31.7.1849: Freiheitskämpfer Max Dortu in Freiburg erschossen


09.07.2023 bis 07.08.2023



1849: Max Dortu, Friedrich Neff & Gebhard Kromer - In Freiburg erschossen


Nach der zweiten Phase der unvollendeten Badischen Revolution wurde am 31.7.1849 der aus Potsdam stammende Jurastudent Maximilian Dortu im Alter von 23 Jahren auf dem Wiehremer Friedhof von einem preußischen Militärkommando hingerichtet, weil er sich an der badischen Freiheitsbewegung beteiligt hatte; sein Schicksal teilten Friedrich Neff († 9. August 1849) und Gebhard Kromer († 21. August 1849).

Über die Erschießung von Maximilian Dortu berichtete der Stuttgarter Anzeiger am 3.8.1849:
„Er ging, ein großer schöner Mann, etwa 24 Jahre alt, mutig und gefasst, die linke Hand ans Herz gestemmt, in die Mitte des Vierecks, das die Infanterie gebildet hatte … Das Todesurteil wurde verlesen.
Dortu antwortete: Ich sterbe für die Freiheit. Schießt gut, Brüder!“


Max Dortu wurde in Potsdam als Sohn eines Justizrates geboren und studierte nach dem Abitur in Heidelberg und Berlin Jura. Nach Ausbruch der Revolution von 1848 engagierte sich Dortu in Potsdam im Rahmen eines politischen Vereins. Am 12. Mai 1848 demonstrierte er gegen die Rückkehr des Prinzen von Preußen (später Kaiser Wilhelm I.), der den Truppeneinsatz bei den Berliner Märzkämpfen zu verantworten hatte, und nannte ihn den „Kartätschenprinzen“. Dortu wurde wegen Beleidigung des mörderischen Thronfolgers daraufhin zu 15 Monaten Festungshaft verurteilt.

Es gibt im demokratischen Deutschland 59 Straßen und Plätze, die den Namen Kaiser Wilhelm beinhalten. Dazu kommen unglaublich viele Straßen und Plätze, die "nur noch" Wilhelm-Straße heißen und bei der, "der Kaiser" nur weggelassen wurde. Zeit seines Lebens setzte sich Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., für eine dominante Monarchie und gegen das Parlament ein. Im März des Revolutionsjahres 1848 wurde er vorübergehend nach London geschickt, weil er in Preußen als Scharfmacher gegen die demokratische Bewegung (»Kartätschenprinz«) untragbar geworden war. Im Juni 1848 nach Preußen zurückgekehrt, stand er an der Spitze der Gegenrevolution und übernahm im Juni 1849 den Oberbefehl bei der Niederwerfung des badisch-pfälzischen Aufstandes. Und ausgerechnet nach diesem preußischen Scharfmacher und Reaktionär sind in Deutschland immer noch Straßen und Plätze benannt. Im demokratischen Deutschland gibt es nur 4 Straßen und Plätze, die den Namen "Max-Dortu" beinhalten.
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Als Teilnehmer des Zweiten Demokratenkongesses in Berlin und auf Versammlungen in Potsdam trat er als entschiedener Verfechter der Revolution auf und propagierte ihre Weiterführung. Auf seine Initiative hin fasste die Potsdamer Volksversammlung am 12. November 1848 den Beschluss, die Eisenbahnstrecke nach Berlin zu zerstören, um den Transport Potsdamer Gardetruppen zu verhindern.

Vor einer drohenden Verhaftung floh er im Januar 1849 nach Paris. Im Mai des gleichen Jahres trat er in die badische Revolutionsarmee ein und nahm an den Kämpfen gegen die preußischen Truppen als Kommandeur eines Bataillons der Freiburger Volkswehr teil. Er wurde gefangen genommen, verurteilt und am 31. Juli 1849 in Freiburg erschossen.


1849: Max Dortu, Friedrich Neff & Gebhard Kromer - In Freiburg erschossen
Mehr Infos:
*Max Dortu, Friedrich Neff & Gebhard Kromer
*Über die Verhaftung der Freiburger Mädchen, die Blumen an Dortus Grab niederlegten