1) Erfolge für Mensch, Natur und Umwelt: Von frühen Kämpfen und aktuellen Konflikten


1) Erfolge für Mensch, Natur und Umwelt: Von frühen Kämpfen und aktuellen Konflikten


Die globale und regionale Umweltbewegung kann auf viele große Erfolge zurückblicken

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Umwelt massiv belastet und teilweise sogar vergiftet. Die Atemluft war vielerorts extrem verschmutzt, Kinder litten an Pseudokrupp, der saure Regen fraß Kulturdenkmäler und Wälder. Bäche und Flüsse, in denen heute wieder gebadet wird, waren stinkende Kloaken. Die Schweiz "entsorgte" ihren Atommüll im Meer und am Oberrhein wurden Baggerseen mit hochgiftigem Industriemüll gefüllt. Der Einsatz von FCKW zerstörte die überlebenswichtige Ozonschicht. Der hemmungslose, ungestrafte Einsatz von Asbest führte weltweit zu Millionen Krebserkrankungen, zu Leid und Tod und der Einsatz des Insektizids DDT brachte nicht nur Greifvögel an den Rand der Ausrottung. Tschernobyl, Fukushima und Atommüll, der eine Million Jahre strahlt, bestätigten die Kritik von Umweltaktiven.

Die weltweite und regionale Umweltbewegung haben in unendlich vielen Kämpfen und Konflikten viele dieser alten Gefahren beseitigt oder verringert.
Heute sind wir mit neuen Gefährdungen konfrontiert. Der zerstörerische Traum vom unendlichen Wachstum im begrenzten System Erde gefährdet mit Klimawandel, Atommüllproduktion, Artensterben und Atomwaffen Mensch, Natur und Umwelt.
Und wieder werden wir uns engagieren, um Fortschritt menschengerecht zu gestalten.
Axel Mayer



Bleiwerk Marckolsheim und die langen Kämpfe für Luftreinhaltung
Am 20. September 1974 wurde derBauplatz im elsässischen Marckolsheim von Umweltschützern aus Baden und dem Elsass besetzt und nach indianischem Vorbild ein hölzernes Rundhaus, das erste „Freundschaftshaus“ am Rhein, errichtet. Mit dieser ersten Bauplatzbesetzung wurde ein extrem umweltvergiftendes Bleichemiewerk verhindert und der Traum von einem Europa der Menschen wurde realisiert.
Nach Marckolsheim kamen in den 80er Jahren die heftigen Proteste und Aktionen gegen das Waldsterben. Unser Protest führte zu einer massiven Verbesserung der Luftqualität und zu einer Zunahme des Umweltbewusstseins. Gesetze wurden auf Druck der Umweltbewegung und gegen die Lobbyisten verschärft, der PKW-Katalysator eingeführt, verbleites Benzin verboten, Kraftwerke und Industrieanlagen wurden entstickt und entschwefelt. Alleine in Baden-Württemberg konnten die Schwefel-Emissionen von 334.200 Tonnen 1973 auf 58.800 Tonnen 1995 reduziert werden, was einem Rückgang um über 80 % entspricht.
Auch aus diesen frühen Konflikten heraus entwickelte sich die heutige Bewegung für den globalen Klimaschutz.


Kein AKW in Wyhl und Anderswo
Am 18. Februar 1975 wurde im Wyhler Wald Geschichte geschrieben. Es war der Tag des Baubeginns für die geplanten AKW. Männer und Frauen stellten sich mit ihren Kindern vor die Baumaschinen und brachten diese zum Stillstand, um ihre bedrohte Heimat zu schützen. Das AKW Wyhl wurde verhindert und der Niedergang der Nutzung der gefährlichen Atomenergie begann. Auch in Kaiseraugst in der Schweiz und in Gerstheim im Elsass verhinderten Bauplatzbesetzungen den Bau von Atomkraftwerken.
Heute sind Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke die gefährlichsten Formen der Energieerzeugung. Kohlekraftwerke gefährden das Klima und Atommüll muss eine Million Jahre sicher gelagert werden. Der Export von AKW gefährdet durch Atomkraftwaffen den Weltfrieden. AKW sind auch die teuerste Form, Strom zu erzeugen. Strom aus Wind und Sonne ist wesentlich kostengünstiger als Atomstrom. Aber immer noch sind die alten atomaren Seilschaften aktiv, die nach Tschernobyl und Fukushima nur ein wenig in Deckung gegangen waren.




Der Erfolg hat immer viele Väter und Mütter und der Großteil der Erfolge lässt sich nicht einer Person oder einem Verband alleine zuschreiben. So waren die frühen Erfolge: die Verhinderung des Bleichemiewerks in Marckolsheim und der AKW in Wyhl, Gerstheim und Kaisersaugst das Werk der grenzüberschreitenden Umweltbewegung am Oberrhein. Der BUND war nur eine von vielen Initiativen. Der Konflikt um die Usine Kaysersberg, der letzten großen Papierfabrik am Rhein ohne Kläranlage, wurde vom BUND Regionalverband alleine getragen. Und da sind auch die stillen Erfolge, da ist immer auch jeder Frosch und jede Kröte, die von Umweltaktiven im nächtlichen Einsatz über die Straße getragen wurde. Und so steht am Beginn der Auflistung auch der große Dank an alle Aktiven, die sich für Mensch, Natur, Frieden, Gerechtigkeit und Umwelt engagiert haben.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




Und hier noch ein Beispiel für eine (von vielen) Niederlagen



Asbest Gefahr 2019: Krankheit Tod & Propaganda (Klimawandel, FCKW, DDT, Rauchen, Atomkraft...)



Eine der schrecklichsten Niederlagen der Umweltbewegung ist die Asbest-Geschichte. Schon um das Jahr 1900 wurde die Asbestose als Krankheit entdeckt und 1943 wurde Lungenkrebs als Folge von Asbestbelastungen als Berufskrankheit anerkannt. Doch erst 1995 wurde in Deutschland die Herstellung und Verwendung von Asbest generell verboten wurden und erst seit dem Jahr 2005 gibt ein EU-weites Verbot.

Auch im Jahr 2019 gibt es in Deutschland noch mehr Todesfälle durch Asbest-Belastungen als tödliche Arbeitsunfälle.
"In Deutschland sind an Asbestose und asbestbedingtem Krebs bisher vor allem Arbeiter gestorben, die früher mit dem Werkstoff zu tun hatten, allein seit 1990 etwa 30.000 Menschen. Weltweit ist Asbest jedes Jahr für mindestens 100.000 Tote verantwortlich. Hinzu kommen noch weitaus mehr Erkrankungen an Asbestose, die nicht tödlich enden, aber auch nicht geheilt werden können." sagt der Deutschlandfunk.

Über Jahrzehnte waren die Gefahren von Asbest und Asbestose bekannt und dennoch gelang es der Industrie, Lobbyisten und bezahlten Mietmäulern die Gefahren herunter zu spielen, zu verharmlosen und ein Verbot zu verhindern. Es ist Zeit zu sagen, dass diese Industriellen, Lobbyisten und bezahlten Mietmäulern Mörder waren!

Es ist tief erschrecken und widerspricht dem bürgerlichen Rechtsempfinden, dass die Täter und Täterinnen nie angemessen bestraft wurden.

Nicht nur Asbest
Asbest ist kein Gesundheitsproblem, Rauchen verursacht keinen Lungenkrebs, es gibt kein Insektensterben, FCKWs haben nichts mit dem Ozonloch zu tun, schwere Atomunfälle sind undenkbar, Atomtests sind ungefährlich, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel...

Seit Jahrzehnten gab und gibt es weltweit industriegelenkte Debatten und Schein-Bürgerinitiativen, manipulierte Untersuchungen, Angriffe auf kritische WissenschaftlerInnen und Umweltverbände, um die Gefahren von Asbest, und Klimawandel herunterzuspielen. Hunderttausende von Menschen sind auch aufgrund von organisierten und nie bestraften Propagandaverbrechen der Asbest-Industrie und ihrer PR-Abteilungen gestorben und die Lügenkampagnen von Big-Oil und Big-Coal zum Klimawandel werden Millionen von Opfern fordern. Die Täter wurden nie bestraft und diese Kampagnen waren und sind ein blinder Fleck der Medien-Berichterstattung.

Jahrzehntelang haben Konzerne, amerikanische Milliardäre, neoliberale Think Tanks und auch die Asbest- Kohle- Atom- und Autolobby solche Desinformationskampagnen organisiert, finanziert und z. B. politisches Handeln gegen den Klimawandel verzögert und verhindert. Mit vergleichbaren Kampagnen werden auch die regenerativen Energien und die Energiewende in Deutschland bekämpft.

Eine ähnlich gut organisierte Desinfomationskampagne läuft aktuell in Deutschland: In einer gut geplanten PR-Kampagne greift eine kleine Minderheit der Lungenärzte die aktuellen Grenzwerte zu Feinstaub und Stickoxiden an. Das so genannte Positionspapier wurde von den Lungenärzten Dieter Köhler und Martin Hetzel gemeinsam mit Matthias Klingner vom Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktuursysteme und Thomas Koch, Karlsruher Institut für Technologie verfasst. Thomas Koch war zuvor 10 Jahre lang bei der Daimler AG. (Quelle Lobby Control) Das Papier wurde nach Medienberichten bereits Anfang Januar 2019 an 3800 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) verschickt - aber nur 112 haben es nach aktuellem Stand unterschrieben, also weniger als 3 Prozent der angefragten Lungenexperten. Mitunterzeichner des Papiers sind die co- Autoren Köhlers selbst, bleiben also nach Bereinigung um die Autoren selbst nur noch 109 Unterzeichner.
Die Unterstützer dieser Kampagne sind u.a. die Bild-Zeitung, die Welt, rechte und neoliberale Netzwerke, AfD, CDU, CSU und FDP und CSU-Verkehrsminister Scheuer zeigt sich wieder einmal als Autolobbyist. Die Methoden erinnern an die schrecklich erfolgreichen Kampagnen der industriegelenkten Klimawandelleugner in den USA. Die gezielt gestreute Meinung einer kleinen Gruppe der Lungenärzte wird geschickt genutzt, um Zweifel an etablierten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu erzeugen. In´s rückwärtsgewandte Bild passen auch die peinlichen Pro-Diesel-Demos der Auto-Lobbyisten.

Doch nirgends war der Ursache-Wirkungszusammenhang so deutlich wie bei den Asbest-Verbrechen. Wenn wir aus dieser schrecklichen Geschichte nichts lernen, wird sich die Katastrophe an anderen Stellen wiederholen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Vizepräsident TRAS, Kreisrat


"Die Gerechtigkeit (und das Recht) sind wie ein Spinnennetz
– die Kleinen hält es fest –
die Großen zerreißen es einfach"


Nach einem alten lateinischen Zitat


Hier finden Sie einen umfassenden Überblick über die regionale Umweltgeschichte

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