
PEAK-OIL: Energievorräte & Energiereserven: Benzin & Benzinpreis
Benzinpreis & Ölpreis werden explodieren
Der Ölpreis ist nach dem krisenbedingten, kurzen Einbruch auf dem Höhenflug
Aktuell 29.1.2012:
Die Regierung des Iran verstärkt ihre Drohungen gegen den Westen. Ein Öllieferstopp des Landes würde den Preis des Rohstoffs auf bis zu 150 Dollar pro Barrel treiben. Das wäre ein Anstieg von 50 Prozent.
Roland Berger-Analyse: Ölpreis könnte 2012 um 15% steigen (Prognose ohne Einbeziehung der Folgen eine Iran-Krieges)
Prognosen von Saudi Arabien, Russland und Mexiko gehen davon aus, dass der Rohölpreis 2012 durchschnittlich rund 111 Dollar pro Barrel betragen wird. Gegenüber 2011 entspricht dieser Wert einer Preissteigerung von rund 15 Prozent. 2011 lag die Ölpreissteigerung bei 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Schätzungen von Mexiko, Saudi-Arabien und Russland sind seit 1999 die zuverlässigsten Prognosen für die Ölpreisentwicklung
Seit dem Tiefststand von 34 Dollar pro Barrel im ersten Quartal 2009 ist der Ölpreis immer weiter gestiegen. Laut Prognosen der drei Ölexporteure Saudi-Arabien, Russland und Mexiko - deren Vorhersagen in der Vergangenheit sehr treffsicher waren - wird dieser Trend auch 2012 anhalten. Sie gehen für dieses Jahr von einem durchschnittlichen Preis von rund 111 Dollar pro Barrel Rohöl aus, was einer Steigerung von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das ist das Ergebnis der Analyse "What best performing forecasters think" von Roland Berger Strategy Consultants, die bereits zum fünften Mal durchgeführt wurde.
Schon im Jahr 2011
steuert der Benzinpreis auf einen Rekord zu: Steigen die Spritpreise weiter, werden Autofahrer 2011 so viel für eine Tankfüllung zahlen müssen wie noch nie. Ein Liter Super kostete Anfang Mai 2011 teilweise mehr als 1,60 Euro. An einzelnen Tankstellen in Berlin hatten Autofahrer bis zu 1,66 Euro für einen Liter Superbenzin bezahlen müssen. Der Benzinpreis hatte an Ostern 2011 seinen bisherigen Höchststand aus dem Sommer 2008 übertroffen. Ursache dieser Preisentwicklung ist nicht nur die Libyenkrise sondern auch die Habgier der großen Ölkonzerne und Spekulanten und eine weltweite neoliberale Politik, die diese Habgier nicht stoppt sondern fördert. Langfristig aber sind Preis von bis zu 5 Euro für den Liter absehbar.
Der Ölkonzern BP, dessen gesunkene Ölplattform im Frühling 2010 den Golf von Mexiko verseuchte,
hatte laut TAZ noch in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 einen Nettoprofit von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Ölkatastrophe wird massive Auswirkungen auf die Öl- und Benzinpreise haben. „Die Kosten werden definitiv ansteigen“, sagte der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Nobuo Tanaka.
Die Verteuerung von Öl und Benzin werde aus zwei Gründen geschehen: Durch höhere Sicherheitsstandards bei Tiefseebohrungen und durch höhere Versicherungsprämien, warnte Tanaka in der Süddeutschen Zeitung. Noch weiter ging der Chefvolkswirt der Energieagentur, Fatih Birol: „Die Ära des billigen Öls geht zu Ende.“
Schon früher hatte die IEA
befürchtet, dass sich der Ölpreis in den nächsten Jahren verdreifachen könnte. Hinzu kommt, dass nach den Berechnungen des Ludwig-Bölkow-Instituts schon 2009 weltweit der Höhepunkt der Ölförderung erreicht war und jetzt kontinuierlich zurückgehe während gleichzeitig die Nachfrage steige.
"Wenn in China im Jahr 2030 auf 3 Menschen 4 Autos kämen wie heute bei uns, wären das 1,1 Milliarden Autos. Die gesamte Weltflotte liegt derzeit bei 800 Millionen. China würde dann täglich 99 Millionen Barrel Öl verbrauchen. Heute liegt die Weltproduktion bei 84 Millionen täglich. Und das lässt sich nicht wesentlich steigern. China zeigt uns eines ganz deutlich: Das westliche Modell einer ölabhängigen, autozentrierten Wegwerfgesellschaft funktioniert dort nicht. Und es funktioniert nicht für Indien, wo bald vielleicht sogar noch mehr Menschen leben und nicht für die 3 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern, die ebenfalls den amerikanischen Traum träumen." Lester Brown, US-Amerikaner und Präsident des Earth Policy Institute in der Arte-Doku "Die demografische Zeitbombe - 2030", ausgestrahlt am 27.03.2007
Noch treibt insbesondere die unkontrollierte Habgier der Öl-Konzerne den Benzinpreis
Doch langfristig wird insbesondere das knapper werdende Öl die Preise explodieren lassen
Die Fachzeitschrift Politische Ökologie schreibt:
"Bei den Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale Agentur des OECD (International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:
- ein Ende des Erdöls um 2035,
- von Erdgas vermutlich vor 2040,
- Kohle reicht bis maximal 2100. Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass sie die anderen Energieträger ersetzen muss und gleichzeitig zu einem gesteigerten CO2- Ausstoß führt.
- Uran reicht bei der heutigen Förderung nur bis 2040.
- Schon 2010 produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des Öls. Das verschafft diesen, teilweise politisch instabilen Ländern eine bedeutende Machtposition - nicht nur über die Preise. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus, das Deutschland im Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland importieren wird." Zitatende
Quelle: Zeitschrift "Politische Ökologie
Peak Oil - Das absehbare Ende des billigen Erdöls
Viele Experten aus der Ölindustrie gehen davon aus, dass die Erdölproduktion um das Jahr 2009 die Produktionsspitze erreicht hat und danach jedes Jahr abnimmt. Der Streit, ob der Peak Oil 5 Jahre früher oder später eintritt, ändert nichts an der Tatsache des schnellen, absehbaren Auslaufens der Erdölproduktion. Gleichzeitig wächst die globale Energieverschwendung durch den Export unseres Raubbausystems nach Indien und China. Peak Oil bedeutet: Der Höhepunkt der Erdöl-Förderung ist erreicht. Die Ölkonzerne schaffen es nicht, die Erdöl-Förderung weiterhin zu steigern.
Ein plötzliches, abruptes Ende der Förderung von Gas, Öl, Uran und Kohle
ist dennoch nicht zu erwarten, eher ein langsames Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserhöhung und damit verbundenen sozialen Verwerfungen. Doch das unlösbare Grundproblem der nicht regenerativen Energiequellen wie Uran, Gas, Öl und Kohle sind die Probleme eines unbegrenzten, globalen Wachstums und der damit verbunden ständig steigenden Nachfrage nach Energie.
"Entscheidend für die Ölproduktion ist nicht,
wie viel unter der Erde liegt . Diese Zahlen sehen gar nicht so schlecht aus. Das Problem entsteht, wenn große Ölfelder, beispielsweise Prudhoe Bay in Alaska oder Felder in der Nordsee, den Höhepunkt ihrer förderbaren Kapazität überschreiten. Der Produktionsverlauf eines Ölfeldes gleicht der Form einer Glocke. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn 50% der Ölreserven gefördert wurden. Zu diesem Zeitpunkt scheinen die Reserven noch üppig zu sein. Aber es ist nicht so rosig, wie es scheint. Die Fördermenge kann auf diesem Niveau wohl einige Zeit gehalten werden, bevor sie abnimmt. Ist der Höhepunkt überschritten, verläuft der Rückgang rapide: Es gibt immer noch genug Öl, aber es wird immer schwieriger, es zu fördern. Je aufwendiger es wird, den Förderdruck aufrechtzuerhalten, um so teurer wird das Öl, bis es ab einem gewissen Punkt unwirtschaftlich wird, das Öl zu fördern." schreiben die Studien für Zeitfragen
Das weltweit knapper werdende Öl
löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie obwohl Uran ebenfalls nur noch wenige Jahrzehnte reichen wird. Jetzt, nach dem vorläufigen Ende der Finanz- und Wirtschaftkskrise steigen die Öl- Diesel- und Benzinpreise wieder massiv.
Wir haben,
so war in der "Financial Times" zu lesen, die erste Hälfte unseres Öls, nämlich 1000 Milliarden Barrel, in 130 Jahren verbraucht, für die zweite Hälfte, die zweiten tausend Milliarden Barrel, werden wir nur dreißig Jahre brauchen. Öl, Gas und Uran sind endlich und die Vorräte in Kürze erschöpft.
Elektroautos sind (noch) keine Alternative
Mit dem derzeitigen Energiemix, den heute vorhandenen PKW-Batteriesystemen und den überschweren Autos sind die Elektroautos (noch) nicht zukunftsfähig und keine Alternative.
Was im Mittelalter Brotaufstände
waren, könnten in wenigen Jahren Benzinaufstände sein und die Armen werden im Winter frieren. Wenn wir nicht schnell auf alternative Energien und Energiesparen setzen und die globale Raubbauwirtschaft beenden, sind massive soziale Verwerfungen und Krisen absehbar.
Axel Mayer, BUND Geschäftsführer
Peak Oil: Wie lange reicht denn das Öl noch?
“Wie lange reicht denn das Öl noch?” Diese Frage wird Erdölgeologen häufig gestellt. Die Antwort auf diese Frage ist ebenso einfach wie verblüffend: Ewig! Doch halt, haben wir da nicht ein Problem, angesichts der hohen Ölpreise, dem Slogan “Weg vom Öl”, der Diskussion um Alternativen? Die Frage muss anders formuliert werden, denn dahinter steckt eine ganz andere Problematik: wie lange noch reicht das billige Öl, das unseren Lebensstandard in den letzten Jahrzehnten so dramatisch erhöht hat, und: für wie viele Menschen wird es reichen? Die Antworten auf diese Fragen von “offizieller” Seite sind ebenfalls ganz einfach: “Vor 40 Jahren hat man geunkt, dass das Öl in 40 Jahren alle ist, und heute haben wir immer noch Reserven für 40 Jahren!“ Ende der Diskussion.
Stimmt das?
Die Antwort ist nicht mehr ganz so einfach. Denn zunächst muss definiert werden, was mit “Ölreserven” gemeint ist. Kompliziert wird es aufgrund der Tatsache, dass es sehr unterschiedliche Arten von Erdöl gibt, die mit Hilfe von Dichte, Viskosität und der Art der Vorkommen unterschieden werden. Öl tritt nicht frei an der Erdoberfläche auf, sondern muss im Untergrund erst mit aufwendigen Methoden gesucht und dann gefördert werden. An manchen Stellen der Erde ist das Öl leicht zu erschliessen, an anderen Stellen nur mit grosser Mühe, beispielsweise in ozeanischen Bereichen. Hinzu kommen die sogenannten “Teersande”, die erst durch aufwendige Prozesse zu Erdöl verarbeitet werden können, ebenso wie die sogenannten “Ölschiefer”, die gar kein Öl enthalten, sondern lediglich eine Vorstufe, das sogenannte Kerogen.
Wenn alle diese Vorkommen
in die Reservenkalkulation mit einbezogen werden, stimmt die Behauptung der “40 Jahre” ohne Zweifel, sie ist sogar pessimistisch. Eine Reservenkalkulation
ist jedoch nur sinnvoll, wenn die Anteile der verschiedenen Ölarten unterschieden werden. Wir brauchen billiges Öl, um Auto fahren zu können, in den Urlaub fliegen zu können, um unsere Häuser zu heizen, und um verschiedene Industrieprozesse kostengünstig ablaufen lassen zu können.
Es liegt auf der Hand,
dass das Öl, bevor es gefördert werden kann, zunächst gefunden werden muss. Der Höhepunkt der Auffindung der Neufunde des billigen, leicht gewinnbaren Öls lag vor 40 Jahren! Seither gehen die Neufunde rasant zurück. Seit 2005 hat die Förderung von Billigöl nicht mehr zugenommen, sie nimmt sogar leicht ab. Geologen bezeichnen das Fördermaximum als “peak oil”, nach der grafischen Darstellung der weltweiten Förderkurve, die einer (ziemlich deformierten) Glockenform entspricht. Dabei ist der aufsteigende Ast der Kurve größtenteils technisch vorgegeben, der absteigende Ast ist physikalisch bestimmt. Denn es dauert eine Weile, bis ein Ölfeld mit einer bestimmten Anzahl Bohrungen optimal erschlossen ist. Danach nimmt die Ölförderung in jedem Feld mehr oder weniger kontinuierlich ab, denn es kann nur das vorhandene Ölvolumen gefördert werden (und auch hiervon nur ein Teil, im Mittel etwa 40%), und je länger die Förderung dauert, umso grösser ist der Anteil von Wasser (oder Gas) der in die Fördersonden strömt. Ein einfaches Phänomen der Massenbilanz, denn was dem Untergrund entnommen wird, muss durch etwas anderes (vor allem Wasser, das in den Gesteinsporen im Überfluss vorhanden ist) ersetzt werden. Weil ziemlich genau bekannt ist, wie viel “billiges“ leicht gewinnbares Öl in der Vergangenheit gefunden wurde, kann auch – mit Fehlern von ein paar Jahren – der entsprechende Zeitpunkt des Fördermaximums bestimmt werden. Ob das im Jahr 2005 war oder erst 2011 oder 2015 sein wird, ist unerheblich.
Die Frage ist also: wie lange reicht das Billigöl?
Dass es damit nicht gut aussieht, wird langsam begriffen. Aber es gibt ja noch die Alternativen, das sogenannte “unkonventionelle Öl” aus den Ozeanen, die Teersande und den Ölschiefer! Alle diese “Alternativen” gehören jedoch nicht in die Kategorie Billigöl. Sie sind schwer zu fördern, die Vorkommen sind relativ klein und liegen in schwer erreichbaren ozeanischen Bereichen, oder sie sind nur langsam und in verschwindend geringen Mengen – bezogen auf die weltweite Gesamtförderung im Prozentbereich – zu synthetisieren, wie beispielsweise das Öl aus Teersanden oder Öl aus “Ölschiefer”, dessen Gewinnung unsinnig ist. Hier wird mehr Energie in die Produktion hineingesteckt, als im gewonnenen Öl enthalten ist.
Die Feststellung “das Öl reicht immer für die kommenden 40 Jahre”
ist also, bezogen auf das Billigöl, Unsinn. Die Aussage beruht auf der unbewiesenen optimistischen Annahme, dass technischer Fortschritt in der Zukunft die Förderung unkonventioneller Vorkommen ebenso einfach macht wie die von Billigöl. Diese Annahme wird eine Illusion bleiben! “Das Öl” wird nie “ausgehen”. Es bleibt jedoch die Frage: für wie viele Menschen wird billige Energie weiterhin verfügbar sein? Bei steigender Weltbevölkerung und abnehmender Billigölförderung ist die Antwort klar.
Peak-Oil und dauerhaftes Wachstum
Bei einer Zunahme der Weltbevölkerung
von heute 6,8 Milliarden auf über 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 wird klar, dass der Energiebedarf nicht mehr durch “billiges” Öl gedeckt werden kann. Energie wird teuer und für einen grossen Teil der Menschheit unbezahlbar sein. Der Zugang zu Energie wird stärker noch als in der Vergangenheit das Verhältnis zwischen
Produzenten- und Verbraucherländern bestimmen. Wenn der “american way of living” tatsächlich nicht verhandelbar ist, wie die Bush-Administration einst verlauten liess, dann war der Irak-Krieg eher der Auftakt als das Ende der Ressourcen-Kriege.
Das Verschwinden des billigen Öls
äussert sich letzten Endes auch in der Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und Agrotreibstoffen, die zu höheren Nahrungsmittelpreisen führt und bereits jetzt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) zu Einschränkungen zwingt. Wenn diese Entwicklung so weitergeht wie bisher, wird zur Stillung unseres Energiehungers kein Strohhalm für andere Lebewesen mehr übrigbleiben. An kaum einem anderen Beispiel lässt sich die grausame Konsequenz dieser verhängnisvollen Aufforderung zeigen: ” Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch Untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht”. Die Bio-Energiegewinnung ist der Schritt in die Kannibalisierung unserer Umwelt.
Ernährung, Energie und Mobilität
sind jedoch nicht die einzigen Angelpunkte, die durch den Verlust billiger Energie ausgehebelt werden. Die Verteilung von Energie innerhalb von Gesellschaften
enthält ein Konfliktpotential, dass kaum abzuschätzen ist, das aber gelegentlich an die Oberfläche der scheinbar funktionierenden Gesellschaften durchschimmert. Wie belastbar die westlichen Demokratien sein werden, wenn Benzingutscheine eingeführt werden und Heizöl dauerhaft kontingentiert wird, muss sich erst noch zeigen.
Diese Überlegungen sind keine Schwarzmalerei. Jeroen van der Veer, Vorstandsvorsitzender von Shell, beschreibt in einer Stellungnahme zur künftigen Energieversorgung, dass wir heute vor der Entscheidung stehen, die unvermeidbaren Änderungen in unserem Energiekonsum über eine geplante Entwicklung (“blueprints”) oder durch einen rücksichtslosen Wettlauf (“scramble”) zu erreichen. Bereits 2015 werde die Versorgung des Marktes mit leicht förderbarem Erdöl und Erdgas nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten. Das Ergebnis des Umstellungsprozesses wird in jedem Fall dasselbe sein: die Welt wird schon bald mit wesentlich weniger fossiler Energie auskommen müssen als heute. Kaum absehbar ist, wie Wirtschafts- und Lebensgewohnheiten schon in naher Zukunft so verändert und optimiert sein sollen, dass das Ende des billigen Öls nicht als ein tiefgreifender Bruch in der Menschheitsgeschichte wahrgenommen werden wird. Die Hoffnung auf Innovation, technischen Fortschritt und die Anpassungsfähigkeit des Menschen wird das grundsätzliche Problem begrenzter Ressourcen nicht lösen, solange die Ursache des Leidens nicht angepackt wird: der Name der Krankheit lautet “exponentielles Wachstum”. Das Versiegen des billigen Öls bietet eine Chance, den tödlichen Verlauf dieser Krankheit zu erkennen. Solange
anderen Lebewesen auf unserem Planeten das Existenzrecht genommen wird zugunsten einer immer weiter wachsenden Weltbevölkerung und solange jeder Erdenbewohner sein Lebensziel in der Anhäufung von immer mehr überwiegend nutzlosen Dingen sieht, wird es keine “Heilung” geben.

Peak Oil und die Folgen
Gibt es also überhaupt keine Alternativen?
Es fällt schwer, sich eine Welt mit Elektroautos vorzustellen, wenn bereits jetzt die Versorgung mit Elektrizität vielerorts an die Grenzen der Kapazität stösst. Blickt man zurück in die Zeit vor der Nutzung fossiler Energien, dann sieht die Energie-Zukunft jedoch möglicherweise gar nicht so schwarz aus. Menschen haben Jahrtausende
ohne Erdöl gelebt und sind auch nicht ursächlich an der Nichtverfügbarkeit von Benzin, Diesel und Kerosin gestorben. Ob dies heute in Zeiten mit dem 10-15-fachen der
biologisch tragfähigen Weltbevölkerung gelten kann, ist freilich zu bezweifeln. Erdöl – so wie wir es heute vorwiegend ver(sch)wenden – ist nicht lebensnotwendig. Die spannende Frage im Zusammenhang mit der künftigen Energieverfügbarkeit lautet: wird es gelingen, das Wachstumsdogma zu überwinden?
Ein Beitrag von Prof. Dr. Wolfgang Blendinger auf der Fachtagung der SES "Energiekrise als Chance" am 17. Sept. 2010 in Zürich
Wir danken der SES für die Abdruckerlaubnis und für die erfreuliche langjährige Zusammenarbeit
Prof. Dr. Wolfgang Blendinger
TU Clausthal, Institut für Geologie & Paläontologie
Leibnizstraße 10
D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Quelle: Tagungsband der
Schweizerischen Energie-Stiftung SES
Sihlquai 67
CH-8005 Zürich
E-Mail: info
energiestiftung.ch
www.energiestiftung.ch