Das große Sprachensterben: Weniger Sprachen, Dialekte, Vielfalt - mehr globale Monotonie
Veröffentlicht am 25.07.2026
Das große Sprachensterben: Weniger Sprachen, Dialekte, Vielfalt - mehr globale Monotonie in Zeiten der "Großen Beschleunigung"
Das Zeitalter der "Großen Beschleunigung" ist eine Zeit des unbegrenzten Wachstums und des immer schnelleren Verschwindens.
Es wächst: CO₂ in der Atmosphäre, Distickstoffmonoxid-Konzentration, Methan-Konzentration, Erderwärmung, Ozeanversauerung, Reales BIP (Bruttoinlandsprodukt), Primärenergieverbrauch, Düngemittelverbrauch, große Staudämme, Wasserverbrauch, Papierproduktion, Transportwesen, Atommüll, Übertourismus ...
Es verschwinden: Arten (Vögel, Insekten, Säugetiere ...), Natur, Tropenwälder, naturnahe Waldflächen, marine Fischbestände, Biodiversität, unberührte Landflächen, Gletscher, Polareis, Wildnis
Es verschwinden aber auch Sprachen, Dialekte und kulturelle Vielfalt, und es wächst eine vom Massenkonsum maskierte Monotonie.
In diesen Zeiten der "Großen Beschleunigung", der Barbarei, Gier und Gewalt stärkt Dummheit Dummheit und Intoleranz verstärkt Intoleranz. In diesen Jahren der Kriege, der Umwelt- und Innenweltverschmutzung stehen nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Sprachen und Dialekte auf der Liste der bedrohten Arten. Heute arbeiten (nicht nur) die Tech-Oligarchen des Silicon Valley an der Überwindung des menschlichen Menschen mit den Ideen des Transhumanismus und Posthumanismus und sie hoffen auf den Zeitpunkt der technologischen Singularität. Eine mögliche, perverse Antwort auf die Frage nach dem Ziel der Geschichte ist das Ziel der Überwindung des Menschen durch die Technik, die Abschaffung des menschlichen Menschen. Da braucht es auch keine Vielfalt von Sprachen, Dialekten und Kulturen mehr.
Von rund 7.000–7.200 lebenden Sprachen gelten etwa 3.500–3.700 als gefährdet. Viele Linguisten gehen davon aus, dass bis Ende des Jahrhunderts 50–90 % der heutigen Sprachen verschwinden könnten. Mehr als die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen drohen also in naher Zukunft zu verschwinden – und damit ein wertvoller Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Allein 600 dieser insgesamt rund 3.660 gefährdeten Sprachen könnten sogar schon in wenigen Jahrzehnten vollständig ausgestorben sein. Mit Sprachen und Dialekten gehen häufig auch lokales Wissen, mündliche Traditionen, Ortsnamen und kulturelle Praktiken verloren. Wir wissen, dass bedrohte Tierarten nicht in der Genbank und bedrohte Sprachen nicht im Museum, der KI und im Internet überleben.
Sprachen und Dialekte sind bunte, kluge, kulturelle Vielfalt und nicht monokulturelle Einfalt. Sprachen und Dialekte sind immer auch „regionale Identität“ und stehen gegen die „Kolonisierung der Lebenswelt in der Megamaschine“ und gegen die zunehmende Kommerzialisierung aller Lebensbereiche.
Das große Sprachensterben: Weniger Sprachen, Dialekte, Vielfalt - mehr globale Monotonie
Die große Beschleunigung und das Sterben von Sprachen und Dialekten. Wenn wir auf die Ursachen des Sprachensterbens schauen, dann findet sich eine Vielzahl von Details. Doch die Hauptursache wird gerne übersehen. Die Mehrzahl der großen aktuellen Krisen (Sprachensterben, Vogelsterben, Artensterben, Klimawandel, Weltvermüllung ...) lässt sich auf das Phänomen der "Großen Beschleunigung" zurückführen.