Das AKW Leibstadt, der Abluftkamin / Schornstein, die radioaktiven Schadstoffe und der Krebs
Veröffentlicht am 07.11.2026

Das Atomkraftwerk Leibstadt, der Abluftkamin / Schornstein, die radioaktiven Schadstoffe und der Krebs / Kinderkrebs
In einem AKW entsteht in einem Jahr pro Megawatt Leistung ca. die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heißt, in einem AKW mit 1000 MW entsteht jährlich ca. die Radioaktivität von 1000 Hiroshimabomben. Im grenznahen AKW Leibstadt entsteht also jährlich die Radioaktivität von ca. 1285 Hiroshimabombe. Ein Teil dieser Radioaktivität ist kurzlebig, ein Teil wird zu Atommüll, der eine Million Jahre strahlt und ein kleiner Teil wird an die Umwelt und Nachbarschaft abgegeben. Trotz aller Filter lässt sich auch im sogenannten Normalbetrieb nicht alle Radioaktivität zurückhalten. Ein Teil der radioaktiven Abgaben gelangt als Tritium mit dem Abwasser in den Rhein, ein anderer Teil über den Abluftkamin in die Atmosphäre. Die AKW-Betreiber haben den manipulativen Begriff des Abluftkamins (Neusprech) durchgesetzt. Doch dem Schornstein entweicht nicht nur Luft. Er dient der kontrollierten Ableitung und Verdünnung radioaktiver Stoffe im sogenannten Normalbetrieb, bei Schnellabschaltungen und Störfällen. Die Radioaktivität verschwindet nicht – sie wird in der Atmosphäre verteilt.
Warum ist der Abluftkamin / Schornstein des AKW Leibstadt so hoch?
Der Schornstein des Schweizer Atomkraftwerks Leibstadt ist ungewöhnlich hoch: Er misst 99 Meter. Das liegt an der besonderen "Tiefen-Lage" des grenznahen AKW. Leibstadt liegt am Hochrhein zwischen den Höhenzügen des südlichen Schwarzwalds und des Schweizer Jura. Diese topografische Situation beeinflusst die lokalen Windströmungen und die Luftzirkulation. Bei Inversionswetterlagen kann sich kalte Luft in tieferen Lagen sammeln und der vertikale Luftaustausch erheblich eingeschränkt sein. Die Geländeformen können die Ausbreitung zusätzlich beeinflussen. Der extrem hohe Kamin soll die in der Abluft enthaltene Radioaktivität deshalb möglichst oberhalb bodennaher Verwirbelungsbereiche freisetzen.
Der hohe Schornstein des AKW Leibstadt bewirkt eine Verteilung der radioaktiven Emissionen über Südbaden, dem Schwarzwald und dem Aargau.
Was kommt aus dem Kamin?
Die Abluft verschiedener Kraftwerksgebäude wird selbstverständlich so gut wie möglich gefiltert und überwacht. Viele radioaktive Partikel (Aerosole) werden zurückgehalten. Doch radioaktive Edelgase wie Krypton und Xenon können auch nach der Behandlung der Abgase über den Kamin entweichen. Edelgase sind chemisch träge und gehen unter normalen Bedingungen keine Verbindungen mit anderen Materialien ein. Sie können daher in Filtern nicht chemisch gebunden werden. Da sie als einzelne Atome vorliegen, versagen auch mechanische Filter. Eine geringere Konzentration am Boden bedeutet nicht, dass keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt gelangen. Selbstverständlich werden die viel zu hohen Grenzwerte eingehalten. Doch schon kleine Mengen an zusätzlicher Radioaktivität können Krebs auslösen.
2026 / Harvard-Studie bestätigt erhöhtes Krebsrisiko / Deutlich erhöhte Krebssterblichkeit in der Umgebung von US-Atomkraftwerken
Eine Studie der Harvard Medical School (Alwadi et al., 2026) untersuchte die Krebssterblichkeit im Umkreis von bis zu 200 Kilometern um alle 93 US-Atomkraftwerke (2000–2018). Die Ergebnisse bestätigen die deutsche KiKK-Studie von 2007:
– Je näher Menschen an einem AKW wohnen, desto höher ist ihr Risiko. In unmittelbarer Nähe steigt es bei Frauen und Männern um bis zu 20 Prozent.
– Betroffen sind alle Altersgruppen zwischen 35 und über 85 Jahren. Besonders stark ist der Anstieg bei Frauen von 55 bis 64 Jahren (+2,1 %) und Männern von 65 bis 74 Jahren (+2,0 %).
Bei älteren Anwohner*innen sinkt das Risiko vermutlich, weil in ihren jungen Jahren noch keine AKWs in Betrieb waren.
Ursache: Radioaktive Strahlung aus AKWs
Dass ionisierende Strahlung aus radioaktiven Partikeln in der Abluft für den Anstieg verantwortlich ist, gilt als wissenschaftlich plausibel und sehr wahrscheinlich. Auch kleine Dosen können Krebs auslösen. Strahlung kann Chromosomen schädigen. Chromosomale Aberrationen finden sich in allen 80.550 in der Mitelman-Datenbank erfassten malignen Tumoren.
Bestätigung der KiKK-Studie
Schon 2007 hatte die deutsche KiKK-Studie, eine Fallkontrollstudie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken, einen Zusammenhang zwischen AKW-Nähe und Krebs bei Kindern nachgewiesen. Damals wurde das Vorkommen von Leukämie bei unter 5-Jährigen in einem Fünf-Kilometer-Umkreis um 16 deutsche AKWs zwischen 1980 und 2003 untersucht. Es zeigte sich für die Leukämien ein zweifach erhöhtes Risiko innerhalb der 5-km-Zone im Vergleich zur restlichen Studienregion
Kinder sind besonders gefährdet
Kinder sind wegen ihrer Entwicklung und höheren Zellteilungsrate strahlenempfindlicher. Da sich Knochenmarkzellen besonders schnell teilen, entstehen vor allem Leukämien.
Dieser Text ist eine kurze Zusammenfassung eines Beitrags vonProf. Dr. med. Alfred Böcking. Er ist Cytophathologe und IPPNW-Mitglied aus Berlin.
Das Atomkraftwerk Leibstadt ist (ähnlich wie die Reaktoren in Beznau undGösgen) aber nicht nur im Normalbetrieb eine Gefahr. Ein jederzeit möglicher schwerer Unfall in den überalterten Schweizer AKW kann verheerende Folgen haben.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, Vorstand im TRAS
Hier: Umfassende Hintergrundinformation zum AKW Leibstadt
Hier: Umfassende Hintergrundinformation zum Thema Krebs, Kinderkrebs und AKW

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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
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