DDR - Südbaden: Proteste, Aktionen & Erinnerungssplitter am Tag der Deutschen Einheit


Veröffentlicht am 30.09.2022 in der Kategorie Krieg & Frieden von Axel Mayer

Hintergrund: DDR – Südbaden: Protest, Aktionen & Erinnerungssplitter am Tag der Deutschen Einheit


Jedes Jahr finden die „offiziellen“ Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit statt, Grund genug, Erinnerungssplitter an lang zurückliegende Proteste, Aktivitäten & Träume auszugraben.
Südbaden ist die Ecke Deutschlands, die schon geographisch am weitesten von der ehemaligen DDR entfernt liegt und dennoch gab es auch schon vor dem großen Wandel gemeinsame Treffen, Proteste, illegale Aktivitäten & Träume von Frauen und Männern, Umweltschützern, Friedensaktivisten und Kulturschaffenden in Südbaden und der DDR, an die sich heute die wenigsten erinnern.

Eines der schönsten Beispiele für die damals illegale Zusammenarbeit lag bisher verborgen im Plakatschrank des BUND in Freiburg. Es sind zwei Plakate, die vor der Wende illegal in der DDR und in Südbaden geklebt wurden. Mit einem fast gleichen Text kündigten die „Kanadischen Streitkräfte in Europa, Standortkommando Lahr" und der „Oberkommandierende der sowjetischen Streitkräfte des Ostens“ mit einem „gut gefälschten“, offiziell wirkenden Plakat den baldigen Abzug des Militärs und die Hoffnung auf eine militärfreie Zukunft an. Der Abzug der kanadischen Streitkräfte in Lahr und der Abzug der Sowjetstreitkräfte war zum Zeitpunkt der Plakatierung eine ziemlich unrealistische, traumtänzerische Vision einiger Friedensbewegter, eine Vision, die dann in unglaublich schneller Zeit Realität wurde. (Dass auf dem DDR-Plakat der alte Anarchist und Gegner des Sowjetsystems Michael Bakunin zum Oberkommandierenden der Sowjetstreitkräfte gemacht wurde, ist ein hübsches Detail der damaligen, riskanten Frechheit...)

Die Plakate drücken aber auch einen Gedanken der damals Bewegten aus, der an Tagen der Deutschen Einheit gerne vergessen und verdrängt wird. Es ging den damals Aktiven nicht um „Anschluss“, sondern um Einheit und demokratischen Wandel, um Ökologie und Frieden in Ost und West.

Auch riskante Schmuggelfahrten mit illegaler Literatur, mit Umweltanalysekoffern und anderen verbotenen Dingen in die DDR und die baltischen Staaten wurden von Südbaden aus durchgeführt. Viele Kontakte von Umwelt- und Friedensbewegung zwischen Ost und West liefen auch über die evangelische Kirche, in deren Rahmen solche Kontakte und Treffen (häufig in der ehemaligen Tschechoslowakei) möglich waren.

Der Freiburger Autor und Liedermacher Walter Mossmann projizierte die Idee vom Dreyeckland («es hat keine Grenzen sondern fließende Übergänge») auf die damals real existente und am schärfsten bewachte Grenze Europas, den Eisernen Vorhang, der an der Elbe die BRD von der DDR trennte, also auch Gorleben von Morsleben. In seinem im deutschen Sprachraum weithin bekannten gewordenen «Lied vom Lebensvogel» sang er schon 1978:

„Da, wo die Elbe rauskommt aus dem Zaun, der unter Strom steht und schießt,
da, wo die Elbe n’Zaun lang durch die grüne Stille fließt,
steht dreiunddreißig Jahre, viel zu lange schon,
eine zerbrochne Brücke als Sinnbild der Region,
wo rechts und links vom Wasser verwandte Menschen wohn’,
für die der Fluss so breit wie n’Weltmeer ist.
Da denk ich an den Oberrhein, die Grenze zwischen Wyhl und Marckolsheim –
Warum soll so’n Zusammenschluss hier ausgeschlossen sein?
Die Herrn in Ost und West spielen mit uns ein schlimmes Spiel,
schau, unter unsern Füßen brennt derselbe heiße Müll,
und doch sind uns die Nachbarn drüben fremd, «das Land ist still»
noch ist es still, noch ...
So sing doch, Vogel, sing ...“

(Mit der Wendung «das Land ist still» zitierte Mossmann das Lied «Noch» (1968) seines damaligen Freundes Wolf Biermann aus Ostberlin
«Eine zerbrochne Brücke»: gemeint ist die alte Eisebahnbrücke von Dömitz)


Erinnerungssplitter von Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat und Vizepräsident beim Trinationalen Atomschutzverband TRAS

Dank:
Mein Dank geht stellvertretend für viele Andere an den Friedens- und Umweltaktivisten Josef (Sepp) Hugelmann aus Schuttern, an einen tatkräftig-realistischen Visionär, der vor längerer Zeit einmal „ziemlich viel Stress“ wegen einer illegalen Plakatierung im Bereich Lahr hatte...
 

Deutsche Einheit: Ein Plakat der Friedensbewegung in der DDR





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Der bei gutem Willen verhinderbar gewesene, dumme, unnötige und völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands, unter dem die Menschen in der Ukraine so schrecklich leiden, führt dazu, dass die globalen Ausgaben zur Kriegsvorbereitung massiv steigen. Alleine Deutschland will 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Kriegsvorbereitung ausgeben. (Eine Milliarde sind tausend Millionen)
Doch schon vor dem Ukraine-Krieg lagen die Rüstungskosten der NATO bei 1100 Milliarden Dollar, die Russlands bei 61 Milliarden Dollar. Westliche "Unterrüstung" war also nicht der Auslöser dieses Krieges. Der Impuls jetzt noch viel mehr Geld ins Militär zu stecken, geht an den tatsächlichen Ursachen des Krieges vorbei.
Zu den größten Problemen der Menschheit zählt die Apokalypse-Blindheit und die Unfähigkeit, aus vergangenen Kriegen und menschengemachten Katastrophen zu lernen. Kriegszeiten sind Zeiten größtmöglicher Dummheit, Irrationalität und selektiver Wahrnehmung, in denen menschliches Denken und Handeln und die Berichterstattung in den Medien von stammesgeschichtlich erklärbaren, steinzeitlichen Reflexen geprägt ist. In Kriegszeiten spielen Fakten keine Rolle.

Während in der Ukraine Bomben explodieren und 15 alte, marode ukrainische AKW die Gefahren immens steigern, knallen bei Rüstungs- und Fracking-Gas-Lobbyisten die Champagnerkorken und der Atom-Lobbyist Günther Oettinger nutzt den Krieg, um für die Gefahrzeitverlängerung von AKW zu werben.









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Axel Mayer,Mitwelt am Oberrhein

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