Billiger Atomstrom, neue kleine Mini-AKW & andere Fake-News
Veröffentlicht am 28.01.2025 von Axel Mayer
Billiger Atomstrom, neue kleine Mini-AKW & andere Fake-News von BILD, CDU, CSU, FDP & AfD / Billiger französischer Atomstrom und neue, kleine AKW? / Was kostet Strom aus neuen AKW?
(Auszüge aus einem lesenswerten Bericht im eher konservativen Focus) Frankreichs Milliarden-AKW-Fiasko Auszüge: Ende Dezember ging Frankreichs modernstes Kernkraftwerk ans Netz – mit zwölf Jahren Verspätung. Nun stellt der französische Rechnungshof dem Projekt ein katastrophales Zeugnis aus. Der französische Rechnungshof hat nach der Inbetriebnahme des dritten Reaktors am Kernkraftwerk Flamanville einen Bericht veröffentlicht , der dem Projekt allenfalls eine „mittelmäßige Rentabilität“ bescheinigt. Aufgrund „neuer Dynamiken“ und der „Anhäufung von Risiken und Zwängen“ fordern die Kontrolleure einen sofortigen Stopp aller Kernkraft-Ausbaupläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Kosten für Atomreaktor haben sich versiebenfacht Der französische Energiekonzern EDF, der unter staatlicher Kontrolle steht, hatte im Jahr 2007 mit dem Bau des Reaktors begonnen. Ursprünglich sah der Plan vor, dass er 2012 ans Netz gehen sollte. EDF veranschlagte damals Kosten von rund 3,3 Milliarden Euro. Der nun veröffentlichte Bericht beziffert die Gesamtkosten des Baus auf 23,7 Milliarden Euro, mehr als das Siebenfache des ursprünglichen Budgets. Unter den dramatisch gestiegenen Kosten leidet auch die Rentabilität des Reaktors. Selbst im wohlwollendsten Szenario der Rechnungsprüfer müsste die EDF den Strom aus Flamanville 3 für über zwölf Cent pro Kilowattstunde verkaufen, um über die 60 Jahre Laufzeit hinweg einen Profit von vier Prozent zu erwirtschaften. In den laut Bericht wahrscheinlicheren Auslastungsszenarien läge der Preis sogar bei knapp 14 Cent. Zum Vergleich: Der Industrie-Abnahmepreis für Großverbraucher in Frankreich liegt derzeit bei 4,2 Cent pro Kilowattstunde. (...) Erneuerbare sind erheblich günstiger als Atomstrom Wind, Solar und Co. haben bereits 2024 rund 60 Prozent des deutschen Stroms erzeugt – Tendenz jährlich steigend. Außerdem ist Strom aus Erneuerbaren deutlich günstiger als Atomstrom. Während Solar- und Windenergie im großen Maßstab produziert dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme zufolge schon für zwischen 4,1 und 10,3 Cent erzeugt werden können, kostet Kernenergie aus neuen Atomkraftwerken unter Einbeziehung von Abbruch-, Entsorgungs- und weiterer Kosten zwischen 13,6 und 49 Cent pro Kilowattstunde. Vollständiger Text im Focus
Mini-AKW? Teure Pleiten, Pech und Pannen
In vielen Medien wurde und wird geradezu euphorisch über die zukünftigen, „kleinen, kostengünstigen, grünen“ Mini-Atomkraftwerke berichtet. Mit dem gezielt aufgebauten Mythos vom atommüllfressenden kleinen Atomkraftwerk & Thorium Reaktor wird von Lobbyisten weltweit die umweltfreundliche Energiewende bekämpft. Während wir ständig in irgendeiner Zeitung lesen, dass den Klein-Atomkraftwerken die Zukunft gehört, sieht die ökonomische Realität ein wenig anders aus.
Auch der französische Atomkonzern EDF stoppte jetzt die Entwicklung eigener kleiner Atomkraftwerke wegen nicht marktfähiger Kosten und wegen technischen Schwierigkeiten. Eigentlich wollte die EDF-Tochter Nuward ein eigenes, neues Mini-Reaktorkonzept entwickeln und hatte für diese Forschung auch schon viele Millionen Euro investiert. Frankreich dufte die Entwicklung von Mini-AKW Nuward mit 300 Millionen Euro fördern. Doch potenziellen Kunden wie Vattenfall (Schweden), ČEZ (Tschechische Republik) und Fortum (Finnland) waren von der AKW-Neuentwicklung, ihrem hohen Preis und der Technik nicht zu überzeugen. Stromgestehungskosten im Bereich von 70 bis 100 Euro pro Megawattstunde waren mit der neuen Risiko-Technik einfach nicht zu erzielen.
Auch in Idaho/USA sollten Small Modular Reactors entstehen. Dieses Projekt scheiterte im Jahr 2023 ebenfalls an den Kosten. Strom aus neuen, kleinen AKW ist auf funktionierenden Märkten nicht konkurrenzfähig.
"Solarstrom (PV) ist inzwischen weltweit fast überall am günstigsten: In der Wüste von Saudi-Arabien wird er für nur einen US-Cent pro Kilowattstunde (kWh) erzeugt, in Portugal für 1,4 US-Cent pro kWh. Laut US-Investmentbank Lazard sanken die solaren Erzeugungskosten zwischen 2009 und 2020 um 90 Prozent." Das ist ein Bruchteil der Kosten des Stroms aus den gefährlichen, teuren, neuen Mini-AKW und Strom aus Wind und Sonne wird immer billiger.
Dazu kommen noch die ungeheuren Risiken neuer, kleiner Atomkraftwerke. Der Export und weltweite Bau von Kleinstreaktoren würde dazu führen, dass immer mehr Länder, Diktaturen und Autokraten in den Besitz von Atomkraftwaffen gelangen und wäre ein globales Selbstmordprogramm. Es wäre wünschenswert, dass unsere Qualitätsmedien endlich auch über die teuren Pleiten, Pech und Pannen und über die Risiken der hochgepriesenen Mini-AKW berichten würden.