Bund der reichen Steuerzahler & Kritik / Wer steckt hinter dem Bund der reichen Steuervermeider & Konzerne?


Veröffentlicht am 03.10.2026 von Axel Mayer

Bund der reichen Steuerzahler & Kritik: Wer steckt hinter dem Steuerzahlerbund?


In fast keinem anderen Land in Europa sind Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Deutschland ist Niedrigsteuerland für Superreiche und Kapitalerträge. Berechnungen des Netzwerks Steuergerechtigkeit zeigen: Der deutsche Muster-Millionär zahlt auf sein Einkommen von 1,6 Millionen Euro nur rund 21 % Steuern. Während das Durchschnittspaar mit einem Bruttoeinkommen von 110.000 Euro eine Steuer- und Abgabenquote von 43 % trägt, sind es bei der Familie des Muster-Millionärs nur 24 %.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander – und das kann die Demokratie gefährden."56.000 Menschen – etwa 0,001 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung – besitzen dreimal so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammen." sagt der World Inequality Report 2026. Das hat auch mit einer global ungerechten Steuerpolitik zu tun – und mit Steuerschlupflöchern groß wie Scheunentoren für Superreiche.

Es wäre schön, wenn der Bund der Steuerzahler (BdSt) tatsächlich die Interessen aller Steuerzahlenden vertreten würde. Doch er ist eher der Lobbyverband der reichen Steuervermeider. Der BdSt ist vor allem eine marktradikale Interessenvertretung von Unternehmern, Selbstständigen und wirtschaftsliberalen Kräften, die für niedrigere Steuern, einen schlanken Staat und weniger staatliche Ausgaben eintreten. Die Nähe einzelner libertärer Forderungen zu Positionen von CDU, CSU, AfD und FDP ist mehr als deutlich.

Wer steckt hinter dem Bund der Steuerzahler? Vertretung von Partikularinteressen
In einer für die Hans-Böckler-Stiftung erstellten Analyse des Politikwissenschaftlers Rudolf Speth wurde bereits 2008 die Mitgliederstruktur des BdSt untersucht. Danach waren rund 60 % der Mitglieder Unternehmer und weitere 15 % Freiberufler. Kritiker leiten daraus ab, dass der BdSt kein repräsentatives Abbild der gesamten steuerzahlenden Bevölkerung darstellt.

Der Vorwurf lautet: Wer überwiegend aus Unternehmern und Freiberuflern besteht, hat andere Interessen als Arbeitnehmer, Rentner oder Menschen mit geringem Einkommen. Entsprechend stehen beim BdSt traditionell Forderungen nach niedrigeren Steuern, weniger Abgaben und einem schlankeren Staat im Mittelpunkt. Kritisiert wird zugleich, dass Themen wie Steuerflucht, aggressive Steuervermeidung und die ungleiche Vermögensverteilung deutlich weniger Raum einnehmen.

Der Politikwissenschaftler Gert-Joachim Glaeßner bezweifelte deshalb, dass der Verband tatsächlich die Interessen aller Steuerzahler in ihrer Gesamtheit vertritt. Auch der Politikwissenschaftler Peter Lösche bezeichnete den Anspruch, für alle Steuerzahler zu sprechen, als Teil einer PR-Strategie. Friedrich Küppersbusch kritisierte den BdSt 2021 als von Union und FDP beeinflusste Lobbyorganisation und warf ihm Zahlentricks und die Verächtlichmachung des Staates vor.

Aktuelle Kritik 2026: Das Schwarzbuch
Der BdSt präsentiert sich mit seinem jährlich erscheinenden „Schwarzbuch“ als Wächter über die Verschwendung von Steuergeld. Im neuen Schwarzbuch 2026/27 werden 100 Fälle angeprangert. Darunter sind zweifellos Beispiele, bei denen Kosten aus dem Ruder laufen oder öffentliche Entscheidungen schwer nachvollziehbar erscheinen.

Doch auch das Schwarzbuch ist umstritten. Spektakuläre Einzelfälle werden besonders stark herausgestellt und der vollständige politische, soziale oder wirtschaftliche Kontext fehlt teilweise. Kommunen und Behörden widersprechen den Vorwürfen des BdSt immer wieder und begründen die beanstandeten Ausgaben anders. Das Schwarzbuch ist keine unabhängige Gesamtbilanz staatlicher Verschwendung, sondern die Auswahl und Bewertung eines Interessenverbandes der Reichen.

Der BdSt ist tatsächlich Interessenverband: Im Lobbyregister des Deutschen Bundestages ist er als Interessenvertreter eingetragen.

Der Name klingt nach neutralem Verbraucherschutz. Die politische Realität ist eine andere. Der BdSt leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Kontrolle öffentlicher Ausgaben. Aber wer seine Forderungen und das Schwarzbuch ernst nimmt, sollte auch fragen: Wer wird als „Steuerzahler“ betrachtet? Wer profitiert von Steuersenkungen? Und welche Kosten entstehen, wenn dem Staat Einnahmen für Bildung, soziale Sicherheit, Infrastruktur, Umwelt- und Klimaschutz fehlen?

Steuerverschwendung muss kritisiert werden. Aber ebenso müssen Steuervermeidung, Steuerschlupflöcher und eine extreme Vermögenskonzentration auf den Prüfstand.

Wer den Staat kritisiert, sollte deshalb nicht nur fragen, wofür er Geld ausgibt – sondern auch, wer wie viel zum Gemeinwesen beiträgt.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Umfassende Informationen und Kritik zum Steuerzahlerbund auf Lobbypedia




Mitwelt Stiftung Oberrhein: Warnungen & Hinweise zu diesen Mitwelt-Seiten

  • 1) Die Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "inhalts- und textorientiert". Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleiner werdende Minderheit, die noch in der Lage ist, längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern, Ideologen, vom Krieg bestärkten Ewiggestrigen und Verschwörungstheoretikern. Haben Sie Mut, Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



Sie wollen uns und unsere Arbeit unterstützen?

  • Sie können gerne spenden und unsere Beiträge über Ihre (Un-)Sozialen Netzwerke weiter leiten, aber bitte nicht über X. Wir boykottieren den Oligarchen Elon Musk, seine Produkte und Dienstleistungen.
  • Links von Ihrer Homepage auf unsere Seiten wären eine große kostenlose Unterstützung.
  • Hier geht's zu unseren Newslettern.