Keine neuen AKW nach Fessenheim!


Veröffentlicht am 04.11.2021


Keine neuen AKW nach Fessenheim!


Das altersschwache AKW Fessenheim wurde nach langen Kämpfen am 29.6.2020 endlich abgeschaltet.

Doch einen offiziellen Verzicht auf den Kraftwerksstandort Fessenheim am Rhein hat es nie gegeben. Eine zukünftige, rechtsradikale, französische Regierung könnte den Standort jederzeit wieder aus der Schublade holen. Auch der wirtschaftsliberale Präsident Macron setzt auf die vermeintliche "Wunderwaffe" Atomkraft
im verloren gehenden Krieg gegen Mensch, Klima, Umwelt und Natur.

Der (Kühl-)Standort am Rhein im Osten Frankreichs spräche aus Sicht der Betreiber für ein AKW in Fessenheim. Die Gefahren neuer Atomreaktoren, die enormen Kosten und der zu erwartende massive trinationale Protest an diesem Standort sprechen gegen ihn. Wer eine Hochrisikotechnologie politisch durchsetzen will und (nicht nur) aus Wyhl gelernt hat, baut nicht in einer Protestregion.

Der einzige Europäische Druckwasserreaktor (EPR), der aktuell in Frankreich überhaupt gebaut wird, geht frühestens 2023 ans Netz - mit elf Jahren Verspätung und nahezu viermal so teuer wie geplant. Die Geschichte der französischen Atomkraft ist keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Geschichte von Schulden, Pleiten, Pech und Pannen. Das sagt nicht nur die Umweltbewegung, sondern auch der Aktienkurs der EDF. Die Schulden der französischen Atomwirtschaft drohen den Staat in den finanziellen Ruin zu treiben.

Die internationale Atomlobby war nach den vielen Opfern der "zivilen" Nutzung der Atomkraft, nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie nicht. In Frankreich ist das "atomare Dorf", die alten mächtigen Seilschaften aus Konzernen, Lobbyisten, Technokraten und Atomparteien sehr lebendig und eng mit der Atomstreitmacht verbunden. Es werden weltweit zwar viele alten AKWs stillgelegt, doch in Diktaturen, Halbdiktaturen und in Ländern, in denen der Markt nicht funktioniert, werden immer noch AKW gebaut.

Der Europäische Druckwasserreaktor EPR und kleine Thorium-Reaktoren bringen neue Gefahren. Mit dem vorgeschobenen Klimaschutz-Argument werden gefährliche neue Atomkraftwerke grüngewaschen. Warum setzen Technokraten auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie wie den Thorium Reaktor, wo es doch kostengünstige, umweltfreundliche Alternativen gibt, aus denen sich keine Atombomben bauen lassen? Häufig bekämpfen die gut organisierten Verfechter des "weiter so" aggressiv die umweltfreundlichen, zukunftsfähigen Alternativen.

Eine rechtsradikale französische Regierung wäre aus Liebe am Streit mit Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit den Bau eines neuen AKWs in Fessenheim. Ein neoliberaler Präsident wie Herr Macron sollte zumindest rechnen können...

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Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein