Online-Petitionen & Kritik / Manipulation, Profite, Petitionsflut & Petitionsidustrie (Campact, Avaaz, WeMove Europe, OpenPetition, 38 Degrees, MoveOn,)


Veröffentlicht am 28.07.2026 in der Kategorie Sonstiges von Axel Mayer

Online-Petitionen, Petitionsindustrie & Kritik / Manipulation, Profite (Campact, Avaaz, WeMove Europe, OpenPetition, 38 Degrees, MoveOn ...) Petitionsflut & Petitionsidustrie ...


Noch vor wenigen Jahren hielt ich Internet-Petitionen für gute und sinnvolle Instrumente in politischen Auseinandersetzungen. Inzwischen bekomme ich wöchentlich viel zu viele Anfragen und "wichtige" Petitionen, mit dem Wunsch diese über die Mitwelt-Newsletter weiterzuleiten.

Mittlerweile gebe ich zunehmend mürrisch, nur noch wenige, wirklich wichtigen Petitionen weiter, denn häufig sind sie nur noch leicht manipulierbare "Adresssammelmaschinen" für Spendenmailings einer Petitionsindustrie. Ich bin zunehmend genervt von den Spendenaufrufen bei openpetition und change.org, die nicht dem Unterschriftsprojekt zufließen, sondern der Petitionsindustrie. Über deren satte Profite & Gewinne findet sich leider nichts in den Medien

Petitionsflut

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 12.399 Eingaben beim Deutschen Bundestag eingereicht. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 34 Prozent gestiegen. Dazu kommen unzählige Petitionen bei Landtagen und im Europäischen Parlament.
Petitionen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Teil einer großen Beteiligungsillusion.


Um an Adressen und Spende zu kommen, ist der Petitionsindustrie jedes Thema recht. So hat openpetion eine anti-ökologisch-rechtspopulistische Petition mit dem Titel: "Deutschen Umwelthilfe (DUH): Aberkennung des Status der Gemeinnützigkeit" durchgeführt. Wie peinlich ist das denn!


Online - Petitionen & Online - Umfragen werden massiv manipuliert
Es gibt immer mehr Computerprogramme, die sich wie Bürger gerieren, aber massenhaft Stimmen abgeben und so massiv in die Meinungsbildung im Netz eingreifen. Trollbots können in kurzer Zeit tausende Beiträge automatisiert absetzen. "Bots prägen längst das Stimmungsbild im Netz," schreibt die Süddeutsche Zeitung."Oft ist nicht mehr auszumachen, wer eigentlich spricht. Soziale Netzwerke sind zu sozialen Botparks geworden, in denen sich Software mit Software unterhält. Die Bots von echten Nutzern zu unterscheiden, wird immer schwieriger, langfristig wird das die Sprechakte in der digitalen Welt weiter entwerten. Und durch fortlaufende Neuentwicklungen auf dem Feld der künstlichen Intelligenz werden die Bots nicht nur immer mehr, sondern auch immer raffinierter formulierte Inhalte generieren. Im schlimmsten Fall hat ein Bot nicht nur eine Fantasie-Identität, sondern spricht im Namen eines realen Menschen."

Die gut verdienende Petitionsindustrie hat demokratisch und fortschrittlich klingende Namen. Doch wenn sich z. Bsp. change.org kurz vor dem Atomausstieg noch einmal von den marktradikalen Lobbygruppen der Atomwirtschaft einspannen lässt, dann zeigt sich wieder einmal, dass es change.org um das Sammeln von Adressen und Spenden geht und nicht um Nachhaltigkeit. Ähnlich peinlich sind die rechts-libertären Petitionen von change.org und openpetition für die Abschaffung der Rundfunkgebühren. Hier nutzt auch die AfD die Petitionsindustrie.



Windradgegner manipulieren Online-Umfragen
Wie manipulationsanfällig Online-Umfragen sind, zeigte eine Abstimmung in der Bayerischen Staatszeitung im Januar 2018.
Gut organisierte Windradgegner hatten mit Trollbots eine Umfrage zum Thema "Windräder" massiv manipuliert.
Die Bayerische Staatszeitung wurde auf die Manipulation hingewiesen und bestätigte den Einsatz von manipulierenden Robotern auf die Abstimmung. Das Ergebnis wurde berichtigt.


„Es ging ganz einfach, erklärt ein Kritiker von Online Umfagen der taz. An seinem PC-Browser deaktiviert er am 18. Mai 2017 die Speicherung von Cookies und stellt dann fest, dass er so bis zu 30 Stimmen abgeben kann. Startet er den Router neu und erhält somit eine neue IP-Adresse, kann er wiederum 30-mal votieren.
Nach einer guten Stunde, so schreibt er in einer Dokumentation, hat er 182 Stimmen abgegeben und damit das Voting-Ergebnis kräftig verändert."


In den USA wurde im Dezember 2017 über die Abschaffung der Netzneutralität abgestimmt. Wie eine Untersuchung herausgefunden hat, wurde die Seite der Federal Communications Commission von 1,3 Millionen Fake-Kommentaren überschwemmt. Offenbar stammen jedoch alle Kommentare von einer einzigen Quelle, die diese maschinell generierte. Insgesamt wurden 22 Millionen Kommentare gepostet, doch offenbar stammten nur knapp 800.000 davon von echten Nutzern. Von diesen sprachen sich 99 Prozent für eine Beibehaltung der Netzneutralität aus. Ein Teil der von sogenannten Trollbots verfassten Fake-Kommentare waren sogar unter Angabe von Klarnamen verfasst waren, enthielten jedoch die gleiche Aussage mit meist nur minimalen Wortänderungen. Quelle: Wired


Es gab und gibt selbstverständlich auch einzelne, wichtige Online-Petitionen,
doch sie sind zwischenzeitlich die Ausnahme. Die Zweifel an der unsinnigen und manipulierbaren Petitions-Flut wachsen zunehmend. Die Umweltbewegung, die Sozialen Bewegungen aber auch die Medien selber sollten sich stärker mit diesem wichtigen Thema auseinander setzen und Manipulation verhindern.

Wir sollten auch deutlich sagen, dass sich die Welt mit Ablass-Klicks am Computer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht retten lässt.

Axel Mayer, (Alt-)BUND-Geschäftsführer, Vorstand Atomschutzverband, (Alt-) Kreisrat

Einnahmen der größten Petitionsplattformen weltweit

(ungeprüft zusammengestellt von ChatGPT am 28.7.2026)

Change.org (USA)
• Reichweite: über 500 Millionen Nutzer
• Jahresumsatz: über 100 Millionen US-Dollar
• Finanzierung: Sozialunternehmen (Werbung, Förderprogramme, Mitgliedschaften)

Avaaz (USA)
• Reichweite: rund 70 Millionen Mitglieder
• Jahresbudget: 10–20 Millionen US-Dollar
• Finanzierung: ausschließlich Mitgliederspenden

Campact (Deutschland)
• Reichweite: rund 3,5 Millionen Unterstützer
• Jahresbudget: 24,6 Millionen Euro (2024)
• Finanzierung: Spenden und Fördermitglieder

OpenPetition (Deutschland)
• Reichweite: über 15 Millionen Nutzer pro Jahr
• Jahresbudget: keine vollständigen Zahlen veröffentlicht
• Finanzierung: Spenden und Dienstleistungen

MoveOn (USA)
• Reichweite: rund 8 Millionen Mitglieder
• Jahresbudget: 25–35 Millionen US-Dollar
• Finanzierung: Spenden

WeMove Europe (Belgien)
• Reichweite: über 1 Million Unterstützer
• Jahresbudget: 2,3 Millionen Euro (2024)
• Finanzierung: überwiegend Kleinspenden

38 Degrees (Großbritannien)
• Reichweite: rund 1 Million Unterstützer
• Jahresbudget: 6–8 Millionen Pfund
• Finanzierung: Mitgliederspenden

Care2 (USA)
• Reichweite: rund 50 Millionen Mitglieder
• Jahresbudget: keine Zahlen veröffentlicht
• Finanzierung: Werbung und Partnerschaften
Quellen (ungeprüft zusammengestellt von ChatGPT am 28.7.2026)

• Campact: https://www.campact.de/ueber-campact/einnahmen-und-ausgaben-2024/
• Avaaz: https://secure.avaaz.org/campaign/de/avaaz_expenses_and_financial_information/
• WeMove Europe: https://wemove.eu/de/how-we-are-funded/
• Change.org: https://www.change.org/about
• OpenPetition: https://www.openpetition.de/transparenz
• 38 Degrees: https://home.38degrees.org.uk/annual-reports/
• MoveOn: https://front.moveon.org/financials/

Fazit:
Mit Abstand die größte Petitionsplattform der Welt ist Change.org mit über 500 Millionen Nutzerinnen und Nutzern und einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Zu den finanzstärksten gemeinnützigen Plattformen gehören MoveOn, Campact und Avaaz. WeMove Europe, 38 Degrees und OpenPetition verfügen über deutlich kleinere Budgets, erreichen aber insbesondere in Europa eine erhebliche politische Wirkung.




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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


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