Taubergießen 2019: Bedrohtes Naturschutzgebiet - Schöne bedrohte Natur in den Rheinauen (Orchideen, Wandern, Radfahren, Bootfahren, Seilbahn)


Taubergießen 2019: Bedrohtes Naturschutzgebiet - Schöne bedrohte Natur in den Rheinauen (Wandern, Radfahren, Bootfahren)

Es gibt sie noch,
Wildkatze, Eisvogel, Pirol, Graureiher und Kormoran, Grasfrosch und Gelbbauchunke, Ringelnatter und Prachtlibelle. Altrheinarme mit kristallklaren, von Quellen gespeisten Giesßen. Mächtige Bäume mit Lianengirlanden. Alte, hölzerne Fischerkähne, unter Weidengalerien. Wunderschöne Auewälder mit großen Orchideenwiesen.
Dschungel... nicht im weit entfernten Amazonien sondern hier am Oberrhein, Urwald, Rheinwalddschungel. Erinnerungen an lang verlorene große Wälder und Landschaften, die einst überall entlang des Rheines vorzufinden waren und manches Hochwasser zurückhalten konnten. Natur, Naturreste, Naturfragmente.

Die Restauen am Oberrhein sind ein bedrohtes, fast verlorenes Paradies ...
denn von den ursprünglich vorhandenen Auewäldern am Oberrhein sind nur noch 2% in naturnahem Zustand übriggeblieben. Hier, vor unserer Tür, hat über zwei Jahrhunderte hinweg ein Zivilisations- und Zerstörungsprozess stattgefunden, wie wir ihn im Moment in den Wäldern Amazoniens beobachten und beklagen.

Der Taubergießen ist ein wunderschönes Auen-, Orchideenwiesen- und Naturschutzgebiet
am südlichen Oberrhein. Er ist ein Teil der winzigen, nach dem Rheinausbau verbliebenen, naturnahen Restaue. Bis zu den neuen wasserbaulichen Maßnahmen ab der Jahrtausendwende war es das letzte Teilstück, in dem nahezu der gesamte Auenwald noch oberirdisch von Hochwasser erreicht und überflutet werden konnte. Das Taubergießengebiet wurde 1979 zum Naturschutzgebiet erklärt und ist mit 1.697 Hektar eines der größten Schutzgebiete in Baden-Württemberg. Es hat eine Nord-Südausdehnung von mehr als 12 km. Die größte Breite beträgt etwa 2,5 km.

Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei unterschiedlichen Landschaftstypen:
Auf der Rheinseite hinter dem Hochwasserdamm liegt der Überflutungsbereich des Rheins mit seinen Altwassern und den urwaldähnlichen Auenwäldern aus Eichen, Ulmen, Silberweiden und Silberpappeln und östlich davon eine liebliche Wiesen- , Hecken- und Wasserlandschaft, deren Flußläufe jedoch keine Verbindung mehr zum Rhein haben, was diesem gesamten Gebiet auch den Namen gegeben hat: "Tauber Gießen".
"Gießen" sind von Grundwasser gespeiste Fließgewässer, die für das Schutzgebiet charakteristisch sind. Mit den Altarmen des Rheins und der überfluteten Innenrheinmündung bilden sie einen vielfältigen, vom Wasser geprägten Lebensraum, der zahlreiche gefährdete Arten beheimatet. Die Verlandungszonen und schwer zugänglichen Auwälder sind von überregionaler Bedeutung, vor allem für rastende und überwinternde Wasser- und Watvögel. Auf den eher trockenen Bereichen der Hochwasserdämme finden sich Magerrasen mit den charakteristischen Tier- und Pflanzengesellschaften.

Ungefähr zwei Drittel des Taubergießen besteht heute aus geschlossenen Waldbeständen, während ein Drittel Gewässer und Wiesen sind. Bis vor ca. 160 Jahren gab es noch die alte, ursprüngliche Wildstromlandschaft, die mit jedem Hochwasser ihr Gesicht veränderte. Gewässerläufe die nach jedem Hochwasser ihren Lauf veränderten, zahllose Inseln, Sand- und Kiesbänke, Gebüsch und Niederwald. In Deutschland und Europa wurden fast überall die Flußlandschaften dem "Fortschritt" geopfert.

Naturschutzgebiet Taubergießen: Bedrohte Natur




Der Konflikt um das Naturverständnis wird in einem sehr ablehnenden Beitrag einer Lokalzeitung zu den Hochwasserfolgen deutlich:
"Die Kraft des Wassers war enorm: An vielen Stellen wurde die Bodenschicht bis auf den Kies abgeschwemmt und das Wurzelwerk der Bäume freigelegt. Im "Hausgrund" stürzten deshalb sogar zwei große Bäume um." (Zitatende) Umgestürzte Bäume, freigeschwemmte Kiesinseln..., genau das ist Dynamik die ein Naturschutzgebiet in einem Auewald benötigt.


Es gibt ein unauflösbares Dilemma zwischen der Notwendigkeit die bedrohten Arten zu schützen
und dem Wunsch Menschen an die Natur heranzuführen. Je mehr der Siedlungsdruck und die Verscheußlichung am Oberrhein zunimmt, desto mehr Menschen drängen verständlicherweise in die bedrohte Restnatur und in die letzten Naturschutzgebiete. Von den ursprünglich vorhandenen Auewäldern am Oberrhein sind nur noch winzige Relikte in naturnahem Zustand vorhanden, die meisten davon im bedrohten Taubergießen. Umso wichtiger ist es, größere Naturflächen zu schützen, zu erhalten und neu zu schaffen. Das Integrierte Rheinprogramm IRP zum Hochwasser- und Naturschutz und der Nationalpark Nordschwarzwald könnten endlich ein wenig mehr Natur in unser auf- und ausgeräumtes Baden-Württemberg bringen. Dammrückverlegungen an Dreisam, Glotter, Elz, Leopoldskanal, Kinzig und Wiese brächten mehr Natur und Lebensqualität vor unserer Haustür und mehr Hochwasserschutz für die Menschen, die rheinabwärts wohnen, für die wir "Oberlieger" auch Verantwortung tragen.

Wie wünschen den Besucherinnen und Besuchern des Taubergießen viel Freude, Natur und Naturerleben. Auch um aus diesem Naturerleben Kraft zu schöpfen sich für mehr Natur und Naturschutz (nicht nur) am Oberrhein einzusetzen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Taubergießen: Praktische Tipps:


Besuch und Anfahrt
Der Taubergießen ist als Ausflugsziel leider nur indirekt mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Ein zentraler Anlaufpunkt ist das ausgeschilderte, ehemalige Zollhaus bei Kappel an der L 103. Es liegt am Rheinufer nahe dem Schiffsanleger zur kostenlosen Rheinfähre nach Rhinau. Es ist zugleich eine Informationsstelle für das Naturschutzgebiet mit einem angegliederten Parkplatz. Weitere Zugangspunkte mit Parkmöglichkeiten sind die Saukopfbrücke, Zuckerbrücke und im Süden die Fischtreppe.

Wandern und Radfahren


Bootsfahrten
Bootfahrten sind nur auf einer von 8 bis 20 Uhr freigegebenen Strecke von Süden nach Norden möglich (Länge ca. 15 km, auch in Teilabschnitten). Der Großteil der Gewässer ist jedoch ganzjährig für Wasserfahrzeuge jeder Art gesperrt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit das Gebiet in traditionellen Fischerbooten unter fachkundiger Führung zu entdecken.

Quelle für die praktischen Tipps: Wikipedia


Ein Naturschutzgebiet, ist ein Naturschutzgebiet, ist ein Naturschutzgebiet...
Mit und in einem Naturschutzgebiet lässt sich auch Geld verdienen, durch Jagdpachten, Kahnfahrten, organisierte Bootsfahrten und auch Jäger und Fischer haben nicht nur naturschützerische Interessen. Wenn ein Naturschutzgebiet, ein Auewald der Überflutungen braucht, endlich wieder an die Flußdynamik angeschlossen ist, dann kommt die Gelddruckmaschine Taubergießen manchmal ins stottern. Und das führt dann immer wieder zu solchen Zeitungsartikeln im Lokalteil der Badischen Zeitung, wo zum Teil mit vorgeschobenen Naturschutzargumenten ökonomische Interessen verschleiert werden. Die organisierten Kahnfahrten im Taubergießen bringen Menschen näher an die Natur heran und sind darum wichtig. Und doch gehört es auch zur Natur, dass wegen Überflutungen einmal eine Tour ausfallen kann und muss. Diese Überflutungen "stören das Geschäft", sind aber für den Fortbestand der Natur (und damit der Geschäftsgrundlage) unerlässlich.






Infosammlung 2019: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein












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Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben 2019


Aktueller Einschub:
Eine Studie des DLR aus dem Jahr 2019 besagt, dass pro Jahr ca. 1.200 Tonnen Insektenbiomasse in Deutschland an Windrotoren verloren gehen und die Kohle- Atom- und Agrarchemielobbyisten (Die Welt!) greifen das Thema begierig auf. Das ist lesenswert und doch gemessen an den Hauptursachen des Insektensterbens tatsächlich nur ein Rand- und Nischenthema. Alleine in deutschen Wäldern fressen Vögel 400.000 Tonnen Insektenbiomasse im Jahr! Das Ganze erinnert an die gelenkte Debatte um zu den jährlich ca.100.000 von Windrädern getöteten Vögeln, die verhindern soll, dass über die 18 Millionen Vögel diskutiert wird, die in Deutschland an Glasscheiben sterben. Strom aus Kohlekraftwerken und neuen AKW ist nicht nur gefährlich, sondern auch auch viel teurer als Strom aus Windenergie. Gerade darum bekämpfen die Lobbyisten die erneuerbaren Energien mit gezielt vorgeschobenen Scheinargumenten. Während die Medien über dieses absolute Nischenthema berichten erlaubt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner neue insektenmordende Agrargifte.


Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben

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Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer








Mitwelt-Warnungen 2019 & Hinweise zu diesen Seiten...



Axel Mayer

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



Wichtiges zum Schluss: Klima-Streik am 20. September 2019 / Global, bundesweit & regional!


Auch diese Mitwelt-Seite unterstützt Fridays for Future und ruft auf zum globalen Klima Streik am 20. September 2019
(der noch eine Illusion ist und organisiert werden muss und der nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)

Mehr Infos: Klima Streik am 20. September