Stadtbild-Debatte: Die Stadt hat ein kaltes Herz / Die autogerechte Innenstadt, verschwindender Einzelhandel, einfallslose Architektur
Veröffentlicht am 26.11.2025

Stadtbild-Debatte: Die Stadt hat ein kaltes Herz / Die autogerechte Innenstadt, verschwindender Einzelhandel, einfallslose Architektur
Von Kanzler Friedrich Merz wurde im Dezember 2025 eine politisch sehr einseitige, rechtspopulistische „Stadtbild-Debatte“ ausgelöst. Dabei sind die realen Probleme doch offensichtlich: Nach den Zerstörungen des bisher letzten Krieges war es insbesondere der nie aufgearbeitete Albtraum der politisch gewollten, autogerechten Innenstadt, der unsere Städte & Dörfer zerstörte. Die autogerechten Stadt hat, neben einer manchmal brutalistischen Architektur, zum Verlust historischer Bausubstanz, zum Gesichtsverlust der Städte und zu einem massiven Anstieg des Berufsverkehrs geführt. Wer die Sünden der Vergangenheit nicht aufarbeitet, ist unfähig, Zukunft zu gestalten.
Heute, im globalisierten Gier-Zeitalter, verschwindet der Einzelhandel. Eine CDU, die sich massiv gegen kluge Pfandsysteme und Verpackungsteuern wehrt, trägt Mitverantwortung für die Vermüllung unserer Städte. Dazu kommen verfehlter Städtebau, langweilige Architektur und die massiven Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Städte. Auch die Probleme einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht und in der die Mittelschicht verschwindet, zeigen sich im Stadtbild.
In Europa und Deutschland dürfte es künftig nicht nur für das "Stadtbild" von Bedeutung sein, ob die Menschen innerhalb oder außerhalb des zentraleuropäischen Verdichtungsraums der "Blauen Banane" leben. Wer die anderen Verdichtungsräumen in der Welt kennt, der weiß, dass das Leben in diesen zumeist autogerechten Megapolen häufig mit Umweltverschmutzung und geringer Lebensqualität, mit Reichen-Ghettos, Armenvierteln und Verslumungstendenzen verbunden ist. Nachteile bringt die Blaue Banane für die Verlierer- und für die sogenannten Gewinnerregionen. Fahren Sie einmal in die sich entleerenden Regionen Ostdeutschlands oder in die französische Provinz, abseits der Metropolen.
Wo ein ungezügelter „freier Markt“ den Wohnungsmarkt regelt, entsteht eben auch Verelendung. Zur Umweltverschmutzung kommt immer auch die Innenweltverschmutzung. Die Verwandlung der Welt in eine große Fabrik und die verheerenden Folgen der „Großen Beschleunigung“ machen auch vor Städten & Dörfern nicht halt.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
