionen, auf die sich die NAGRA so gerne beruft? Der AK End soll in Deutschland im Auftrag der Bundesregierung ein Atommülllager durchsetzen. Kein Wunder, dass der AK End die Arbeit der NAGRA für gut befindet. Auch an der Objektivität der Schweizer HSK gibt es berechtigte Zweifel.

Im Vorfeld einer Abstimmung
zum Thema Atomausstieg in der Schweiz veröffentlichte die "objektive, neutrale" HSK eine geschickt manipulierende Presseerklärung unter der Überschrift: "Die schweizerischen Kernkraftwerke weisen einen hohen Schutz bei einem vorsätzlichen Flugzeugabsturz auf". Eine Studie der deutschen "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" über die Terroranfälligkeit grenznaher Atomkraftwerke zeigt für fast baugleiche AKW das Gegenteil und straft somit die HSK Lügen. Die Mehrzahl der "neutralen, unabhängigen" Institutionen, auf die sich die NAGRA immer wieder beruft, sind Institutionen und Organisationen der AKW-Befürworter.

Während es die NAGRA geschickt versteht,
jeden Fehler in Gutachten der Kritiker zum nationalen Medienereignis werden zu lassen, finden sich Fehler (HSK) oder Manipulationen der AKW-Betreiberseite fast nicht in den Schweizer Medien. Die Geld- und Manipulationsmacht der Atomindustrie gefährdet die Demokratie. Sie setzt nicht zuletzt auf die "Käuflichkeit" der Menschen und Gemeinden. Ein wenig mehr "Neutralität" mancher Medien in der Schweiz wäre wünschenswert.


Was tun?

Atommüll & Widerstand

Ein mögliches Endlager in Benken / Bözberg / Lägern bringt nicht nur der Hochrheinregion ungeahnte Gefahren. Menschen, Umweltverbände und Bürgerinitiativen auf beiden Seiten des Rheins engagieren sich grenzüberschreitend und gemeinsam gegen diese Gefahr. Nur ein massiver, gewaltfreier Widerstand kann die Gefahr abwenden. Bisher war der Widerstand eher Folklore. Jetzt ist es wichtig, die Menschen auch entlang des Rheins bis zur Mündung zu organisieren. Immer noch ist es entsetzlich einfach, die Menschen über die Grenzen hinweg gegeneinander auszuspielen, wie der Streit um Fluglärm zeigt. Es gibt nicht "Unseren Atommüll" und "Euren Atommüll", auch wenn manche Politiker das so sagen - so wenig wie es nach Tschernobyl "Unsere Gefahr" und "Eure Gefahr" gegeben hat.

Wikipedia & AKW & NAGRA
Heftig sind die Einflussversuche der Atomlobby auf viele Wiki Seiten, auch zum Thema Atommüll und Nagra. Ein Link zu unseren Mitwelt- und BUND AKW-Seiten oder Kritik auf der Wikipedia - NAGRA Seite wird schnell gelöscht, die einseitigen Links zur Betreiberseite bleiben stehen. Wir dürfen Wikipedia nicht den Werbeabteilungen der Atomkonzerne überlassen.

Informieren Sie sich, engagieren Sie sich !
Dieses Papier und insbesondere die Diskussionsvorschläge zu Möglichkeiten der Endlagerung sollen dem Einstieg in die Diskussion dienen. Endgültige Wahrheiten gibt es hier nicht. Die Initiativen vor Ort und der BUND brauchen Unterstützung bei Ihrer Arbeit. Wo sind die Stelltafeln, Plakate, Schilder, Aufkleber, Leserbriefe, die das Nein der Region zeigen? hier gibt´s Aufkleber, Infoblätter, Banner, Transparente

Weitere Informationen und Kontaktadressen finden Sie hier auf unserer Homepage. Und schauen Sie ruhig auch mal auf der Homepage der NAGRA vorbei.

Was tun?


Wenn Sie diese Informationen lesen, sich heftig über die Atomkonzerne und die Atomparteien ärgern, "die Faust im Sack ballen", nachts mit den Zähnen knirschen, aber ansonsten nichts tun, dann nützt das recht wenig.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer


Hier finden Sie viele Links und Informationen zu wichtigen Atomthemen:
Eine umfassende Information zu den Gefahren der Atomenergie finden Sie hier:
Mehr Infos: Atom Ausstellung
Mehr Infos: Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke? Gefahren, Risiken und Profite
Mehr Infos: AKW und Atomterrorismus
Mehr Infos: katastrophaler Katastrophenschutz für KKW
Mehr Infos: Akzeptanzforschung, Greenwash und neue Durchsetzungsstrategien für AKW
Mehr Infos: Atommüll Schweiz, atomarer R(h)einfall?
Mehr Infos: AKW, Atombombe, Atomwaffen, Atomkraftwaffen
mehr Infos: AKW Laufzeitverlängerung ist Gefahrzeitverlängerung
Mehr Infos: Atomkraft, Atomkraftwerk, AKW, Klima und Klimaschutz
Mehr Infos: EPR Europäischer-Druckwasserreaktor / Neue AKW und ihre Gefahren
Mehr Infos: Weltweite Energievorräte/ Energiereserven/ Energieressourcen
Mehr Infos: Funktionsweise - Druckwasserreaktor Atomreaktor Kernreaktor
Mehr Infos: Funktionsweise - Siedewasserreaktor Atomreaktor Kernreaktor
Mehr Infos: Neue Kernkraftwerke Schweiz?
Mehr Infos: Zwischenlager für Atommüll und AtomfabrikWürenlingen
Mehr Infos: Unbegrenztes Wachstum - Das Grundproblem hinter der Nutzung der Atomenergie und der Umweltzerstörung



Suche nach dem Atommüllager seit 30 Jahren


Seit über 30 Jahren sucht die Schweiz nach geeigneten Lagern für radioaktive Abfälle. Bis ein Tiefenlager betriebsbereit ist, dürfte es noch einmal mindestens 20 Jahre dauern. Hier die wichtigsten Stationen der Standortsuche:

1972: Gründung der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) durch die Eidgenossenschaft und die Betreiber der fünf Kernkraftwerke.

1978: Der Bundesrat beauftragt die Nagra mit der Prüfung von Lagermöglichkeiten radioaktiver Abfälle in der Schweiz.

Sommer 1988: Der Bundesrat entscheidet, gestützt auf die Untersuchungen der Nagra, dass schwach- und mittelradioaktiver Atommüll in der Schweiz entsorgt werden kann. Er erlaubt der Nagra Sondierungen am Wellenberg in Wolfenschiessen (NW).

1993/1994: Die Nagra schlägt als Lager-Standort für schwach- und mittelaktive Nuklearabfälle den Wellenberg vor, für hochradioaktive und langlebig mittelaktive Abfälle Benken im Zürcher Weinland.

1995/2002: Die Stimmenden in Nidwalden sagen zwei Mal Nein zu Plänen für ein solches Lager im Wellenberg.

18. Juni 2001: Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen (AG) nimmt den Betrieb auf.

20. Dezember 2002: Die Nagra erklärt nach Untersuchungen im Zürcher Weinland, der dortige Opalinuston sei für ein Tiefenlager geeignet. Sie empfiehlt die Fokussierung auf Benken ZH.

10. Mai 2004: Die Schweiz beteiligt sich am EU-Projekt «SAPIERR» zur Suche nach einem multinationalen Endlager für langlebige und hochaktive Atomabfälle. Als möglicher Endlager-Standort wird Russland genannt.

1. Februar 2005: Kernenergiegesetz und -verordnung treten in Kraft. Danach dürfen ab Mitte 2006 keine abgebrannten Brennstäbe mehr ins Ausland (La Hague in Frankreich, Sellafield in Grossbritannien) exportiert werden. Atommüll muss grundsätzlich im Inland entsorgt werden.

12. September 2005: Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) erklärt den Untergrund im Zürcher Weinland für geeignet für ein Atomendlager. Das öffentliche Auflageverfahren beginnt.

28. Juni 2006: Der Bundesrat hält die Lagerung von hoch- und mittelradioaktiven Abfälle aus den Atomkraftwerken in der Schweiz für möglich, die Nagra habe den Nachweis erbracht. Die Standortsuche soll sich nicht auf das Zürcher Weinland beschränken.

April 2007: In der Vernehmlassung zum Sachplan Geologische Tiefenlager des Bundes sind sich Parteien und Verbände nicht über die Grösse des Lagers einig: SP und Grüne wollen es auf die fünf bestehenden AKW ausrichten, die Bürgerlichen wollen auch mögliche kommende AKW einbeziehen.

2. April 2008: Der Bundesrat gibt grünes Licht für die Standortsuche.

6. November 2008: Das Bundesamt für Energie nennt sechs Regionen in der zwischen Nordschweiz, Jurasüdfuss und Wellenberg als geeignete Standorte zum Bau von Tiefenlagern für radioaktive Abfälle.

Geplant sind folgende weiteren Schritte:

2008 bis 2016/18: Standortsuche in drei Etappen.

2016/19: Bundesratsentscheid über eine Rahmenbewilligung für geologische Tiefenlager, anschliessend Genehmigung durch das Parlament, Möglichkeit eines Referendums.

2019/23: Baubewilligungen für Felslabore an den Standorten.

2030 bis 2040: Voraussichtliche Inbetriebnahme der Endlager.

(sda/sidd)


Erstaunlich: Auch Widerstand gegen AKW braucht Kohle!


































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Dieser Artikel wurde 277 mal gelesen und am 10.11.2008 zuletzt geändert.