Zuckersteuer und Süßwaren-Werbeverbot für Kinder: CDU / CSU haften für dicke Kinder
Veröffentlicht am 04.10.2026 von Axel Mayer

Zuckersteuer und Süßwaren-Werbeverbot für Kinder: CDU / CSU haften für dicke Kinder
Immer mehr Kinder und Jugendliche sind zu dick, teilweise sogar krankhaft dick. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit krankhaftem Übergewicht steigt einer neuen Untersuchung zufolge seit Jahren deutlich. Zwischen 2011 und 2021 wuchs die Zahl der von Adipositas betroffenen 6- bis 18-Jährigen bundesweit um 33,5 Prozent. Bei der Teilgruppe der 15- bis 18-Jährigen erhöhte sie sich sogar um 42,5 Prozent und bei Jungen im Alter von 15 bis 18 Jahren um 54,5 Prozent.
In vielen Ländern gehen Regierungen inzwischen mit einer Zuckersteuer gegen extrem gesüßte Getränke vor – nicht so in Deutschland: Die deutsche Zuckerlobby hat eine solche Steuer bislang erfolgreich verhindern können.
Der frühere Bundesernährungsminister Cem Özdemir wollte an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett und Salz per Gesetz eindämmen (nicht generell verbieten) und hatte dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt. Die neuen Regelungen sollten die bisherigen freiwilligen Selbstverpflichtungen ablösen. Diese klugen Pläne sind an der FDP gescheitert.
Zuckersteuer 2026: Gesundheitspolitik im Würgegriff von CDU / CSU und Zuckerlobby?
Deutschland will den hohen Zuckerkonsum bremsen – doch die geplante Zuckersteuer ist zum politischen Zankapfel geworden. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wollte ab 1. Juli 2027 eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke einführen. Das Kanzleramt unter Friedrich Merz (CDU) stoppte seinen Entwurf zunächst. Offiziell lautet die Begründung: Klingbeils Modell weiche von den Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit ab. Kritiker sehen darin dagegen vor allem den Einfluss von Wirtschaftsinteressen und den Widerstand von marktradikalen Teilen der Union.
Klingbeils Entwurf sah eine Abgabe ab 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter vor. Je nach Zuckergehalt sollten 26 bis 38 Cent pro Liter fällig werden. Zero-Getränke sowie einige weitere Getränke sollten ausgenommen bleiben. Das Finanzministerium erwartete Einnahmen von zunächst rund 945 Millionen Euro, später von mehr als einer Milliarde Euro jährlich.
Der eigentliche Zweck der Abgabe liegt allerdings nicht in den Einnahmen. Sie soll Getränkehersteller dazu bringen, ihre Rezepturen zu verändern und den Zuckergehalt zu senken. Genau diesen Lenkungseffekt empfiehlt auch die Finanzkommission Gesundheit. Ihr abgeschwächtes Modell wäre allerdings weniger weitgehend und würde nach ihren Berechnungen nur rund 450 Millionen Euro jährlich einbringen.
Politisch brisant ist deshalb der Ablauf: Die Bundesregierung setzt eine Kommission ein, diese empfiehlt eine Zuckerabgabe, die Koalitionsspitzen verständigen sich grundsätzlich auf deren Umsetzung – und sobald der Finanzminister einen konkreten Gesetzentwurf vorlegt, zieht das Kanzleramt die Notbremse.
Dies ist das typische marktradikale Einknicken von CDU/CSU vor den Interessen der Lebensmittel- und Getränkebranche. Da steht Gesundheit hinten an.
Damit wird die Zuckersteuer zum Stellvertreterkonflikt: Wie weit soll der Staat gehen, wenn wissenschaftliche und gesundheitspolitische Empfehlungen mit den Interessen einer mächtigen Branche kollidieren? Und wer trägt die Folgekosten eines hohen Zuckerkonsums: der Hersteller über eine Abgabe, der Verbraucher über höhere Preise – oder am Ende die Allgemeinheit über das Gesundheitssystem?
Die politische Kritik richtet sich deshalb weniger gegen die konkrete Höhe der Steuer als gegen das Signal des Stopps: Wenn eine von der Regierung eingesetzte Kommission Präventionsmaßnahmen empfiehlt und deren Umsetzung anschließend am politischen Widerstand scheitert, stellt sich zwangsläufig die Frage, welchen Stellenwert Gesundheitsprävention gegenüber wirtschaftlichen Interessen tatsächlich besitzt.
Die Zuckersteuer ist damit nicht endgültig gescheitert. Sie ist politisch blockiert. Ob daraus noch ein Kompromiss wird oder die Koalition das Vorhaben faktisch beerdigt, ist offen.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
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