Kein neues AKW / Atomkraftwerk nach Fessenheim in Frankreich!


Veröffentlicht am 08.12.2021 von Axel Mayer


Keine neuen Atomkraftwerke / AKW nach Fessenheim!


Das altersschwache französische AKW in Fessenheim wurde nach langen Kämpfen am 29.6.2020 endlich abgeschaltet.

Die französische Rechtspopulistin Le Pen hat im November 2021 die Wieder-Inbetriebnahme des im Abbruch befindlichen AKW Fessenheim gefordert und rechte Parteien im Elsass unterstützen diesen Vorschlag. Allerdings ist der Abriss der beiden Reaktorblöcke weit fortgeschritten und eine Reparatur der altersschwachen Atomkraftwerke unbezahlbar. Rechtsreaktionäre haben allerdings ein feines Gespür, wenn es darum geht, Menschen grenzüberschreitend gegeneinander auszuspielen.


Doch einen offiziellen, langfristigen Verzicht auf den Kraftwerksstandort Fessenheim am Rhein hat es nie gegeben. Am 10. April 2022 findet der erste Wahlgang der französischen Präsidentenwahlen statt. Eine zukünftige, rechtsradikale, französische Regierung könnte den Kraftwerksstandort Fessenheim jederzeit wieder aus der Schublade holen. Auch der wirtschaftsliberale Präsident Macron setzt auf die vermeintliche "Wunderwaffe" Atomkraft
im verloren gehenden Krieg gegen Mensch, Klima, Umwelt und Natur.

Der (Kühl-)Standort am Rhein im Osten Frankreichs spräche aus Sicht der Betreiber für ein AKW in Fessenheim. Die Gefahren neuer Atomreaktoren, die enormen Kosten und der zu erwartende massive trinationale Protest an diesem Standort sprechen gegen ihn. Wer eine Hochrisikotechnologie politisch durchsetzen will und (nicht nur) aus Wyhl gelernt hat, baut nicht in einer Protestregion.

Der einzige Europäische Druckwasserreaktor (EPR), der aktuell in Frankreich überhaupt gebaut wird, geht frühestens 2023 ans Netz - mit elf Jahren Verspätung und nahezu viermal so teuer wie geplant. Die beiden in China gebauten EPR zerlegen sich gerade. Die Geschichte der französischen Atomkraft ist keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Geschichte von Schulden, Pleiten, Pech und Pannen. Das sagt nicht nur die Umweltbewegung, sondern auch der Aktienkurs der EDF. Die Schulden der französischen Atomwirtschaft drohen den Staat in den finanziellen Ruin zu treiben.

Die internationale Atomlobby war nach den vielen Opfern der "zivilen" Nutzung der Atomkraft, nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie nicht. In Frankreich ist das "atomare Dorf", die alten mächtigen Seilschaften aus Konzernen, Lobbyisten, Technokraten und Atomparteien sehr lebendig und eng mit der Atomstreitmacht verbunden. Es werden weltweit zwar viele alten AKWs stillgelegt, doch in Diktaturen, Halbdiktaturen und in Ländern, in denen der Markt nicht funktioniert, werden immer noch AKW gebaut.

Der Europäische Druckwasserreaktor EPR und kleine Thorium-Reaktoren bringen neue Gefahren. Mit dem vorgeschobenen Klimaschutz-Argument werden gefährliche neue Atomkraftwerke grüngewaschen. Warum setzen Technokraten wie Herr Macron auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie wie den Thorium Reaktor, wo es doch kostengünstige, umweltfreundliche Alternativen gibt, aus denen sich keine Atombomben bauen lassen? Häufig bekämpfen die gut organisierten Verfechter des "weiter so" aggressiv die umweltfreundlichen, zukunftsfähigen Alternativen.

Eine rechtsradikale französische Regierung wäre aus Liebe am Streit mit Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit für den Bau eines neuen AKWs in Fessenheim. Ein neoliberaler Präsident wie Herr Macron sollte zumindest rechnen können...

Was wir dem entgegensetzen können und sollen ist eine Fortsetzung der guten, erfolgreichen, trinationalen Zusammenarbeit über die Grenze hinweg. Ein Europa der Menschen, das wir seit bald 50 Jahren, seit den frühen Protesten in Marckolsheim, Wyhl und Kaiseraugst praktizieren.

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Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein