AKW Fessenheim: Gefahr durch Brennelementebecken / Nasskühlbecken / TRAS Resolution


Veröffentlicht am 01.07.2020

AKW Fessenheim: Gefahr durch Brennelementebecken / Nasskühlbecken


Vorab:

Am 22.2.2020 wurde Reaktor I in Fessenheim (F) abgeschaltet und die Stilllegung von Reaktor II soll am 30.6.2020 folgen. Der in Fessenheim produzierte Atommüll wird dann noch ca. eine Million / 1.000.000 Jahre strahlen und über 33.000 Generationen gefährden. Die Gefahr eines schweren Unfalls im "Normalbetrieb" ist dann zwar gebannt, doch die GAU-Gefahr besteht noch 3- bis 4 Jahre weiter. Ein Erdbeben oder ein Anschlag könnten die Brennelement-Lagerbecken im Atomkraftwerk zerstören und zu einer Kernschmelze mit verheerenden Folgen führen. Die Nasskühlbecken befinden sich extrem schlecht gesichert außerhalb der Fessenheimer Reaktorgebäude...
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, Vizepräsident TRAS


„ … Die Brennelement-Lagerbecken befinden sich außerhalb der Reaktorgebäude in eigenen, an die Reaktorgebäude angrenzenden Lagerbeckengebäuden. Die Struktur der Lagerbeckenhalle besteht aus einem einfachen Metalldach, die Wandstärke beträgt ca. 30 cm. Ein sich in der Lagerbeckenhalle durch Verdampfung von Kühlmittel gegebenenfalls aufbauender Überdruck kann durch ein Öffnen einer Entlüftungsöffnung zur Umgebung abgesenkt werden […]

In deutschen Druckwasserreaktor-Anlagen hingegen befinden sich die Brennelement-Lagerbecken innerhalb des Containments im Reaktorgebäude. Dies gewährleistet bei den deutschen Anlagen einen umfassenden Schutz gegen Einwirkungen von außen, z.B. im Falle eines Flugzeugabsturzes, sowie die Spaltproduktrückhaltung im Falle von Brennelementschäden… . “
Aus der Sicherheitstechnischen Analyse zum AKW Fessenheim von Prof. Manfred Mertins, April 2016



Aufsichtsbehörde warnt vor einer Kernschmelze im Brennelemente-Lager!
Die Autorité de sûreté nucléaire (ASN) hat bereits am 20. Dezember 2019 die EDF kritisiert: Der Stilllegungsplan sei im «Detaillierungsgrad unzureichend»; Die EDF müsse erst noch nachweisen, dass die «Beseitigung des Risikos des Schmelzens von Brennelementen, die in den Brennelemente-Lagerbecken gelagert sind, für das Risiko eines Flugzeugabsturzes nachzuweisen sei», und dies ohne neue Ausflüchte, ein solches Ereignis sei «unwahrscheinlich». Die Aufsichtsbehörde formuliert nicht weniger als 22 zusätzliche Forderungen, von der Überlegung, dass es in Fessenheim zwei Reaktoren gebe (der Plan der EDF bezieht sich nur auf die Demontage eines einzigen Reaktors) bis zur Forderung, eine "umsichtige und robuste Strategie" für die Entsorgung des anfallenden Abfalls zu definieren.
Mit dem EDF-Plan, alle Brennelemente in den Lagerbecken innerhalb von maximal drei Jahren zu entsorgen sei «die Zahl der Eingriffe und Operationen mit bestrahlten Brennelemente wesentlich höher sein als bisher», was zu einer «erhöhten Belastung der Ausrüstung und der Schwertransporte» führe. Zudem seien die von EDF angestrebten Lagerstätten für radioaktive Abfällen noch gar nicht angefragt worden….
Im Entsorgungsdossier gebe die EDF an, dass das bisher gewählte Erdbebenniveau beibehalten werde, weil sich die Entsorgung der Brennstäbe innert drei Jahren abwickeln liesse. Deshalb halte die EDF den Aufwand, der zur Neubewertung der seismischen Gefährdung erforderlich wäre, für unverhältnismäßig. Die ASN erinnert die EDF daran, «dass es keinen technischen Konsens über die Höhe der zu erwartenden Magnituden gab», die für die dritte Zehnjahresprüfung der Fessenheim Reaktoren verwendet wurde.

Neuer Stilllegungsplan und Konsultation der Aufsichtsbehörde
Im Mai 2020 hat die EDF einen neuen, ausführlicheren Plan für die Stilllegung erarbeitet. Anfang Juni eröffnetet die Aufsichtsbehörde ASN eine Vernehmlassung mit einer Frist von bloss zwei Wochen, in der zu den neuen Dispositionen Stellung genommen werden soll. TRAS wird seine Stellungnahme dazu auf der Homepage https://atomschutzverband.ch/category/fessenheim/ veröffentlichen.
Quelle: TRAS


TRAS Resolution


Freiburg im Breisgau, 30. Juni 2020 Resolution zur Vorbeugung eines Atomunfalls beim Fessenheim-Rückbau
Ja zur sicheren Evakuierung aller Brennstäbe bis Juni 2023
Ja zur Wiederherstellung der «Grünen Wiese / Gewerbegebiet» bis 2040
Ja zum Schutz der Bevölkerung und zur vollen Transparenz des Risiko-Inventars


Wir, die versammelten Vertreterinnen und Vertreter von 98 Städten und Gemeinden aus drei Ländern rund um Fessenheim, schätzen es, dass beim Rückbau des Atomkraftwerks der Schutz der Bevölke-rung, der beruflich strahlenexponierten Arbeitskräfte und der Umwelt respektiert wird. Wir möchten un-sere Besorgnis ausdrücken, dass laut Aufsichtsbehörde ASN die Brennstäbe in den Lagerbecken der Anlage gegen Flugzeugabsturz, externe Aggression und Erdbeben nicht ausreichend geschützt sind und dass das Risiko einer Kernschmelze bei einem Abfluss von Kühlflüssigkeit weiterhin besteht. Be-unruhigt sind wir auch über Berichte der ASN, wonach die Lagerkapazitäten in La Hague nicht bereit-stehen, um die Brennstäbe aus Fessenheim aufzunehmen. Wir fordern: Bereitstellung sicherer Lagerstätten Wir fordern, dass die EDF, wie von der Aufsichtsbehörde ASN verlangt, unverzüglich eine robuste Planung vorlegt, die sicherstellt, dass geeignete Lagerkapazitäten für die Brennstäbe aus Fessen-heim rechtzeitig und in ausreichender Dimension bereitstehen. Transparenz Wir fordern, dass die Details der Rückbauplanung und der Schutzmassnahmen öffentlich zugänglich sind. Dazu gehören Angaben über das radioaktive Inventar, die Lagerungsdichte der Brennstäbe, den Zeitplan für den Abtransport und die Methodik der Radioaktivitätsmessung des Abbruchmaterials. Die Grenzwerte, die von «nicht-radioaktiven Material» unterschritten werden müssen, sind offenzulegen. Wir erwarten, dass alle 6 Monate über die Fortschritte beim Abtransport der Brennstäbe informiert wird. Schutz vor Erdbeben, Flugzeugabstürzen und externer Aggression Wir fordern in Übereinstimmung mit der Aufsichtsbehörde ASN die Anwendung der europäischen Nor-men betreffend Erdbebensicherheit; die deterministische Analyse muss durch eine probabilistische Analyse ergänzt werden. Zur Sicherung der Abklingbecken empfehlen wir zu prüfen, für die Dauer der Entsorgungsarbeiten an der Ostseite des Areals eine temporäre bauliche Abschirmung in Höhe des Brennelemente-Lagers zu erstellen. Die Strasse entlang des Rheinseitenkanals ist zu sperren; ausreichender Polizeischutz des Areals ist während des Rückbaus unverändert nötig. Wir verlangen eine redundante Kühlung mittels Nachrüstung der Pumpen und eine unabhängige Strom-versorgung für die Abklingbecken; die stationären Systeme sollten durch eine Reserve an mobilen Pumpen, Schläuchen, Notstromaggregaten und Zisternenwagen mit Kühlflüssigkeit ergänzt werden. Vorkehrungen für den Fall einer Kernschmelze Laut ASN muss EDF das Risiko einer Kernschmelze abschätzen und die Auswirkungen einer solchen aufzeigen. Wir verlangen Angaben betreffend a) Produktion von Wasserstoff (H2) und Explosionsge-fahr, b) Freisetzung von Radionukliden über Luft- und Wasserpfade, c) Expositionspotential der Bevöl-kerung. Die Einsatz- und Notfallplanung der EDF für ein solches Ereignisses ist offenzulegen. Verabschiedet an der Jahresversammlung
Die Resolution wurde einstimmig angenommen




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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag


Freiheit für die Menschen in Hongkong & Tibet... Aber auch für Julian Assange, Chelsea Manning, Edward Snowden und die katalanischen, gewaltfreien, politischen Gefangenen in Spanien! Für einen unteilbaren, globalen Freiheitsbegriff!