Wie funktioniert ein Schneller Brüter / Brutreaktor? Altmodische Technologie & Gefahren
Veröffentlicht am 13.05.2026 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer
Wie funktioniert ein Schneller Brüter / Brutreaktor? Altmodische Technologie & Gefahren - Ewig Strom - Dank Atom?
Ein schwerer Atomunfall in einem Druckwasserreaktor oder Siedewasserreaktor kann große Landstriche dauerhaft unbewohnbar machen und viele Opfer fordern. Explodieren wie eine Atombombe können diese Atomkraftwerke aber nicht. Atomexplosionen sind "nur" bei einem Plutoniumreaktor vom Typ "Schneller Brüter" möglich.
Die Liebe der politischen Rechten und der Marktradikalen zur altmodischen Technik der Schnellen Brüter und der neuen Mini-AKW ist erstaunlich irrational. Im neuen AKW Flamanville siegt sich die französische Atomwirtschaft gerade finanziell zu Tode und unflexible Atomkraftwerke passen immer weniger zum international vordrängenden kostengünstigen Strom aus Sonne und Wind.
Der Brutreaktor ist ein Kernreaktor zur Stromerzeugung und Plutoniumgewinnung, der als Spaltstoff Plutonium verwendet, das mit schnellen Neutronen gespalten wird. Er "erbrütet" Plutonium aus Uran. Wird ein 238U-Atom von einem Neutron getroffen, nimmt es dieses in seinen Kern auf, es entsteht 239U. Über zwei Zerfälle entsteht sodann aus 239U 239Pu (Plutonium). Schnelle Brüter haben eine enorm hohe Energiedichte. Darum können sie nicht mit Wasser, sondern mit einem geschmolzenen Metall, mit Natrium gekühlt werden. Das Kühlmittel Natrium bereitet große Sicherheitsprobleme, denn es wird stark radioaktiv. Mit Wasser reagiert es heftig: Es geht in Flammen auf! Schon die Luftfeuchtigkeit kann ausreichen, um einen Brand zu verursachen. In Brutreaktoren kam es mehrfach zu gefährlichen Natriumbränden. Wenn allerdings die Temperatur im Reaktor zu stark abfällt, dann erstarrt das Natrium, wenn die "Notheizung" nicht funktioniert.
Plutonium: Der giftigste Stoff der Welt "Plutonium - sinnigerweise benannt nach Pluto, dem griechischen Gott des Totenreiches - ist der giftigste Stoff, den es gibt. Seine kurz reichende Alphastrahlung reißt gewissermaßen tiefe Schneisen in jedes lebende Gewebe und zerstört es. Dabei kann es nur schwer oder gar nicht ausgeschieden werden, es setzt sich fest, reichert sich sogar an, die Strahlung ist bei einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur etliche Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken....." Zitat: Frankfurter Rundschau
Das KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung beschreibt die Risiken der Bruttechnologie Das Kühlmittel Natrium stellt eine besondere Gefahr als Störfallauslöser dar, da es mit Wasser und Luft heftig reagiert. Bei einem Störfall mit Kühlmittelverlust zeigt der Schnelle Brüter im Gegensatz zum Leichtwasserreaktor keine Selbststabilisierung, vielmehr steigt seine Leistung sogar an. Es bleibt erheblich weniger Zeit, um den Reaktor mittels Schnellabschaltung abzuschalten. Wegen der hohen Plutoniumkonzentration kann es beim Brutreaktor im Gegensatz zum Leichtwasserreaktor zu einer begrenzten nuklearen Explosion (atombombenähnlich) kommen.Ob der Reaktordruckbehälter dem standhält, ist umstritten.
Der größtmögliche Unfall (Super-GAU) tritt ein, wenn die Kühlung ausfällt und die Reaktorschnellabschaltungen versagen. Folge: Leistungs- und Temperaturanstieg, Schmelzen der Brennelemente (30 % aus Plutonium). Dabei kann es mehrfach zur Bildung einer kritischen Masse, zu nuklearen Explosionen mit evtl. Bersten des Reaktordruckbehälters und Freisetzung extrem großer Mengen Radioaktivität kommen.
Folgen eines solchen schweren Unfalls, der sich alle ca. 100000 Reaktorjahre ereignen kann, berechnet für den S. in Kalkar: 1.400 Soforttote, 52000 bis 2,7 Millionen Folgetote; etwa eine Million Menschen müssen umgesiedelt werden, auf einer Fläche von 260 km mal 260 km ist Jahrhunderte lang keine Landwirtschaft mehr möglich, eine Fläche von 90 km mal 90 km muss oberflächlich abgetragen werden. Die Auswirkungen liegen um das 2 bis 5 Fache höher als beim Super-GAU eines LWR.
Quelle: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung e. V.
Flusswassergekühlte Atomkraftwerke sind extrem große Tauchsieder. Nach dem derzeitigen Stand (13. August 2026) sind in Europa mehrere Atomkraftwerke wegen der anhaltenden Hitzewelle, hoher Flusstemperaturen oder extrem niedriger Wasserstände gedrosselt oder zeitweise abgeschaltet. Ein massiver, hitzebedingter Quallenschwarm hat im französischen Atomkraftwerk Gravelines bei Dünkirchen die Kühlwasserpumpen verstopft. Daher mussten mehrere Reaktoren des größten westeuropäischen AKW heruntergefahren werden.
Schnelle Brüter & Brutreaktoren gefährden den Weltfrieden Wer die weltweite Verbreitung der Bruttechnologie als Mittel zur Lösung der Energiekrise anpreist, gefährdet den Weltfrieden. Mit dem Betrieb von Schnellen Brütern kommen extrem große Mengen des hochgiftigen Plutoniums in Umlauf. Das erbrütete Plutonium ist wegen seiner Reinheit sogar atomwaffentauglich. Schon ohne Schnelle Brüter wird die Welt von den Atomwaffen der folgenden Staaten bedroht: • USA • US-Atomwaffen in Europa (NATO) • Großbritannien • Frankreich • Russland • China • Indien • Pakistan • Israel• Nordkorea •. Unter Verdacht, Atomwaffen zu besitzen oder zu bauen, steht der Iran. Die Gefährdung allen Lebens mit der weltweiten Verbreitung von Atomkraftwaffen durch den Bau von Brutreaktoren, Atomkraftwerken, Urananreicherungsanlagen und dem Schwarzmarkt für Plutonium würde durch den weltweiten Bau von Brutreaktoren massiv erhöht.
"Auch für Terroristen, die nach Material für eine Kernwaffe oder einer schmutzigen Bombe schielen, bietet der Einsatz von Brutreaktoren und Wiederaufbereitungsanlagen verlockende Aussichten: Das strahlende Material muss kreuz und quer durchs Land oder übers Meer transportiert werden" Zitat: Der Spiegel
Der "Schnelle Brüter", das begrenzte Uran und die Energiekrise Die Erde steuert auf eine gigantische Energiekrise mit massiven ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen zu, wenn der Umstieg auf nachhaltige, regenerative Energien nicht beschleunigt wird. Die Übernahme unseres westlichen Verschwendungsmodells durch Indien und China beschleunigt die kommende Energiekrise. Der von den Werbeabteilungen der Atomkonzerne ins Gespräch gebrachte Heilsbringer Uran wird ähnlich schnell aufgebraucht sein wie Erdöl und Erdgas. Aus den oben genannten Gründen kann die Bruttechnologie diese Probleme nicht lösen.
"Solarstrom (PV) ist inzwischen weltweit fast überall am günstigsten: In der Wüste von Saudi-Arabien wird er für nur einen US-Cent pro Kilowattstunde (kWh) erzeugt, in Portugal für 1,4 US-Cent pro kWh. Laut US-Investmentbank Lazard sanken die solaren Erzeugungskosten zwischen 2009 und 2020 um 90 Prozent." Das ist ein Bruchteil der Kosten des Stroms aus den gefährlichen, teuren, neuen, hochriskanten Schnellen Brütern und Strom aus Wind und Sonne wird immer billiger. Darum wurden und werden diese umweltfreundlichen Energien von atomar-fossilen Seilschaften auch so lange mit Fake-News und Bürokratie bekämpft. Es ist unerklärlich, warum gerade wirtschaftsliberale Parteien und Medien so intensiv für die hochsubventionierte, auf funktionierenden Märkten nicht durchsetzbare Atomkraft und Brutreaktoren kämpfen.
Nur ein rascher Umbau unserer weltweiten Raubauwirtschaft auf Nachhaltigkeit und die Nutzung regenerativer Energien können die drohende Energiekrise verhindern.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Beispiele für Brutreaktoren Quelle: Wikipedia Betrieb von bis Land Ort Name Leistung (MWe) Bemerkung
1946 1952 USA New Mexico Clementine 0,025 Erster Brutreaktor, diente 6 Jahre als Neutronenquelle für die Forschung
1951 1964 USA Idaho EBR-I 0,2 Zweiter Brutreaktor, lieferte die erste nuklear erzeugte, elektrische Energie (auch Chicago Pile 4)
1961 1964 USA New Mexico LAMPRE Schmelze aus Plutonium und Eisen als Spalt- und Brutstoff mit Natrium als Kühlmittel
1961 1994 USA Idaho EBR-II 20
1963 1972 USA Detroit FERMI 94 Untersuchung der Wirtschaftlichkeit, Abschaltung wegen Problemen
1967 1983 Frankreich Cadarache Rapsodie 40 Testreaktor
1973 1999 Kasachstan Aqtau BN-350 150 Erster Brutreaktor der russischen BN-Baureihe
1977 1991 Deutschland Karlsruhe KNK I+II 20 Testreaktor
1978 Japan Jōyō 100 Forschungsreaktor
1980 USA Washington FFTF 400 Experimenteller Reaktor.
1980 Russland Belojarsk 3 BN-600 600 Seit Abschaltung des Creys-Malville weltgrößter schneller Brüter.
1985 Indien Kalpakkam FBTR 40th, 13el Testreaktor
1986 1996 Frankreich Creys-Malvillle Creys-Malville 1180 1996 nach Zwischenfällen vom Netz genommen, bleibt nach Regierungsentscheidung 1998 endgültig abgeschaltet
1994 1995 Japan Fukui Monju 280 nach Natrium-Unfall seit 8. Dezember 1995 außer Betrieb, erneuter Betrieb ab Februar 2009 geplant
1991 Deutschland Kalkar SNR-300 327 Bauarbeiten 1991 eingestellt, wurde nie in Betrieb genommen
Russland Belojarsk 4 BN-800 800 in Bau seit 2006
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