Turmbau zu Babel aktuell: Ziemlich frei nach Pieter Bruegel
Veröffentlicht am 16.06.2026 in der Kategorie Wachstumskritik von Axel Mayer
Turmbau zu Babel heute: Ziemlich frei nach Pieter Bruegel / Anthropozän, Umweltzerstörung, Klimawandel, Artenausrottung, Krieg, Transhumanismus, Singularität, "Große Beschleunigung" ...
Die uralte Geschichte vom Turmbau zu Babel entspringt einer biblischen Erzählung (Genesis 11,1-9). Die Menschen wollten in ihrer Hybris einen Turm bis in den Himmel bauen, um sich einen Namen zu machen und um den Göttern möglichst nahe sein zu können. Doch dieser Hochmut wurde durch Sprachverwirrung und Zerstreuung der Menschen gestraft und der babylonische Turmbau gestoppt. Dieser alte Mythos ist eine Metapher für die selbstzerstörerische Hybris und Gier unserer Tage.
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist auch die frühe Geschichte eines unkritischen Fortschrittsglaubens und der Hoffnung auf unbegrenztes Wachstum. Dieser zerstörerische Traum wird immer noch geträumt. Klimatäter, unkritischer Fortschrittsglauben und die Hoffnung auf unbegrenztes Wachstum brachte einem kleinen Teil der Welt das, was wir heute unhinterfragt Wohlstand nennen. Es brachte aber auch Umweltzerstörung, Klimawandel, Artenausrottung, Ressourcenkriege und eine massive Übernutzung der planetarischen Ressourcen.
Es gibt diesehr konkreten transhumanistischen Ideen mithilfe von Technikoptimismus, libertärem und neoliberalem Denken, Gentechnik, Nanotechnologie, Eugenik und künstlicher Intelligenz den „alten Menschen“ abschaffen und einen „neuen Menschen“ schaffen. Mit Gehirnimplantaten und Gendoping soll der Mensch „optimiert“ werden. Das Klonen von Primaten und die Möglichkeit, aus geklonten Embryonen Stammzellen zu gewinnen, bringt die Transhumanisten ihrem gefährlichen Traum vom ewigen Leben einen großen Schritt näher. Welche Folgen die technologische Singularität haben wird, ist offen. Künstliche Superintelligenz soll in sämtlichen Bereichen – kognitiv, kreativ, emotional und beim Problemlösen – die fähigsten menschlichen Gehirne weit übertreffen.
Die große Beschleunigung und der aktuelle Turmbau zu Babel. Wenn wir auf die Ursachen vieler unserer globalen Probleme schauen, dann finden sich eine Vielzahl von Details. Da ist die globale Macht der Fossilisten, von Öl, Gas und Kohle-Konzernen und ihrer Lobbyisten in der Politik. Doch die Hauptursache der Probleme wird gerne übersehen. Die Mehrzahl der großen aktuellen Krisen (Vogelsterben, Artensterben, Klimawandel, Weltvermüllung ...) lässt sich auf das Phänomen der "Großen Beschleunigung" zurückführen.
Wir haben die technischen Möglichkeiten und leider auch die Dummheit, um mit Atomwaffen und biologischer Kriegsführung das menschliche Leben auf diesem Planeten auszulöschen.
Und doch gab und gibt es auch diegute, nützliche, menschenfreundliche Technik und die gute Entwicklung. Wer vor 100 Jahren zum Zahnarzt ging, hätte jeden heutigen Zahnarztpatienten beneidet. Vor 200 Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa bei etwa 33 Jahren. Heute sind es global 73 Jahre. Positive Entwicklung und die Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden und werden von Gewerkschaften, sozialer Bewegung und Umweltbewegung erkämpft.
Das oben dargestellte, moderne Pieter Bruegel Bild vom Turmbau zu Babel beschreibt eine mögliche Entwicklung mit Kriegen, technologischer Singularität, Klimawandel, Atomkraft & Atomwaffen und Artenausrottung. Diese Entwicklung ist in Teilbereichen und manchen Weltregionen keine Zukunftsvision, sondern heute schon Realität.
Es liegt in unserer/deiner Hand, diese zerstörerische Entwicklung abzuwenden. Wir haben das Wissen und diegute Technik, um mit Gerechtigkeit und einem wesentlich verringerten Input von Energie, Rohstoffen und Arbeitszeit, allen Menschen der Welt ein gutes Leben zu ermöglichen. Denken könnte nützen. Es ist unsere Aufgabe, Fortschritt, Technik und Zukunft menschengerecht zu gestalten, Entschleunigung durchzusetzen, Kriege zu beenden und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Der Wohlstandsbegriff und das "gute Leben" müssen endlich neu, menschenfreundlich und menschengerecht definiert werden.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Turmbau zu Babel modern oder eine nachhaltige gerechte Zukunft?
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