Terror, Terrorismus und AKW: die verdrängte Gefahr


Veröffentlicht am 08.09.2006 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

Terror, Terrorismus und AKW: die verdrängte Gefahr



An die Medien,
Hintergrundinformation - AKW und Terrorgefahr
Sehr geehrte Damen und Herren in den Redaktionen,


kurz vor dem Jahrestag der Terroranschläge in New York und nach den verhinderten Anschlägen in Deutschland, gibt es eine intensive öffentliche Diskussion zu den Gefahren des Terrorismus. Immer wenn es um dieses Thema geht, wird in Deutschland gerne über Bahnhöfe, Flughäfen und den Ausbau der "Überwachung" geredet.

Der für die Sicherheitsdebatte wichtige, gerne ausgeblendete Aspekt des Atom - Terrorismus, wird aber häufig verdrängt und kommt bei der Debatte potentieller Bedrohungszenarien zu kurz. Aus diesem Grund senden wir Ihnen die folgende kurze Hintergrundinformation.
Mit freundlichen Grüßen

Axel Mayer / Geschäftsführer

Kurzinformation: Terrorismusgefahr und Atomanlagen



Die Gefährdung von Atomanlagen, Atomtransporten, Zwischenlagern und Kernkraftwerken durch potentielle Anschläge und Terror wird in der politischen Debatte gerne verdrängt und ausgeblendet. Wo neue Akzeptanz für AKW geschaffen werden soll, stört der nötige Hinweis auf potentielle Gefahren.

Doch die sogenannte friedliche Nutzung der Atomenergie hat die Büchse der Pandora weit geöffnet.

So gibt es für Atom - Terrorismus vier denkbare Wege:

1. Aus spaltbarem Material (Plutonium-239, hochangereichertes Uran-235...) könnte ein nuklearer Sprengkörper einfachster Technologie gebaut werden.

2. Verwendung einer (gestohlenen) Atombombe aus Beständen regulärer Armeen.

3. Radioaktives Material kann mit Hilfe einer geeigneten technischen Vorrichtung in der Umwelt verbreitet werden, um eine radioaktive Verseuchung zu schaffen. (Schmutzige Bombe)

4. Direkter Angriff auf ein Atomkraftwerk, einen Castortransport, eine Wiederaufarbeitungs-anlage oder sonstige Atomanlage

Während die Punkte 1 und 2 technisch extrem aufwändig und sehr unwahrscheinlich (aber nicht ausgeschlossen) sind, müssen die letzten beiden Punkte als konkrete Bedrohungen angesehen werden.

Gerade die politische Instabilität mancher Länder kann auch einen verstärkten Schwarzmarkt für

radioaktives Material öffnen, das zwar nicht für den Bau einer Atombombe geeignet ist, mit dem aber sehr wohl eine Schmutzige Bombe gebaut werden kann.

Die "Freisetzung" nur eines kleinen Teils, der in einem AKW vorhandenen Radioaktivität durch einen Anschlag, hätte verheerende Folgen für alles Leben im weiten Umkreis. Große Landstriche müssten für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.

Ein Anschlag mit "modernen" panzerbrechenden Waffen auf ein AKW hätte diese Auswirkungen. Panzer-und bunkerbrechende Waffen aller Art gehören leider schon lange zum gängigen Waffenarsenal im Bereich des Terrorismus.

Eine Studie der deutschen "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" über die Terroranfälligkeit der Atomkraftwerke, strafte die alten Aussagen der AKW Betreiber EnBW, Eon und Vattenfall Lügen.

Im Gegensatz zu den früheren Verharmlosungen der Betreiber sind die Schlussfolgerungen für die deutschen AKW s dramatisch

"Keines der 19 deutschen Atommeiler ist so gegen einen Flugzeugabsturz gesichert, dass eine Atomkatastrophe als Folge ausgeschlossen werden kann. Fünf Kernkraft-Typen wurden als Referenzanlagen genauer analysiert und die Ergebnisse dann auf die übrigen 14 Meiler übertragen. Im Prinzip gingen die Experten von zwei Unfallszenarien aus: Im ersten zerstört ein Passagierflugzeug die Reaktorhülle. Im zweiten Szenario werden durch den Aufprall die Rohrleitungen im Inneren des Reaktors abgerissen. Die Studie kommt zu einem dramatischen Ergebnis: Zwar würden die Betonhüllen bei den sieben modernen Druckwasserreaktoren, die gegen den Absturz eines Phantom-Kampfjets ausgelegt sind, dem Aufprall einer Passagiermaschine standhalten, ein Gau wie der in Tschernobyl ist aber möglich: Die Erschütterungen durch den Aufprall könnten zu schweren Zerstörungen im Inneren führen. Bei den drei neueren Siedewasserreaktoren (Krümmel sowie Gundremmingen B und C) würde ein größeres Verkehrsflugzeug sogar die Betonhülle durchschlagen. Noch verwundbarer sind die neun älteren Kernkraftwerke, bei denen schon durch den Absturz eines kleinen Verkehrs-flugzeugs eine Katastrophe ausgelöst werden kann."

Quelle: Süddeutsche Zeitung 30.12.2003

Viele deutsche AKW und auch die AKW Fessenheim (F) und Leibstadt (CH) am Oberrhein stehen in der Nähe der Einflugschneisen von Flughäfen.

Es kann nicht darum gehen Panik zu verbreiten. Es geht aber auch nicht, angesichts von realen Gefahren den Kopf in den Sand zu stecken.

Wie hatten viele Politiker doch nach den Anschlägen des 11. September in New York getönt. Flugabwehrgeschütze sollten schnell Atomanlagen sichern. Nebelwerfer sollten die Atomkraftwerke "unsichtbar machen". Doch konkrete Sicherheitsanstrengungen oder eine flächenhafte Umsetzung von wirklich sinnvollen Sicherungsmaßnahmen sind nicht zu erkennen.

Solange die AKWs nicht abgeschaltet sind, sollten sie zumindest besser gesichert werden. Nach einem Anschlag mit modernen bunkerbrechenden Waffen oder einem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk würde ein Teil Deutschlands schlicht aufhören in der bisherigen Form zu existieren. Erschreckend ist die Apokalypsenblindheit der Betreiber und Atomkonzerne und die politisch gewollte Einseitigkeit der aktuellen Debatte.

Die Debatte um Terrorismus darf nicht zu Hysterie und einer Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten führen. Sinnvolle Maßnahmen gegen Atomterrorismus müssen aber schnell umgesetzt werden, solange die AKW noch betrieben werden.

Axel Mayer




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  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


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