Macron / Frankreich: Neue AKW / Atomkraftwerke & Bomben


Veröffentlicht am 20.01.2025 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

Macron / Frankreich: Neue AKW / Atomkraftwerk Flamanville & Bomben
Macron: President Nucléaire




Aktueller Einschub: Frankreichs Milliarden-AKW-Fiasko


(Auszüge aus einem lesenswerten Bericht im eher konservativen Focus)
 Frankreichs Milliarden-AKW-Fiasko
Auszüge: Ende Dezember ging Frankreichs modernstes Kernkraftwerk ans Netz – mit zwölf Jahren Verspätung. Nun stellt der französische Rechnungshof dem Projekt ein katastrophales Zeugnis aus.
Der französische Rechnungshof hat nach der Inbetriebnahme des dritten Reaktors am Kernkraftwerk Flamanville einen Bericht veröffentlicht , der dem Projekt allenfalls eine „mittelmäßige Rentabilität“ bescheinigt. Aufgrund „neuer Dynamiken“ und der „Anhäufung von Risiken und Zwängen“ fordern die Kontrolleure einen sofortigen Stopp aller Kernkraft-Ausbaupläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Kosten für Atomreaktor haben sich versiebenfacht
Der französische Energiekonzern EDF, der unter staatlicher Kontrolle steht, hatte im Jahr 2007 mit dem Bau des Reaktors begonnen. Ursprünglich sah der Plan vor, dass er 2012 ans Netz gehen sollte. EDF veranschlagte damals Kosten von rund 3,3 Milliarden Euro. Der nun veröffentlichte Bericht beziffert die Gesamtkosten des Baus auf 23,7 Milliarden Euro, mehr als das Siebenfache des ursprünglichen Budgets.
Unter den dramatisch gestiegenen Kosten leidet auch die Rentabilität des Reaktors. Selbst im wohlwollendsten Szenario der Rechnungsprüfer müsste die EDF den Strom aus Flamanville 3 für über zwölf Cent pro Kilowattstunde verkaufen, um über die 60 Jahre Laufzeit hinweg einen Profit von vier Prozent zu erwirtschaften. In den laut Bericht wahrscheinlicheren Auslastungsszenarien läge der Preis sogar bei knapp 14 Cent. Zum Vergleich: Der Industrie-Abnahmepreis für Großverbraucher in Frankreich liegt derzeit bei 4,2 Cent pro Kilowattstunde.
(...)
Erneuerbare sind erheblich günstiger als Atomstrom
Wind, Solar und Co. haben bereits 2024 rund 60 Prozent des deutschen Stroms erzeugt – Tendenz jährlich steigend. Außerdem ist Strom aus Erneuerbaren deutlich günstiger als Atomstrom. Während Solar- und Windenergie im großen Maßstab produziert dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme zufolge schon für zwischen 4,1 und 10,3 Cent erzeugt werden können, kostet Kernenergie aus neuen Atomkraftwerken unter Einbeziehung von Abbruch-, Entsorgungs- und weiterer Kosten zwischen 13,6 und 49 Cent pro Kilowattstunde.
Vollständiger Text im Focus


Der neoliberale französische Staatspräsident Macron will neue, gefährliche, teure, kleine AKW bauen...

Rettung des französischen Energieversorgers EDF mit EU-Geldern?
Macron möchte einen Teil der 30 Milliarden Staatshilfen in die Rettung der französischen Atomwirtschaft investieren und verkauft dies geschickt als "grüne Vision".
Laut einem Bericht des französischen Wirtschaftsministeriums hatte die EDF Ende 2019 rund 41 Milliarden Euro Schulden und bis 2028 sollen es fast 57 Milliarden Euro sein. Die EDF-Verbindlichkeiten treiben Frankreichs Staatsverschuldung in die Höhe. Eine Milliarde Euro soll jetzt in den Ausbau der Atomenergie investiert werden. Warum wird diese Zahl nicht mit den EDF-Schulden verglichen?

Billiger französischer Atomstrom?


Der Rückbau des DDR-AKW Greifswald–Lubmin wird über 6,6 Milliarden Euro kosten.
In Frankreich betreibt die EDF 56 überalterte Reaktoren, hat aber fast keine Rücklagen für den Abriss gebildet. Der Abbruch der französischen AKW könnte bei steigenden Kosten also ungefähr 300 Milliarden Euro kosten, wenn bei der Sicherheit nicht gespart wird. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Atomwirtschaft den französischen Staat in den Ruin treibt.

Der einzige Europäische Druckwasserreaktor (EPR), der aktuell in Flamanville / Frankreich überhaupt gebaut wird,
geht frühestens 2024 ans Netz - mit elf Jahren Verspätung und nahezu viermal so teuer wie geplant. Die Geschichte der französischen Atomkraft ist keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. Das sagt nicht nur die Umweltbewegung, sondern auch der Aktienkurs der EDF.


Macron / Frankreich: Neue AKW / Atomkraftwerk Flamanville & Bomben
Macron: President Nucléaire

Kleine und kleinste "umweltfreundliche und grüne" Mini-Atomkraftwerke
sollen zukünftig in Frankreich gebaut und exportiert werden und die französische Forschung rechnet mit EU-Geldern. Aus den alten, großen Druck- und Siedewasserreaktoren würden unzählige Klein- und Kleinstreaktoren...
In jedem dieser Mini-Reaktoren entsteht die Radioaktivität vieler Hiroshima-Bomben. Ein Unfall oder ein Anschlag auf ein Kleinst-AKW könnte eine Stadt unbewohnbar machen. Viele kleine Reaktoren sind viele kleine, zwangsläufig schlecht gesicherte, potenzielle Anschlagsziele. Auch für die heutigen und zukünftigen Diktatoren der Welt brächte die Möglichkeit, "schmutzige Bomben" zu bauen, einen "nordkoreanischen Machtzuwachs".


Neue EPR-Druckwasserreaktoren & kleine Atomkraftwerke - altmodische Technik


Auch neue EPR-AKW und Thorium Reaktoren sind gefährlich und teuer. Sie liefern "nur Grundlast", die in Zeiten von kostengünstiger Solar- und Windenergie nicht gebraucht wird.


Thorium, Protactinium und Atombombenbau
Die Zeitschrift Nature beschreibt im Beitrag "Thorium fuel has risks" sehr genau eines der großen Thorium Probleme:
"...Die Abscheidung von Protactinium aus Thorium ist kein verfahrenstechnisches Neuland.... Beide Verfahren sind mit Standard-Kernforschungsausrüstung und in sogenannten "Heißen Zellen" durchführbar. Ein solches Equipment unterliegt nicht zwingend einer Beaufsichtigung durch die IAEO..... 8 Kilogramm (waffenfähiges) Uran 233 können aus 1,6 Tonnen Thorium innerhalb eines Jahres hergestellt werden, die IAEO rechnet, dass diese Menge Uran für den Bau einer Nuklearwaffe genügt..."

Die Idee der Verbreitung von vielen kleinen & großen AKW auf der Welt ist ein globales Selbstmordprogramm und ein atomarer Alptraum, passt allerdings auch gut ins zerstörerische Zeitalter des Anthropozän …


Neue französische AKW & kleine Atomkraftwerke - altmodische Technik


Auch neue Druckwasserreaktoren und Thorium Reaktoren sind gefährlich und teuer. Sie liefern "nur Grundlast", die in Zeiten von kostengünstiger Solar- und Windenergie nicht gebraucht wird.



Wunderwaffe Atomkraft?
Die neoliberale Politik von Staatslenkern wie Herrn Macron, ist die Politik der globalen Umweltzerstörung. Sie ist verantwortlich für Atommüllproduktion, Fukushima und Artenausrottung. Im heutigen globalen Krieg gegen die Natur (Artensterben, Klimawandel, Atommüllproduktion, Ressourcenverschwendung, Atom- und andere Massenvernichtungswaffen....) setzen diese politisch Verantwortlichen für die große globale Zerstörung auf den alten neuen Mythos der Wunderwaffen.

Klimawandel, Artensterben, Endlichkeit der Ressourcen? Einfach weitermachen wie bisher!
Der menschengemachte Klimawandel soll mit neue kleinen Thorium Reaktoren bekämpft werden und ausgerotteten Arten werden mit Gentechnik wieder erschaffen. Das Verkehrsproblem wird mit Lufttaxis angegangen. Der fehlerhafte, menschliche Mensch wird mit Technik nach den Ideen des Transhumanismus überwunden und durch den neuen, perfekten Übermenschen ersetzt. Irgendwann werden wir mit Raumschiffen die zerstörte Welt hinter uns lassen und neuen, unverbrauchten Planeten und neuen Mythen entgegenfliegen...


Nicht nur die Ökologie, auch die Ökonomie spricht gegen die teuren französischen Pläne. Warum setzt der Technokrat Macron auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie, wenn es mit Sonne und Wind kostengünstige, umweltfreundliche und ungefährliche Alternativen gibt?

Die armen Französinnen und Franzosen haben in Kürze die Wahl zwischen einer rechtsradikalen Atom-Lobbyistin und einem neoliberalen Atom-Lobbyisten und Technokraten...

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, der Autor ist Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband TRAS und seit 1974 in der Umweltbewegung aktiv und war 30 Jahre BUND-Geschäftsführer
Nachtrag:
Wurde der AKW-Standort Fessenheim eigentlich definitiv aufgegeben?

Mehr Infos:Thorium Reaktor und Bombe