Erfolgreicher Boykott! USA-Produkte, Tesla, Shell, Strobo, Giroblau, Anti-Apartheid, Nestlé, Volkszählung, Bus-Streik in Montgomery ... Die scharfe Waffe der Sozialen Bewegung
Veröffentlicht am 22.01.2026
Boykott! Erfolgreich!! USA-Produkte, Tesla, Shell, Anti-Apartheid, Volkszählung, Stromzahlungsboykott, Giroblau, Nestlé, Bus-Streik in Montgomery ... Die scharfe Waffe der sozialen Bewegung
Aktueller Einschub:
"Die US-Fluggesellschaft Avelo Airlines zieht sich aus dem Geschäft mit Abschiebeflügen für die US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) zurück. Das Unternehmen bestätigte, künftig keine Abschiebungsflüge mehr durchzuführen. Damit endet ein Vertrag mit einem geschätzten Volumen von rund 150 Millionen US-Dollar. Der Schritt folgt einer monatelangen Protestkampagne gegen die Abschiebepraxis der US-Regierung." "Einige Verbraucher schauen in diesen Tagen ganz genau hin: Was aus den USA stammt, landet bei manchem nicht mehr im Einkaufswagen. Vor allem in Dänemark verleitet der Grönland-Konflikt einige zum Boykott US-amerikanischer Lebensmittel. Apps helfen den Dänen sogar, Produkte aus den USA im Supermarkt zu meiden. Eine dieser Apps ist "UdenUSA" ("Ohne die USA"). Sie schlägt Alternativen vor, mit denen Verbraucher stattdessen europäische Unternehmen unterstützen können. Die Idee scheint Anklang zu finden: Im dänischen App-Store lag "UdenUSA" am Donnerstag auf Platz 1 der Download-Hitliste der kostenlosen Apps. Auf Platz 3 fand sich eine weitere App, die dabei hilft, US-Produkte zu umgehen." Quelle: Badische Zeitung vom 22.1.2026
Die erfolgreichste Waffe der Arbeitnehmenden und der Gewerkschaften ist der Streik. Eine der schärfsten Waffen der sozialen Bewegung und der Umweltbewegung ist der Boykott. Doch die bunte und breite soziale Bewegung ist manchmal etwas geschichtsvergessen und erinnert sich zu wenig an vergangene Erfolge.
Wir wollen hier einige Beispiele für erfolgreiche Boykottkampagnen auflisten:
Aktuell: Tesla Boykott
Weltweit rufen dieSozialen Bewegungen zum Boykott von Tesla auf. Die US-Automarke Tesla hat in Deutschland einer Analyse zufolge einen schweren Stand. Rund drei Viertel der Menschen können sich nicht vorstellen, ein Tesla-Elektroauto zu kaufen. Tesla war in Deutschland lange Zeit außerordentlich erfolgreich. Noch 2024 war das Model Y laut Kraftfahrt-Bundesamt das gefragteste E-Auto Deutschlands, ein Jahr später landete es im Modellranking nur noch auf Platz 12. Die sinkenden Tesla-Verkaufszahlen sind eindeutig: Teslas Erfolg als Autobauer bröckelt. Und die Hinweise verdichten sich, dass Boykottaufrufe und die frühere Allianz des marktradikalen Elon Musk mit dem Rechtspopulisten Donald Trump und der AfD einen Anteil daran haben.
1995: Shell Boykott
Der Boykottaufruf gegen den Ölkonzern Shell wegen dessen geplanter Versenkung der Ölplattform Brent Spar war eine der bisher erfolgreichsten Konsumentenboykott-Aktionen. Dem Aufruf von Umweltschutzorganisationen und Greenpeace, künftig die Tankstellen von Shell zu meiden, folgten etwa 50 % der Bevölkerung.
1983-1987: Volkszählungsboykott
Im Jahre 1983 war in Deutschland eine Volkszählung geplant, die auf massiven Widerstand stieß. Nachdem eine breite Protestbewegung gegen diese Volkszählung entstanden war, wurde sie aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts bezüglich des Datenschutzes in veränderter Form auf das Jahr 1987 verlegt. Die Gegner und Gegnerinnen der Volkszählung riefen jedoch erneut zu einem Boykott zu "zivilem Ungehorsam für mehr Demokratie" auf. Bundesweit folgten trotz massiver PR-Kampagnen circa 15 % der zu Befragenden diesem Aufruf und verweigerten die Teilnahme an der Volkszählung. Viele Menschen füllten die Fragebögen auch bewusst falsch aus. Ein Ergebnis des Protestes und der juristischen Klagen gegen die Volkszählung war ein wegweisendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Es sagte, dass die Menschen ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung haben.
ab 1974 bis heute: Nestlé-Boykott
«Nestlé tötet Babys» war das Motto der Kampagne. Der Boykott zielte darauf ab, die aggressive und tödliche Vermarktung von Muttermilchersatz in Entwicklungsländern zu stoppen.Der Nestlé-Boykott war teilweise erfolgreich und führte zur Einführung des Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten. Die Kritik an Nestlé und der Boykott werden fortgesetzt, weil der mächtige Konzern nach Ansicht vieler KritikerInnen immer noch für Kinderarbeit, Regenwaldabholzung, Gentechik und der Ausbeutung von Mensch und Natur steht.
ab 1977: Stromzahlungsboykott (Strobo) und Giroblau
Bundesweit mobilisierte die Anti-Atomkraft-Bewegung zur Aktion Stromzahlungsboykott (Strobo). Die Atomkraftgegner überwiesen zehn Prozent ihrer Stromrechnung auf ein Treuhandkonto mit der Forderung nach dem Ausstieg aus der Atomenergie und nach der Förderung erneuerbarer Energiequellen. Eine Variante des Strobo war nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl die »Aktion Giroblau«. Bundesweit wurde zur »Inkasso-Sabotage« gegen die örtlichen Elektrizitätswerke aufgerufen. Einzugsermächtigungen wurden widerrufen, Rechnungen in bar am Firmenschalter oder per Verrechnungsscheck zum spätest möglichen Termin beglichen, mal wurde ein Pfennig mehr, mal einer weniger bezahlt, um den persönlichen Unwillen gegenüber der gefährlichen Atomstrompolitik auszudrücken. Isoliert betrachtet haben Strobo und Giroblau sicher nicht zur Abschaltung der deutschen AKW geführt. Als Teil einer breit angelegten Protestbewegung mit vielfältigen Aktionsformen waren sie aber dennoch wirkmächtig.
1959-1992: Boykottaufrufe gegen den damaligen Apartheidstaat Südafrika
"Wir bitten Sie lediglich, der Apartheid Ihre Unterstützung zu entziehen, indem Sie keine südafrikanischen Produkte mehr kaufen." Mit diesem Aufruf wurde 1959 in Großbritannien die weltweite Boykottbewegung gegründet, mit der die nicht-weiße Bevölkerung in Südafrika unterstützt werden sollte. Ab 1978 organisierte die Projektgruppe "Frauen für Südafrika" der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland (EFD) politische Aktionen. Der Boykottaufruf „Kauft keine Früchte der Apartheid“ – die bekannteste Aktion der Gruppe – machte auf das Apartheidregime in Südafrika aufmerksam. Die Apartheid in Südafrika endete 1994 mit einem Regierungswechsel und der Wahl von Nelson Mandela.
1955-1956: Busboykott von Montgomery als Teil der amerikanischen Bürgerrechtsproteste
Der große Busboykott von Montgomery war ein Bürgerrechtsprotest. Die afroamerikanische Bevölkerung von Montgomery, Alabama, widersetzte sich, Stadtbusse zu nutzen, um damit gegen die Rassentrennung zu demonstrieren. Der Boykott vom 5. Dezember 1955 bis 20. Dezember 1956 war eine der ersten großen Demonstrationen gegen die Rassentrennung in den USA.Vier Tage vor Beginn des Boykotts wurde Rosa Parks, eine Afroamerikanerin, festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie sich weigerte, einem Weißen ihren Platz im Bus zu überlassen. Der Oberste Gerichtshof der USA ordnete schließlich Montgomery an, das Bussystem zu ändern.
Der kluge, an den Werten der Demokratie und der Aufklärung orientierte Boykott ist tatsächlich eine der schärfsten Waffen der sozialen Bewegung und der Umweltbewegung. Die kurze Auflistung ist selbstverständlich nur eine verkürzte Darstellung. Beim Busboykott von Montgomery ging es nicht nur um die Rassentrennung im Bus, sondern um die Rassentrennung generell. Der Volkszählungsboykott drückte nicht nur den Protest gegen die Volkszählung aus, sondern war ein früher Protest gegen die Total-Überwachung der Menschen. Der Protest beim Shell Boykott reichte inhaltlich weit über die Versenkung der Ölplattform Brent Spar hinaus. Und bei heutigen Tesla Boykott geht es nicht nur um die undemokratische Macht des Tech-Autokraten Elon Musk. Der Tesla Boykott ist Teil des globalen Streits für Demokratie und Zukunftsfähigkeit.
Grönland, Venezuela, Kanada, Panama, Musk, Trump, US-Waren & Tesla Boykott
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